Als im Sommer 2024 die Multi-Client-App OpenVibe (App Store-Link) im App Store veröffentlicht wurde, löste sie ein Problem, das viele Personen, die im dezentralen Fediverse mit Netzwerken wie Mastodon, PixelFed, Threads, Nostr, Bluesky und mehr betraf: Der Freundeskreis und favorisierte Accounts teilen sich oft auf mehrere Netzwerke auf. Die einen sind zu Mastodon gewechselt, andere wiederum sind bei Bluesky oder Threads aktiv.
Um all diese Netzwerke schnell und einfach – trotz unterschiedlicher zugrundeliegender Protokolle und größtenteils fehlender Vernetzung – übergreifend zugänglich zu machen, hatte sich das tschechische Entwicklerteam von Tweetoshi Gedanken gemacht und Openvibe kreiert. Mit letzterem kann man über eine einzige Schnittstelle mit Followern auf Mastodon, Nostr, Bluesky und Threads in einer kombinierten Timeline in Verbindung bleiben. Die App bietet auch die Möglichkeit, Cross-Posts in mehreren Netzwerken gleichzeitig zu veröffentlichen.
Im Verlauf der letzten zwei Jahre kamen von Seiten des Entwicklerteams immer mehr Funktionen hinzu, beispielsweise auch das Einbinden mehrerer Accounts eines Netzwerks, das Posten von Videos, die Nutzung benutzerdefinierter Emojis, das Anlegen von Profilen und im August des vergangenen Jahres auch die Einbindung von RSS-Feeds.
Bislang ließ sich OpenVibe komplett kostenlos und ohne Werbeeinblendungen, In-App-Käufe oder Abonnements auf dem iPhone und iPad verwenden. Damit ist seit gestern Schluss: Wie das Team von Tweetoshi unter anderem bei Mastodon und Bluesky verkündet hat, hat man ohne Vorlaufzeit „OpenVibe Pro“, ein kostenpflichtiges Abonnement mit Kosten von 3,99 Euro/Monat bzw. 44,99 Euro/Jahr, in die App integriert.
Bestandskundschaft verliert bereits bestehende Profile und Accounts

Im kostenpflichtigen OpenVibe Pro enthalten sind unbegrenzte Account-Verbindungen, das Einrichten mehrerer Profile, das Entfernen des Brandings, eine Auswahl an App-Icons und Farbschemata und die Unterstützung der App-Entwicklung. In der Bekanntmachung des Entwicklerteams in den sozialen Netzwerken heißt es vollmundig:
„Das Wichtigste zuerst: Die App, die du heute benutzt, ändert sich nicht. Die vereinheitlichte Timeline, Cross-Posting, deine Feeds – alles bleibt kostenlos, das ist ein Versprechen.“
Was aber verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass die Bestandskundschaft, die den Multi-Client bereits seit längerem verwendet und entsprechende Accounts und Profile in der App eingerichtet hat, mit der Einführung von OpenVibe Pro Account-Verbindungen zu Mastodon, Bluesky, Threads und Co. verliert, wenn mehr als zwei Konten eingepflegt worden sind. OpenVibe-User berichten bei Mastodon, dass sie seit gestern von der App aufgefordert wurden, sich für zwei kostenfrei und ohne Abo nutzbaren Accounts entscheiden mussten. Wer mehr als zwei Accounts gleichzeitig verwenden möchte, hat OpenVibe Pro abzuschließen.
Gleiches gilt auch für Profile, mit denen sich beispielsweise für Arbeits- und Privatumgebungen entsprechende Accounts der unterstützten Netzwerke zusammenfassen ließen: Wie etwa berufliche Bluesky- und Threads-Konten für das Arbeits-Profil, und private Mastodon-, Bluesky- und Threads-Accounts für ein Privatprofil. Auch damit ist für nicht-zahlende User von OpenVibe nun Schluss: Mehrere Profile gibt es nur noch gegen Bezahlung.
Große Kritik: Jeder Beitrag wird mit Werbung für OpenVibe versehen

Als wäre das nicht genug, hat das Entwicklerteam den Gratis-Nutzern und -Nutzerinnen auch ein Branding für jeden Beitrag, jede Antwort, jeden Cross-Post verpasst: Wer nicht über OpenVibe Pro verfügt, veröffentlicht alle Posts mit dem Zusatz „Crossposted with @openvibe“ oder „Sent from @openvibe“. Ein massiver Einschnitt für die Bestandskundschaft, die das Versprechen des Entwicklerteams, „Die App, die du heute benutzt, ändert sich nicht“, komplett ad absurdum führt.
Es ist absolut legitim, für zusätzliche Pro-Features und die weitere Entwicklung ein optionales kostenpflichtiges Abonnement zu integrieren. Wer jedoch die Bestandskundschaft, die teilweise seit Tag Eins auf die App gesetzt und die Entwicklung mit Feedback vorangetrieben hat, derart beschneidet, macht sich keine Freunde – zumal einige wiederkehrende Bugs und Fehler in der App noch immer nicht behoben worden sind.
OpenVibe versprach, für Gratis-User nichts zu verändern, aber entfernt nun Funktionen, die zuvor kostenlos nutzbar waren, und das ohne jegliche Vorlaufzeit. Gerade das nun hinzugefügte Branding stößt bei vielen Usern sauer auf und wird wohl langfristig dazu führen, dass auch diese eigentlich vielversprechende Anwendung in Ermangelung eines tragbaren Abo-Konzepts in den ewigen Jagdgründen des App Stores verschwinden wird. Wer uns abschließend im Fediverse folgen möchte, findet appgefahren bei Mastodon.
