ProtonMail: Provider für verschlüsselte E-Mails stattet eigene App mit Touch ID aus

Laut Angaben des Mail-Providers ProtonMail nutzen bereits mehr als eine Million Menschen den Verschlüsselungs-Service für E-Mails.

ProtonMail

Der Dienst, der von Schweizer CERN-Wissenschaftlern ins Leben gerufen wurde, und sämtliche Server und Infrastrukturen auch im selbigen Land unterhält, will eine Möglichkeit schaffen, Datenschutz zu gewähren. Neben einem Webmail-Service, der über die Website des Anbieters zugänglich gemacht wird, gibt es auch entsprechende iOS- und Android-Anwendungen, um eine eigene ProtonMail-Adresse nutzen zu können.


Zunächst mag man sich selbstverständlich fragen – wie finanziert sich ein solcher Service, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass weder Werbebanner eingeblendet wird noch private Daten an Dritte weitergegeben werden? Die Entwickler berichten auf der Website, dass man den Dienst mit Hilfe von Spenden unterstützen oder einen ProtonMail Plus-Account erwerben kann. Letzterer schlägt mit 5,00 Euro/Monat zu Buche und erlaubt es, statt 500 MB Speicherplatz 5 GB zu nutzen, 1.000 Nachrichten pro Tag statt 150 im kostenlosen Basis-Account zu versenden, sowie 5 statt 1 E-Mail-Adresse einzurichten. Ein vergünstigtes Jahresabo ist für 48,00 Euro zu haben.

Die englischsprachige Universal-App von ProtonMail (App Store-Link) verfügt über ein modernes, klar strukturiertes Interface und bietet eine End-to-End-Verschlüsselung, die es nur dem Empfänger und Absender einer Nachricht ermöglicht, diese zu lesen. Die Verschlüsselung erfolgt automatisch und ist für den Nutzer komplett unsichtbar im Hintergrund gehalten. Für die Nutzung ist lediglich die Angabe eines Nicknames erforderlich, der gleichzeitig auch zur Generierung der E-Mail-Adresse unter nickname@protonmail.com generiert.

Unterstützung für Passwort-Manager in ProtonMail v1.2.3

Erstmals seit dem Erscheinen Mitte März dieses Jahres gibt es nun ein Update für ProtonMail, das ab iOS 8.0 auf iPhone und iPad genutzt werden kann. In Version 1.2.3 vom 3. Mai 2016 haben die Entwickler nun nicht nur eine Touch ID-Funktion zum Entsperren, sondern auch ein Auto Lock-Feature integriert. Zudem gibt es eine Unterstützung für iOS-Passwort-Manager und eine Auswahlmöglichkeit in den Einstellungen, Fotos direkt in den E-Mails anzeigen zu lassen. Nutzer eines Plus-Accounts können zudem ihre mobile Signatur personalisieren – Basis-User greifen weiterhin auf den Standard „Sent from ProtonMail Mobile“ zurück.

Besonders praktisch: In ProtonMail v1.2.3 können nun auch Dateianhänge aus der iCloud oder anderen externen Speicherdiensten angefügt werden. Darüber hinaus gibt es einige Bugfixes, unter anderem eine falsche Anzeige von Anhängen im iPad-Querformat, sowie einige Verbesserungen. Nach meinen ersten Versuchen mit ProtonMail war ich sehr positiv überrascht vom Schweizer Free-Mail-Provider: Wer eine kostenlose E-Mail-Adresse ohne Werbung und größere Einschränkungen sucht, sollte daher statt web.de oder GMX durchaus einen Blick auf ProtonMail werfen.

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Kommentare 15 Antworten

  1. Ich kann Posteo empfehlen. 1 € / Monat.
    Posteo.de
    Sehr übersichtlich, keine Werbung, anonym anmelden, Ende zu Ende Verschlüsselung möglich, Eingangsverschlüsselung, Kryptomail, und und und

  2. Posteo hatte ich neulich einen Kumpel empfohlen, der sehr zufrieden ist. Mich dagegen konnte der Dienst nicht begeistern.

  3. Wer sicher kommunizieren will, braucht eine herkömmliche E-Mail-Adresse, dessen relevanter Content entweder mit PGP oder dem OpenSource GPG verschlüsselt ist. Es fallen zwar dann notgedrungen alle Metadaten an, was aber bei Protonmail, Posteo und ähnliche sowieso anfällt. Und es ist sicherer, weil dann der private Schlüssel nur beim Heimcomputer ist. Diese Anbieter vereinfachen lediglich die mögliche Verschlüsselung, aber erhöhen auch das Risiko, wenn der private Schlüssel auf dem Server lagert. Dies ist dann nur vorgetäuschte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.
    Da es kostenlos ist in der einfachen Variante, aber ein möglicherweise funktionierendes Geschäftsmodell hat und es gewisse Sicherheiten verspricht (und Protonmail in einem rechtssicheren Staat Schweiz die Server hat und nichts mit Google oder ähnlichem zu tun hat), ist es auf jeden Fall einen Versuch wert. Schlechter als Gmail, GMX u.s.w. ist unwahrscheinlich, da der Server bestimmt nicht ständig überlastet sein kann. Das einzige Problem ist, dass Protonmail zumachen muss, falls ihr großzügiges Geschäftsmodell zum Bankrott der schweizer Firma führt.

    tl;dr
    Protonmail im schlechtesten Fall sicherlich nicht schlechter als Gmail, GMX u.s.w., aber im besten Fall sogar sehr viel besser. Deshalb rate auch ich dazu dies zu probieren.

    1. Problematisch ist, dass nach deutschem Recht wegen gerichtlichen Entscheidungen spätestens dann die Server beschlagnahmt werden können. Also ein Snowden hätte hier auch Probleme, auch wenn der Betreiber den privaten Schlüssel vielleicht nicht herausgeben müsste (so firm bin ich im Recht nicht). Aber im Schweizer Recht ist dies anscheinend nicht möglich, weshalb ein Schweizer Server auf jeden Fall besser ist. Damit scheidet tutanota auch aus, obwohl ich noch kaum etwas davon weiß. Posteo scheidet auch aus, weil es anscheinend mind. 1€ kostet und Protonmail 0€.

  4. Vielen Dank für den Hinweis auf Protonmail. Funktioniert sehr gut und ist für „besondere Fälle“ empfehlenswert! ?

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