Offizielle Stellungnahme: Apple äußert sich zum Streit mit Spotify

Alle Details aufgelistet

Das ging recht flott. Nachdem Spotify Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingelegt hat, da Spotify keinen fairen Wettbewerb sieht, hat Apple per Pressemitteilung reagiert. Zuerst noch einmal die Ansichten von Spotify.

Spotify sieht keinen fairen Wettbewerb im App Store. Die 30 Prozent-Abgabe ist dem Konzern ein Dorn im Auge, außerdem wirft Spotify Apple vor, dass sie die Entwicklung der Apple Watch-App vor gut vier Jahren verhindert hat. In der Kritik steht auch die Tatsache, dass Apple Werbung per Push-Nachricht für Apple Music verschickt, alle anderen Entwickler solche Methoden aber nicht anwenden dürfen.

Da es hier ziemlich viele und wichtige Details gibt, möchten wir euch die Pressemitteilung im Wortlaut wiedergeben:

Nachdem Spotify den App Store jahrelang genutzt hat, um sein Geschäft drastisch auszubauen, ist Spotify bestrebt, alle Vorteile des App Store Ökosystems – einschließlich der beträchtlichen Einnahmen, die sie von den Kunden des App Store erzielen – zu erhalten, ohne einen Beitrag zu diesem Marktplatz zu leisten. Gleichzeitig verbreiten sie die Musik, die du liebst, und leisten immer kleinere Beiträge an die Künstler, Musiker und Songwriter, die sie erschaffen – und gehen sogar so weit, diese Schöpfer vor Gericht zu stellen.

Spotify hat das Recht, sein eigenes Geschäftsmodell festzulegen, aber wir fühlen uns verpflichtet zu reagieren, wenn Spotify seine finanziellen Motivationen in irreführende Rhetorik darüber verpackt, wer wir sind, was wir aufgebaut haben und was wir tun, um unabhängige Entwickler, Musiker, Songwriter und Schöpfer aller Couleur zu unterstützen.

Die Kernpunkte der Aussage aufgegriffen

Wir haben im Namen von Spotify fast 200 App-Updates genehmigt und verteilt, was zu über 300 Millionen heruntergeladenen Kopien der Spotify App geführt hat. Das einzige Mal, dass wir Anpassungen angefordert haben, ist, wenn Spotify versucht hat, die gleichen Regeln zu umgehen, denen jede andere App folgt.

Wir haben häufig mit Spotify zusammengearbeitet, um ihnen zu helfen, ihren Service auf mehr Geräten und Plattformen anzubieten:

  • Als wir uns mehrmals an Spotify über den Siri und AirPlay 2 Support wandten, haben sie uns gesagt, dass sie daran arbeiten, und wir sind bereit, ihnen zu helfen, wo immer wir können.
  • Spotify ist tief in Plattformen wie CarPlay integriert, und sie haben Zugriff auf die gleichen Tools und Ressourcen zur App-Entwicklung wie jeder andere Entwickler.
  • Wir fanden Spotify’s Behauptungen über Apple Watch besonders überraschend. Als Spotify im September 2018 ihre Apple Watch App einreichte, überprüften und genehmigten wir sie mit dem gleichen Prozess und der gleichen Geschwindigkeit, mit der wir jede andere App verwenden würden. Tatsächlich ist die Spotify Watch App derzeit die Nr. 1 App in der Kategorie Watch Music.

Spotify steht es frei, Apps für unsere Produkte und Plattformen zu entwickeln – und auf diesen zu konkurrieren, und wir hoffen, dass sie das tun.

Spotify will alle Vorteile einer kostenlosen App, ohne frei zu sein

Ganze 84 Prozent der Apps im App Store zahlen nichts an Apple, wenn Sie die App herunterladen oder nutzen. Das ist keine Diskriminierung, wie Spotify behauptet; es ist von Natur aus:

  • Apps, die für Sie kostenlos sind, werden von Apple nicht berechnet.
  • Apps, die ausschließlich durch Werbung Einnahmen erzielen – wie einige Ihrer Lieblingsspiele – werden von Apple nicht berechnet.
  • App-Geschäftsvorgänge, bei denen sich Benutzer anmelden oder digitale Waren außerhalb der App kaufen, werden von Apple nicht berechnet.
  • Apps, die physische Waren verkaufen – einschließlich Ride-Hailing und Food Delivery Services, um nur einige zu nennen – werden von Apple nicht berechnet.

Der einzige Beitrag, den Apple verlangt, ist für digitale Waren und Dienstleistungen, die innerhalb der App über unser sicheres In-App-Kaufsystem erworben werden. Wie Spotify betont, beträgt der Umsatzanteil im ersten Jahr eines Jahresabonnements 30 Prozent – aber sie haben vergessen, dass er in den Jahren danach auf 15 Prozent sinkt.

Das ist nicht die einzige Information, die Spotify ausgelassen hat, wie ihr Geschäft funktioniert:

  • Die Mehrheit der Kunden nutzt ihr kostenloses, werbegestütztes Produkt, das keinen Beitrag zum App Store leistet.
  • Ein erheblicher Teil der Kunden von Spotify kommt durch Partnerschaften mit Mobilfunkbetreibern. Dies führt zu keinem Beitrag für den App Store, erfordert aber von Spotify die Zahlung einer ähnlichen Vertriebsgebühr an Einzelhändler und Spediteure.
  • Schon jetzt fällt nur ein winziger Bruchteil ihrer Abonnements unter das Apple Revenue-Sharing-Modell. Spotify fordert, dass diese Zahl Null ist.

Lassen Sie uns klarstellen, was das bedeutet. Apple verbindet Spotify mit unseren Nutzern. Wir stellen die Plattform zur Verfügung, über die Benutzer ihre App herunterladen und aktualisieren können. Wir teilen wichtige Softwareentwicklungswerkzeuge, um das App Building von Spotify zu unterstützen. Und wir haben ein sicheres Zahlungssystem aufgebaut – kein kleines Unternehmen -, das es den Nutzern ermöglicht, auf In-App-Transaktionen zu vertrauen. Spotify bittet darum, all diese Vorteile zu erhalten und gleichzeitig 100 Prozent der Einnahmen zu behalten.

Spotify wäre nicht das Geschäft, das sie heute ohne das App Store Ökosystem betreiben, aber jetzt nutzen sie ihre Größe, um nicht dazu beizutragen, dieses Ökosystem für die nächste Generation von App Entrepreneuren zu erhalten. Wir denken, dass das falsch ist.

Was hat das mit Musik zu tun? Sehr viel.

Wir teilen Spotify’s Liebe zur Musik und ihre Vision, sie mit der Welt zu teilen. Worin wir uns unterscheiden, ist, wie Sie dieses Ziel erreichen. Unter der Rhetorik ist es das Ziel von Spotify, mehr Geld mit der Arbeit anderer zu verdienen. Und sie wollen nicht nur den App Store umgehen, sondern auch die Gebühren für Künstler, Musiker und Songwriters drücken.

Erst diese Woche verklagte Spotify Musikschaffende, nachdem das US Copyright Royalty Board Spotify in einer Entscheidung aufgefordert hatte, seine Lizenzgebühren zu erhöhen. Das ist nicht nur falsch, sondern stellt einen echten, sinnvollen und schädlichen Rückschritt für die Musikindustrie dar.

Apples Ansatz war schon immer, den Markt wachsen zu lassen. Durch die Schaffung neuer Marktplätze können wir mehr Möglichkeiten schaffen, nicht nur für unser Geschäft, sondern auch für Künstler, Kreative, Unternehmer und jeden „Verrückten“ mit einer großen Idee. Das liegt in unserer DNA, es ist das richtige Modell, um die nächsten Big App-Ideen zu entwickeln, und letztendlich ist es besser für die Kunden.

Wir sind stolz auf die Arbeit, die wir geleistet haben, um Spotify beim Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens zu unterstützen, das Hunderte von Millionen von Musikliebhabern erreicht, und wir wünschen ihnen weiterhin viel Erfolg – schließlich war das der eigentliche Grund für die Gründung des App Store.

Wir sind gespannt, wie sich der Streit weiter entwickelt. Hoffentlich wird der Kampf nicht auf dem Rücken des Kunden ausgetragen. Beide Seiten teilen nachvollziehbare Ansichten, blickt man auf die Details, ist Spotify hier sicherlich nicht als Unschuldslamm zu betiteln.

Kommentare 26 Antworten

  1. „Unter der Rhetorik ist es das Ziel von Spotify, mehr Geld mit der Arbeit anderer zu verdienen. Und nicht nur der App Store, sondern auch Künstler, Musiker und Songwriter versuchen sich zu quetschen.“

    Ach und Apple macht das nicht? ?

  2. Ja ne is klar, bei Apple steht nur das Wohl des Künstlers im Vordergrund und nicht der eigene Profit…

    Die Unternehmen tun sich gegenseitig nicht viel. Jeder will ein Maximum an Ertrag erzielen (schließlich gibt es ja auch noch Geldgeber im Hintergrund, die auch ausgezahlt werden wollen) und beschuldigt lieber nen anderen, um von den eigenen Machenschaften abzulenken.

  3. Aus den gleichen Gründen bietet (oder bot) Netflix auch keine Abo-Verlängerungen über den AppStore an.

    Hab mich schon über andere Kanäle schlau gemacht und bin der Meinung, Spotify (und Netflix) haben hier recht.

  4. Wo ist das Problem? Niemand muss das Abo-System von Apple unterstützen.
    Aber da Spotify sich in den letzen Jahren fast nur um Verbesserungen für Non-Zahler gekümmert hat, bin ich seit 1 Jahr eh weggewechselt.

  5. Wie kann man da Spotify oder Netflix verstehen? Sie haben doch die Möglichkeit eine App bei Apple einzureichen, ohne auch nur einen Cent zahlen zu müssen. Dann müssen sie sich halt anderer Bezahldienste bedienen und nicht den einfachen Weg über den App-Store gehen. So macht es nun Netflix und seit langem andere Anbieter ja jetzt auch, die sich allerdings nicht beschweren. Apple macht übrigens das gleiche bei Amazon, Microsoft und Co, wo man nun Apple Music auch beziehen kann.

  6. Die 30% Abgabe ist aus meiner Sicht sittenwidrig und nutzt klar Apples iOS-Monopol aus. Die Gebühren sollten sollten sich an Kreditkarten oder Paypal orientieren. Diese bieten auch eine ausgereifte Infrastruktur an.

    Es ist einfach lächerlich dass ich über die amazon-app keine ebooks kaufen kann da es für amazon oder andere Anbieter ein Verlustgeschäft wäre.

    Und Apple stellt sich als die Guten dar. Die halten uns echt für dumm…

    1. Sittenwidrig? Was ist daran sittenwidrig wenn Apple Gebühren für das Nutzen der Plattform berechnet? Apple ist der Entwickler des IOS, also ist es auch Apples gutes Recht darauf das Monopol zu haben. Ansonsten kann man ja auch gleich eine Androidhure nehmen. Spotify steht es doch frei sich aus dem Appstore zurückzuziehen und damit auf die Applekundschaft zu verzichten. Ach nee, wollen sie wohl nicht, lieber kostenlos rumschmarotzen, ist ja auch bequemer. Spotify schien nicht zu erwähnen das die 30% Abgabe nur in Jahr 1 gilt, wenn man sich schon auf angebliches Recht und Ehrlichkeit beruft dann bitte alles erwähnen und nicht nur das was den Gegner im schlechten Licht dastehen lässt. Unterm Strich bin ich sicher das die sich irgendwie einigen werden, weder der eine noch der andere kann und wird es sich erlauben auf den jeweils anderen zu verzichten.

      1. Was auf iOS Nutzer verzichten? Das sind die Einzigen mit Bezahlkonten. Nur mit Ihren Androiden Nitzer wären Spotify schon lange weg vom Fenster.

  7. Spotify hat Recht. Genauso wie Amazon, Netflix und Co.
    30% und auch 15% sind absurd. Zumal Apple eigentlich verlangt (zumindest wurde das mal erwähnt, ob das wirklich war ist weiß ich nicht), dass die Anbieter eine Bezahlmethode anbieten sollen.

    Mal eher anders gefragt:
    Was wäre Apple ohne die Apps und den AppStore?
    Es ist definitiv eine Wettbewerbsverzerrung, wenn Spotify einen overhead von 30% gegenüber Apple Music hat. Völlig absurd. Von kostenlos redet eigentlich auch keiner ernsthaft. Ein kleiner Betrag ist ja legitim.

    1. Der übliche Aufschlag in der Wirtschaft liegt weit über 30%. Aber weil es Apple ist sollen sie jetzt alles für weniger machen als alle anderen.

  8. Am Ende ist es doch wie immer. Wenn ich mich selbstständig mache, kann ich versuchen selbst Werbung und Marketing schalten, oder ich nehme wen ins Boot dafür um schnell zu wachsen und zahle dafür. Es hat doch jeder die Wahl. Ist wie mir jedem Investor im Unternehmen.

    1. Es ist keine Wettbewerbsverzerrung. Apple bietet mit dem Appstore kostenfrei eine Plattform und erst wenn der Hersteller Geld für ein Abo oder einen Appkauf bekommt, bekommt auch Apple etwas. Apple geht nach dem Motto „Keep it simple“, keine gestaffelten Gebühren oder unterschiedlichen Vertriebsmodelle. Apple bietet schnelle Verkäufe über ihre hinterlegten Zahldaten der Kunden an und Kunden nutzen anscheinend gerne den bequemeren Weg. Und dafür kassiert Apple eine Gebühr.

      Wenn Spotify das nicht gefällt, können sie es wie Netflix machen und Abos nur noch selber verkaufen, incl. Zahlungsabwicklung und Inkasso und Zahlungsausfällen. Jeder der Anbieter bekommt 100% sein Geld, weil Apple in Haftung geht, nicht der Anbieter.

  9. Spotify hat keine Hardware, kein Betriebssystem, bieten die Werke von Künstler kostenlos mit Google Werbung an… das einzigste was Spotify ist… eine App mit einem guten Algorithmus zum suchen von Musik und stellt sehr gute Playlist zu Verfügung…
    Apple bietet das Betriebssystem, die Hardware und den Store zur Verfügung…
    Jetzt beschwert sich Spotify das Apple ihren Dienst besser ans Betriebssystem anpasst… wollen die gleiche Rechte… müssen 30% an Apple zahlen weil sie über den Apple Store ihre Software verkaufen…
    Über 30 Jahre harte Arbeit um alles aus einer Hand anbieten zu können…
    Spotify bietet einem nicht mal die Möglichkeit seine eigene Musik in 1440kbit/s wiederzugeben… geschweige denn HiFi-HighEnd Musikanlagen mit Röhrenverstärker über Amara Software wiederzugeben…
    Spotify ist nur ein guter Algorithmus sonst nix… also bitte auf dem Boden bleiben und mal tief Luft holen.

      1. Was wenn die Künstler in Zukunft Direkt zu Apple gehen… Label und GEMA sind überflüssig… Apple bietet die Komplette Infrastruktur und gibt den Künstlern 70%… die Welt verändert sich… Spotify wird daran nicht teilnehmen

  10. „With great power comes great responsibility“ das hat damals schon Microsoft zu spühren bekommen. Das Problem ist für Apple das tanzen auf ( zu ) vielen Hochzeiten. Hätten Apple kein Streaming-Angebot wäre die 30% Pauschale kaum anfechtbar. So aber steht das Streaming-Angebot von Apple in direkter Konkurrenz zu Spotify, Netflix und anderen Anbietern, die aber die besagte Pauschale zu zahlen haben, im Gegensatz zu Apples eigenen Diensten. NUR auf den Streaming Sektor bezogen und in anbetracht der quasi marktbeherrschende Stellung Apples, könnte man eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten Apple Music durch aus diskutieren.

  11. Spotify mit Appel Music zu vergleichen ist lächerlich.

    Spotify ist ein Datenkrake der in Unternehmen mit Augenmerk auf Datenschutz und GDPR keinen Fuß in die Tür bekommt und auf Endgeräten untersagt ist.

    Kann gerne aus dem AppStore verbannt werden.

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