Kommentar: Wie kaputt ist der App Store?

Der App Store ist längst nicht mehr das, was er vor einigen Jahren war. Aber wie schlimm steht es um Apples erfolgreiches Kind wirklich?

Apple App Store

Mittlerweile sind im App Store fast zwei Millionen Apps verfügbar. Immer wieder vermeldet Apple neue Download-Rekorde und steigende Umsätze, zahlt pro Monat Millionen an seine Entwickler aus und kassiert fleißig mit. Doch obwohl er so erfolgreich ist, scheint der App Store längst nicht mehr alle Beteiligten zufriedenstellen zu können. Während es auf der einen Seite zwar Entwickler gibt, die immer mehr kassieren, gibt es auf der anderen Seite Entwickler, die fast gar nichts mehr vom Kuchen abbekommen.


Preisreduzierungen als letzte Chance für unabhängige Entwickler?

Ein perfektes und sehr aktuelles Beispiel dafür ist The Little Fox (App Store-Link), das uns Ende Juni wirklich überzeugen konnte. Das Spiel für iPhone und iPad ist wunderschön gestaltet, bietet eine interessante Spielidee und wurde noch dazu als Premium-App für 2,99 Euro verkauft. Nur wenige Tage nach dem Start im App Store haben die Entwickler einen einfachen Spielmodus nachgereicht, um The Little Fox für mehr Nutzer zugänglich zu machen.

Auch Apple fand Gefallen an der App und listete das Spiel als eines der neuen Lieblingsspiele. Viele Downloads scheint das nicht gebracht zu haben: Auch heute gibt es erst sechs Bewertungen. Zwei Wochen nach dem Start wurde der Preis auf 99 Cent reduziert. Und in dieser Woche folgte ein viel radikalerer Schritt: The Little Fox wird ab sofort kostenlos angeboten und soll sich durch gelegentlich eingeblendete Werbung finanzieren. Ein Schlag mitten ins Gesicht aller Premium-Fans.

Natürlich ist es ärgerlich, wenn man ein paar Euro für eine tolle App ausgibt, möglicherweise viel Spaß hat und dann wenige Tage später feststellen muss, dass der Download jetzt deutlich weniger kostet oder sogar kostenlos ist. Dann überlegt man es sich beim nächsten Kauf doppelt und dreifach, ob man tatsächlich Geld ausgeben möchte. Für unabhängige Entwickler scheint es so etwas wie eine letzte Chance zu sein, die eigene App doch noch irgendwie bekannt zu machen.

Bezahlte Suchergebnisse werden Probleme noch verschärfen

Währenddessen zeigt sich bei den umsatzstärksten Apps seit Monaten und Jahren das gleiche Bild. Mobile Strike, Clash of Clans, Empire Four Kingdoms und Candy Crush Saga machen mit Abstand die meisten Umsätze. Das grandiose Day of the Tentacle Remastered (App Store-Link), das die Verkaufscharts tagelang anführte, ist auf Platz 39 der umsatzstärksten iPad-Apps zu finden.

Mit dem Start von iOS 10 könnte noch ein größeres Loch zwischen unabhängigen Entwickler und den großen Marketing-Maschinen klaffen. Immerhin will Apple bezahlte Suchergebnisse anbieten – und das wird vermutlich für diejenigen, die jetzt ohnehin schon Werbung im Internet, im Fernsehen und Zeitschriften buchen, eine gefundene Möglichkeit sein, ihre Gratis-Apps noch bekannter zu machen. Man darf aber nicht vergessen: Irgendwo muss auch bei diesen Apps das Geld wieder reinkommen – zumeist über Verbrauchsgüter, die als In-App-Kauf angeboten werden.

Apple sollte sich für den App Store schleunigst etwas einfallen lassen.

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Kommentare 34 Antworten

  1. Der AppStore braucht vor allem dringend Filtermöglichkeiten bei der Suche (Kategorie, letztes Update, In-App-Käufe, mind. x positive Rezensionen etc. etc.). Apple lässt, genau wie den Mac App Store, hier alles schleifen und verheddert sich in vielen anderen Dingen.

    1. Das würde ich unterschreiben sehe ich ähnlich. Allerdings scheint sich das inzwischen auf alle Produktkategorien zu beziehen.

    2. Ne Suchfunktion nur für Premium-Apps wäre toll. Aber früher oder später gibt es dann wohl auch dort In-App-Käufe und Werbung.

    3. So sehe ich das auch! Suchfilter wären das A und O was in den AppStore (iOS wie auch Mac) gehört. Generell müsste die komplette Suche überarbeitet werden, weil sie teilweise schon sehr komische Ergebnisse liefert.
      Wenn man einen App Namen exakt 1:1 eingibt sollten auch diese Ergebnisse als erstes kommen.. was aber meistens nicht der Fall ist.
      Die geplanten bezahlten Suchergebnisse sind für mich ein absolutes No Go!
      Im AppStore wird meiner Meinung nach eh schon genug getrixt. Ich erinnere mich noch vor ein paar Wochen an diese Insolvenz-App die aus dem nichts auf Platz 1 gelandet war. Wo ist sie jetzt?! Da kann doch irgendwas nicht mit rechten Dingen angehen.

      Ich bin durchaus bereit für eine Vernünftige und Qualitativ hochwertige App auch einen entsprechenden Preis zu zahlen.
      Aber wie im Artikel bereits erwähnt ist es extrem ärgerlich wenn kurze Zeit später der Preis reduziert wird.

      Ich persönlich sehe der Zukunft des Stores mit gemischten Gefühlen entgegen. Besser wird es durch die Bezahl-Suche mit Sicherheit nicht.

  2. Wie in so vielen Dingen die wir heute bemängeln, halten wir uns als Kosumgesellschaft mit immerwährendem wirtschaftlichen Wachstum selbst einen Spiegel vor. Wir betteln täglich nach News, Updates um als Erster dabei zu sein. Nicht up to Date zu sein , bedeutet „still stehen“ und gilt heutzutage als „unschick“. Ist halt nur die Frage wir den Wunsch nach der immer schneller drehenden Welt noch menschlich selbst durchhalten.
    Ich erinnere mich noch an den Autofreien Sonntag, damals zur Ölkrise. Heute gönne ich mir den Internetfreien Tag. Und ich muss gestehen – ich verpasse gar nix, rein gar nix.

  3. Solange Apple weiterhin gut dran verdient, passiert hier gar nichts.

    Ich hasse Apps mit In-App-Käufen und überlege mir dreimal ob ich die App kostenlos lade oder nicht, weil kostenlos bleibt sie einfach in den meisten Fällen nicht. Da gebe ich lieber Geld für eine Premium-App aus, überlege mir dieses aber auch mehr als früher, da Dummerweise meistens wie im Artikel beschrieben verfahren wird.

  4. Für mich ist der App Store nur zum Download da. Alle Tipps für egal welche App bekomme ich über appgefahren. Sehe keinen Grund im Store irgendwas zu ’suchen‘ ?

  5. Wir blicken da in einen Spiegel und wenn uns nicht gefällt was da gespiegelt wird sind wir selber schuld.
    Man lese sich Rezensionen zu Apps durch welche neue Inhalte per In App Kauf anbieten oder als neue App zum neu bezahlen.

    Dann lieber gleich auf ein freemium Modell setzen und so dem Shitstorm entgehen.

  6. Hellgraue Schrift auf grauen Hintergrund – das Design ist eine Katastrophe (noch schlimmer ist es beim Mac AppStore). Vor allem sollte dies einhaltlich gehalten werden. Manche Apps werden in einen völlig anderen Design angeboten und das, wo Apple sehr viel Wert auf Einheitlichkeit setzt.

    Weiterhin sind Apps nur schwer auffindbar. Hier sollte es bessere Kategorisierungen und Filtermöglichkeiten geben.

    Weiterhin sollte ein Preiswecker für vorgemerkte Apps integriert werden und falls der Nutzer es wünscht, Kontaktmöglichkeiten. So könnten Erfahrungen mit den jeweiligen Apps noch besser ausgetauscht werden.

    Bei Kontaktaufnahme zum Entwickler würde ich mir ein Nachrichtensystem über den AppStore wünschen.

    1. Das unterschreibe ich mal sofort. Apple ist da in vielen Dingen einfach hinterher.
      Antworten vom Support einer App? Zu oft Fehlanzeige. Auch würde ich mir wünschen, dass Apple ein intensiveres Auge auf eingereichte Dienstprogramme hat. Viele halten einfach nicht was sie versprechen. Hatte in der letzten Zeit häufiger Pech mit solchen Apps. Und Rückgabe…? Weit gefehlt.

  7. Apple wird leider so schnell keinen Filter für Premium-Apps einführen, schätze ich mal. Immerhin ist Apple selbst der größte Profiteur von Freemium-Apps – leider…

    1. Richtig. Apple verdient am meisten mit Freemium Apps und in App Käufen, die werden einen Teufel tun und noch eine Premium Kategorie auflisten/einführen. Hauptsache Profit, wie so viele / fast alle Unternehmen

  8. Das Problem ist tatsächlich nicht der AppStore an sich, sondern die Kunden. Es ist doch in fast allen Bereichen so. Die durchschnittlichste Standartkost ist auch bei Filmen immer am erfolgreichsten. Wirklich gute und auch kreative Filme haben weit weniger Zuschauer. Alle meckern über die schlechte Qualität der Lebensmittel in Deutschland, aber wehe die Milch kostet mehr als 60 Cent.

    The Little Fox ist ein wunderschönes und unglaublich liebevolles Spiel. Ich schüttle jedes mal den Kopf, wenn ich sehe wieviel Geld ein Spiel wie Clash of Clans einbringt. Solange es aber Menschen gibt, die für solche Spiele auf den Knopf mit 99€ drücken, wird sich nichts ändern.

    1. Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können ??. Wir sehen hier das Ergebnis dessen, worauf wir als Nutzer die letzten Jahre hingearbeitet haben. Hauptsache kostenlos! Hier ist niemand anderes in der Pflicht als der Verbraucher, der sein Verhalten einmal überdenken sollte.

  9. Ich finde die Android Playstore-Lösung ganz gut: App kaufen und ausgiebig testen. Bei Nichtgefallen innerhalb von 2 Std. kann man sein Geld wieder zurück bekommen.
    Besser, als die Katze im Sack oder sich auf andere Meinungen verlassen zu müssen. „Little Fox“ z.B. gefällt mir überhaupt nicht – 10 min. getestet und gleich wieder gelöscht.
    Gut ist auch: Ein paarLevel umsonst – alle weiteren über einen In-App-Kauf frei schalten.

  10. „The Little Fox“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass die Transparenz bei inApp-Käufen, so wie sich Apple dazu eigens rühmt, gar nicht vorhanden ist. Im Titel steht zwar was von inApp-Käufen, aber unten werden diese nicht aufgelistet. Will hier jemand was verbergen?

  11. Mich ärgert dieses neue Gebaren auch. Hab little fox auch zum ersten Preis gekauft und es hat mir nicht gefallen. Aber davon mal abgesehen ist es wirklich ein Schlag ins Gesicht wenn es kurz darauf reduziert und dann sogar gratis angeboten wird. Es ist was anderes wenn eine App die schon lange auf dem Markt ist mal eine gratis Aktion hat. Aber es ist mir jetzt ein mehr als einmal passiert das ganz neue Apps kurz nach Erscheinen drastisch reduziert wurden. Da überlege ich wirklich ob ich in Zukunft direkt zuschlage oder einfach mal abwarte was ich sparen kann.

    1. Geht mir genauso. Habe es zum ersten Preis gekauft und ärgere mich jetzt etwas, zumal mir die App auch nicht so mega gefällt.
      Ich fände eine Testphase für Premium Apps gut. Von mir aus auch nur für einen Tag, das reicht für einen Eindruck. So wie es jetzt ist, kauft man die Katze im Sack und greift deshalb oft doch lieber zu kostenlosen Apps.

  12. Ich weiß gar nicht was ihr alle habt, ich wusste gleich das dieses Spiel nichts für mich ist. Auch wenn das drum herum sehr liebevoll gemacht ist.

    Habe es kostenlos geladen und war froh es nicht gekauft zu haben. WÜRDE es mir aber gefallen könnte ich für 99 Cent die Werbung abschalten…

    Und alle die immer alles neue sofort haben müssen, werden gnadenlos abgezogen, wie bei allem im Leben. Fair ist das ja nicht, aber ihr solltet daraus etwas lernen…

  13. Ich finde es mittlerweile am besten, wenn alle Apps kostenlos angeboten würden. Und man bei Gefallen ein Trinkgeld via inApp-Kauf tätigen könnte. Manche kleinen Entwickler bieten so etwas schon an und ich nutze es mittlerweile regelmäßig.
    Meistens sind es nämlich auch diese, welche den Kunden zuhören und Zusatzfunktionen in Apps einbauen, die gewünscht werden.

    Folgender Artikel auf Flipboard gefällt mir dazu sehr gut.
    Geht zwar um Musik aber das Anliegen ist eigentlich das Gleiche.

    http://flip.it/62Aex
    https://www.wired.de/collection/latest/warum-wir-online-fuer-musik-bezahlen-obwohl-wir-nicht-muessen

  14. Premium-Apps waren schon immer tot. Nur weil einige User und Redakteure ihre Augen verschließen, ändert das nichts.
    Das sind meist(!) Medien-Inhalte wie Filme, Spiele, Nachrichten-Artikel, Musik, die man mal konsumiert. Hierfür gibt halt niemand ständig Geld aus.
    Geld geben die meisten nur aus für Sachen, die sie regelmäßig nutzen.
    Schaut in den App Store. Spiele haben seit langer Zeit das Freemium Modell. Kürzlich haben alle großen Navigationshersteller auf kostenlose Apps umgestiegen. Warum? Weil das wirtschaftlich ist und insbesondere nachhaltig. Die User können Apps kostenlos laden und ausprobieren, wie beim Film der Trailer. Ganz ohne Risiko. Der echte Nutzer(viel Nutzungsdauer) am Ende des Tages muss für die Dienste der App dann aber zahlen und tut dies auch(Spiele, Navigation, Fitness, Nachrichten etc).

    Davon ab muss Apple in der Tat den AppStore moderner gestalten, aber das werden die Pay-Apps nicht retten.

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