Neue Studie: Wer nutzt eigentlich hauptsächlich E-Scooter?

Große Unterschiede bei Frauen und Männern

Aus dem Zentrum von Großstädten sind sie nicht mehr wegzudenken: E-Scooter. Gefühlt an jeder Straßenecke stehen die mobilen Roller, die sich über eine App im Minutentakt buchen und nahezu beliebig wieder abstellen lassen. Die Anbieter der Elektroroller, darunter Tier, Lime, Voi und weitere, liefern sich dabei einen erbitterten Kampf um die Kundschaft und bieten ihre Fahrzeuge zumeist parallel in den Städten an. Doch wer nutzt die E-Scooter eigentlich hauptsächlich, wie sieht die typische Kundschaft der mobilen Roller aus?

Dieser Frage ging auch der E-Scooter-Anbieter Voi nach. Eine Untersuchung des Unternehmens, durchgeführt von 6t im Juni 2021, ergab, dass Frauen E-Scooter deutlich seltener als Männer verwenden. In Paris beispielsweise kommt man auf 66 Prozent männliche Nutzer. Das hauptsächliche Profil wird dabei ebenfalls von 6t beschrieben.


“ […] der Oberschicht zugehörende, wohlhabende, berufstätige Männer. In Paris zum Beispiel fand 6t heraus, dass die Nutzer der docklosen E-Scooter jung (im Durchschnitt 36 Jahre alt), männlich (66 Prozent) und in leitenden Positionen oder höheren intellektuellen Berufen (53 Prozent) tätig sind.“

Mit 34 Prozent sind Frauen im E-Scooter-Geschäft unterrepräsentiert. „Dies gilt nicht nur für E-Scooter: In den meisten europäischen Ländern und auch in Nordamerika (J. R. Pucher und Buehler 2012) stellen Frauen nur eine Minderheit der Radfahrer“, so die Aussage in der Untersuchung. Warum dies so ist, wollte Voi nun weiter erörtern, und hat daher bei der NGO Women in Transport eine weitere Studie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse liegen nun seit Mai vor.

Die Studie wurde in Großbritannien mit knapp 500 Teilnehmerinnen aus verschiedenen Nutzergruppen durchgeführt und förderte zutage, dass es große Unterschiede bei Männer und Frauen hinsichtlich der Wahrnehmung von E-Scootern und ihrer Nutzung gibt. Die wichtigste Erkenntnis der Studie: Über drei Viertel (79 Prozent) der Teilnehmerinnen gaben an, dass sie sich auf den Straßen aufgrund des Verkehrs und der fehlenden Infrastruktur nicht sicher fühlten, was sie davon abhielt, E-Scooter zu nutzen.

„In allen befragten Gruppen sahen die Frauen einen Mangel an geeignetem Platz, um sicher und bequem E-Scooter zu fahren. Die Fahrbahn wurde allgemein als unsicher und E-Scooter-User als nicht willkommen, wenn nicht gar feindselig angesehen, insbesondere gegenüber Frauen auf E-Scootern.“

Mangelndes Sicherheitsgefühl und mögliche Lösungsansätze

Zudem berichten viele Frauen, dass die mobilen Roller sehr schwer seien, die Technik oft nicht richtig funktioniere, sie lieber das Workout beim Gehen oder Radfahren bevorzugen, und sie sich bei der Nutzung der E-Scooter nicht immer sicher fühlen würden. Einige sagten, dass die Geschwindigkeit über dem Schritttempo liege und es daher eine vernünftige Art sei, sich nachts fortzubewegen, während andere sagten, dass sie sich durch die relativ niedrige Geschwindigkeit (im Vergleich zum Fahrrad oder Auto) gefährdet fühlten. Eine Befragte aus der Gruppe der regelmäßigen E-Scooter-Nutzerinnen berichtet beispielsweise:

„Ich denke, das Wichtigste für mich ist die Sicherheit, vor allem nachts, wenn man sich auf einem Roller wirklich ungeschützt fühlt […]. Man kann zwar recht schnell fahren, aber wenn jemand auf einem Fahrrad sehr schnell fährt oder in einem Auto, ist man auf sich allein gestellt, nicht was Zusammenstöße angeht, sondern einfach nur, weil man Gefahr läuft, angegriffen zu werden […]. Das ist etwas, das ich oft im Kopf habe.“

Zudem nähmen viele Befragte E-Scooter dann wahr, wenn sie negativ in Erscheinung treten würden, beispielsweise durch unsachgemäße Behandlung, Blockierungen von Geh- und Radwegen oder einer Entsorgung der Roller in Flüssen und Seen. Diese Szenarien und das damit verbundene Image wirke nicht ansprechend.

Die Autoren und Autorinnen der Studie zeigen daher mögliche Maßnahmen auf, um den vorherrschenden Problemen zu begegnen. Dazu zählen sowohl rechtliche als auch infrastrukturelle Aspekte wie ausgewiesene Parkzonen in einem sicheren Umfeld, als auch die Berücksichtigung von körperlichen Unterschieden bei der Konstruktion von E-Scootern. Einige der befragten Frauen wünschten sich zudem, E-Scooter zunächst in einem geschützten Umfeld ausprobieren zu können, beispielsweise in Trainings- oder Übungsfahrten.

Ich als Frau kann einige der geäußerten Aspekte absolut nachvollziehen, denn auch für mich erscheint das eigene gut ausgestattete Fahrrad in der Stadt bei regelmäßigen Fahrten als die bessere und vor allem gesündere Alternative zu einem E-Scooter. Das Rad bietet dank passender Gepäckträgertaschen zudem optimale Transportmöglichkeiten – diese Möglichkeit fehlt bei den Rollern komplett. Auch die Bauweise der Roller mit ihren kleinen harten Reifen ohne großes Profil wirkt auf mich nicht sonderlich sicher. Erst recht nicht nach einem Unfall mit einem der Fahrzeuge, bei dem das Vorderrad bei 20 km/h wegrutschte und mir durch den Sturz neben einer Gehirnerschütterung auch eine Schulterverletzung samt nachfolgender Physiotherapie einbrachte. Das Vertrauen in die elektrischen Roller ist daher zumindest bei mir deutlich gesunken.

Fotos: Voi.

Wie sieht es bei euch aus, gehört ihr zu regelmäßigen Nutzern bzw. Nutzerinnen von E-Scootern? Was könnte aus eurer Sicht noch verbessert werden? Welche Aspekte halten euch bisher von einer Nutzung ab? Wir sind wie immer gespannt auf eure Kommentare zum Thema.

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Kommentare 20 Antworten

  1. Ich besitze einen eigenen Scooter und nutze ihn sehr gerne in Verbindung mit ÖPNV oder dem Auto für die „letzte Meile“, bzw. hier in meinem Wohnort (auf dem Land).
    Ich kann bestätigen, dass man sich mit den 20km/h im Vergleich zu Fahrrädern tatsächlich als Verkehrshindernis fühlt. Es ist mir unbegreiflich, wie Scheuer auf die 20km/h kam, wo jedes Mofa und jedes E-Bike 25km/h fahren darf, sowie in allen europäischen Ländern auch E-Scooter 25km/h fahren dürfen.

    1. Für Verletzungen, vorwiegend am Kopf wegen fehlenden Helmes, sind die 20km/h schon schnell genug. Will gar nicht wissen was bei 25km/h alles passieren würde.

      1. Ich verstehe das Argument nicht. Mit der Begründung bräuchte es eine allgemeine Helmpflicht auf sämtlichen Zweirädern.
        Ich persönlich trage immer einen Helm, sowohl auf dem E-Scooter, als auch auf Fahrrädern.

      2. Kann ich bestätigen. Hatte bei meinem Sturz sogar einen Helm auf. Ohne wäre es laut Ärztin wohl nicht so glimpflich abgegangen. Man merkt auf den Rollern die Geschwindigkeit kaum. 25 km/h wäre unverantwortlich in meinen Augen, 20 km/h reicht absolut aus bei den E-Scootern.

        1. Die Roller auf der Straße zum mieten haben aber keinen Helm dabei. Würden die jetzt mit 25 km/h durch die Straßen fahren … 🚑 🏥 📈
          Eine allgemeine Helmpflicht wäre sicherlich sinnvoll, zumal in den letzten Jahren die Unfallrate bei Zweirädern gestiegen ist.

          1. Wo fängt es an, wo hört es auf.
            Lebensrisiko.
            Der fußgänger hat auch keinen helm auf, – er könnte ja angefahren werden und da wäre ein helm…

          2. Leute, die zu Fuß unterwegs sind, haben aber keine eigene Geschwindigkeit von 20-25 km/h drauf. 😉 Ein Restrisiko durch Fremdverschulden besteht immer – da kannst du auch einfach nur rumstehen. Dein Bremsweg ist aber deutlich länger, je schneller du unterwegs bist. Insofern ergibt es schon Sinn, für Personen auf E-Scootern, Fahrrädern und E-Bikes eine Helmpflicht zu fordern. Wäre ich schon seit längerem dafür.

    1. Also hier auf dem Land sind die drei dorfbekannten Suffköpfe mit ihren (eigenen) Scootern immer um die Dorfkneipe herum zu sehen. Autoführerschein haben die schon lange nicht mehr 😉

  2. Ich nutze die nicht. Hab da unten an den Beinen solche „Füße“. Kann man auch mit vorwärtskommen. 😉

    Sehe nur die E-Scooter welche rumliegen. An der einen Haltestelle steht einer ohne Hinterrad. An einer anderen hat einer so ein Teil aus dem Fluß gefischt. War voller Schlamm. Also umweltschonend sind die Teile nicht. Auch in Bezug auf den Akku.

  3. In Berlin sieht man selten Roller die gut abgestellt sind. Entweder sie stehen mitten auf dem Weg, oder liegen rum, oder blockieren irgendwas, stehen in einem Pulk von 20 Rollern quer abgestellt und und und …
    Kurz, eigentlich nerven sie nur und der wirkliche Nutzen ist kaum zu erkennen. Die vielen Teenager fahren damit sicherlich nicht die letzte Meile …

  4. Es ist halt für die „letzte Meile“ ziemlich teuer…
    Ein eigener E-Scooter nimmt die Flexibilität wieder…eigentlich müsste es eher so e-Kickboards geben..also mit 3 Rädern…

  5. In München ist es irgendwie zum Volkssport geworden die Teile in Unterführungen auf den Radweg zuwerfen, gab schon ein paar Unfälle wo es die Radfahrer drüber gelassen hat, weil es von Hellen in Dunkle ging und der Rotz da rum liegt.

    Auch belieht ist wohl in Büsche und Gewässer die Teile zu werfen.

    Würde mir da wünschen dass das Ortnungsamt oder auch Polizei da vernünftig vorgeht und die Betreiber ordentlich zur Kasse bietet. Die haben dafür zu sorgen, dass der scheiss nicht überall liegt. Sollen sie die Teile halt 100kg schwer machen oder mit einer extrem Lauten Sirene ausstatten, die eben losgeht wenn da Teil bewegt wird ohne dass es gebucht wurde.

  6. Das ist nicht die Lösung.

    Verleihbuden mit stecksystem, in der man den roller ordnungsgemäß abstellt und sichert. Ab hier ist die fahrt dann zuende und wird gezählt. Von der „haltestelle“ müsste man dann den rest per pedes zurücklegen (omg) 🤷‍♂️
    Oder: man verbietet das zeug in allen orten. Das wäre am einfachsten und klimafreundlich, liebe jungen männl. nutzer 😷😬

  7. „Die Fahrbahn wurde allgemein als unsicher und E-Scooter-User als nicht willkommen, wenn nicht gar feindselig angesehen, insbesondere gegenüber Frauen auf E-Scootern.“ Naja, die die sich benehmen können und auch an Verkehrsregeln halten sind mir Willkommen. Die die sich benehmen wie ne rasende Wildsau und denken Sie wären allein auf der Straße… Die sind mir nicht willkommen, völlig egal ob Mann oder Frau.

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