Hype um Dispo: Einwegkamera-App liefert Bildergebnisse erst am nächsten Tag

Aktuell nur per Einladung zugänglich

Gerade als wir dachten, dass sich der endlose Hype um die Audio-Community Clubhouse etwas gelegt hat, kommt gleich die nächste exklusive App um die Ecke. In diesem Fall handelt es sich um eine digitale Einwegkamera namens Dispo (App Store-Link), die sich kostenlos aus dem deutschen App Store auf das iPhone herunterladen lässt und neben 78 MB an freiem Speicherplatz auch iOS 14.0 oder neuer auf dem Gerät benötigt. Eine deutsche Lokalisierung besteht bisher noch nicht.

Dispo wurde unter anderem vom 25-jährigen David Dobrik, einem bekannten YouTuber, ins Leben gerufen. Wohl auch deshalb konnte Dispo kürzlich über eine Finanzierung 20 Millionen USD an Kapital generieren, der Wert des Unternehmens soll derzeit bei etwa 200 Millionen USD liegen.


Bei Dispo handelt es sich im Grunde genommen um eine digitale Variante der Einwegkamera – inklusive weniger Einstellungsmöglichkeiten für Fotos, Entwicklungs- und Wartezeiten. Die mit der App geknipsten Schnappschüsse stehen nämlich erst am nächsten Tag um 9 Uhr in der App bereit, ganz so, wie man es noch von früheren Analogfilmen kennt, die man erst zur Entwicklung bringen und auf die Ergebnisse warten musste. Bis auf eine Option, mit oder ohne Blitzlicht zu schießen, können Nutzer keinen Einfluss auf die Bildergebnisse nehmen. Für den sozialen Faktor sorgen in Dispo sogenannte Film Rolls, um Fotos thematisch sortieren oder mit Freunden teilen zu können.

Die Einwegkamera-App befindet sich seit dem 19. Februar 2021 in einer öffentlichen Betaphase, die sowohl ein iOS-Gerät sowie eine Einladung von einem bestehenden Nutzer voraussetzt. Damit wird gleich einmal ein ähnliches Fear-of-missing-out-Gefühl wie jüngst bei Clubhouse generiert – jeder will dabei sein, niemand will den Hype an sich vorbeiziehen lassen. Künstliche Verknappung als Zauberwort zu Ruhm und Ehre.

Datenschutzbestimmungen aus der Hölle

Ähnlich wie Clubhouse macht Dispo allerdings auch als kleine Datenkrake auf sich aufmerksam. Für die Registrierung ist zwingend die eigene Telefonnummer erforderlich, zudem liest sich die Privatsphäre-Seite wie ein Horrorkabinett des Datenschutzes. „Wir sammeln Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Kontakt-Präferenzen, Nutzernamen, Passwörter und andere ähnliche Informationen“, heißt es dort. Auch Daten zum Gerät, Login- und Nutzungsdaten sowie Standorte werden von Dispo gesammelt. Die Daten werden dann unter anderem für „Marketing und Promotion“, „personalisierte Werbung“ (in Zusammenarbeit mit Dritten) und „andere Geschäftszwecke“ verwendet. Zudem werden Nutzerdaten mit „Geschäftspartnern“ sowie „Lieferanten, Berater und andere Drittanbieter von Dienstleistungen“ geteilt, die unter anderem auch Tracking-Technologien in der App verwenden.

Schaut man sich dann auch die belanglosen Allerwelts-Schnappschüsse von Mitgründer Davon Dobrik in seinem Instagram-Profil an, die er mit Dispo geschossen hat, wage ich zu bezweifeln, dass Dispo auch aus fotografischer Sicht ein tolles Retro-Feeling echter alter Einwegkameras vermittelt. Für solche Zwecke empfehle ich daher die gute alte Hipstamatic-App (App Store-Link), die auch über einen Classic Modus verfügt und dem Nutzer nicht zu viele Einstellungsmöglichkeiten bietet. Zumindest versprühen die Hipstamatic-Ergebnisse je nach gewähltem Film und Linse einen gewissen Vintage-Touch mit Lichtlecks, Polaroid-Rändern und Verfärbungen.

‎Dispo - Live in the Moment
‎Dispo - Live in the Moment
Entwickler: Dispo, Inc
Preis: Kostenlos

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Kommentare 12 Antworten

  1. Juhu! Aus Retro wird Rückständig! Nicht nur ideologisch sind manche Menschen im Jahre 1938 angekommen, sondern auch noch technologisch in den 90ern.
    Das sind wahre First-World-Problems.

    1. Und finanziert das mit 20 Millionen? Wohl nur weil es genug idioten gibt, die ihre Daten für den Unternehmenserfolg zur Verfügung stellen!

  2. Was für Bullshit die Leute kaufen. Sich bei den Anti Corona Apps aufregen und den Untergang des Datenschutz-Abendlandes propagieren, aber hierbei die Hosen runterlassen. Manchen fehlen offensichtlich die Vernunft Synapsen

  3. So langsam wird es Zeit, dass ich eine meiner Ideen in die Tat umsetzen, bei denen ich bisher dachte, dass sie einfach zu doof sind und dass kein Mensch dafür bezahlt. Aber wenn ich das lese, gibt es mit Sicherheit ein paar Schwachköpfe, die echt für jeden Mist bezahlen würden.

  4. Heyyy, habt ihr schon die App mit dem Heilstein für 1000EUR und mehr vergessen?
    Und juhu, eine App, die mir das Foto erst am nächsten Tag zeig – mehr entschleunigen geht nicht. Die Datenschutzbestimmungen lesen sich doch wie bei FB. Hat doch die Gesellschaft heute kein Problem mit.

  5. Was soll eigentlich dieses Dumme Konzept das nicht jeder rein darf, du hast nur gute Chancen wenn du jemanden kennst der schon drin ist usw. Bla bla bla. Ich werd nen teufel tun und denen meine Kontakte freigeben. Genauso wie dieses Dumme Clubhouse dingens. Solche Apps gehören verboten

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