Der Oberste Gerichtshof der USA wird sich mit Apples Berufung im langjährigen Streit mit Epic Games um den App Store befassen. Das Gericht gab grünes Licht für die Verhandlung, nachdem Apple gegen ein Urteil wegen Missachtung des Gerichts protestiert hatte. Reuters berichtet, dass es um die Frage geht, ob Apple die eigenen Regeln für externe Links im App Store zu streng gehandhabt hat.
In einer Stellungnahme zeigte sich Apple erleichtert: „Dies ist eine wichtige Rechtsfrage, und wir freuen uns, dass der Oberste Gerichtshof unseren Fall verhandeln wird.“ Schon im Mai 2025 hatte das Unternehmen den Supreme Court um eine Überprüfung gebeten, zunächst jedoch ohne Erfolg. Doch der Fall eskalierte, und das Interesse des höchsten Gerichts war geweckt.
2021 gewann Apple den ursprünglichen Prozess gegen Epic Games weitgehend. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers sah keinen Kartellverstoß, ordnete aber an, dass Apple seine Anti-Steering-Regeln lockern muss. Entwickler und Entwicklerinnen sollten in ihren Apps auf alternative Zahlungsmethoden verlinken dürfen. Apple reagierte, allerdings mit einem Trick: Statt der üblichen 15 bis 30 Prozent Provision verlangte das Unternehmen nun 12 bis 27 Prozent für externe Links. Inklusive Zahlungsabwickler-Gebühren blieb für Entwicklerteams kaum ein Vorteil.
Epic Games sah darin einen Verstoß gegen die Anordnung von 2021 und zog erneut vor Gericht. Im April 2025 gab Richterin Gonzalez Rogers dem Spiele-Entwicklerstudio recht: Apple habe die einstweilige Verfügung vorsätzlich verletzt. Sie verbot dem Tech-Konzern, Gebühren für externe Links im US-App Store zu erheben. Apple passte seine Regeln an und legte Berufung ein.
Berufungsgericht bestätigt: Apple handhabte die Anordnung falsch

Das Berufungsgericht des Neunten Bezirks bestätigte die Missachtung. Apples Argument, die ursprüngliche Anordnung habe Gebühren nicht explizit verboten, zog nicht. Die Richter sahen einen Verstoß gegen den „Geist“ der Verfügung: Die hohen Gebühren untergruben den Zweck der Lockerung. Apple konterte, ein Urteil basierend auf dem „Geist“ statt dem Wortlaut sei ein „Rezept für Missbrauch“.
Apple fordert den Obersten Gerichtshof auf, nicht nur die Missachtungsverurteilung aufzuheben, sondern auch den Geltungsbereich der einstweiligen Verfügung zu prüfen. Das Unternehmen argumentiert, diese gelte nur für Epic Games, aber nicht für alle Entwickler und Entwicklerinnen. Als Präzedenzfall führt Apple das Urteil „Trump gegen CASA“ an, das untergeordneten Gerichten verbietet, landesweite Richtlinien per einstweiliger Verfügung zu blockieren.
Apple warnt, dass das aktuelle Urteil den globalen App-Markt „neu gestalten“ könnte. Die Kombination aus Missachtungsverurteilung und der Anordnung, Richtlinien für alle Entwicklerstudios zu ändern, sei eine gefährliche Präzedenz. Der Oberste Gerichtshof wird den Fall in seiner nächsten Sitzungsperiode ab Oktober 2026 verhandeln. Parallel läuft bereits ein neues Verfahren vor dem Bezirksgericht: Hier geht es um die konkrete Höhe der künftigen Gebühren. Der Rechtsstreit zwischen Apple und Epic Games dürfte sich daher noch einige Zeit hinziehen.
