Kommentar: So läuft es mit Apple Pay in Deutschland

Das kann in Zukunft noch besser werden

Vor ziemlich genau einem Jahr ist Apple Pay in Deutschland gestartet. Mit dem heutigen Start bei der Commerzbank und bei der Sparkasse kommen noch einmal zahlreiche Nutzer in den Genuss der neuen Bezahlmethode, auch andere große Bankunternehmen wie etwa Deutsche Bank, ING oder HypoVereinsbank sind bereits dabei, hinzu gesellen sich junge Unternehmen wie Boon oder N26.

Nun ist Deutschland ja dafür bekannt, sein Bargeld zu lieben. Auf der einen Seite ist das durchaus verständlich, aber kann es wirklich die Zukunft sein, an der Suparmarktkasse sein Kleingeld abzuzählen, nur um möglichst viele Kupfermünzen loszuwerden? Nur um dann beim Bäcker festzustellen, dass man nicht mehr genügend Bargeld für ein paar Brötchen und Brot dabei hat?

Warum kann ich nicht meine Currywurst und meine Pommes am Imbiss um die Ecke „mit Karte“ zahlen? Nur weil es sich nicht um eine größere Summe handelt, sondern einen eher kleinen Betrag? Weil die Bezahlung per Apple Pay oder Kreditkarte in diesem Fall zu hohe Kosten verursachen würde? Ich bin kein Finanzexperte, aber ich bin mir sehr sicher, dass auch Bargeld einiges an Kosten verursacht. Am Abend muss das Geld gezählt und danach im Safe verstaut werden, bevor es am nächsten Tag zur Bank gebracht oder sogar abgeholt wird – und insbesondere letzteres ist sicherlich nicht günstig.

Bargeld muss ja nicht gleich abgeschafft werden

Sollte Bargeld also lieber gleich abgeschafft werden? Ich glaube kaum, dass Deutschland für einen so radikalen Schritt bereit ist. Aber das ist auch gar nicht nötig. Zunächst einmal würde ich mich darüber freuen, wenn es mehr Akzeptanz für Kartenzahlungen und Bezahlmethoden wie Apple Pay geben würde. Und das eben nicht nur im großen Supermarkt und an der Tankstelle, sondern auch beim Imbiss um die Ecke.

In meinem Alltag gibt es immer wieder Situationen, in denen ich von Apple Pay schwer begeistert bin. Vor ein paar Tagen war ich beispielsweise unterwegs, hatte Kleinkind und Einkäufe auf dem Arm und musste noch schnell etwas beim Bäcker holen. Als ich dort das Bezahl-Terminal gesehen habe, war ich erleichtert: Anstatt 3 Euro aus dem Portemonnaie kramen zu müssen und 27 Cent Wechselgeld annehmen zu müssen, habe ich einfach Apple Pay auf meiner Apple Watch aktiviert und so im Handumdrehen gezahlt.

Beim Weggehen hörte ich dann: „Das habe ich ja noch nie gesehen, der junge Mann hat gerade mit seiner Uhr bezahlt.“ Ein Satz, der sicherlich amüsant ist, aber die aktuelle Situation von modernen Bargeld-Alternativen im Jahr 2019 ziemlich deutlich aufzeigt. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns.

Kommentare 39 Antworten

  1. Ich hoffe es wird sich in Deutschland noch weiter durchsetzen. Einige Bäcker erlauben schon Kreditkarte. In den USA ist Karte normal, da wird man schief angeguckt, wenn man mit Bargeld zahlt.

  2. Ich würde mich auch freuen, wenn die Akzeptanz für Kartenzahlung zunehmen würde. Auch der Weg zur Bank bzw. Geldautomat könnte deutlich reduziert werden, wenn man Onlinebanking nutzt.

  3. Kleingeld kostet den Händler Geld beim Einzahlen auf der Bank, daher haben die irgendwann schon das Interesse.
    Leider ist wohl unsere Infrastruktur noch nicht so weit.
    Schon mehrmals das Problem gehabt, das beim elektronischen Zahlen das System nicht zur Verfügung stand (am fehlender Kontodeckung lag es nicht).
    Was macht man dann???
    Zum Glück haben wir noch das Bargeld.
    Allerdings kann ich es nachvollziehen und würde es akzeptieren, wenn man das Kleingeld abschafft.

  4. Da stimme ich zu 100% zu 😁 Bargeld komplett abzuschaffen wäre einfach quatsch…es gibt immer Gegenden wo man das mal Gebrauchen kann. Und das sage ich, der fast nur noch Apple Pay nutzt. Eine verpflichtende Kartenakzeptanz zusätzlich zu Bargeld wäre eigentlich ideal…denn dann hat man wirklich eine Wahl. Aktuell wird man ja leider oft gezwungen Bar zu zahlen. Eine friedliche Co Existenz wäre eigentlich am besten 😁

    1. Ich verstehe auch ehrlich gesagt nicht woher diese Angst vor Bargeldabschaffung kommt…Schließlich hat wirklich noch niemand aus der Politik ein Wort darüber verloren. Niemand Plant die Abschaffung😁 das ist also ein rein hypothetisches Problem 😁

      1. Jain. Es gibt schon gewisse Pläne die Flexibilität von Bargeld einzugrenzen (was mit einer Abschaffung für bestimmte Bereiche gleichkommt).

        Die Abschaffung der 500€ Scheine und die damit einhergehende Unrentabilität von Tresoren für höhere Summen ist einer dieser Bereiche, um große Geldmengen ausschließlich ins digitale System zu drängen.

        Solange es Kontrollmechanismen (wie Gewaltenteilung in der Politik) auch für das Geld gibt, wäre es nicht dramatisch. Wenn man aber mit einer politisch aktiven Zentralbank zu tun hat, bin ich als Befürworter von RFID Konten etc, schon etwas nervös.

        1. @Reg: Danke 👍🏻 und schön zu sehen, dass es doch noch welche gibt, die sich nicht völlig unreflektiert der großen „Hauptsache bequem“-Herde anschließen.

    1. So hart das klingen mag, aber die meisten Bettler hier bei uns sind keine Obdachlosen, sondern stammen aus Banden, die das Betteln quasi professionalisieren.

      Wenn ich jemandem auf der Straße etwas gutes tun will, dann frage ich, ob er etwas zu Essen oder zu Trinken möchte.

    2. Deutschland besitzt keine unfreiwilligen Obdachlosen.

      Das Sozialsystem deckt absolut jeden Menschen mit einer legalen Niederlassung im Land ab.
      _____
      In einem Land mit tatsächlichen Obdachlosen verwendest du dann deren Währung oder kaufst ihnen einen Essenscoupon.

  5. Danke! So wahr! Und mir auch schon so oft passiert! Da wir in Deutschland eher mit der Debit zahlen als mit der Kreditkarte wird die Akzeptanz sicherlich weiter steigen wenn die Debitkarte ApplePay fähig wird.

  6. Erst wenn es eines Tages heißt „Dein Krankenversicherungsbeitrag wird verdoppelt weil Du seit 5 Jahren 3 Mal die Woche Currywurst-Pommes isst und im Fitnessstudio warst Du auch noch nie“ werdet ihr kapieren, warum Bargeld gut war 😉
    Der Weg dafür ist schon geebnet. Es gibt jetzt schon Kranken- und KFZ-Tarife mit „Bonus“, wenn man sich „freiwillig“ einen Fitnesstracker umschnallt oder eine Blackbox einbauen lässt. Von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt zu „Malus, wenn man das nicht mitmacht“. Und danach kommt „ohne Daten keine Leistung“.
    Die Menschen merken es nur nicht, weil es schrittweise kommt. Wie der Frosch im Kochtopf.

    1. Und warum sollte derjenige, der sich ungesund verhält, nicht höhere Krankenkassenbeiträge bezahlen?
      Bei der Teilkasko fürs Auto werde ich ja sogar nach Wohnort und Fahrzeug unterschiedlich zur Kasse gebeten. Da ist eine individuelle Risikobewertung doch sogar fairer 😉

      1. @Wenrod: Im Prinzip richtig. Aber wollen wir einen Zustand erreichen, bei jeder Handgriff und insbesondere jeder Fehlgriff sich direkt finanziell auswirkt?

        1. Meine Krankenkasse zahlt mir einen Euro für jeden Tag an dem ich z.B. 10000 Schritte gehe. Bis zu 180 Tage im Jahr. Außerdem für Impfungen aber auch für soziales Engagement wie Blutspenden oder Erste-Hilfe-Kurs.
          Find ich gut 😉
          Einen Malus werden sie so schnell nicht einführen, das würde der Frosch schon merken 🤓

          1. @Wenrod: Ich schrieb es hier glaube ich schon mal: Mit der neuen Technologie ergeben sich auch völlig neue Geschäftsmodelle. Der arme Sportstudent, der für den Einwurf kleiner Münzen mit 50 Activity trackern am Arm gleichzeitig die 10.000 Schritte voll macht, während die Besitzer besagter Activity tracker in der Pommesbude warten. Und ihre Pommes selbstverständlich auf Jahrzehnte nachvollziehbar mittels Apple Pay bezahlen, um mal on topic zu bleiben 😉

          2. @Wennrod: Naja, irgendwo müssen die ganzen Leute ja hin, deren Arbeitsplätze durch Automatisierung wegrationalisiert wurden 😉

          3. Arbeit dürfte keine Voraussetzung mehr für einen gesicherten Lebensunterhalt sein. Aber das ist etwas off-topic ☺️

    2. Wenn das dann dazu führt, weniger 🌭 🍟 zu essen und mehr ins Fitnessstudio 💪🏻 zu gehen, muß das nicht schlecht sein.

      Generell ist dein Einwand aber vollkommen korrekt, die Überwachung nimmt ungeahnte Formen und Ausmaße an.

      1. @joerg: Das stimmt. Die Activity tracker beeinflussen uns jetzt schon definitiv. Bereits vor Jahren haben wir über einen Kollegen geschmunzelt, als wir auf Dienstreise abends an der Hotelbar um 23:55 gesehen haben, wie einer hektisch nochmal in die 10. Etage hochlief, weil er noch Schritte oder Stockwerke brauchte. Heute ist es bei mir genauso. Ich habe als Tagesziele in meiner Garmin 12.000 Schritte und 16 Stockwerke. Und auch ich gehe manchmal um 23 Uhr nochmal vor die Tür oder ein paar Etagen rauf und runter. Es sieht einfach sch… aus in der App, wenn da nur 11.500 Schritte oder nur 15 Stockwerke stehen. Ohne Tracker hätte ich das nicht getan. Durch Visualisierung (Kreise die sich schließen, grüne Haken, etc.) wissen sie schon, wie sie motivieren können.

        Davon ungeachtet sollte man auf die Aktivitätsdaten und auf seiner Online-Identität achten, um eben der Überwachung Einhalt zu gebieten. Wenn jetzt jede Glühbirne nur noch „smart“ und mit Cloud-Account funktioniert, ist großes Potential da. Und dazu sage ich immer: wenn sie Daten wollen, kriegen sie halt Daten. Sogar echt aussehende 😉

  7. Bei der BW-Bank geht es seit heute auch. Allerdings nur für die „echten“ VISA-Karten der BW. Bei der Mercedes Card z. B. ist es erst in Kürze soweit. Immerhin…

  8. Habe auf dem Weihnachtsmarkt in Cottbus an einem Stand, Glühwein mit ApplePay (AppleWatch) bezahlt, super!
    Negative Erfahrung habe ich auch gemacht, Burger King in Cottbus, überall Infos bezahlen mit Apple Pay möglich! Auf Nachfrage welche Kreditkarten akzeptiert werden (keine Amex Kreditkarte) mit der Deutschen Bank Master hat es dann geklappt!

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