alfaview: Videokonferenz-Lösung aus deutscher Entwicklung

Kostenfreie Basisversion für private Nutzung

In diesen Zeiten sind Videokonferenz-Anwendungen in aller Munde. Neben den Platzhirschen von Zoom und Skype, die in der Vergangenheit einige Datenschutz- und Sicherheits-Kritik einstecken mussten, buhlen seit kurzem auch Google Meet mit einer Öffnung des Dienstes ab Mai und andere Anbieter um die mitteilungsfreudigen Kunden. 

Ein eher unbekanntes Beispiel aus deutscher Entwicklung ist die Videokonferenz-Software von alfaview, die uns unser Nutzer Florian M empfohlen hat. alfaview stammt von Entwicklern aus dem baden-württembergischen Karlsruhe und verfügt über Desktop-Apps für Mac (ab macOS 10.12), Windows (ab Windows 7) und Linux, und ist zudem mit einer mobilen Anwendung für iPadOS (App Store-Link) vertreten. Eine Android-App soll in Kürze folgen.


Nutzbar ist alfaview in insgesamt drei verschiedenen Tarifen, darunter ein kostenloser „Free“-Tarif, der sich für die meisten kleineren Videokonferenzen eignen sollte. Mit kleineren Einschränkungen muss man hier allerdings leben: Es kann nur ein Konferenzraum mit 10 parallel nutzbaren Unterräumen verwendet werden, die Teilnehmeranzahl ist auf maximal 50 Personen begrenzt, ebenso wie die monatliche Nutzungsdauer von maximal 10 Stunden. Integriert ist in diesem Paket auch eine Moderatorfunktion, ein Chat, eine Benutzerverwaltung, eine Auswahl des Farbschemas und der Sprache (Deutsch und Englisch werden unterstützt), sowie eine automatische und individuelle Anpassung an die jeweilige Bandbreite. 

Wer gegenwärtig in einem systemrelevanten Bereich arbeitet, kann für Schulen, Hochschulen, Vereine sowie gemeinnützige Institutionen aus der Daseinsfür- und Vorsorge auf das alfaview free plus-Paket zugreifen, das sich bis zum 31. Juli 2020 uneingeschränkt kostenlos nutzen lässt. Mit dem free plus-Tarif stehen insgesamt 20 Konferenzräume zur Verfügung, die restlichen Features sind identisch zum free-Tarif. 

Verschlüsselte und nicht durch Dritte einsehbare Konferenzen

Unternehmen, die Videokonferenzen im großen Stil veranstalten wollen, benötigen hingegen den alfaview enterprise-Tarif, der individuell auf den Anwender zugeschnitten wird. Hier gibt es unter anderem unbegrenzt viele Konferenzräume und Unterräume, eine unbegrenzte Besprechungsdauer, Konferenzen mit 100+ Teilnehmern, eine Live-Protokollierung in verschiedenen Sprachen per Transkription, eine Live-Übersetzung in mehreren Sprachen, eine API  zur Anbindung an Drittsoftware, zusätzliche Features für Großkonferenzen und die Möglichkeit eines Unternehmens-Brandings. Preise für die Enterprise-Version der App gibt es nur auf Anfrage.

In Sachen Datenschutz und Sicherheit heißt es vom alfaview-Team auf der eigenen Website: 

„alfaview ist eine reine Kommunikationsplattform. Die Inhalte Ihrer Kommunikation sind streng vertraulich und ausschließlich für die im jeweiligen alfaview-Raum sichtbar anwesenden Teilnehmer einer Videokonferenz zugänglich. Die Inhalte der Videokonferenzen (Audio-, Video-, Chat-Inhalte) werden von alfatraining zu keinem Zeitpunkt aufgezeichnet, eingesehen oder anderweitig Dritten zugänglich gemacht. Alle Daten, die während eines Meetings unter den Teilnehmern ausgetauscht werden, also Audio-, Video- und Text-Daten sowie Echtzeit-Events z. B. die Aktivierung von Berechtigungen, werden verschlüsselt übertragen und sind nicht durch Dritte einsehbar. Sie werden nicht dauerhaft gespeichert und sofort nach Verlassen des Konferenzraumes verworfen.“

Die Nutzung von alfaview erfordert von jedem User das Anlegen eines eigenen Nutzerkontos, das dann plattformübergreifend für das Erstellen und die Teilnahme an Videokonferenzen verwendet werden kann. Während der Videokonferenz lässt sich das eigene Mikrofon stummschalten, die Qualität der Videos sowie die Lautstärke und der Sprachaktivierungspegel definieren. Auch die Bandbreite kann über entsprechende Einstellungen optimal ausgenutzt werden, zudem steht ein „Kaffeepause“-Button zur Verfügung, mit dem man die Konferenz pausieren kann, sowie eine Möglichkeit, einen Bereich des eigenen Bildschirms zu teilen. 

Als Zielgruppe von alfaview stehen wohl vornehmlich größere Unternehmen im Fokus, die auf eine umfangreich ausgestattete, leistungsfähige und individuell konfigurierbare Anwendung setzen wollen. Mit dem free-Tarif werden durchaus aber auch kleinere Firmen oder Privatanwender angesprochen, sofern man mit den kleineren Einschränkungen leben kann. Der wohl größte Vorteil der App liegt auf der Hand: Durch die Entwicklung in Deutschland fällt alfaview auch unter deutsche Datenschutzgesetze – und die sind bekanntlich streng. Einen Blick ist diese wenig bekannte, aber absolut erwähnenswerte Lösung daher auf jeden Fall wert.

‎alfaview
‎alfaview
Entwickler: alfaview gmbh
Preis: Kostenlos

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Kommentare 10 Antworten

  1. Wir nutzen Alfaview in der Uni. Ist derzeit aufgrund von der scheinbar stark erhöhten Nutzung durch Studenten öfter mal überlastet, jedenfalls bei uns in den Vorlesungen… 😀

    1. Hallo @Tobi,

      du kannst mehrere Dinge machen, um die Last zu reduzieren:

      Unter Einstellungen > Video:
      – Die „Bandbreitennutzung Bildschirmfreigabe“ auf „Reduziert“ stellen.
      – Das Häkchen bei „Verbesserte Videoqualität“ entfernen.

      Und schaue bitte noch, dass auf dem Mac in den Systemeinstellungen unter „Energie sparen“ der „automatische Wechsel der Grafikmodi“ aktiviert ist.

  2. Aus der Datenschutzerklärung des Anbieters:
    „Alle Daten, die während eines Meetings unter den Teilnehmern ausgetauscht werden, also Audio-, Video- und Text-Daten sowie Echtzeit-Events z. B. die Aktivierung von Berechtigungen, werden verschlüsselt übertragen und sind nicht durch Dritte einsehbar.“
    Das ist entweder bewusst oder unbewusst zu knapp und unscharf formuliert, hilft aber in der Sache nicht. Dass der Transport der Daten verschlüsselt ist, ist ja wohl das mindeste, was man im Jahre 2020 erwarten darf. Zoom hatte seinen Dienst deutlich detaillierter beschrieben und wurde trotzdem massiv dafür kritisiert.
    Die Frage ist doch: ist es e2e-verschlüsselt? Das ist nämlich genau der Knackpunkt und alles andere als trivial, je mehr Teilnehmer eine Session hat.
    Oder ist vielmehr der Transport der Daten lediglich von jedem Teilnehmer bis zum Server des Anbieters verschlüsselt? Aufgrund der knappen Formulierung vermute ich letzteres. So hat der Anbieter Zugriff auf alle Daten.

    1. Ich vermute auch, das es nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt ist. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sonst die Transskription funktionieren soll.

          1. @bastian: Dann hast Du mit Deiner Vermutung Recht. Diese Funktion kann nicht anders funktionieren als dass der Betreiber Zugriff auf die Kommunikation hat. Also kein e2e. Dann lieber Zoom.

  3. Hallo,
    habe mehrere Schulungen mit Alfaview im Homeoffice gemacht.
    Funktionierte eigentlich ganz gut. Nur mit Wlan gab es Probleme in der ersten Woche war alles ok mit Wlan und 6,7Mbits Leitung. Auch andere Schulungsteilnehmer klagten über Wlan ( mit wesentlich schnelleren Leitung).Als am Freitag ein Update lief war ab Montag vorbei mit Wlan. Ich musste 30 m LAN Kabel im Treppenhaus verlegen. Auch bei Reklamationen bei Alfaview direkt keine Abhilfe eine versprochene Rückmeldung blieb aus…. . Auch nach Technischer Überprüfung durch die Telekom kamen am Rechner nun 9,3 Mbits an, ohne Erfolg.
    Daher mit Wlan nicht zu Empfehlen

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