Bloomberg: Apple-Design hat sich mit dem Abgang Jony Ives verbessert

Funktion statt Ästhetik

In alten Apple-Zeiten, als Steve Jobs und sein Chefdesigner Jonathan „Jony“ Ive noch gemeinsam an Kult-Produkten getüftelt haben, stand die Ästhetik des fertigen Werks mit an erster Stelle. Wir erinnern uns nur zu gern an den „Tupper“-Mac oder die ersten iPods, die nicht nur mit innovativer Technik aufwarteten, sondern mittlerweile auch als klassische Designobjekte gelten.

Als Jonathan Ive Apple Ende 2019 verließ, um seine eigene Designfirma „LoveFrom“ aufzubauen, wurde die Verbindung trotzdem nicht ganz gekappt – auch bei den neuesten 24″ iMacs soll der Designer noch beteiligt gewesen sein. Ein Bericht von Bloomberg stellt nun eine gewagte These auf: Apples Produktdesign hat sich seit dem Abgang Ives verbessert. „Das Pendel schwingt von cool zu praktisch zurück“, heißt es im Artikel. Als Beleg sieht man unter anderem die Veröffentlichung des neuen MacBook Pros, das am Montagabend vorgestellt wurde.


„Die wichtigsten Funktionen, die vor fünf Jahren unter Ives Ägide eingeführt wurden, wurden gestrichen. Die sogenannte ‚Butterfly‘-Tastatur, die das Gerät zwar dünner machte, aber durch ihre klobige Mechanik das Tippen erschwerte, ist verschwunden; ebenso die Touch Bar, ein berührungsempfindlicher Streifen entlang der Oberseite der Tastatur, der im einen Moment Funktionen für den Webbrowser und im nächsten Moment Mix-Tools für Musik-Apps anzeigen konnte, aber ohne hinzuschauen kaum zu bedienen war; zurück sind HDMI-Anschlüsse, mit denen man den Computer ohne Adapter an hochauflösende Bildschirme anschließen kann. Vielleicht wäre das auch unter Ive so gewesen, aber Evans Hankey, der jetzt das Industriedesign-Team leitet, hat viele andere Optimierungen vorgenommen, die auf einen Wechsel der Philosophie hindeuten.“

Auch die letzten iPhone-Generationen, die auf abgerundete Ecken verzichteten und damit weniger anfällig für große Sturzschäden sind, sowie die neue Apple TV-Remote, die endlich eindeutige Bedienelemente enthält und somit deutlich besser zu handhaben ist, stützen die These Bloombergs. Paul Found, ein Dozent für Industriedesign an der University for the Creative Arts im englischen Canterbury, gibt Bloomberg recht.

„Seit Jony Ive weg ist, gibt es nicht mehr diese Anziehungskraft, die Ästhetik vor Funktion stellt. Diejenigen, die das Ruder übernommen haben, hören jetzt auf das, was die Kunden sagen.“

Dieser Kundenfokus könnte Apple gleichzeitig aber auch zum Verhängnis werden. Würde sich der Konzern zu sehr den Wünschen der Verbraucher beugen, könne das Unternehmen das verlieren, was ihm zum Erfolg verholfen habe – die revolutionäre Haltung, die man im Werbeslogan „Think Different“ zum Ausdruck brachte, so Bloomberg. „Die Attraktivität der Apple-Geräte und die Möglichkeit, Spitzenpreise zu verlangen, liegen zum Teil auch in ihrem Design.“

Könnt ihr euch mit dieser These anfreunden? Wie gefällt euch das aktuelle Design von Apple? Wir freuen uns wie immer über eine reghafte Diskussion in den Kommentaren.

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Kommentare 4 Antworten

  1. Sicherlich stimmt einiges davon. Die Standfüße der neuen MacBooks sind aber leider unfassbar hässlich. Ich finde die gesamte Form leider zu sehr Ende 90er, Anfang 2000er. Selbst wenn die höheren Füße aufgrund der Luftzirkulation unter dem Gerät notwendig wären (nur eine Idee), dann hätte man es dennoch deutlich besser designen können. Bin froh über mein 2020er MacBook Pro, da es noch nicht so verhunzt aussah… aber gut, vielleicht soll ein Pro auch einfach kein Lifestyle-Produkt mehr sein sondern eher in Richtung Funktionalität gehen.

    1. Gebe ich dir vollkommen recht. Das dachte ich auch als ich dir Keynote sah. Mein Mund blieb offen vor Entsetzen. Allerdings hat dieses oldschool Design auch wieder das. Alte Hülle mit geiler neuester Technik. Und man muss es live sehen glaube ich. Am schlimmsten ist aber sie Seitenansicht von dem Teil 🙁

  2. Ich finde das neue MB Pro auch keine Augenweide. Die Tastatur sieht aus wie ein Stück Plaste welches nicht zum Gerät gehört. Im Gegensatz zu vielen Kritikern liebe ich meine TouchBar und bin glücklich darüber noch ein für meine Ansprüche stylisches M1 MB Pro mein eigen zu nennen.

  3. Also ich kann mir nicht helfen, aber das Design der neuen MBP erinnert stark an das erste Unibody MacBook, das damals noch aus weißem Kunststoff war. Ich bin nicht sicher, ob Johnny Ive schon damals daran beteiligt war.

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