Cell Broadcast kommt: Katastrophen-Warnungen direkt aufs Handy

Vom Bundeskabinett beschlossen

Wie eine Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums verlauten lässt, hat das Bundeskabinett die Einführung von Cell Broadcast zum Zweck der Bevölkerungswarnung beschlossen. Mit diesem Schritt ist eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) möglich, so dass weitere Prozesse zur Einrichtung eingeleitet werden können.

Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gab es große Kritik an den nur schlecht umgesetzten Warnungen für die betroffene Bevölkerung. Vielerorts wurden Menschen gar nicht oder zu spät vor den zu erwartenden Wassermassen gewarnt. Das Resultat: Über 100 Tote, massive Zerstörung und Personen, die alles Hab und Gut verloren haben.


Der Bundesminister des Inneren, für Bau und Heimat, Horst Seehofer, äußerte sich zum Beschluss wie folgt: „Die Warnung der Bevölkerung muss klappen, auf allen Kanälen. Wenn man nachts geweckt wird, muss man sofort wissen, was passiert ist und wie man sich verhalten soll. Die Einführung von Cell Broadcast wird Sirenen, Apps und den Rundfunk ergänzen.“

Warnung per Textnachricht an alle eingebuchten Mobiltelefone

Die Cell Broadcast-Technologie soll es ermöglichen, allen Mobiltelefonen, die in einer Mobilfunkzelle angemeldet bzw. eingebucht sind, eine Warnung per Textnachricht (SMS) zu schicken. So sollen auch Personen im Katastrophenfall gewarnt werden, die keine der entsprechenden Warn-Apps wie NINA und Co. auf ihrem Gerät installiert haben, oder kein Smartphone mit App-Installationsmöglichkeit besitzen. Auch lokal installierte Sirenen sollen weiterhin Bestand haben und die Warnmöglichkeiten ergänzen.

Peter Altmeier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, erklärt dazu: „Wir erarbeiten jetzt zusammen mit der Bundesnetzagentur, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und den Mobilfunknetzbetreibern die technischen Details, damit Cell Broadcast schnell zum Einsatz kommen kann.“

Wann genau das der Fall sein wird, ist bisher noch nicht mitgeteilt worden. Schaut man sich jedoch die Aussage von Peter Altmeier an, ist von üblichen deutschen Bürokratie- und Behördenwegen auszugehen. Und wie wir alle wissen – das kann dauern.

Anzeige

Kommentare 17 Antworten

  1. Ich frage mich bei solchen nachrichten immer wieder, wie es sein kann, dass Deutschland in der Telekommunikation noch in der Steinzeit lebt. Cell Broadcast ist mittlerweile in den meisten Ländern Standard. Und dies sind keine Industrienationen.

  2. Grundsätzlich ein guter Plan, so denn ÜBERALL ein NETZ verfügbar wäre…. Wer die Funklöcher -auch in der Eifel- kennt, weiß was das wieder für eine Hasenaktion wird. 😏

    1. War vor einigen Wochen in der Vulkaneifel und da ist ja nix! Man hatte mich schon vorgewarnt dass mit O2 nix gehen wird (sollte sich leider sehr schnell bestätigen), aber selbst mit dem Telekom Netz gabs kaum Empfang. Telefonate waren fast unmöglich gewesen, jeder zweite gesprochene Satz: „was hast gesagt?“, „kannst das bitte wiederholen“, „nochmal, hier kam nix an“ – fürchterlich. Versand von Bildern mit iMessage oder Threema ging schlicht nicht.

      So etwas wie das CB wird bei uns nur in Großstädten wie gedacht funzen

  3. So lächerlich unsere Regierung! Es muss immer erst was passieren, bevor die Politiker tätig werden und Maßnahmen ergreifen, die in anderen Ländern seit Jahren Gang und Gäbe sind…

      1. Vor 3 oder 4 Jahren erhielt ich in Venlo eine Benachrichtigung über einen Grossbrand und in den USA, sowie Japan gibt es das definitiv, ansonsten mal googlen

        1. USA kann ich bestätigen, da ist man sogar noch weiter. Da gibts darüber nicht nur Katastrophenwarnungen wie bei Tornados, sondern auch den Amber Alert wenn ein Kind vermisst wird. Wäre toll wenn man in Deutschland etwas vergleichbares zeitnah und in Funktion umsetzt.

      2. Gerade dieses Jahr in Rumänien erlebt, mehrmals Warnung vor Bären. Letztes Jahr im Baltikum, glaube in Litauen war das, Unwetterwarnung.

  4. Viele (europäische) Länder setzen auf eine Kombination aus Cell Broadcast und den APIs von Apple bzw. Google. Ziel sollte es ja sein, so schnell wie möglich eine größtmögliche Anzahl (und Aufmerksamkeit) an Menschen zu erreichen. Und die erreicht man nur mit einer Kombination etablierter Techniken/Schnittstellen. Die Warn-Apps (NINA usw.) erfüllen diese Anforderungen jedenfalls nicht. Von daher ist diese Ankündigung ein ein überfälliger Schritt, nicht mehr und nicht weniger.

  5. Also eigentlich wurde es schon längst (vor Jahren) beschlossen und wird gerade nur ins nationale Recht implementiert.

    Das ist Teil des EU-Warn Systems und soll in Europa analog zu Japan, Australien, Russland, USA etc laufen. Der Subkontinent hängt da schwer hinterher.

    Der Dienst wird formell nächstes Jahr schon starten (was nicht klar war, ob es überall gleichzeitig scharf gestellt wird).

  6. Es ist Wahlkampf! Da braucht man Pluspunkte.

    In vielen Landkreisen hat man noch die gute alte Sirene aus alten Zeiten, die einmal in der Woche zur Probe anläuft und die, bei Ausfall, sogar noch im Nachbardorf gehört wird. Die funzt ohne jede App und jeder Köter weiß was zutun ist wenn die abgehen.

    Und wer sich fragt warum unser Mobilnetz so kagge ist, der wird bei YT Antworten finden. Kurz: Der Kohl ist schuld.

    1. Achso und es gab mal 1 2 Snap.
      Das waren irgendwelche Kaufangebote per Xbox welche man dann irgendwie per sms bestellen konnte. Das muss so um die Jahrtausendwende gewesen sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2021 appgefahren.de