Indigo: Neue vielversprechende Fediverse-App vereint Bluesky- und Mastodon-Konten

Indigo: Neue vielversprechende Fediverse-App vereint Bluesky- und Mastodon-Konten

Mit Beteiligung des Ketchup-, Croissant und Obscura-Entwicklers

Banner von Indigo mit Ansichten der iPad-, Mac- und iPhone-Version

Wer sich von den sozialen Netzwerke der US-Tech-Milliardäre lossagen möchte, hat seit kurzem eine neue Option: Indigo. Die Mitte Mai veröffentlichte App vereint die dezentralen Netzwerke Mastodon und Bluesky unter einem Dach und bietet Nutzern und Nutzerinnen ein nahtloses Erlebnis. Statt sich für eine Plattform entscheiden zu müssen, können sie beide gleichzeitig mit einer einheitlichen Timeline, die geräteübergreifend synchronisiert wird, nutzen.

Dezentrale soziale Medien liegen im Trend. Immer mehr Menschen wollen die Kontrolle über ihre Algorithmen, Feeds und Moderationsentscheidungen zurückgewinnen. Bisher musste man sich entscheiden: Mastodon, das auf dem älteren ActivityPub-Protokoll basiert und auch von Metas Threads genutzt wird, oder Bluesky, das auf dem modernen AT-Protokoll läuft. Indigo macht Schluss mit dieser Wahl und kombiniert einfach beides. Getrennte App-Clients für Mastodon und Bluesky gehören damit der Vergangenheit an.


Mit Indigo kann man Beiträge gleichzeitig auf Mastodon und Bluesky veröffentlichen, das sogenannte Crossposting. Die App wurde von Aniline Applications entwickelt, dem Team hinter dem Cross-Posting-Tool Croissant. Mit an Bord ist auch Ben McCarthy, Mitentwickler von Indigo und Schöpfer der Obscura-Apps sowie des Pokémon-Tools Ketchup. Die App soll eine eigenständige Lösung für alle sein, die beide Netzwerke nutzen.

Farbige Unterscheidung: Blau für Bluesky, Lila für Mastodon

macOS-Version von Indigo vor einem Sternen- und Aurora-Wallpaper
Auch auf dem Mac macht Indigo eine gute Figur.

In der Timeline von Indigo sind die Beiträge der beiden Plattformen klar erkennbar: Bluesky-Profile sind blau umrandet, während Mastodon-Profile in Lila erscheinen. So behält man den Überblick, ohne zwischen Apps hin- und herwechseln zu müssen. Ein weiterer zentraler Faktor von Indigo sind sogenannte „Groups“, in denen man verschiedene Mastodon- und Bluesky-Konten zusammenfassen kann. So kann man beispielsweise eine Gruppe für die berufliche oder private Kommunikation erstellen, und so schnell zwischen ihnen wechseln, crossposten und eine entsprechend angepasste Timeline sehen zu können.

Indigo bietet darüber hinaus eine Reihe nützlicher Funktionen: User können automatisch zum Anfang neuer Beiträge scrollen, nicht jugendfreie Inhalte ausblenden, Inhaltswarnungen einrichten oder bestimmte Accounts und Stichwörter stumm schalten. Auch das Filtern von Antworten und die Aktivierung eines Dunkelmodus sind möglich. Zudem lassen sich benutzerdefinierte Feeds und Listen aus beiden Netzwerken verwalten, neue Icons festlegen, Schriftarten und -größen einstellen, Benachrichtigungen verwalten und Übersetzungs-Sprachen konfigurieren. Weiterhin gibt es eine universelle Suche, die sowohl Bluesky als auch Mastodon durchsucht.

Mit Indigo verpasst darüber hinaus man keine Benachrichtigung mehr: Dabei ist es egal, ob sie von Mastodon oder Bluesky stammt. Die App ermöglicht es, Trends über beide Netzwerke hinweg zu verfolgen und alle Aktivitäten zentral zu verwalten. Für die optimale Übersicht gibt es auch einen Timeline-Counter mit der Anzahl der ungelesenen Beiträge, der wie die Timeline geräteübergreifend zwischen iPhone, iPad und Mac synchronisiert wird.

Meine ersten Eindrücke von Indigo

Drei iPhone-Ansichten von Indigo
So sieht Indigo auf einem iPhone aus.

Ich konnte Indigo in den vergangenen Wochen ausgiebig testen und nutze die App mittlerweile nur noch, um meine dezentralen sozialen Netzwerke zu besuchen. Die universelle Timeline ist ein echter Gamechanger und ermöglicht es, gleichzeitig Mastodon-, als auch Bluesky-Posts chronologisch zu sehen. Besonders praktisch: Die App erkennt auch, wenn man in beiden Netzwerken dem gleichen Account folgt und fasst diese dann zu einem Beitrag zusammen, so dass man keine doppelten Posts sieht.

Ich habe Indigo auf meinem iPhone, iPad und Mac installiert und bin mit der Anwendung sehr zufrieden. Lediglich auf dem iPad würde ich mir noch eine mehrspaltige Ansicht im Querformat des Tablets wünschen, da dort derzeit noch einiges an Platz verschwendet wird. Apps wie Skeets for Bluesky oder auch Ivory for Mastodon zeigen, dass es noch besser geht. Auch eine deutsche Lokalisierung ist bisher noch nicht integriert.

Die beiden Entwickler Aaron Vegh und Ben McCarthy sind zudem überaus fleißig, arbeiten kontinuierlich an frischen Updates und neuen Funktionen, und nahmen bereitwillig auch mein User-Feedback in den ersten Wochen entgegen. Auch im direkten Vergleich zur ähnlichen App OpenVibe, das erst kürzlich mit der Einführung eines kostenpflichtigen Abos und der Beschneidung von Gratis-Konten viele User vergrault hat, macht Indigo einen deutlich umfangreicheren und gleichzeitig aufgeräumteren Eindruck.

Kosten: Abo oder Einmalzahlung

Die erweiterte Funktionalität von Indigo, beispielsweise das gleichzeitige Veröffentlichen auf mehreren Plattformen oder die Synchronisation der Timeline, ist kostenpflichtig. Nutzer und Nutzerinnen können zwischen einem Abo für 3,99 Euro pro Monat, 24,49 Euro pro Jahr oder einer Einmalzahlung in Höhe von 83,99 Euro wählen. Aktuell ist die App für iPhone, iPad und Mac (App Store-Link) verfügbar und benötigt neben 111 MB an Speicherplatz auch mindestens iOS/iPadOS/macOS 26.0 oder neuer auf dem Gerät. Weitere Infos zu Indigo gibt es auch auf der offiziellen Entwickler-Website.

Indigo for Bluesky & Mastodon
Indigo for Bluesky & Mastodon

Anzeige

Mel
Ich bin seit 2011 Teil des appgefahren-Redaktionsteams und war schon immer an Innovationen im Tech-Bereich und Gadgets interessiert. Wann immer es praktisches Outdoor-Zubehör oder interessante Foto-Apps gibt, bin ich Feuer und Flamme, denn auch in meiner Freizeit bin ich gerne mit dem Rad oder der iPhone-Kamera unterwegs. Seit einiger Zeit nutze ich aktiv das Fediverse und berichte über neue Apps, Dienste und Entwicklungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert