Cowboy im Test: Das moderne E-Bike mit App-Anbindung

Stadtflitzer mit Licht und Schatten

In den letzten zwei Wochen habe ich die knapp 10 Kilometer lange Strecke von Zuhause zum Büro besonders bequem bewältigen können. Schließlich wurde mir für diesen Zeitraum das Cowboy E-Bike für einen Test zur Verfügung gestellt. Nach etwas mehr als zehn Tagen mit dem Fahrrad blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf meine Ausfahrten mit dem Cowboy zurück. Warum, das erkläre ich euch in diesem Artikel.

Cowboy integriert Akku stilvoll in den Rahmen

Zunächst wäre da natürlich das Design des Bikes, das mich vom ersten Moment an begeistert hat. Das Cowboy-Fahrrad sieht eben nicht so aus wie ein klassisches E-Bike, denn vor allem der in das Sattelrohr integrierte Akku ist auf den ersten Blick kaum als solcher zu erkennen. Gleichzeitig sorgen zwei integrierte LEDs, das hintere Licht leuchtet beim Bremsen sogar hell auf, das man sich nicht mehr mit zusätzlichem Zubehör herumschlagen muss.

Das minimalistische Design ist genau mein Ding, nicht umsonst fahre ich eigentlich mit einem Cube Hyde Race durch die Straßen von Bochum. Leider ist beim Design aber auch das eine oder andere Zubehör auf der Strecke geblieben. Schutzbleche sind, solange es nicht regnet, zwar eh nicht meins, und ich habe auch lange auf einen Gepäckträger verzichtet, aber ein Ständer gehört für mich einfach dazu. Warum das Cowboy-Bike auf diesen verzichtet und warum man ein Ständer im passenden Design nicht zumindest gegen einen Aufpreis bestellen kann, ist für mich nur schwer nachvollziehbar.

Das vergisst man aber zumindest dann, wenn man das E-Bike mit der Cowboy-App (App Store-Link) scharf schaltet und zum ersten Mal in die Pedale tritt. Schon nach Sekundenbruchteilen setzt die Trittunterstützung ein und man wird regelrecht nach vorne geschoben. Dieser immer vorhandene Rückenwind kann in den App-Einstellungen sogar von 25 auf 30 Kilometer pro Stunde erhöht werden, erlaubt ist das natürlich nur bei Fahrten auf privatem Gelände. Die Reichweite von bis zu 70 Kilometern dürfte für den City-Alltag ausreichend sein, für meine täglichen 20 bis 30 Kilometer war sie es auf jeden Fall. Praktischerweise kann der Akku trotz der Integration in das Design des Fahrrads einfach entnommen werden, um ihn aufzuladen.

Aber auch hier gibt es wieder einen Punkt, den ich einfach kritisieren muss. Der Motor des Cowboy-Bikes kann nur mit der App des Herstellers aktiviert werden, genau wie die Beleuchtung vorne und hinten. Mal eben ohne Smartphone zum Bäcker düsen? Mal eben spät abends mit leerem iPhone-Akku nach Hause fahren? Nicht immer das iPhone aus der Tasche holen, entsperren, die App öffnen und den Motor starten müssen? All das ist mit dem Cowboy nicht möglich. Warum hat man in die toll integrierte LED-Anzeige, die den Akkustand anzeigt, nicht einen kleinen Knopf eingebaut, über den man mit einem kleinen Morse-Code den Motor händisch starten kann?

Auch die Cowboy-App mit Licht und Schatten

So könnte man auf die App auch mal verzichten. Wobei diese durchaus auch praktische Extras beherbergt, etwa einen integrierten Tacho samt Anzeige der aktuellen Zusatz-Leistung des Motors. Oder einer GPS-Suche, denn jedes Cowboy ist mit einer integrierten SIM-Karte und einem GPS-Modul ausgestattet, so dass man das knapp 2.000 Euro teure Bike nach einem möglichen Diebstahl einfach orten kann.

In der durchaus schick gestalteten App, bei der wir einfach mal über die fehlende deutsche Übersetzung hinwegsehen wollen, gibt es aber einen weiteren Punkt, den ich ebenfalls kritisieren muss: Die eingebaute Navigation ist einfach Schrott. Auf einer Strecke von unserem Büro am Bochumer Hauptbahnhof zum Zoo nach Gelsenkirchen würde sich ein Radweg, der die beiden Orte quasi direkt miteinander verbindet, mehr als anbieten. Google Maps oder Komoot bieten die passende Route an, die Cowboy-App möchte mich stattdessen quer durch Bochum, Herne und Gelsenkirchen führen. Die Navigation ist für Fahrradfahrer quasi unbrauchbar.

Und im nächsten Moment denke ich dann wieder an das tolle Fahrgefühl. Mit den glatten Reifen gleitet das Cowboy-Bike nahezu lautlos über den Asphalt und auch Schotterwege sind kein Problem – wobei man hier sagen muss, dass ich auch sonst ohne Federung und mit noch schmaleren Reifen unterwegs bin. Vollkommen überzeugt bin ich vom Riemenantrieb, der nicht nur wartungsarm ist, sondern auch ohne Öle und Fette auskommt – so bleibt auch die Hose sauber. Die Macher des Cowboy haben dabei sogar auf eine Nabenschaltung verzichtet, also wieder ein Teil weniger, das kaputt gehen kann. Nicht schlecht, oder?

Doch auch hier kommt es wieder zu Problemen. Spätestens wenn man schneller als 25 oder gar 30 Kilometer pro Stunde fährt, was auf abschüssiger Straße und einem sportlichen Fahrstil doch häufig vorkommt, muss man wie bekloppt in die Pedale treten, um die Geschwindigkeit zu halten. Das macht keinen Spaß. Mit einem leeren Akku wird das Cowboy-Bike aufgrund der fehlenden kurzen Gänge sogar fast unfahrbar, spätestens aber an der nächsten Steigung.

Und so bin ich am Ende auch nicht richtig traurig, dass das Cowboy wieder im Karton landet und zurückgeschickt werden muss. Traurig macht mich eher die Tatsache, dass es mit etwas mehr Entwicklung und dem einen oder anderen Extra genau das E-Bike hätte sein können, von dem ich immer geträumt habe. Mit dem tollen Design, dem Gewicht von nur rund 16 Kilogramm, dem angemessenen Preis von knapp 2.000 Euro und der integrierten GPS-Ortung hat das Cowboy nämlich vier extrem gute Argumente auf seiner Seite.

Kommentare 17 Antworten

    1. Prinzipiell ist eine App-Anbindung für spezielle Funktionen ja nicht verkehrt. Ich finde aber, dass jedes Produkt mit App-Anbindung auch noch ohne App funktionieren sollte. Bestes Beispiel ist meiner Meinung nach Philips Hue, das ich nur selten mit der App steuere, sondern viel häufiger per Schalter. Und auch bei dem Fahrrad sollte man irgendwie eine Option habe, den Motor ohne Smartphone zu aktivieren.

  1. Danke für Deinen ausführlichen Bericht, den ich gern ergänzen möchte.

    Ich hatte einen freundlichen Cowboy getroffen, der mir eine Probefahrt ermöglichte. Ich liebäugelte bereits mit dem Bike, weshalb ich es sofort erkannte und ihn ansprach.
    Von der positiven Probefahrt und der explosionsartigen Unterstützung mal abgesehen, hat mir der Cowboy folgendes gesagt.

    – Gelände untauglich (für mich als Mountainbike Liebhaber ein no-go). Es ist ein reines Citybike, da der Motor keine großen Schläge wie im Gelände abkann bzw. soll man sie meiden. Einen Waldweg mit Wurzeln usw. also umfahren???
    – Probleme mit dem Rücklicht, was wohl bekannt ist. Es funktioniert oder eben nicht.
    – Es gibt bislang kein Zusatzakku zum Erwerb. Ich fahre gern, ja mit dem Mointainbike!!, Strecken von über 100km. Daher muss der Akku länger halten oder ich muss einen Zusatzakku mitschleppen.
    – Licht nur per App finde ich doof.

    Nach dem Gespräch mit dem Cowboy, der nach wie vor begeistert ist, verlor ich dafür meine. Ich war kurz davor, das Bike zu bestellen. Jedoch mit dem Manko, es ausschließlich als Citybike nutzen zu können, kaufe ich mir lieber wieder ein gutes Mountainbike.

    Schade!

  2. Tolles Rad, aber Motor Steuerung nur per App? Ein NoGO!
    Was ist wenn der Cowboy irgendwann dann doch Insolvenz anmeldet und dann keine Updates mehr liefert, kann ich dann das Rad wegwerfen sobald die App auf dem neuem Smartphone nicht mehr geht?

  3. Guter und ehrlicher Test!

    Das eBike ist mal wieder so ein neumodisch hippes Teil wo man sich fragt, was die Leute sich da bloß dabei gedacht haben.

    – abends Handy leer? ohne Licht nach Hause und den Wolf strampeln oder gleich schieben – geile neue Welt!
    – 70km MAX(!) Reichweite und danach mit einem großen Gang praktisch unfahrbar!
    – beim Hügel kann der Motor ohne Gänge ächzen und der Akku ist gleich alle
    – jedes mal wenn ich los radeln will erst das Handy rauskramen, App starten und dort dann Motor und Licht einschalten, echt jetzt? gehts noch unkomfortabler? achso, ja, wenn der Handy Akku leer ist.
    – kleinstes Problem an der Sache: das Licht ist nur für Geradeausfahrer (schwenkt nicht mit)

    Ne, ne und nochmal ne … nichtmal geschenkt! Ernsthaft!
    Ich will direkt losradeln und nicht erst immer am Handy rumfingern und ich will immer radeln können, auch ohne Rad- oder Handyakku!

  4. Hallo… ich werd mal ne positives Feedback geben.., ja es ist keine!!! Eierlegendewollmilchsau… nein nur ein top Stadtrad! Ein flott zu fahrendes, ausdauerndes… ja ich hab eins und bin ohne Probleme und ohne mich „tot“gestrampelt zu haben knapp 700km gefahren… nein nicht am Stück sondern an 24 Tagen … mit dem Rad zur Arbeit…
    An alle… ja! es gibt „bessere“ „schnellere“ und „geilere“ eBikes… aber auch teurere !Spielzeuge… ich hab ein paar Schutzbleche und eine gefederte Sattelstütze für nicht mal 50€ angebaut/ausgetauscht… und das Rad ist optitop.. und ja ich fahre auch Fatbike (9-46er 1x11fach) und ein Stumpjumper FSR…

  5. Elegant ja, aber die Akku-Postion verschlechtert die Gewichtsverteilung. Wir fahren seit 10 J eBike, Touren (auch mit Gepäck), nicht zur Arbeit. Erfahrung: Grosser Akku, wird mit den Jahren ja schlechter. +|- 150 km/Eco. Shimano oder Rohloff mit 11/14 Gängen (hatten nur Erfahrung mit Naben) 8-Gang Naben sind abwärts „tödlich“. Scheibenbremsen, Gewicht usw. Mit Riemen geliebäugelt, habe aber gelesen, zu grosser Verschleiss auf Staubstrassen/Schotter. Ich habe aber keine Erfahrung/Kollegen.

  6. Ein paar der Kritikpunkte kann ich nachvollziehen, andere eher weniger. Was ich aber mal herausstellen möchte: Das Cowboy ist unglaublich leise. Der Motor ist absolut unhörbar. Ich bin vorher mit einem Bosch-Motor gefahren (Bj 2015) – da will man nicht freiwillig zurück wechseln. Macht eine Probefahrt um herauszufinden, ob das was für Euch ist.

    1. Wurde schon erwähnt, dass das Rad ideal für die Stadt und zum Pendeln ist? Ich mache damit auch gerne 70 Km-Touren ins Umland. Aber es ist kein Touren-Rad für 150 Km-Etappen, es ist kein Mountain-Bike und zum Transportieren mehrerer Bierkisten ist es auch eher ungeeignet. Aber ich kritisiere ja auch keinen Porsche, weil ich damit nicht meinen Ikea-Einkauf nach Hause bringen kann.
    2. Starten mit der App: Finde ich ideal. 1. Weil das auch ein Diebstahlschutz ist (ohne App kein Motor) und 2. weil ich keine klobige Steuereinheit mitschleppen muss. Aber wer es nicht schafft, sein Handy aufzuladen oder eine Power-Bank anzuschaffen (oder gleich ein Handy mit anständigem Akku), für den ist das natürlich nichts.
    3. Die App selber… da teile ich die Kritik. Viel Luft nach oben, kein Vergleich zur Cobi-App. Da hoffe ich aber auf zukünftige Updates.
    4. SingleSpeed – hat viele Vorteile: Keine Schaltung (Kosten * Wartung), keine Schaltvorgänge mehr (ein Traum) und durch die pfiffige Motorunterstützung kein Problem beim Anfahren und bei moderaten Steigungen. Eine Alpenüberquerung würde ich damit nicht machen. Fühlt sich am wohlsten bei 20-30 Km/h, bis 35 Km/h ok, darüber fühlt man sich wie der Duracell-Hase. Wer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 Km/h hat, der fährt dann aber auch eher ein Rennrad.
    5. Schutzbleche – yep, die fehlen mir auch. Habe ich für € 50,- nachgerüstet. Cowboy entwickelt angeblich grade welche, die man dann optional bestellen kann.
    6. Ständer – der fehlt mir nicht. Kann man aber auch nachträglich kaufen und anbringen.

    Ich habe ein paar Erfahrungsberichte (mit ein paar anderen Cowboy-Besitzern) im Pedelec-Forum gepostet: https://www.pedelecforum.de/forum/index.php?threads/cowboy-bike.65462/page-2

    Und macht mal eine Probefahrt 🙂

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