Landgericht Berlin: Verwahrentgelt auf Girokonten ist unzulässig

Sparda-Bank ist betroffen

In den letzten Wochen haben wir darüber berichtet, dass die DKB, die 1822direkt und die ING-DiBa für ihre Girocard künftig Geld verlangen. Gleichzeitig hat die DKB ihre neuen Richtlinien für das Verwahrentgelt vorgelegt und bestraft viele Sparer, die mehr als 25.000 Euro auf dem Konto haben. Das Verwahrentgelt ist bei vielen Banken zum Standard geworden, allerdings gibt es nun ein neues Urteil, dass das Verwahrentgelt in Frage stellt.

Eine Klage von Verbraucherschützern zeigt, dass dieses Verwahrentgelt nicht zulässig ist. Das Landgericht Berlin hat entscheiden, dass die Sparda-Bank Berlin keine Minuszinsen auf Giro- und Tagesgeldkonten mehr erheben darf. Zur Begründung heißt es: „Die Berechnung eines Verwahrentgelts bei Girokonten sei mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung nicht zu vereinbaren. Die Klausel benachteiligt den Verbraucher daher unangemessen. Die Bank soll das Verwahrentgelt auf eigene Kosten zurückzahlen“.


Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bank ein Kontoführungsentgelt erhebt. Allerdings ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, denn die Sparda will gegen die Entscheidung in Berufung gehen. Bleibt abzuwarten, wie sich das Thema in Zukunft entwickelt. Sollte das Verwahrentgelt letztendlich wirklich für unzulässig erklärt werden, müssen Banken hohen Rückzahlungen einplanen.

Sollte in Zukunft das Verwahrentgelt verboten werden, bin ich ziemlich sicher, dass sich die Banken das Geld anderweitig holen. Dann werden kostenlose Konten nicht mehr kostenlos sein oder das Kontoführungsentgelt angehoben. Wir werden die Verfahren und Entscheidungen beobachten und euch weiterhin auf dem Laufenden halten.

(Quelle: Handelsblatt)

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Kommentare 16 Antworten

  1. Ich finde dass das DKB Logo in diesem Beitrag unangebracht ist. Wie im Artikel zutreffend erwähnt ist die Sparda Bank Berlin Prozessbeteiligte.

  2. Jep. Banken werden es dann einfach umbenennen.
    Oder Konten an Anlagekonten binden etc. Gibts viele Möglichkeiten, welche praktisch alle zum Nachteil des Kunden ausfallen würden.

  3. Ich verstehe das nicht ganz. Es ist eine digitale Zahl, egal wie groß diese ist, verursacht sie doch keinen Aufwand. Wenn ich minus 25000 habe, kriege ich ja auch nix von denen. 🙂
    Oder muss die Bank das zwingend als Bargeld oder Goldreserve verwahren? Womit Lagerkosten entstehen? Weiß das jemand?

    1. Bargeldreserven spielen hier eine untergeordnete Rolle (sie sind mehr für das Eigenkapital der Bank wichtig).

      Die Verwahrung basiert nicht auf Lagerkosten, sondern Investitionskosten (bzw deren Mangel). Du nutzt schließlich die Dienste der Bank und bescherst ihr aktuell einen Schaden durch das Lagern von Geld.

      Schon allein um nicht Geld zu verlieren, müssen sie laufend Investitionen tätigen. Um dieses Risiko abzufedern, wird ein Teil der entstandenen Kosten einfach direkt dem Anleger in Rechnung gestellt.

      1. Und wenn du 25000 im Minus bist, bekommst du gerade unheimlich viel von ihnen. Nämlich enorm geringe Zinsen, welche die Wirtschaft auf Dauer destabilisieren.

      2. Ok danke. meinst du mit Schaden bei der Bank, das mein Guthaben quasi einem Kredit für die Bank von mir gleich kommt, nur das ich keine Zinsen verlange es dafür aber jederzeit abheben/wiederhaben könnte?

        1. Man kann es von verschiedenen Blickwinkeln beschreiben, aber was du hier fragst ist mehr die Frage, was Geld überhaupt ist.

          „Dein“ Geld gehört dir nicht. Der Geldnote wird de facto von der Zentralbank ein Wert zugemessen. Du verbuchst es bloß in einer der privaten Banken. Dieses „Bargeld“ ist in Wirklichkeit Realgeld. Also quasi 1-zu-1 Zentralbankgeld.

          Ab dem Moment des Verbuchens auf einer Bank wird es zu Fiatgeld (mehr oder weniger). Die Bank hat durch dein Bargeld ihr Eigenkapital (welches aus realen Assets und Zentralbankgeld bestehen muss) erhöht. Durch diese Erhöhung kann die Bank dann je nach Land ein vielfaches dieser Geldsumme als Kredite ausgeben (dieses Geld existiert dann nur auf dem Papier). Durch die Zinsen, die aus diesem Verleihen entstehen, muss die Bank ihr Einkommen und Gewinn regeln.

          Diese Privatbanken sind keine Wohltätige, sondern wollen selbstverständlich durch (kluge) Investitionen Geld verdienen und gleichzeitig (idealerweise) die Wirtschaft durch Finanzierung an den richtigen Stellen stützen. Die Wirtschaft erhält dadurch die Möglichkeit große Projekte über zukünftige Einkünfte abzuschreiben, die sie sich sonst nicht leisten könnte.

          Da wir uns aktuell in einer Krise befinden und große Problemgebiete mit Geldhaufen zugeschüttet wurden, haben wir zu viel ungenutztes Geld im System. Nur durch Wachstum und Investition kann es wieder halbwegs abgebaut werden.

          Die Zentralbank (die die Wertstabilität des Geldes überwacht) hat dies in der Vergangenheit so gemacht, dass sie die Zinsen auf Zentralbankgeld gesenkt hat. Banken waren deswegen animiert es nicht zu horten, sondern möglichst günstige (=viele) Kredite zu vergeben.

          Dies hat sich so weit nach unten geschaukelt, bis wir im Minus angekommen sind. Das heißt, wenn eine Privatbank Geld ungenutzt herumliegen hat, verliert sie automatisch Geld. Dies erzeugt einen sehr starken Investitionsdruck. Und zu viele Investitionen müssen vom Risiko her ausgeglichen werden. Gibt es nicht genug rentable und sichere Investitionen (in einer Phase mit schwachem Wachstum), dann werden die operativen Kosten auf den Anleger umgelegt.

          Und jetzt kommst du mit einem Sparerkonto und ohne jeglicher Lust auf Kredite oder Investitionen…
          _____
          So in etwa hat es jetzt dazu geführt, dass Rentner gerade schon von solchen wie DKB abgelehnt werden.
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          Was dir die Bank im Grunde bietet, ist gesetzeskonformer Transfer großer Summen und Diebstahlschutz.

        2. Ich bin vllt nicht klar genug auf deine Eingangsfrage eingegangen. Ja die Bank muss ihr Eigenkapital ebenfalls einlagern (ungeachtet der Notwendigkeit von Rediten obendrauf).

          Im Tresor = viel zu teuer, umständlich. Durch den Wegfall der 500€ Scheine hat sich zudem der Aufwand mehr als verdoppelt.

          Bei anderen Privatbanken = teuer, weil alle Banken gerade das Geld loswerden wollen und extrem unsicher spätestens seit 2009. Kaum Vertrauen mehr untereinander.

          Auf einem Konto der Zentralbank = praktisch und sicher, aber jetzt auch teurer. Vom Realzins ist es ebenfalls seit 2009 im Minus.

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