Enthüllungen durch „Paradise Papers“: Apple präsentiert Fakten zu Steuerzahlungen

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Mel 09. November 2017, 18:00 Uhr

In den vergangenen Tagen sorgten die sogenannten "Paradise Papers" für Furore. Apple äußert sich nun zu diesem Thema in einer eigenen Erklärung.

Apple Paradise Papers 1

Die „Paradise Papers“, eine Sammlung von Dokumenten, die Steuerflucht-Tricks von großen Unternehmen (beispielsweise Apple, Sixt und Nike), Prominenten (unter anderem Queen Elizabeth II, Rennfahrer Lewis Hamilton und Bono von U2) sowie weiteren Schwerreichen offen legten, haben für großen Gesprächsbedarf gesorgt. Apple hat sich nun in einem Statement selbst zu den Vorwürfen geäußert und legt Fakten zu eigenen Steuerzahlungen offen.

Wie unter anderem die Süddeutsche Zeitung und das Manager Magazin berichtet, suchte Apple in der Vergangenheit nach einer Steueroase, die bestimmte Kriterien zu erfüllen hatte. „Es sollte ein Land sein, das wenig Transparenz und Steuern verlangt und in dem offenkundig keine Opposition diese Großzügigkeit gegenüber dem iPhone-Hersteller rückgängig machen könnte, wenn sie an die Regierung käme. Fündig wurde Apple bei seiner Suche offenbar ebenfalls: Zwei wichtige Tochtergesellschaften wurden dem Bericht zufolge auf die Kanalinsel Jersey verlegt“, so das Manager Magazin.

Apple hingegen äußert sich nun beschwichtigend in der just veröffentlichten Erklärung. „Apple ist davon überzeugt, dass jedes Unternehmen die Verantwortung dafür trägt, seine Steuern zu zahlen. Als größter Steuerzahler der Welt zahlt Apple in jedem Land der Welt jeden Dollar, den es dort schuldet. Wir sind stolz auf die wirtschaftlichen Beiträge, die wir in den Ländern und Regionen leisten, in denen wir tätig sind.“

Apple sieht „Ungenauigkeiten“ in den Paradise Papers

Im Folgenden bezieht sich der Konzern aus Cupertino auf die Darstellungen des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), die für die „Paradise Papers“ verantwortlich sind, und laut Apple einige „Ungenauigkeiten in diesen Berichten“ aufweisen. „Die Änderungen, die Apple 2015 an seiner Unternehmensstruktur vorgenommen hat, waren speziell darauf ausgerichtet, die Steuerzahlungen an die Vereinigten Staaten zu bewahren – und nicht darauf, irgendwo anders die Zahlungen zu reduzieren. Es wurden keine Tätigkeiten oder Investitionen aus Irland abgezogen“, heißt es von Seiten Apples.

Auch zu Steuerzahlungen in den USA äußert man sich. „Apple ist weit davon entfernt, ‚von den Vereinigten Staaten unberührt‘ zu sein, und zahlt Steuern in Milliardenhöhe an die USA zum gesetzlich vorgeschriebenen Satz von 35 Prozent auf Kapitalerträge aus dem Ausland. Apples effektiver Steuersatz auf Einkünfte aus dem Ausland beträgt 21 Prozent – eine Zahl, die leicht auf Basis der offiziellen Veröffentlichungen errechnet werden kann. Dieser Satz ist seit vielen Jahren konstant.“

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Vor allem die Steuerflucht Apples, bei der sogenannte Steueroasen und legale Schlupflöcher genutzt werden, war nicht erst seit den „Paradise Papers“ ein großes Thema. Apple erklärt, dass es in dieser Debatte nicht darum geht, „wie viel Steuern wir bezahlen müssen, sondern wo wir sie entrichten. Als größter Steuerzahler der Welt haben wir in den letzten drei Jahren über 35 Milliarden Dollar an Körperschaftssteuer gezahlt, dazu weitere Milliarden an Vermögensteuer, Lohnsteuer, Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer. Wir glauben, dass jedes Unternehmen die Verantwortung dafür trägt, die von ihm geschuldeten Steuern zu zahlen.“

Wertschöpfung als Kriterium für Steuerzahlungen in einem Land

Die größten Steuerzahlungen, so Apple, werden an die USA entrichtet, da dort laut gültigen internationalen Steuersystemen bedingt durch Faktoren wie Design, Engineering und Entwicklung die größte Wertschöpfung stattfindet. „Bei Apple befolgen wir die Gesetze, und wenn sich das System ändert, werden wir uns daran halten“, so der Konzern. „Wir unterstützen ausdrücklich die Bemühungen der Weltgemeinschaft für eine umfassende internationale Steuerreform und ein deutlich einfacheres System, und wir werden uns auch weiterhin dafür einsetzen.“

Fraglich ist, ob Apple sich mit diesem Verhalten auch als moralischer Gewinner zeigen darf. Denn nicht alles, was laut Gesetz erlaubt ist und systemtechnisch mittels findiger Experten ausgenutzt wird, ist auch ethisch vertretbar. Das gesamte Statement von Apple sowie weitere Informationen zu den Steuerzahlungen kann in deutscher Sprache im Newsroom des Konzerns eingesehen werden.

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Kommentare17 Antworten

  1. Northbuddy sagt:

    Dumm halt, das es bei den Paradise Papers in erster Linie nicht unbedingt um das rechtlichen, sondern um den moralischen Anspruch geht.
    Das Apple alle Steuer zahlt, die sie rechtlich müssen, glaube ich. Das sie alles tun, um möglichst wenig zu zahlen, allerdings auch.

  2. soundpitcher sagt:

    Apple ist eine Firma, eine Firma soll Gewinne machen und diese steigern.
    Wenn die Nationen es nicht hinbekommen, ein transparentes und glasklares internationales Steuersystem zu schaffen, kann ich jeden Geschäftsmann verstehen, der die „Lücken“ nutzt! Moral hilft der Firmenbewertung auch nicht weiter….

    • misterbandit sagt:

      Genau so sehe ich das auch!!! Wenn ich aber von so einem“Moralaphostel“ wie Bono höre, der es ja am liebsten so hatte das Alle mindestens bis zum Existenzminimum ihre Gehälter in seine Gutmenschen Projekte stecken sollen, in deren Kielwasser sich Herr Bono dann profilieren kann, dann könnte mir das Kotzen kommen.

      • Bo sagt:

        Dass ausgerechnet Bono in der Liste auftaucht, zeigt leider wieder einmal eindrucksvoll, dass selbst diejenigen, die in ihrem Selbstverständnis eigentlich einen Heiligenschein tragen müssten, letztlich genau so egoistische „Schmerlappen“ sind wie „Otto-Normal-Steuervermeider“…..Und ja: in der ganzen Diskussion geht es zu Recht nicht darum, was legal ist, sondern legitim…

  3. HeatPoint sagt:

    Nun ja! Versucht nicht jeder möglichst wenig Steuern zu zahlen? Nicht zuletzt deshalb mache ich eine Einkommenssteuererklärung! Warum sollten da Konzerne und Prominente anders denken?

  4. misterbandit sagt:

    Mein Vorschlag wäre:

    Bis 1000,-€ Gewinn alles Steuerfrei
    Danach 20% an den Staat.
    Egal ob Unternehmen oder Arbeitnehmer. Der Staat wäre finanziert und die Unternehmen könnten Steuerberaterkosten sparen und sich auf das Wesentliche konzentrieren. Die freiwerdenden Steuerberater kann man als Prüfer bestens gebrauchen. Ach ja zudem noch schnellstens das Bargeld abschaffen!!!! Den Schwarzgeldverursacher schlechthin!!!!

  5. misterbandit sagt:

    … Bevor hier jetzt wüste Beschimpfungen kommen… Auch ich bin Unternehmer und versuche permanent die Möglichkeiten auszunutzen und es nervt, aber unser System ist leider so ausgelegt!!! Das erinnert stark an Verträge aller Art – wer vergisst zu kündigen zahlt mindestens ein Jahr zu viel. Dann kann man mit viel Aufwand nächstes Jahr alles Besser machen…

  6. joerg42 sagt:

    Apple zahlt Mehrwertsteuer?

  7. joerg42 sagt:

    Moralisch verwerflich sind lediglich die Gesetzgeber, die ein solches Verhalten dulden/fördern/unterstützen.
    Ich versuche auch möglichst wenig Steuern zu zahlen. Leider werden für meine Einkommensklasse keine Schlupflöcher geschaffen. 😥

  8. D.R.C.B. sagt:

    Ich schäme mich für Apple und als Apple Fan um so mehr.

  9. Hillier sagt:

    Moral spielt keine Rolle. Apple ist eine AG. Sie sind vom Gesetz her verpflichtet alle legalen Möglichkeiten auszuschöpfen um den Gewinn zu Maximieren.
    Würde Apple der Moral nachgeben könnten die Anteilseigner Apple verklagen und entgangene Rendite und „möglichen“ Gewinnverlusst einklagen.
    Es wäre nicht die erste Firma durch ein solches Vorgehen Verluste machen würde.

    Die AG gesetzte sind sehr streng und können nicht „gebogen“ werden.
    Apple muss vor den Anteilseignern jährlich belegen welche Ausgaben (Steuern) notwendig sind.

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