Kommentar: Abschaffung der Roaming-Gebühren ab 2017

Heute hat das EU-Parlament für die Abschaffung der Roaming-Gebühren gestimmt. Ein Kommentar zum Thema.

Roaming Strand

Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, als man für eine SMS aus dem benachbarten Ausland stolze 39 Cent bezahlt hat? Die Anfänge des mobilen Internets? An die Zeiten, an denen man vor jedem Urlaub drei Mal überprüft hat, ob das Daten-Roaming tatsächlich deaktiviert ist? Und an die Horror-Geschichten von entfernen Bekannten oder gar dem Familienkreis, wenn der Mobilfunkanbieter plötzlich dreistellige Summen forderte, nur weil man im Ausland ein paar Minuten im Internet aktiv war?

Aber auch in den letzten Jahren gab es viele Gründe, den Kopf zu schütteln. So sind mittlerweile in vielen Tarifen SMS günstiger, wenn man sie aus dem Ausland verschickt. Ab dem 30. April 2016 kosten Kurznachrichten im Ausland sogar nur noch 2 Cent, während man hier in Deutschland oft 9 Cent für eine SMS bezahlt.

Besonders gelungen finde ich eine Option in meinem aktuellen Vodafone-Tarif. Für 2,99 Euro pro Tag darf man den Tarif im EU-Ausland so nutzen, wie man es von Zuhause gewohnt ist. Das ist ungemein praktisch, wenn das Hotel-WLAN maßlos überteuert ist und die sonst üblichen 50 oder 100 MB aus Auslands-Paketen nicht genügen. Vodafone ist sogar so nett, das Paket automatisch zu buchen, sobald man es benötigt.

Deutschland leidet unter horrenden Tarifpreisen

Hier zeigt sich allerdings, mit welchen Tricks die Provider heutzutage arbeiten: Vodafone berechnet die 2,99 Euro nicht nur, wenn man im mobilen Datennetz surft, sondern auch, wenn man einen Anruf annimmt oder eine SMS verschickt. Mal eben 3 Euro berechnen, obwohl nur ein paar Cents verbraucht werden. Geschickt.

Glücklicherweise hat all das bald ein Ende. Ab dem 15. Juni 2017 dürfen Handy-Benutzer in der gesamten EU ohne zusätzliche Roaming-Gebühren telefonieren, im Internet surfen oder klassische SMS verschicken. In der ach so tollen EU hätte das schon viel früher passieren müssen, schließlich sind Telekom, Vodafone oder Telefonica (O2) nicht nur in Deutschland mit eigenen Netzen vertreten, sondern quasi in ganz Europa. Welche Mehrkosten entstehen wohl für den Provider, wenn ich im holländischen statt deutschen Vodafone-Netz unterwegs bin?

Natürlich werden die Anbieter irgendwie versuchen, die ausbleibenden Gewinne anderweitig einzutreiben. Es könnte aber auch ganz anders kommen. Man muss sich nur mal die Tarifpreise in Österreich ansehen um festzustellen, dass wir in Deutschland regelrecht abgezockt werden. Bei T-Mobile.at bekommt man für 19,99 Euro pro Monat eine Allnet-Flat für Telefon und SMS, je 50 Minuten und SMS für das Ausland sowie 2 GB Datenvolumen mit LTE. Ein vergleichbarer Tarif bei T-Mobile.de kostet regulär 39,95 Euro und ist demnach etwa doppelt so teuer. (Foto: Depositphotos/Tonodiaz)

Kommentare 52 Antworten

    1. Wahrscheinlich muss man dann dort auch seinen Wohnsitz haben. Um eben genau diese Möglichkeit zu unterbinden. Aber der Gedanke kam mir auch direkt beim Lesen.

    2. Das hängt wohl von den AGBs ab bzw ob Du ohne festen Wohnsitz/Meldeadresse in dem jeweiligen Land einen Vertrag abschließen kannst…
      T-Mobile USA bietet ja sogar Tarife mit Roamingdaten bis 25 GB bei 128 kB an…
      Klar,die gehören zu den kleineren US-Wettbewerbern, aber Freddys Österreichbeispiel ist ja leider bezeichnend…
      Naja, UMTS-Lizenzen wurden ja teuer genug versteigert…zahlen da wohl immer noch für…
      Schätze mal die Betreiber erhöhen einfach mal die monatlichen Grundgebühren und setzen minimal die Leistungen rauf… Behaupten dann LTEmax zu liefern (soweit verfügbar) und schon kann man 5-10€ mehr verlangen…

    3. Kann man sicher über österreichische Einwohner arrangieren. Dann hast du eine Allnetflat und SMS-Flat in Österreich sowie eine 2GB Datenflat, auch in Österreich. Dazu noch 50 Minuten, 50 SMS und kein Internet in Deutschland.
      Ist doch ziemlich sinnfrei, oder ?

    4. Doch. Man kann in jedem EU-Land als EU-Bürger einen Handyvertrag abschließen.
      Nur was bringt es dir dann, wenn du in Deutschland mit einer österreichischen SIM momentan noch Roaminggebühren zahlst. SMS mögen ab April günstiger sein, Daten sicherlich nicht.

  1. Ich bin dienstlich öfters in den USA unterwegs. Und da hat jedes Hotel gratis WLAN, ja sogar jeder kleine Laden und jedes Geschäft bietet das kostenlos an! Da wäre ich blöd eine Auslandsdatenoption zu buchen…

  2. Ich schätze mal, dass ist alles nur heiße Luft.
    Fast jeder wählt eine Allnet-Flat, die wird dann einfach begrenzt auf Inlandsgespräche und LTE in DE, fertig ist die Laube.
    Für Gespräche uns Surfen im Ausland fallen weiterhin horrende Gebühren an, weil die nicht im Paket mit drin sind.

  3. Und im Gegenzug wurde von der EU die Netzneutralität aufgegeben. Und während man sich noch geblendet über das Roaming freut, wird man sich später über Aufpreise für bestimmte Dienste wundern….

    1. Ehrlich? Soll der Netflix-User doch zahlen, dass er so viel Traffic verursacht. Auf der anderen Seite darf er dann auch Topraten erwarten wenn er eine Film Sonntagabend anschauen will. Immer dieses dämliche „ich will alles umsonst“. Wenn du normale Seiten absurden wirst, reicht dir auch DSL mit einer normalen Geschwindigkeit.

      1. Ja Ja, die bösen Sparer. Darum geht es doch gar nicht. Ob Netflix mehr verlangt ist doch gar nicht gesetzt. Dass die Markteintrittsbarrieren höher werden aber schon. Das könnte Wettbewerbsreduzietend wirken. Will man das? Ich nicht.
        Noch viel wichtiger ist aber dass aus schwammig definierten Gründen bestimmte Dienste und Anbieter auf eine unbestimmt niedrige Gschwindigkeit gesetzt werden können. Das öffnet dem Missbrauch Tür und Tor. Ich will ja keinen Teufel an die Wand malen aber stellt euch mal vor, ein Politiker im Stile eines Erdogan oder Putin hätte bei uns solche offiziellen Möglichkeiten über „gute Verbindungen“ zu Netzbetreibern……

        Aber dem Urlauber wird ja versprochen, auch im Urlaub ohne großen Aufwand etwas günstiger telefonieren zu können. Das macht alles völlig akzeptabel! Die tumbe Masse ist beruhigt….Brot und Spiele. Ach ja: Netflix geht vielleicht sogar schneller ….!

  4. Glücklicherweise kann man bei T-mobil, (meines Wissens in den meisten Tarifen), für 5€ in Monat die Auslandsoption für die Eurozone buchen. Damit kann ich die vollen 10Gb im europäischen Ausland nutzen.
    Diese 5€ empfinde ich als durchaus fair und sinnvoll angelegtes Geld. Besonders wenn man bedenkt, das die Travel&Surf Pässe, auf das Datenvolumen gerechnet, nur Wucher sind.

    Dazu kommt nun, (wie ich gerade erst in einem längeren Gespräch mit einem T-Kundenberater erfahren habe), die Option, Datenvolumen in dreierlei „großen“ pro Monat hinzuzufügen. Dies ist dann auch unabhängig von dem Vertrag monatlich kündbar.
    So werden aus meiner 10Gb Flat eine 15Gb Flat, dich ich voll im Ausland nutzen kann.

    Wenn man sich etwas mit den Tarifen beschäftigt und sein eigenes Konsumverhalten einzuschätzen weiß, dann sollte man mit solchen Optionen ganz gut fahren.

  5. Die Regelung wird laut süddeutsche.de nicht wie erhofft in Kraft treten, sondern es gibt ein „fair use“ Prinzip. Angeblich jeden Tag 10 MB und darüber hinaus ist es dann ein Urlaubstarif. 🙂 😐 :'(

      1. Toll, „Blödsinn“ behaupten, aber nicht erklären, warum man dies behauptet. Unglaublich, was für dumme Menschen es gibt, die nur destruktiv handeln können.

        1. Du selbst berufst dich auf die Süddeutsche und hast sie offenbar nicht gelesen oder verstanden. Die Verordnung steht und kommt auch so.
          Dass diese 2 verschiedene Dinge regelt, hast du offensichtlich nicht kapiert. Und hier unbArtikel geht es um die Rosming-Gebühren.

  6. Das ist jetzt n Witz, oder? Die Netzneutralität wurde heute faktisch abgeschafft und ihr feiert das Ende der Roaminggebühren. Macht mal eure Hausaufgaben

  7. Das Thema Netzneutralität ist wichtiger als das halbe EU Roaming, dass durch ein „fair use“ Prinzip im Ausland nicht so wie im Inland genutzt werden kann (obwohl Telekom, Telefonica und Vodafone in fast ganz Europa ihre Netze haben!).

  8. Es gibt wieder neu Tricks der Anbieter. Z.B. wenn man von einem Schiff auf See eine SMS verschickt gibt es Extra Gebühren und eine SMS ist richtig teuer. So zumindest bei Congstar.

    1. So zumindest bei allen Anbietern, da du auf See in einem Netz des Kreuzfahrtschiffes bist! Deshalb vermeidet man ja auch dessen Nutzung bis zum nächsten Hafen…

    2. Bezieht sich auf die sogenannte 12MeilenZone.
      Außerhalb dieser ist man auf internationalen Gewässern und kann somit nicht einem Land zugeordnet werden. Und ja es wird da richtig teuer, da die Verbindung da draußen nur über Satellit funktioniert. Dazu benötigt man aber eine Bohrinsel oder ähnliches in der Nähe. Ab 4-7 Meilen von Land entfernt, hat man keinen Empfang mehr. Deshalb stellt sich mir hier die Frage, wer da draußen ohne Netz eine SMS verschicken kann….

  9. Also ich kann mich noch erinnern, dass mal eine Minute telefonieren 39 Pfennig gekostet hat. Und dafür musste man schon im eigenen Netz unterwegs sein 😉

  10. Vollkommen sinnbefreit den den Providern ist schon immer etwas eingefallen womit man den deutschen Depp das Geld aus der Tasche ziehen kann. In meinen Land haben die Provider soviel Narrenfreiheit wie in Deutschland, das sieht man alleine schon an den überteuerten Verträge, aber der deutsche Bürger hat eh schon lange nichts mehr zu sagen bzw. zu. melden hier, im Gegenteil es wird sofort versucht den irgendwie klein zu bekommen sieht man auch an der aktuellen Flüchtlingspolitik sehr gut.

    1. Ohje, hier fehlen noch „ChemTrail“, „Lügenpresse“, „Deutschland GmbH“ und die These das es in Deutschland keine Demokratie gibt.

  11. Willkommen in der Schweiz. Sie zahlen für Anrufe nach Deutschland und vor Ort 0,91 EUR/Min. sowie 0,41 EUR/SMS. Für ankommende Gespräche fallen 0,61 EUR/Min. an. Ihr 1&1 Kundenservice

  12. verstehe nicht warum sich alle darüber freuen? private personen betrifft das 1 oder 2 mal im jahr, im urlaub. zahlen dürfen es jetzt alle weil die provider ja den verlust ausgleichen müssen.

  13. Das heißt, ich könnte dann einen , wie am Ende angepriesen, günstigen Tarif aus dem Ausland nehmen, und „zuhause“ dann diesen normal nutzen? Dann entsteht internationaler Wettkampf im unterbieten… Ohweia ? na für uns gut, solange man da nicht arbeitet….. ?✌️

  14. Zitat: „Erinnert ihr euch noch an die Zeiten, als man für eine SMS aus dem benachbarten Ausland stolze 39 Cent bezahlt hat?“ Zitat Ende.

    lol, ja. Da hatte ich mich gefreut wie Bolle, weil zuvor jede SMS noch bis zu 1.49 EUR kostete. 30 Cent, … tzzz.

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