Viki-Entwickler im Interview: Geld verdienen im App Store enorm schwierig

Vor ein paar Tagen haben wir euch die Wikipedia-App Viki vorgestellt. Zwischenzeitlich hat die App es bis in die Top-10 geschafft und wird aktuell von Apple als „Unser Tipp“ beworben. Grund genug, den Entwicklern ein paar Fragen zu stellen.

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Mit „Das Referenz“ habt ihr bereits eine Wikipedia-App veröffentlicht. Warum gibt es nun noch eine weitere, neue App?
Frank Rausch: Wir nutzen Wikipedia selbst viel und gerne. Deshalb hatten wir uns immer eine Lese-App gewünscht, die in Sachen Bedienung, Lesbarkeit und Typografie das maximal Mögliche aus den tollen Inhalten herausholt. Unsere Wikipedia-Lese-App namens „Das Referenz“ war ein erster Anlauf, diese Vision aufs iPad zu bringen. Währenddessen haben wir extrem viel über Wikipedia gelernt und es hatten sich viele Ideen für Verbesserungen angesammelt. Vor allem wollten wir iOS-Geräte in allen Größen unterstützen, vom 4-Zoll-iPhone bis hin zum iPad Pro. Deshalb haben wir uns letztes Jahr entschieden, nochmal von vorne anzufangen. Der Programmcode von Viki ist komplett neu und basiert auf der allerneusten iOS-Technik, aber natürlich haben wir sehr viele gute Ideen von Das Referenz übernommen. Es gab durch die zusätzlichen Gerätegrößen aus gestalterischer Sicht reizvolle neue Fragen. Die Wikipedia-Suche und -Artikel sinnvoll und lesbar auf einer Uhr unterzubringen, das ist keine alltägliche Aufgabe, sondern eine komplett neue Herausforderung.

Ihr habt Viki Ende Februar im App Store veröffentlicht. Wie läuft so ein Start-Tag aus Sicht der Entwickler ab?
Frank Rausch: Es ist eigentlich kein Start-Tag, sondern eine Start-Woche. Das Hochladen der App zu Apple und das anschließende Warten auf die Freigabe. Beides wird zur Nebensache bei all den anderen Dingen, die Aufmerksamkeit verlangen. Um bei der Fülle an Apps im Store wahrgenommen zu werden, liegt die Latte nämlich ziemlich hoch: Man braucht eine schicke Website, gute Screenshots, Texte, Videos und eine ordentliche Pressemappe – auf jeden Fall auf Englisch und möglichst auch auf Deutsch. Alleine die Marketing-Vorbereitungen für Viki haben bestimmt sechs Wochen gedauert. Der Launch von Viki war aufregend und hat diesmal – bei dem vielen positiven Feedback – besonders viel Spaß gemacht.

Es haben bereits einige Blogs über Viki berichtet, ein Feature von Apple gibt es seit heute auch. Wie wichtig sind solche Faktoren für den Erfolg einer App?
Frank Rausch: Es ist enorm wichtig für den Erfolg einer App, dass darüber berichtet wird. Im App Store wird die App ja erst nach oben in die Top-Listen gespült, wenn sie oft genug heruntergeladen wird. Hochkarätige Follower auf Twitter sind toll, um die die Botschaft verbreiten. Natürlich haben wir auch selbst an den verschiedensten Stellen die Werbetrommel gerührt, E-Mails und Posts geschrieben. Und wenn das Produkt gut genug ist, wird es hoffentlich auch von den wichtigen Medien besprochen. In diesem Fall hat es geklappt, wie man sieht, denn ich darf Dir dieses Interview geben. Ein Feature von Apple gab noch nicht, aber seit heute trägt die App das Siegel „Unser Tipp“ im App Store, das Apple eher sparsam vergibt. Das ist schonmal eine Ehre.

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Reicht eine Wikipedia-App aus, damit die Entwickler mehr als Brot und Wasser bekommen? Was treibt ihr möglicherweise sonst noch?
Frank Rausch: Mit App-Verkäufen genug Geld zu verdienen ist leider inzwischen enorm schwierig. Viele Apps sind ja nur deshalb kostenlos, weil sie durch Investorengeld subventioniert sind und langfristig das Geld anders einspielen sollen als über den direkten Kauf. Das drückt aber insgesamt das Preisniveau. Kommerziell erfolgreiche Apps ohne Subventionierung kommen wohl am ehesten über Abos oder mit In-App-Käufen auf einen grünen Zweig. Der – für Marketingzwecke hilfreiche – Einführungspreis von 99 Cent tut mir schon ein bisschen weh, zumal davon nur 50 Cent bei uns landen. Vor Steuern. Da muss man ganz schön viele Apps verkaufen, um rückwirkend ein ganzes Jahr Arbeit zu finanzieren. Wir machen zum Glück unsere App-Projekte aus Leidenschaft. Unser Tagesgeschäft bei Raureif sind Beratungsprojekte für Kunden. Ich halte Vorträge über digitale Typografie und unterrichte App-Gestaltung an mehreren Hochschulen. Für all das ist es natürlich toll, wenn man auf umfangreiche Erfahrungen mit eigenen Apps zurückgreifen kann.

Das erste Update ist bereits veröffentlicht, ihr seid also fleißig. Welche Funktionen soll Viki in Zukunft noch bekommen? Steht auch die Suche innerhalb eines Artikels auf eurer Todo-Liste? Danach haben ja einige unserer Leser gefragt.
Frank Rausch: Ja, das erste Update hat schon ein paar Verbesserungen gebracht, die mir am Herzen lagen. Wir vertreten allerdings schon lange die Meinung, dass man Apps nicht an der Anzahl ihrer Features messen sollte. Mir ist vor allem wichtig, dass die App das, was sie tut, so gut wie möglich tut. Mit jedem zusätzlichen Feature muss ich überlegen: Wo bringe ich es unter? Wie mache ich es verständlich? Stört es vielleicht 80 Prozent der Leute bei der Benutzung der App und hilft nur 5 Prozent? Wenn es die Nutzung für die Mehrheit komplizierter macht, lasse ich das Feature lieber weg. Ich verspreche auch nur ungern neue Features, um niemanden enttäuschen zu müssen. Es kann zum Beispiel sein, dass ich die von Dir angesprochene Suche innerhalb von Artikeln einbaue und feststelle, dass es aus irgendwelchen Gründen keine gute Idee war – zu kompliziert, verwirrend, unnötig. Manchmal merkt man sowas erst, wenn man es gebaut hat. Wenn man vorher nichts verspricht, kann man außerdem besser positiv überraschen. Es gibt da angeblich eine kalifornische Firma, die es mit dieser Strategie zu sehr viel Erfolg gebracht hat. Aber keine Sorge: Wir haben eine lange Liste mit tollen kleinen Verbesserungsideen für Viki. Und ich freue mich drauf.

Kommentare 5 Antworten

  1. Sehr interessant. Schön auch zu hören, was sich die Jungs der App-Schmiede Raureif so denken. Eine zweite Wikipedia-App nach das Referenz hat mich ja schon gewundert, aber eine Variante fürs iPhone macht schon enorm Sinn.

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