Dezor: Webbrowser mit VPN und Adblocker stürmt die App Store-Charts

Gratis-Download macht misstrauisch

Das Angebot an Webbrowsern für Apple-Geräte ist riesig: Neben dem bereits vorinstallierten Safari-Browser von Apple gibt es mit Mozilla Firefox, Opera, Microsoft Edge, Google Chome und anderen Anwendungen auch viele Alternativen. Mit Dezor (App Store-Link) wurde der App Store nun um ein weiteres Exemplar erweitert, das um die Gunst der Nutzer und Nutzerinnen buhlt. Offenbar aktuell auch mit Erfolg: Dezor findet sich gegenwärtig auf Platz 3 der Gratis-Charts im App Store für das iPhone.

Dezor ist in Versionen für iOS, iPadOS und macOS erhältlich und kann auf der Website des Entwicklerteams auch für Windows, Linux und Android geladen werden. Die Downloads des Webbrowsers sind kostenlos und verzichten auf weitere In-App-Käufe, Werbung oder Abonnements. Für die Installation sollte man neben 57 MB an freiem Speicherplatz auch mindestens über iOS/iPadOS 12.0 bzw. macOS 11.0 samt M1-Chip oder neuer verfügen. Anders als die App Store-Beschreibung es vermuten lässt, gibt es auch eine deutsche Lokalisierung für Dezor.


„Obwohl sich unsere Internetnutzung weiterentwickelt hat, ist der Browser relativ unverändert geblieben. Während sich all unsere anderen Software-Tools zum Besseren verändern – mit mehr Funktionen für die Zusammenarbeit, flexiblen Schnittstellen und leistungsstarken Funktionen -, tut der Browser im Wesentlichen immer noch das, was er vor fünfundzwanzig Jahren tat.

Deshalb entwickeln wir einen neuen Browser, den wir Dezor nennen, weil wir glauben, dass Browser so viel mehr tun können, um uns zu unterstützen. Wir stellen uns einen Browser vor, der uns Arbeit abnimmt und unsere Kreativität vorantreibt. Ein Browser, der für die Art und Weise gerüstet ist, wie wir das Internet im Jahr 2022 nutzen, und der die Grundlage dafür bildet, wie wir es in Zukunft nutzen wollen.“

Mit diesen vollmundigen Worten beschreibt das Entwicklerteam von Dezor die eigene Anwendung im App Store. Hinter dem Webbrowser steht die Dezor SA aus dem Schweizerischen Luzern mit Roman Seiler als Vorsitzendem. Weitere Infos zu den Menschen hinter Dezor gibt es bisher nicht.

Der Browser selbst kommt in einem minimalistischen Design daher und verfügt beim ersten Start lediglich über eine Menüzeile am oberen Bildschirmrand, in die man die URL oder einen Suchbegriff eingeben kann. Ein Home-, Vor-, Zurück- und Refresh-Button komplettieren die Navigation. Über ein „+“-Symbol am rechten Bildschirmrand können neue Tabs geöffnet werden, über drei Punkte daneben gelangt man zu angelegten Lesezeichen, einem Inkognito-Modus, dem Verlauf, Downloads und den Einstellungen. In letzteren lässt sich außer einem erzwungenen Dunkelmodus auch die Suchmaschine und der bevorzugte Videoplayer einrichten, die Sprache einstellen und optional ein Entwicklermodus aktivieren. Viel mehr gibt es in Dezor nicht zu entdecken, der Rest ist das Browsing selbst.

Keine Datenschutzbestimmungen und unklarer VPN-Dienst

Auf der Website des Webbrowsers ist zu lesen, dass Dezor sowohl über einen integrierten VPN-Dienst als auch über einen Adblocker verfügt. Beim Browsing wird der aktivierte Adblocker sehr schnell deutlich, da auf den von mir besuchten Websites die üblich eingepflegten Werbebanner leer bleiben oder gar nicht erst angezeigt werden. Bezüglich des VPN-Services gibt es allerdings keinerlei Hinweise in Dezor, lediglich ein „Inkognito-Tab“ lässt sich im Menü öffnen. Ob damit die Verbindung auch über einen VPN-Dienst läuft, welcher das ist und welche Ländereinstellung damit verbunden ist, wird an keiner Stelle deutlich. Klassische VPN-Einstellungen wie eine Länderauswahl finden sich in Dezor nicht.

Der Link zu den Datenschutzeinstellungen von Dezor führt direkt zur Website des Browsers und behandelt lediglich die Bestimmungen für die Nutzung der Website selbst. Welche Daten möglicherweise von den Nutzern und Nutzerinnen beim Browsen gesammelt werden, bleibt unklar. Im App Store liest man im Bereich „App-Datenschutz“, dass unter anderem Kontaktinformationen sowie der Such- und Browserverlauf erfasst werden, aber nicht mit der eigenen Identität verknüpft werden.

Mich lässt Dezor daher ratlos bis skeptisch zurück. Der Download des Browsers ist kostenlos, die App stammt offenbar von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, das keine Werbung, In-App-Käufe oder Abonnements zur Finanzierung einbaut, dafür aber mit Informationen zum Datenschutz geizt und zudem mindestens anonym Browser- und Suchverläufe erfasst. Auch Informationen zum verwendeten VPN-Dienst in Dezor lassen sich nicht finden, auch Kontaktdaten wie eine E-Mail-Adresse, ein Support-Formular oder Telefonnummer gibt es keine. Stattdessen gibt es einen polierten Werbetext im App Store und eine 2022 gegründete Schweizer Aktiengesellschaft, zu der im Netz lediglich „Custom computer programming services“ als Branche aufgeführt ist. Der Browser mag simpel zu handhaben und bequem zu nutzen sein – einen Download empfehle zumindest ich aufgrund der unklaren Datenschutzsituation jedoch absolut nicht.

‎Dezor
‎Dezor
Entwickler: Dezor SA
Preis: Kostenlos

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Kommentare 16 Antworten

    1. Welche sachlichen Argumente lassen dich zu dem Schluss kommen, dass ein US-Anbieter in Sachen europäischer Datenschutz „der vermutlich Beste“ zu sein?

    1. Meinst du die 2-mal „Nutzer und Nutzerinnen“ im Text?

      Junge, bist du empfindlich. Stell dir vor, Mel hätte „EntwicklerInnenteam“ geschrieben oder „Entwickler*innenteam“ anstelle „Entwicklerteam“.

      Ich gendere auch kaum, aber ich bin auch alt (meint meine Tochter). Junge Menschen sehen in einer integrativen Sprache oft einen Wert, der sich den Alten mitunter nicht erschließt.

      Wusstest du, dass divers aufgestellte Firmen um 15 Prozent erfolgreicher sind? Daher schauen Investoren inzwischen auch darauf, wie die Vorstände besetzt sind. Wenn man dann bedenkt, dass Sprache Denken und Handeln beeinflusst, dann ist vielleicht nicht alles Unsinn, was auf den ersten Blick so erscheint.

      1. Hätte da gern eine Quelle dazu, wo dieser Erfolg wirklich auf das Diverse zurückzuführen ist und nicht einfach darauf dass diese Firmen die Positionen mit den besten Mann/der besten Frau oder der/die/das besten besetzen.

        1. Der Report von McKinsey findet Erwähnung in:

          c’t uplink 46.6 „Frauen in der Tech-Branche“ und
          Handelsblatt „Frauen sorgen für besseren Aktienkurs“

          Aber nein, die 180 Seiten des letzten McKinsey-Reports liegen mir nicht vor.

          Aber du findest bei McKinsey etwas von 2020:

          https://www.mckinsey.de/~/media/mckinsey/locations/europe%20and%20middle%20east/deutschland/news/presse/2020/2020-05-19%20diversity%20wins/report%20diversity-wins-how-inclusion-matters%202020.pdf

          und von 2018:

          https://www.mckinsey.com/capabilities/people-and-organizational-performance/our-insights/delivering-through-diversity

  1. Das Gendern hier finde ich ok wenn es nicht mit dem Doppelpunkt und entsprechender Sprache erfolgt. Hier handelt es sich um normale Begriffe aus der deutschen Sprache (siehe Duden). Viel schlimmer finde ich die vielen Anglizismen obwohl es meistens dafür Begriffe in der deutschen Sprache gibt.

  2. Danke Mel. Endlich mal wieder ein Artikel, der auch kritisch hinterfragt und nicht immer Werbegeplänkel von irgendwelchen Angeboten oder Artikeln die eh niemand braucht (ich sag nur Spritzpistole – das war echt der Tiefpunkt)

      1. Ich weiß;-) Bitte trotzdem mal wieder ein paar interessantere und gerne auch kritische Artikel aus Eurer Feder. Ich les Euch eigentlich ganz gerne, aber wenn sich in Zukunft die Artikel auf Marketinggeplänkel und Vorstellungen von irgendwelchen sinnlosen Produkten oder Apps (mit Abo) beschränken, bin ich früher oder später raus. Wäre echt schade ☹️

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