Alexa: Mitarbeiter, die Sprachbefehle abhören, haben Zugriff auf die Kundenadresse

Neue Details sind bekannt

Anfang des Monates haben wir berichtet, dass Amazon-Mitarbeiter eine geringe Anzahl an Alexa-Sprachbefehlen abhört und analysiert, um die Antworten der intelligenten Sprachassistentin zu verbessern.

So sollen sieben Mitarbeiter berichtet haben, dass es mehrere Einrichtungen von Amazon weltweit gibt, darunter in Rumänien, Indien, Costa Rica und in Boston in den USA, in denen Sprachaufnahmen der Amazon Echo-Nutzer angehört, transkribiert, kommentiert und zurück in die Software geleitet werden – alles, um Alexas Antworten auf die Befehle zu optimieren.

Etwas beunruhigend: Obwohl die meiste Zeit belanglose Audioinhalte bearbeitet werden, gab es trotzdem einige private Aufnahmen – zum Beispiele eine unter der Dusche singende Frau oder ein Kind, das nach Hilfe schrie. Amazon-Mitarbeiter haben außerdem interne Chaträume, in denen sie Inhalte teilen, wenn sie Hilfe mit einem Wort benötigen, oder auch – was deutlich beunruhigender ist – eine „amüsante Aufnahme“ zu teilen.

Pikant: Im neusten Bericht von Bloomberg wird darauf hingewiesen, dass die Mitarbeiter Zugriff auf die Kundenadresse haben.

Teammitglieder mit Zugang zu den geografischen Koordinaten der Alexa-Benutzer können sie leicht in eine Kartensoftware eines Drittanbieters eingeben und Wohnungen finden, so die Mitarbeiter, die Geheimhaltungsvereinbarungen unterzeichnet haben, die es ihnen verbieten, öffentlich über das Programm zu sprechen.

Während es keine Anzeichen dafür gibt, dass Amazon-Mitarbeiter mit Zugriff auf die Daten versucht haben, einzelne Benutzer aufzuspüren, äußerten zwei Mitglieder des Alexa-Teams gegenüber Bloomberg Bedenken, dass Amazon unnötig breiten Zugriff auf Kundendaten gewährt, was es einfach machen würde, den Besitzer eines Geräts zu identifizieren.

Gegenüber Bloomberg lässt Amazon wissen:

Der Zugang zu internen Tools ist streng kontrolliert und wird nur einer begrenzten Anzahl von Mitarbeitern gewährt, die diese Tools benötigen, um den Service durch die Verarbeitung einer extrem kleinen Stichprobe von Interaktionen zu schulen und zu verbessern. Unsere Richtlinien verbieten den Zugriff der Mitarbeiter auf Kundendaten oder deren Verwendung aus anderen Gründen strikt, und wir haben eine Null-Toleranz-Politik für den Missbrauch unserer Systeme. Wir überprüfen regelmäßig den Zugriff der Mitarbeiter auf interne Tools und begrenzen den Zugriff, wann und wo immer es möglich ist.

Wer ein Amazon Alexa-Produkt besitzt und keine zusätzlichen Mithörer im eigenen Zuhause haben will, sollte demnach alle verfügbaren Privatsphäre-Optionen sowie das Verbieten der Speicherung von Audio-Anfragen in den Einstellungen aktivieren.

Amazon Alexa
Amazon Alexa
Entwickler: AMZN Mobile LLC
Preis: Kostenlos

Kommentare 24 Antworten

  1. Moin, eine Frage: das Betrifft aber nur die Nutzung von Alexa, aber nicht die Möglichkeit der Sammlung bei nicht aktiv am SONOS One ?! Danke

  2. Wie soll eine Computer-Spracherkennung sich ständig weiterentwickeln wenn nicht echte Menschen falsch verstandene Befehle aufarbeiten und einsortieren…

      1. In Anbetracht der 2-Faktor-Authentifizierung ist das ebenfalls sehr fragwürdig, denn das führt diese ad absurdum. Selbst der Kundenservice hat erst Zugriff auf mein Konto, wenn ich denen den Code durchgebe, den ich per SMS bekommen habe.

  3. Aber Freddy, ist das nicht verquer?
    Wäre es nicht aufrichtiger, wenn man sich als Nutzer aktiv zur Analyse melden kann?
    Mit Sicherheit weiß ein Großteil der Nutzer nicht von dieser Möglichkeit und nimmt somit unfreiwillig Teil…

    1. Ich finde „Lauschservice“ klingt schlimmer, als es ist. Das Gerät hört ja trotzdem nur, wenn man es aktiv (oder sicher auch mal aus Versehen) anspricht. Nur das, wird dann auch an die Server geschickt.

      Aber klar, die Prozesse die danach folgen sind bescheiden. Da bin ich froh, dass ich keine Alexa zuahause habe.

      1. @Sebastian: Das Gerät „hört“ nicht nur, wenn man es anspricht, das kann ja gar nicht funktionieren. Das Gerät hört vielmehr immer zu, „reagiert“ aber nur wenn man es anspricht. Zumindest im Idealfall. Oft ist das Gerät wohl unentschlossen, ob es angesprochen wurde oder nicht. Dann müssen die Menschen ran. Der Rest und die Umsetzung dessen ergibt dann diese Geschichte hier 😉

        1. Wie es hört immer zu? meine Frage betrifft ein Gerät von SONOS was ich nutzen muss, damit ich per IPod Musik 🎧 hören kann! Es kommt der Hinweis, das Alexa nun vorhanden ist, aber erst wenn das App Installiert wurde! Oder funktioniert es nun auch so, da es ja ins Internet und Google Heimat anrufen kann, ohne wissen der Nutzer? Danke für eine Vernünftige Antwort zum Datenschutz

          1. Das musst du gar nicht. Du kannst per iPod auch super üer Kopfhörer Musik hören. Die sind sogar dabei, wenn du einen kaufst! 😀

            Aber keine Sorge, die Geräte hören generell nicht einfach mal so alles mit. Und wenn du Alexa nicht eingerichtet hast, dann auch nicht. Wenn du sicher gehen willst, dann schalte die Funktion explizit ab, gibt es sicher eine Doku im Netz dazu.

        2. Da hast du recht, hab mich zu schwammig ausgedrückt. Klar, diese Geräte hören natürlich generell immer zu. Aber nur für ein paar Sekunden und dann werden die letzten Sekunden auch wieder gelöscht.

          Aber viele unterstellen bei solchen Diskussionen, dass die Geräte einfach ständig alles nach Hause senden. Dass das nicht stimmt, kann man „relativ“ einfach prüfen und wurde auch schon darüber berichtet.

          Unentschlossen sind die Geräte sicher auch nicht. Sind ja Computer 😉 Aber es passiert eben, dass die etwas aufschnappen, dass wie „Alexa“ klingt, obwohl keiner „Alexa“ zum Gerät gesagt hat. Und dann wird das folgende natürlich zu den Servern gesendet, ohne, dass die Nutzer das so im Sinn hatten.

          1. @Sebastian: Naja, „unentschlossen“ ist der umgangssprachliche Ausdruck für das was da passiert. Als Informatiker lernt man (hoffentlich), IT-Kram für nicht-ITler zu formulieren.
            Technisch wird wahrscheinlich ein Scorewert gebildet und wenn der unter einer Schwelle liegt, wird als Anfrage gesendet.

          2. Da hat du recht, so wird es sein. Aber dann sind die eben entschlossen, ab dem Schwellenwert zu reagieren. Unentschlossen klingt zu schwammig, finde ich. Aber ja, es gibt eben einfach auch gewisse „fehlzündungen“ 😀

        3. So oder so würde ich aber solchen Firmen die ausschließlich (oder zusätzlich) Geld mit den Daten der Nutzer verdienen (Google, Amazon) generell eher ein gesundes Misstrauen entgegen bringen, in solchen Fällen.

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