Amazfit GTS 4 & GTS 4 Mini: Konsequente Weiterentwicklung der beliebten Smartwatches

Wir haben einen Blick auf die neuen Modelle geworfen

Der auch hier im Blog wohlbekannte Hersteller Amazfit hat im Zuge der diesjährigen IFA in Berlin, die traditionell Anfang September jedes Jahres stattfindet, gleich drei neue Smartwatch-Modelle der mittlerweile vierten Generation vorgestellt: Die Amazfit GTR 4, die GTS 4 und die GTS 4 Mini. Während die GTR 4 über ein größeres kreisrundes Display verfügt (das „R“ in der Modellbezeichung steht für „round“ = rund), kommen die GTS 4 und GTS 4 mini in einem eckigen Design daher („S“ steht für „square“ = rechteckig), das mit den leicht abgerundeten Ecken an die Apple Watch-Modelle erinnert.

Ich hatte in den letzten Wochen die Gelegenheit, die beiden Neuerscheinungen, die Amazfit GTS 4 sowie die einsteigerfreundliche und etwas kleiner gehaltene GTS 4 Mini genauer unter die Lupe zu nehmen. Sowohl die Amazfit GTS 4, als auch die GTS 4 mini sind in vier Farbvarianten erhältlich, darunter in Schwarz und Gold mit jeweils farblich abgestimmten Armbändern. Während die Amazfit GTS 4 zum Preis von 199,90 Euro bei Amazon erhältlich ist, kostet die Amazfit GTS 4 Mini in ihren vier Farben ab 92 Euro.


Eines muss gleich vorweg gesagt werden: Auch Amazfit hat die Preise für die eigenen Smartwatches angezogen. Kosteten die Vorgänger-Modelle noch zum Start rund 90 bzw. 160 Euro, sind es nun laut Infos auf der Amazfit-Website 100 bzw. 200 Euro als offizielle Verkaufspreise. Im Verlauf der Zeit werden die kürzlich vorgestellten Exemplare erfahrungsgemäß etwas günstiger, nichtsdestotrotz sollte erwähnt werden, dass für beide hier vorgestellten Smartwatches höhere Kaufpreise beim Marktstart verlangt werden. Lohnt sich also die Investition, und was bekommt man fürs Geld?

Amazfit GTS 4 sieht sich als Apple Watch-Konkurrenz

Vor allem die Amazfit GTS 4 platziert sich mit ihren zahlreichen Möglichkeiten der Individualisierung über austauschbare Armbänder und eine große Sammlung an Zifferblättern, einem integrierten Musikspeicher, Telefonieren über Bluetooth, On-Board-GPS, Schlaftracking, Herzfrequenz- und Sauerstoffsättigungs-Messung, Alexa-Support, der Anzeige von Nachrichten des iPhones und über 150 Sportmodi als Konkurrenzprodukt zur Apple Watch. Mit ihrem 1,75″-AMOLED-Display samt Always-On-Funktion und einer Auflösung von 341 ppi will man auch in diesem Bereich Apples Smartwatch ordentlich Feuer unter dem Hintern machen.

Grundsätzlich kann man die Displaygrößen der beiden neuen Amazfit-Modelle mit denen der Apple Watch vergleichen: Die Amazfit GTS 4 ist in etwa so groß wie Apples 44/45 mm-Watch, die GTS 4 Mini verfügt über ähnliche Maße wie die Apple Watch 40/41 mm. Ich habe beide Amazfit-Exemplare mit eigenen Armbändern aus Leder und Silikon für erste Tests am Handgelenk getragen und muss festhalten, dass mir die GTS 4 mittlerweile deutlich zu groß geworden ist. Hier kommt es sicherlich auch auf den Handgelenksumfang und das präferierte Design der Smartwatch an, jedoch wirkt die GTS 4 Mini weniger klobig und auftragend an einem eher zierlichen Damen-Unterarm. Wem die Apple Watch in 44 bzw. 45 mm schon zu groß ist, dem sei daher eher zur kleineren und auch schlankeren GTS 4 Mini geraten. Zum direkten Vergleich habe ich in diesem Artikel auch Bilder zusammen mit meiner 40 mm-Apple Watch eingebunden.

Für die mittlerweile vierte Generation der Amazfit GTS 4 hat der Hersteller die GPS-Antennentechnologie nochmals verbessert sowie weitere Sport- und Gesundheitsfunktionen hinzugefügt. So gibt es nun bei der GTS 4 als erstes Modell der Branche ein zirkular polarisierendes Dualband-GPS, das auch in komplexen Umgebung eine hohe Signalstärke für die Positionsbestimmung bietet. Nach wie vor sollte man vor dem Start einer GPS-basierten Aktivität die Smartwatch mit der Companion-App Zepp (App Store-Link) für iOS synchronisieren, damit die aktuellen Satellitendaten geladen werden und die Lokalisation schneller erfolgt. Die GTS 4 verfügt über insgesamt fünf Satellitensysteme, im Zuge eines bald erfolgenden Updates sollen es dann sogar sechs sein. Die Firmware-Aktualisierung soll auch den Import einer Routendatei aus der Zepp-App unterstützen, in der sich dann in Echtzeit direkt auf der Uhr navigieren lässt.

Neuer BioTracker für noch präzisere Gesundheitsdaten

Ebenfalls neu in der Amazfit GTS 4 ist ein eigens entwickelter optischer BioTracker 4.0 PPG-Sensor: Dieser wurde auf 2LED verbessert und sammelt damit 33 Prozent mehr Daten als die vorherige Generation. In Kombination mit dem verbesserten Algorithmus zur Erfassung der Herzfrequenz werden potenzielle Signalstörungen durch Armbewegungen während des Trainings stark reduziert. „Das führt zu einer Herzfrequenzmessung, die fast mit der von Herzfrequenzgürteln vergleichbar ist“, erklärt dazu Amazfit. Die Optimierungen in diesem Bereich ließen sich auch bei meinen Trainings mit der GTS 4 ausmachen: Aussetzer oder fehlende Daten hinsichtlich der Vitalwerte und auch bei der GPS-Aufzeichnung gab es zu keinem Zeitpunkt, auch die dargestellten Werte waren fast 1:1 mit denen meiner Apple Watch als Vergleichsgerät am anderen Handgelenk identisch. Hier scheint Amazfit deutlich nachgelegt zu haben, um die Aufzeichnungen nochmals zu verbessern.

Auch vor dem Antreten der Aktivität lässt sich die Amazfit GTS 4 und auch die GTS 4 Mini schnell aufs Training vorbereiten: In den Einstellungen lässt sich festlegen, was beim längeren Drücken der digitalen Krone passieren soll. Ich habe diese Aktion so konfiguriert, dass das Auswahlmenü für das Sportarten-Tracking erscheint und ich nur noch die Sportart antippen muss, um gleich loslegen zu können. Alternativ erkennt die GTS 4 aber auch bis zu acht verschiedene Sportarten automatisch und startet eine entsprechende Aufzeichnung. Ebenfalls neu ist eine Integration für die Fitness-Plattformen Strava und Adidas Running, mit denen sich die erfassten Trainingsdaten nun synchronisieren lassen. Und ähnlich wie das Feature „Race Route„, das der Apple Watch mit watchOS 9.2 hinzugefügt werden soll, gibt es auch bei der Amazfit GTS 4 einen Track Run-Modus, bei dem man gegen sich selbst antreten kann.

Die GTS 4-Smartwatch bietet außerdem eine Vielzahl zusätzlicher Gesundheitsfunktionen, darunter eine verbesserte Schlafanalyse. User können jetzt ihren eigenen Schlafplan entsprechend ihrer Schlafgewohnheiten erstellen, anhand dessen das Gerät den Schlaf erkennt. So können beispielsweise auch Menschen mit Nachtschichten ihren individuellen Schlafplan erstellen und ihren Gesamtschlaf inklusive Schlafphasen überwachen. Apple kann sich an dieser detaillierten Analyse noch immer eine gehörige Scheibe abschneiden – Amazfit bietet hier einfach die deutlich umfangreicheren Features.

Nimm das, Apple Watch: Akku hält mehrere Tage durch

Auch akkutechnisch schaut die Apple Watch im Vergleich zur Amazfit GTS 4 in die Röhre: Trotz ihres nach wie vor schlanken Gehäuses kommt die Amazfit-Smartwatch auf Akkulaufzeiten von rund 3 bis 5 Tagen bei normaler Nutzung. Laut Hersteller sollen mit dem Modell rund acht Tage mit einer Ladung möglich sein, dies wird aber wohl nur erreicht, wenn der Energiesparmodus aktiviert ist oder man zahlreiche Funktionen wie Benachrichtigungen oder das Always-On-Display dauerhaft deaktiviert hat. Im Vergleich zur Apple Watch, die nach spätestens zwei Tagen wieder ans Ladegerät muss, hält es die GTS 4 grundsätzlich länger am Handgelenk aus.

Die Uhr bietet zudem eine Alexa-Integration für Online-Sprachbefehle, sowie einen Musikspeicher und eigenständige Musikwiedergabe bei freihändiger Nutzung. Über einen eingebauten Lautsprecher können auch während des Trainings Echtzeitdaten wie Herzfrequenz, Trainingsdauer und -distanz ausgegeben werden. Glücklicherweise lässt sich letzteres Feature auch deaktivieren: Ich hatte jedenfalls schnell genug davon, bei jedem Spaziergang alle paar Minuten zu hören, mit welchem Tempo ich unterwegs sei und wie viele Kilometer ich schon zurückgelegt habe.

Wie schon bei der GTS 3 setzt Amazfit auch bei den beiden neuen Modellen auf das neue Zepp OS sowie die zugehörige Zepp-App zur Synchronisierung und weiteren Anpassung. In der Anwendung lassen sich bequem neue Firmware-Updates für die Uhr einspielen, zudem gibt es eine große Sammlung verschiedener Zifferblätter. Auch hier hat sich einiges getan, immer mehr Designs verfügen über entsprechende Always-On-Designs, sind modular oder verfügen über animierte Inhalte. Nach wie vor wirken viele der Zifferblätter jedoch lieblos oder billig, stehen oft nur in englischer Sprache zur Verfügung und benötigen zudem sehr lange, bis sie auf die Uhr übertragen worden sind. Bei einer Smartwatch, die aktuell rund 200 Euro kostet, sollte man hier in Zukunft für ein hochwertigeres Image noch nachbessern. Apple zeigt an dieser Stelle, wie es gehen kann.

GTS 4 Mini: Kleineres und günstigeres Einstiegsmodell

Wer nicht gleich knapp 200 Euro für eine neue Smartwatch ausgeben möchte oder ein kleineres Modell für dünnere Handgelenke sucht, sollte sich die Amazfit GTS 4 Mini genauer ansehen. Der Zusatz „Mini“ in der Modellbezeichnung deutet es schon an: Das Exemplar ist etwas kleiner und auch featuretechnisch ein wenig abgespeckt. Dafür ist die GTS 4 Mini allerdings derzeit auch schon zu Preisen ab 92 Euro zu haben; Amazfit selbst verlangt auf der eigenen Website 99,90 Euro.

Die kompaktere GTS 4 Mini verfügt über ein nur 19 Gramm leichtes Gehäuse mit Metallrahmen, eine 24-stündige Gesundheitsüberwachung, über 120 Sportmodi und ein 1,65 Zoll-HD-Display mit 336 x 384 Pixeln und 309 ppi. Die Neuerscheinung überwacht ganztägig die Herzfrequenz und den Blutsauerstoff, ist bis 5 ATM wasserdicht, hat Amazons Sprachassistentin Alexa integriert und navigiert sicher über insgesamt fünf Satellitensysteme.

Die Amazfit GTS 4 Mini verfügt darüber hinaus über eine Akkukapazität von 270 mAh, die laut Amazfit genügend Energie für bis zu 15 Tage ohne Aufladen bei normaler Nutzung und bis zu 45 Tage im Batteriesparmodus bietet. Auch hier sind die Herstellerangaben etwas zu optimistisch gedacht, grundsätzlich hält aber auch die GTS 4 Mini durchaus 3 bis 5 Tage am Stück bei normaler Nutzung inklusive GPS-Tracking von sportlichen Aktivitäten, der Nutzung des Always-On-Displays und der Anzeige von Nachrichten und Anrufen durch.

Welches Modell für welche Zielgruppe?

Beide Modelle von Amazfit verfügen darüber hinaus über die Möglichkeit, auch eigene Armbänder verwenden zu können. Anders als bei Apple, das auf einen eigenen Uhrenadapter setzt, lassen sich bei diesen beiden Smartwatch-Exemplaren handelsübliche Uhrenarmbänder mit 20 mm Breite verwenden, die sich in verschiedensten Materialien, Farben und Designs nicht nur online, sondern auch im stationären Schmuckgeschäft finden lassen. Auf diese Weise sind den eigenen Anpassungsmöglichkeiten keine Grenzen gesetzt. Da ich die von Amazfit mitgelieferten schwarzen Silikonbänder ein wenig langweilig fand und durch das Material auch schon Hautirritationen bekommen habe, habe ich die Armbänder nach kurzer Zeit durch eigene ausgetauscht, was binnen Sekunden erledigt ist.

Für wen eignen sich die beiden neuen Amazfit-Smartwatches nun? Das Flaggschiff-Modell, die Amazfit GTS 4 mit ihrem Kaufpreis von knapp 200 Euro, nähert sich langsam aber sicher dem günstigen Apple Watch SE-Modell an. Und hier muss ich ganz klar festhalten: Wer sich fortwährend im Apple-Ökosystem aufhält und verschiedene Dienste und Geräte nutzt, ist langfristig mit der Apple Watch SE, die bei Apple zu Preisen ab 299 Euro zu haben ist, besser beraten. Wer hingegen einen unkomplizierten Einstieg in die Smartwatch-Welt wagen möchte, sollte sich die GTS 4 Mini genauer ansehen, die auch designtechnisch an die Apple Watch angelehnt ist und über viele praktische Features der GTS 4 verfügt. Letztere hat mit dem Kratzen an der 200 Euro-Preismarke und einem mittlerweile klobig anmutendem Gehäuse aus meiner Sicht kaum noch nennenswerte Kaufgründe für sich zu verbuchen: Wer eine erste günstige Smartwatch möchte, greift für rund 90 Euro zur GTS 4 Mini, wer bereit ist, mehr Geld in die Hand zu nehmen, kann für 299 Euro auch schon eine aktuelle Apple Watch SE bekommen.

Weitere Infos zur Amazfit GTS 4 und GTS 4 Mini gibt es auch auf den Produktseiten des Herstellers. In den kommenden Wochen wollen wir euch zudem noch weitere Smartwatch-Alternativen mit der ebenfalls kürzlich veröffentlichten Fitbit Sense 2 und Fitbit Versa 4 hier im Blog präsentieren – haltet die Augen offen für unser Review.

‎Zepp (formerly Amazfit)
‎Zepp (formerly Amazfit)
Entwickler: Huami Inc.
Preis: Kostenlos

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Kommentare 2 Antworten

  1. Werdet Ihr die GTR 4 auch testen?

    Ich habe bisher die GTR 2e und bin total zufrieden mit der. Der Akku hält jetzt nach einem Jahr Betrieb immer noch ca. 10 Tage durch. Da finde ich die Zeiten der GTS 4 doch etwas kurz.

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