Smart Home-System Google Nest: Erfahrungsbericht einer Einsteigerin

Hub und Lautsprecher ausprobiert

Apple bietet mit dem hauseigenen HomePod (mini) und der Home-App ein eigenes Ökosystem an, um das eigene Zuhause smart steuern zu können. Es lassen sich unter anderem Kurzbefehle zur Automatisierung einrichten, Musik und Podcasts raumübergreifend per AirPlay abspielen, und Geräte auch über Siri per Sprache steuern.

Wie aber auch in vielen anderen Bereichen des Lebens gibt es immer eine Konkurrenz. Und neben Apples Kontrahent Amazon mit dem eigenen Echo-System spielt auch Google seit einiger Zeit mit den Google Nest-Produkten am Markt mit. Und genau das ist es, was ich mir als Einsteigerin auf diesem Gebiet nun einmal näher angesehen habe – ohne jegliche Vorkenntnisse, was Nutzungsmöglichkeiten und Installation angeht. Kaufen könnt ihr die verschiedenen Google-Produkte beispielsweise bei Saturn.


Meine Einsteigerinnen-Ausstattung besteht aus einem Google Nest Hub (2. Gen.), dem Äquivalent zu Amazons Echo Show, einem Google Nest Audio-Lautsprecher mit Sprachsteuerung, sowie einem Google Nest Mini (2. Gen.)-Speaker. Alle Modelle haben gemein, dass sie über eine Google Assistant-Funktion verfügen, so dass sich jederzeit Sprachbefehle über die Geräte ausgeben lassen. Über die Google Home-App (App Store-Link), die zwingend zur Installation erforderlich ist, können weitere Einstellungen vorgenommen werden, beispielsweise, um Geräte raumübergreifend in Gruppen zusammenzufassen und so Musik gleichzeitig auf mehreren Nest-Speakern abspielen zu können.

Aber zurück zu den drei vorliegenden Nest-Produkten. Sie sind in weiß-grauer Farbe („Kreide“) oder in einem dunkelgrauen Farbton („Carbon“) verfügbar und können daher individuell passend zum eigenen Zuhause ausgewählt werden. Geliefert werden alle drei Geräte in einem hochwertig wirkenden und farblich auf das Google-System abgestimmten weißen Karton – hier gibt es bei der Präsentation und Verpackung fast schon ein Apple-Unboxing-Gefühl.

Das kann das Google Nest-System

Doch was ist das Google Nest-System überhaupt? Im Allgemeinen handelt es sich dabei um ein Smart Home-System, in das nicht nur die eigenen Google-Geräte eingebunden werden, sondern auch Produkte von Drittherstellern integriert werden können. Auf diese Weise lassen sich Rauch- und Kohlendioxid-Melder wie den Google Nest Protect, intelligente Überwachungskameras wie die Google Nest Cam, Videotürklingeln wie die Google Nest Doorbell, aber auch Schalter, Glühbirnen und mehr von Philips Hue und anderen Herstellern steuern. Darüber hinaus lässt sich der Google Assistant für sprachbasierte Anfragen nutzen, Musik, Podcasts, Radiosender und mehr abspielen, und auch Dienste wie Netflix, YouTube, Apple Music, Spotify, TuneIn, weather.com und mehr verwenden.

Die Schaltzentrale des Ganzen ist der Google Nest Hub, der als einziges der Nest-Produkte über ein integriertes Display verfügt. Zum Einsatz kommt dabei ein 7-Zoll-Screen, der zwei Mikrofone und einen Bewegungssensor aufweist, sich auch per Gesten steuern lässt und auf der Rückseite neben einer Wippe für die Lautstärkeregelung auch einen sehr wichtigen Schalter für das Aktivieren bzw. Deaktiveren des Mikrofons hat. Denn wer immer und überall Sprachbefehle à la „Hey Google, wie wird das Wetter morgen in Helsinki?“ abgeben möchte, muss leider auch damit leben, dass das Mikrofon jederzeit mithört. Der Schalter macht damit Schluss. Der Google Nest Hub verfügt über ein abgespecktes Android-System, das sich nach kurzer Eingewöhnungszeit über Wischgesten und verschiedene Kompetenzbereiche („Smart Home Geräte“, „Medien“ usw.) gut bedienen lässt. Das schnellste Gerät ist das umgebungslichtsensitive Mini-Tablet allerdings nicht, manchmal hinkt der Screen in Sachen Performance doch etwas hinterher.

Google Nest Hub mit umfangreichen Möglichkeiten

Die grundsätzliche Installation und Einrichtung ist jedoch bei allen drei Geräten, die ich ausprobieren konnte, identisch. Auspacken und mitgeliefertes Stromkabel anschließen, Google Home-App auf dem iPhone öffnen und warten, bis das neue Gerät im Homescreen angezeigt wird. Beim Antippen dieses werden dann die notwendigen Einstellungen wie die Verbindung mit dem heimischen WLAN-Netzwerk, eventuelle Firmware-Updates, die Benennung des Geräts und das Zuweisen zu einem Raum vorgenommen. Abschließend erscheint das Produkt mit dem erteilten Namen auf der Startseite. Hier können nun weitere Anpassungen vorgenommen werden, so etwa die Erstellung einer Lautsprecher-Gruppe aus mehreren Geräten.

Gerade beim Google Nest Hub gibt es noch weitere Optionen, die dem Nutzer bzw. der Nutzerin zur Verfügung gestellt werden. Es lassen sich individuelle Hintergrundbilder und deren Aktualisierungs-Intervalle definieren, der eigene Standort festlegen, so dass auch Routenoptionen über Google Maps erfragt und ausgegeben sowie das lokale Wetter angezeigt wird, sowie YouTube-, Netflix-, Apple Music- und Spotify-Konten verbinden, um über Sprachbefehle entsprechende Videos und Songs abzuspielen. Darüber hinaus gibt es einen Tageslichtwecker, bei dem die Helligkeit des Displays nach und nach erhöht wird, um für ein sanftes Aufwachen zu sorgen, und auch eine Schlafüberwachung über den integrierten Bewegungssensor und die Mikrofone. Ich persönlich würde niemals ein Gerät wie den Google Nest Hub neben mein Bett stellen, um Schlaf und Aufwachphase zu managen – aber das sollte jeder User für sich selbst entscheiden.

Besonders beschäftigte Menschen haben zusätzlich die Möglichkeit, ihre Google-Kalender über den Nest Hub zu verwalten, Erinnerungen und ToDos einzurichten, und Timer zu starten. Auch Sprachanrufe zu Google Nest-Lautsprechern in anderen Räumen und über Google Meet sind möglich. Eine Kamera zum Führen von Videoanrufen ist allerdings leider nicht vorhanden – hier gibt es deutliche Vorteile bei der Konkurrenz von Amazon, dem Echo Show. Der Echo Show 8 beispielsweise kommt mit einer 13-Megapixel-Kamera und automatischer Bildanpassung daher, und kostet aktuell mit 84,99 Euro sogar noch etwas weniger als der hier vorgestellte Google Nest Hub.

Sprachassistent & Nachteile für Apple-User

Im Google Nest-Ökosystem lassen sich viele der Aktionen auch per Sprachassistent regeln und einrichten. Bei Produkten aus dem Hause Google kommt natürlich der Google Assistant zum Einsatz, der bei den meisten Anfragen eine ganz gute Qualität liefert. Beim Nest Hub können aufgrund des vorhandenen Displays auch Aktionen mit Fingertipps, physischen Buttons und Handgesten erfolgen – das geht bei den beiden reinen Lautsprechern Nest Audio und Nest Mini natürlich nicht. Hier lässt sich nur die Lautstärke über das Antippen bestimmter Bereiche auf der Oberfläche anpassen.

Größere Abstriche gibt es für Apple-User, da es ihnen nicht möglich ist, ohne Sprachassistent auch Apple Music verwenden zu können. Der Musikstreaming-Dienst von Apple verfügt im Gegensatz zu Spotify leider noch immer nicht über eine Anbindung an Googles Cast-System, so dass sich Apple Music zwar als primärer Musikdienst einrichten lässt, aber innerhalb der Apple Music-App keine Songs direkt ausgewählt und auf die Nest-Lautsprecher gestreamt werden können. Mit Spotify ist dies hingegen kein Problem. Apple Music kann nur über Ansagen wie „Hey Google, spiele meine Smooth Jazz Playlist bei Apple Music“ gesteuert werden. Auch andere Apple-Dienste wie Kalender, Karten, Notizen und mehr lassen sich über den Google Assistant nicht verwenden. Hier heißt es, sich komplett auf das Google-System einzulassen und auch Google Kalender, Google Meet, Google Maps, Google Podcasts und mehr zu nutzen. Dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man sich als im Apple-System verankerter User für dieses System entscheidet.

So steht es um die Soundqualität

Beim Google Nest-System liegt ein großer Fokus auch auf der Wiedergabe von Musik, Podcasts und anderen Audio-Inhalten. Lautsprecher sind in allen drei mir vorliegenden Geräten vorhanden, auch der Nest Hub verfügt im Standfuß über einen Speaker zum Abspielen von Sprachansagen und Musik. Für die Beantwortung von Sprachansagen über den Google Assistant reicht die Qualität der Speaker definitiv aus, auch bei Musik bei bis zu zwei Drittel der maximalen Lautstärke machen die Lautsprecher einen guten Eindruck. Sehr viel mehr Wucht und Räumlichkeit bekommt man natürlich, wenn man mehrere Nest-Geräte zu einer Lautsprechergruppe zusammenschließt – das geht schnell und einfach über die Google Home-App – und Musik dann in einem Multi-System wiedergibt. Ich habe mit meinem Dreifach-Setup mit Nest Hub, Nest Audio und Nest Mini in meinem etwa 40 qm großen kombinierten Küchen- und Wohnraum gute Ergebnisse erzielen können. Bei normal lauter Wiedergabe (ca. 50 Prozent) überzeugte das System mit schönen und klaren Hören, die nicht klirrten. Dreht man die Lautstärke dann aber auf, wird deutlich, dass es hier insgesamt etwas an Lebendigkeit und Wärme fehlt, was sich vor allem in einem zu trockenen Bass bemerkbar macht. Mit einem anderen Setup, beispielsweise mit 2 bis 3 Nest Audio und einem Nest Hub als Steuereinheit, ließen sich hier bestimmt noch bessere Ergebnisse erzielen. Und für alle, die etwas mehr wollen, gibt es ja noch den Google Home Max.

Die Sache mit dem Datenschutz

Wenn von Google-Produkten mit Sprachassistent die Rede ist, sollte man zumindest auch ein kleines Wörtchen über Privatsphäre und Datenschutz verlieren. Google gibt auf der Website an, dass man großen Wert auf die Privatsphäre der eigenen User legt, zudem ist es seit kurzem möglich, die eigenen Verläufe von Suchanfragen bei Google löschen zu können, sowie automatisch alle Anfragen nach drei Monaten löschen zu lassen. Wer den Versprechen keinen Glauben schenken mag, findet an jedem Google Nest-Lautsprecher auch einen physischen Button, mit dem sich das integrierte Mikrofon ausschalten lässt. Dies wird am Gerät jeweils mit einer orangefarbenen LED angezeigt. Bei einem Neustart eines Lautsprechers gibt der Sprachassistent zudem einen Hinweis aus, dass das Mikrofon nicht eingeschaltet sei. Nichtsdestotrotz sollte man sich im Klaren darüber sein, dass sich Geräte wie das Nest-System nur vollumfänglich mit einem mithörenden Mikrofon nutzen lassen – und auf diesem Wege Daten der Nutzenden an Google übermittelt werden. Das sieht aber bei vergleichbaren Anbietern nicht unbedingt anders aus.

Fazit eines Google Nest-Newbies

Nachdem ich nun einige Zeit mit meinem Google Nest-Setup im Küchen- und Wohnraum meiner Wohnung verbracht habe, kann ich auch ein erstes kleines Fazit ziehen. Insbesondere der Google Nest Hub ist ein interessantes Produkt, quasi ein abgespecktes kleines Tablet inklusive stabilem Standfuß, anpassbarem Display mit wertvollen Infos und schönen Wallpapern, integriertem Lautsprecher und zahlreichen Möglichkeiten der Medienwiedergabe und Smart Home-Steuerung. Genau so ein Produkt würde ich mir persönlich noch von Apple wünschen, ein kleines Display, auf dem sich zentral im Wohnraum oder der Küche alle Apple-Dienste in vereinfachter Form steuern lassen, beispielsweise die Home-App, Apple Music und mehr.

Das Google Nest-System wirkt grundsätzlich durchdacht, ist logisch aufgebaut und sollte auch von kompletten Neueinsteigern bzw. Neueinsteigerinnen gut und schnell einzurichten sein. Vor allem für User, die in mehreren Räumen Musik abspielen und Google-Dienste per Sprache steuern wollen, ist das Nest-Ökosystem eine gute und vergleichsweise günstige Wahl. Aktuell gibt es mein vorliegendes Setup zu einem vergünstigten Preis von insgesamt 187 Euro. Wer über Spotify verfügt und primär Musik mit den Speakern in einem Multiroom-System abspielen möchte, findet hier aber eine gute Option. Und wenn man ohnehin schon Google-Dienste oder -Geräte nutzt – umso besser.

Das mir vorliegende Setup mit drei Geräten des Nest-Systems ist derzeit noch vergünstigt bei Saturn erhältlich. Für den Google Nest Hub werden 79 Euro fällig, der Google Nest Audio kostet ebenfalls 79 Euro. Der kleine Google Nest Mini ist für 29 Euro zu haben. Weitere Informationen und kompatible Geräte mit dem Google Nest-System finden sich auch auf der Website von Google.

‎Google Home
‎Google Home
Entwickler: Google LLC
Preis: Kostenlos

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyright © 2022 appgefahren.de