Akkutausch beim iPhone: Apple blockiert softwareseitig Gesundheitsstatus bei Dritt-Akkus

Mittlerweile hat Apple sich zu diesem Thema geäußert

Ohne Frage macht Apple es seinen eigenen Kunden nicht gerade leicht, wenn es darum geht, bei einem defekten Gerät selbst Hand anzulegen und Ersatzteile zu verbauen. Verklebte Bauteile und schwer zu beschaffende Schrauben sind nur zwei der Probleme, vor denen Bastler stehen. 

Wie nun über das Reparatur-Portal iFixit bekannt geworden ist, macht es Apple auch Nutzern schwer, den aktuellen Akkuzustand auszulesen, wenn selbiger von einer nicht autorisierten Drittpartei gewechselt worden ist. Laut iFixit erscheine dann beim Checken der Akkugesundheit die Nachricht, „Bei diesem iPhone kann nicht überprüft werden, ob es einen echten Apple-Akku hat. Für diese Batterie sind keine Gesundheitsinformationen verfügbar.“

Merkwürdigerweise erscheint diese Nachricht sogar selbst dann, wenn jemand versucht, einen Akku aus einem anderen iOS-Gerät zu verbauen. iFixit berichtet: „Der Chip, der in neueren iPhone-Akkus verwendet wird, umfasst eine Authentifizierungsfunktion, die die Informationen für die Anbindung der Batterie an die Hauptplatine des iPhone speichert. Einfach ausgedrückt: Wenn der Akku nicht über den einzigartigen Authentifizierungsschlüssel der Hauptplatine des iPhone verfügt, erhält der Nutzer diese Art von Service-Nachricht.“

Laut iFixit sollen nur iPhones aus dem Jahr 2018 von dieser Maßnahme betroffen sein. Das Bastler-Portal geht aber davon aus, dass auch die kommende Generation über ähnliche Mechanismen verfügen wird. Mittlerweile hat sich Apple zu diesen Vorfällen geäußert, und zwar gegenüber dem Magazin iMore:

„Wir nehmen die Sicherheit unserer Kunden sehr ernst und möchten sicherstellen, dass der Batteriewechsel ordnungsgemäß durchgeführt wird. Mittlerweile gibt es in den USA über 1.800 von Apple autorisierte Service-Provider, so dass unsere Kunden noch bequemer auf qualitativ hochwertige Reparaturen zugreifen können.

Letztes Jahr haben wir eine neue Funktion eingeführt, um Kunden darüber zu informieren, wenn wir nicht nachweisen konnten, dass ein zertifizierter Techniker eine neue Originalbatterie installiert hat. Diese Informationen dienen dazu, unsere Kunden vor beschädigten, minderwertigen oder verbrauchten Batterien zu schützen, die zu Sicherheits- oder Leistungsproblemen führen können. Diese Benachrichtigung hat keine Auswirkungen, das Telefon nach einer nicht autorisierten Reparatur zu verwenden.“

Über eine derartige Maßnahme lässt sich natürlich streiten. Aus Sicht von Apple ist es durchaus legitim, iPhone-Nutzer vor schlechten und potentiell gefährlichen Dritt-Akkus zu schützen. Andererseits sollte es jedem User ohne Einschränkungen ermöglicht werden, seinen Akku von Drittanbietern und mit Dritt-Produkten tauschen zu können, ohne dafür Einschränkungen in Kauf nehmen zu müssen. Mit Apples Akkutausch-Offensive im letzten Jahr und wiederholten Aktionen von zertifizierten Service-Providern wie Gravis, die einen Akkutausch schon für unter 30 Euro anbieten, dürfte man sich eh fragen, ob man an seinen iPhone-Akku überhaupt selbst Hand anlegen sollte.

Kommentare 8 Antworten

  1. Also mir hat vor 2,5 Jahren eine Firma den Akku gewechselt und darauf verwiesen, mit Original Apple Akkus zu arbeiten. Nach einem Jahr war der Akku wieder hinüber. So gesehen finde ich diese Maßnahme schon ok. Jedoch sollten dann auch genügend Servicestellen zur Verfügung stehen und der Akkutausch mit nicht mehr als 50€ veranschlagt werden.

  2. Ich finds okay. Wieso sollte Apple sich selbst schaden? Mal abgesehen davon wenn dann regelmäßig ein iPhone hochgeht ist das Geschrei wieder groß. So kann Apple das sauber nachvollziehen

  3. Da der Akku wirklich das Bauteil ist, was am meisten Schaden beim Nutzer und damit für das Firmenimage verursachen kann, finde ich die Entscheidung nur legitim.

    Eine wirkliche Funktion verliert der Nutzer dadurch auch nicht – ich finde das vollkommen legitim, dass bei einem unbekannten Akku keine Werte mehr angezeigt werden, denn vermutlich stimmen Sie am Ende eh nicht.

  4. Diese Maßnahme ist nicht nur sinnlos – sie gefährdet die ganze Branche und ist definitiv direkter Schaden für Apple selbst.

    1. Es gibt zwar unterschiedliche Qualitätsstufen von Akkus und manche Billigfuchser haben in der Tat auch mal schlechtere verbaut. Hier sagt der Preis des Tauschs jedoch auch einiges aus (wenn der unter dem Stückpreis liegt).

    2. Es wurden bisher praktisch noch nie gefährliche Akkus vertrieben. Das ist weder ein Trend, noch war es eine spürbare Statistik. Auch die Billigakkus waren höchstens „overspect“ (zu hohe Angabe der Kapazität) oder nicht so optimale Grenzschicht, was die Langlebigkeit beeinträchtigt.

    3. Hier wird nicht einfach ein „Sicherheitsfeature“ eingefügt – hier hat Apple ein Schloss ans Tacho gehangen. Das ist einer der wichtigsten Chips überhaupt, welcher auch die Kontrolle der Ladungsanpassung übernimmt. Es ist eher komplett fahrlässig diesen zu versuchen zu ignorieren, wenn der nicht mit dem richtigen Passwort meldet.

    4. Hier kommen wir auch zum Problem: Dieser Chip wurde noch nie (auch in der letzten Ecke von China) versucht zu fälschen. Auch bei den Billigherstellern wurden gewöhnliche, marktübliche Controller verbaut – weil sie eben auch so schon billig sind.

    5. Jetzt gefährdet Apple das Verdienstmodell von unabhängigen Reparaturen (denn Leute werden dann sofort fragen „Hey wieso steht da immer noch, dass ich es zum Service bringen muss? Hast du mir überhaupt den Akku gewechselt?“). Die Reaktion darauf ist eindeutig: Ab jetzt arbeitet halb China diesen Block zu umgehen – und wer den Controller anfängt zu manipulieren, der kann die tatsächliche Sicherheit gefährden.
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    Die Maßnahme sollte gerichtlich verboten werden und Apple sollte zu Strafzahlungen verdonnert werden.

    1. @Reg: „Ab jetzt arbeitet halb China diesen Block zu umgehen“

      Das sehe ich eher positiv, denn China wird Schwachstellen finden, die Apple daraufhin zumachen wird. Usw. usf. Dieses Katz- und Mausspiel erhöht letztendlich die Sicherheit. Denn nur weil der Chip bisher zu uninteressant (weil zu billig) war, heißt es nicht, dass er keine Schwachstellen hat. Siehe Linux oder MacOS 😉

      1. Es ist kein Krieg, der auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen werden sollte.

        Es wird im besten Fall nur dazu führen, dass dieses nützliche Feature zu einem „Motorschaden“ Lämpchen wird, welcher jeder lernt zu ignorieren.

        Und jeder tatsächliche Schaden, wird auf die Fahrlässigkeit von Apple zurückgeführt werden.

        Es wird nicht dazu führen (wie von Apple gerne impliziert), dass plötzlich „bessere“ Zellen auf dem Markt vertrieben werden.
        Apple ist ebenfalls kein Beispiel für außerordentlich gute Zellen. Und wie wir über die iPod Historie wissen, sind sie auch nicht immun es selbstständig zu fälschen (als die, die am meisten davon gewinnen können).

  5. In der Preisliste bei Gravis wird der Akkutausch beim iPhone je nach Modell mit 48,99 € oder 68,99 € beziffert. In welchem Gravis Store bekommt man den für unter 30 €?

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