Apple vs Epic: Tim Cook vor Gericht von Richterin befragt

Viele kritische Fragen

Der Prozess zwischen Apple und Epic Games nähert sich langsam seiner Zielgeraden. Am letzten Freitag war es an Apple-CEO Tim Cook höchstpersönlich, vor Gericht auszusagen. Die zuständige Richterin Yvonne Gonzalez-Rogers schien sich mit ihren kritischen Fragen nicht unbedingt auf Apples Seite zu stellen, wie unter anderem die Kollegen von MacRumors hinsichtlich der Befragung berichten.

Tim Cook wurde mehrere Minuten lang zum Thema App Store und dessen Geschäftsbedingungen befragt. „Sie sagten, Sie wollen den Nutzern die Kontrolle geben. Also worin liegt dann das Problem, den Nutzern eine günstigere Option für Inhalte zu ermöglichen?“ fragte Gonzalez-Rogers den Apple-Chef. Cook stellte klar, dass er mit der Kontrolle die Kontrolle über eigene Daten meine, und gab der Richterin gegenüber an, dass Kunden zwischen Android-Geräten und einem iPhone wählen könnten. Auf weiteres Nachhaken bezüglich günstigerer In-Game-Währung im Spiel Fortnite von Epic Games, den sogenannten V-Bucks, die sich auch über eine Website-Verlinkung kaufen lassen könnten, erklärte Tim Cook,


„Wenn wir Entwicklern erlauben würden, so zu verlinken, würden wir unsere Monetarisierung aufgeben. Wir brauchen eine Rendite für unsere IP. Wir haben 150.000 APIs zu erstellen und zu pflegen, zahlreiche Entwickler-Tools und Bearbeitungsgebühren.“

Ebenfalls zur Sprache kam während der Befragung die Ungleichbehandlung von Entwicklern im App Store und das Vorhandensein von kostenlosen Spielen. Cook erklärte dazu, dass ein großes Angebot an Gratis-Spielen ein größeres Publikum in den App Store locken würde, als wenn es keine kostenlosen Games geben würde. Gonzalez-Rogers glaube, dass Apple auch davon profitieren würde. Tim Cook argumentierte wie folgt:

„Ich sehe das anders. Wir schaffen die gesamte Menge an Kommerz im Store, und wir tun das, indem wir das größte Publikum dorthin bringen. Wir machen das mit einer Menge kostenloser Apps, diese bringen eine Menge auf den Tisch.“

Richterin Yvonne Gonzalez-Rogers zweifelte zudem an, dass Apple die Senkung der App Store-Gebühren für kleine Entwickler nicht wegen der Coronavirus-Pandemie durchgesetzt hat, sondern aufgrund des bevorstehenden Gerichtsstreits mit Epic Games. „Es war wegen COVID“, so Tim Cook. „Natürlich habe ich den Rechtsstreit im Hinterkopf gehabt.“ Anders als Google mit dem eigenen Play Store habe sich Apple allerdings nicht dazu entschlossen, auch die Preise im App Store zu senken, so Gonzalez-Rogers.

Auch das Ergebnis einer Umfrage, nach der 39 Prozent der App Store-Entwickler unzufrieden seien, wurde auf den Tisch gelegt. Tim Cook wusste offenbar nichts von dieser Umfrage, gab aber an, dass die Ablehnung von etwa 40.000 Apps pro Woche naturgemäß zu einigen Reibereien führen würde. „Es scheint mir nicht so, als hätten Sie Konkurrenz oder einen großen Anreiz für die Entwickler“, konfrontierte Gonzalez-Rogers Tim Cook. Sie gab an, sie habe keine Beweise dafür gesehen, dass Apple Umfragen zur Zufriedenheit von Entwicklern durchführt oder Änderungen für Entwickler vornimmt.

Mit diesen kritischen Fragen, die Apple nicht unbedingt in einem guten Licht dastehen ließen, wurden die Befragungen im Apple vs Epic-Gerichtsstreit abgeschlossen. Seit Montag, dem 24. Mai, laufen die Schlussplädoyers der Beteiligten, ehe dann der Prozess zu einem Ende kommen wird.

Anzeige

Kommentare 11 Antworten

  1. Im Grunde ist doch völlig ‚Wuäst‘ wie die Richterin letztlich entscheiden wird -die Seite die mit dem Urteilsspruch unzufrieden sein wird, wird eh Berufung einlegen und der Prozess geht auf der nächst höheren Instanz weiter.

  2. Natürlich kann man bei einem Quasi-Monopol immer darüber reden, inwiefern die Preise angemessen sind oder nicht. Dass der Store Umsätze generieren muss und es deshalb nur fair ist, wenn Entwickler nicht über alternative Vertriebswege informieren dürfen sollte eigentlich selbstverständlich sein.
    Andererseits sollte man aber auch beachten, dass 30% Marge bei Verkauf im Einzelhandel schon allein bei diesem hängen bleiben würden. Bei Vermarktung über die eigene Webseite hat man höhere Marketingkosten, um User auf das Produkt aufmerksam zu machen. Dazu kommt, dass der Entwickler sich noch mit der Zahlungsabwicklung befassen muss.
    Vertrieb, Marketing und Zahlungsabwicklung finden größtenteils im und durch den App-Store und Apple statt. Dafür sind 30% viel weniger als marktüblich. Ob das den wirklichen Kosten entspricht oder nicht, sollte diesbezüglich nebensächlich sein.

  3. Es ist ein Monopol. Das steht fest. Im Einzelhandel hast du keine Margen von 30 %. Wenn du die Hälfte hast, das hast du schon ne riesige Marge. Und klar muss der Store sich rentieren aber müssen es mehrere hundert Millionen oder gar Milliarden sein? Sicherlich nicht. Außerdem muss man ja für jeden Pups extra zahlen. Wenn meine App prominent beworben werden soll oder in den Suchergebnissen weiter oben erscheinen soll, muss man das ja auch noch extra zahlen. Das ist ja sowieso der Oberwitz. Zum Teil gibst du den exakten Appnamen ein und die App erscheint dann nicht ganz oben bei den Ergebnissen. Marketingmaßnahmen gibt es neben dem AppStore ja trotzdem auch. Zum Punkt Zahlungsabwicklung: was heißt hier drum kümmern? Ich muss mich doch trotzdem kümmern. Ich muss zwar kein eigenes System aufstellen aber das muss man ja sowieso nicht. Gibt genug Anbieter, über die ich den Kauf abwickeln kann.

    1. Die Zahlungsdienstleister kosten aber auch Geld. Dass man in der App-Store Suche nicht ganz oben landet, kann bei Google ja auch passieren.
      Ich möchte nicht alles, was Apple macht verteidigen. Ich habe nur den „War“- mit dem „Ist“-Zustand verglichen und darauf aufmerksam gemacht, dass die Stores für Entwickler mehr Segen als Fluch sind. Es gab Zeiten, da musste man sich als Entwickler für seine Software noch einen Verleger suchen und dann wurden Datenträger gepresst und Pappschachteln gedruckt. Heute braucht man noch nicht mal mehr eine eigene Homepage.
      Und ja, als Entwickler würde ich auch sauer auf Apple, wenn bei exakter Namenssuche nicht die eigene App ganz oben auftaucht, weil sich Apple bessere Auffindbarkeit scheinbar noch extra entlohnen lässt. Warum geht man dann aber nicht gegen solche Wettbewerbsverzerrungen vor?

      1. Anmerkung: die Bruttomargen im stationären Einzelhandel betrugen 2018 zB bei WalMart 25%, im Online Einzelhandel zB bei Zalando 42%.

        1. Üblich im Einzelhandel sind 10 %.
          Und digitale Produkte mit „realen“ vergleichen ist schwierig. Digital läuft alles automatisch ab. Richtige Produkte muss man so oft anfassen, bis sie bei Kunden sind

          1. Also wäre es dir lieber, Apple würde das einspielen der Apps per externem DVD Laufwerk erlauben, damit Entwickler wieder DVDs pressen lassen müssen und das Produkt ein „reales“ wird?

      2. Aber lass mal Apple 15 % verlangen und meine Zahlungsabwicklung über Klarna oder Paypal abwickeln. Bist du insgesamt unter 20 %. Und oh Wunder, Apple würde nicht pleite gehen und Klarna/Paypal/werauchimmer leben auch noch davon 😲

        1. Und der Server für den Download muss auch unterhalten werden. Das Ganze muss gegen Hackerangriffe und Datendiebstahl geschützt sein, da Kunden ihre Käufe auch nach Monaten noch downloaden wollen und dafür ein Kundenkonto haben wollen.
          Letztendlich wird niemand gezwungen im AppStore anzubieten. Wenn die Konditionen so schlecht sind, können die Entwickler doch alle den App-Store boykottieren und so auf Apple Druck ausüben. Den Druck des Marktes.
          Stattdessen gibt es immer mehr Apps.
          Für Verbraucher wird sich letztendlich durch das Gerichtsurteil nichts ändern, weil der Wettbewerb im AppStore heute schon für günstige Preise sorgt. Und wer ein Produkt mit Alleinstellungsmerkmal anbietet, kann auch heute schon höhere Preise verlangen und so die AppStore Marge kompensieren.

  4. Das Problem ist meiner Meinung nach das Monetarisierungsmodell an sich. Damals wie heute können kostenlose Apps die Infrastruktur von Apple kostenfrei nutzen, von den Entwickler-Gebühren mal abgesehen. Große Player wie Spotify und Netflix, mit wahrscheinlich ähnlich hohen Downloadzahlen, nutzen die Infrastruktur (mittlerweile) ohne etwas an Apple abzudrücken. Kleinere Entwickler und vor allem Spiele-Entwickler wie Epic, die keine Abo-Flatrate haben, sondern durch (Mini-)Transaktionen innerhalb des Spiels Geld verdienen, werden dadurch überproportional zur Kasse gebeten. Für Apple ist das natürlich sehr attraktiv, weil sie einiges daran mitverdienen. Vielleicht ist aber die Zeit für Apple gekommen, nicht mehr prozentual an den Inhalten fremder Unternehmen mitzuverdienen, sondern das Modell generell umzustellen und nur noch für das Geld zu verlangen, was sie wirklich anbieten: Die Infrastruktur des App Stores. Für Apple wäre das erstmal ein Verlust, denn das jetzige Modell kann kaum getoppt werden hinsichtlich Gewinnmaximierung. Und man müsste auch eine faire Querfinanzierung wirklich kostenloser App-Angebote berücksichtigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2021 appgefahren.de