Arbeitstitel X-Pay: Deutsche Banken überlegen, Bezahldienste zusammenzulegen

Damit will man sich gegen Tech-Konzerne wappnen

Digitale Bezahldienste wie PayPal, Klarna und N26 sind auf dem Vormarsch. Dieser Konkurrenz müssen sich auch die großen deutschen Banken stellen und überlegen, wie sie ihre Services in Zukunft für Kunden interessant gestalten können. Laut eines Berichts des Handelsblatts planen die deutschen Banken aktuell, ihre Zahldienste zusammenzulegen – Arbeitstitel bisher: X-Pay.

„Demnach sind derzeit zwei Optionen im Gespräch: Entweder private und genossenschaftliche Banken sowie Sparkassen bündeln ihre verschiedenen Bezahlangebote stufenweise und bieten ihren Kunden ein neues Produkt an“, heißt es beim Handelsblatt. „Oder bauen die Angebote erst aus und führen sie später in X-Pay zusammen. Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK), die gemeinsame Interessevertretung der Banken-Lobbyverbände, wollte sich dazu nicht äußern.“

Wenn es tatsächlich zu einem Zusammenschluss der bankeneigenen Zahlungsdienste kommen sollte, wäre dieser Schritt wohl auch mit einem Ende des 2015 gestarteten Online-Zahlservices Paydirect verbunden. Dieser von den Banken und Sparkassen initiierte Dienst konnte sich bis dato nicht am Markt etablieren und zog gegen die direkte Konkurrenz in Form von PayPal den Kürzeren. 

Dass Bewegung in die Digitalisierung von Bezahldiensten kommt, ist notwendig: Bisher gibt es bankeneigene Angebote, die nur wenig Zuspruch finden und deren Vielfalt zudem für Nutzer verwirrend sind. Mit Giropay gibt es auch einen Dienst, der noch vor Paydirect gestartet ist, aber auch nur wenig eingesetzt wird. Seit kurzem wurde das Handy-Zahlverfahren „Kwitt“ aus der Traufe gehoben – allerdings klappt dort der Geldversand auch nur zwischen Kunden der Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Ziel ist ein europaweites Zahlungssystem

Mit den beiden Zahlungsangeboten von Apple und Google, Apple Pay bzw. Google Pay, die im letzten Jahr gestartet sind, wird trotz gemeinschaftlicher Arbeit mit den Banken zusätzlicher Druck auf letztere ausgelöst. Daher führe man nun in der Bankenbranche Gespräche, um einen gebündelten Bezahldienst – bisheriger Titel X-Pay – anzubieten. Dieser soll „über neue Datenschnittstellen, im Fachjargon APIs, bei den einzelnen Geldhäusern andocken“, wie das Handelsblatt erklärt. 

„Ziel ist laut Insidern, dass X-Pay Teil eines möglichen neuen europäischen Zahlungssystems werden kann, für das mehrere bei der Europäischen Zentralbank angesiedelte Arbeitsgruppen die Grundlage schaffen wollen“, so das Handelsblatt. „Dieses Regelwerk namens Sepa API Access Scheme könnte zum einen zur europaweiten Initiierung und Abwicklung von Zahlungen dienen und zum anderen die Basis für einen branchenübergreifenden Datenaustausch bieten.“

Man darf also gespannt sein, wie sich dieses Vorhaben in der nächsten Zeit entwickelt. Vor allem mit Branchengrößen wie PayPal und Apple Pay dürften es die deutschen Banken schwer haben, eigene Dienste zu etablieren. Unter dem Titel X-Pay würde der Service allerdings nicht laufen dürfen: In München gibt es bereits ein Fintech-Unternehmen mit diesem Namen.

Kommentare 12 Antworten

  1. Es ist wie immer, in Deutschland wird über den Start diskutiert während alle anderen schon lange auf der Zielgeraden sind, bzw. im Falle der Digitalisierung schon zig Rennen weiter… ☹️

  2. Ich halte den Schritt für durchaus sinnvoll hier Kräfte zu bündeln. Giropay, Girogo, Paydirekt und Kwitt… wer steigt da noch durch. Die richtige Schreibweise ist übrigens ausnahmsweise mal die Deutsche: Paydirekt.

    Wenn das Ganze noch mit dem geplanten Identitätsdienst „Yes“ gekoppelt würde, wäre das sicher noch sinnvoller. Yes geht über die bisherigen Single Sign On Verfahren hinaus.

  3. Im Prinzip eine Konkurrenz zu USA aufzubauen ist ok. Wenn die Verbreitung dann zumindest in Europa gewährleistet ist und damit international überall parallel zu Apple Pay und Co akzeptiert wird, dann ist da nichts einzuwenden. Aber es muss EIN Service sein, der am Ende jeder kennt und abnickt. Rein nur in Deutschland wird ne Totgeburt. Will nicht in jedem Laden fragen müssen was funktioniert. Und dann würde ich auch bei Apple Pay bleiben (zumindest jetzt noch). Da hab ich noch nie gefragt und bis auf Bulgarien (wo eigentlich jeder drahtlos mit KK bezahlt) ging das auch überall. Warum da nicht, keine Ahnung. Aber zu 95% mit KK Akzeptanz geht das. Die vielen unterschiedlichen Services schrecken nur ab, und wenn das dann mehr als zweimal irgendwo nicht geht, dann benutzen die Leute es nicht mehr.

  4. Dann aber auch bitte schön mit dem Maß an Anonymität dem Händler gegenüber wie bei Apple Pay. Wenn das nicht gewährleistet ist, könne sie ihr Gemeinschaftsprojekt gleich wieder einstampfen, noch bevor es begonnen hat. Jeder der die Bequemlichkeit von Apple Pay oder oder Paypal erleben durfte, wird zu nichts „rückständigerem“ mehr zurück wollen.

  5. Einen Mehrwert würde ich bei einem solchen Projekt nur erkennen, wenn ich mich bei diesem Zahldienstleister, der aus diesem Projekt hervorgehen soll, registriere und mit diesem überall (sowohl online als auch im Reallife) zahlen kann und zwar anonym (bspw. mittels Tokentechnologie wie bei Apple Pay) und (was mir persönlich wichtig ist!) wenn das Geld auch in Echtzeit beim Empfänger ankommt.
    Auf diese Weise wird dann zwar ganz schnell das Bargeld verschwinden, aber einen Tod muss man halt sterben.
    Entweder man will das eine, oder das andere.

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