Am Montagabend sorgte eine überraschende Meldung für Aufsehen: Apple hatte die Messaging-App Telegram (App Store-Link) für etwa 40 Minuten aus dem App Store entfernt. Grund dafür war die Entdeckung von Materialien über sexuellen Kindesmissbrauch (CSAM) auf der Plattform. Doch die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung, denn laut Telegram-CEO Pavel Durov steckt hinter dem Vorfall ein gezielter Erpressungsversuch.
Durov erklärte in einem Beitrag bei X, dass ein sogenannte „Takedown-Erpresser“ die Situation ausgenutzt habe. Dieser habe mit Hilfe von KI manipuliertes CSAM-Material in öffentlichen Telegram-Gruppen platziert, um Apple zur Entfernung der App zu bewegen. Das Ziel: Lösegeld von Gruppenbetreibern erpressen, die ihre Communities vor solchen Angriffen schützen wollen. Die Methode ist perfide, da auf diese Weise automatisierte Konten illegale Inhalte verbreiten und und sie direkt an Apple melden, um die Löschung legitimer Gruppen zu erzwingen.
Trickreiche Umgehung der Moderation

Der Angreifer setzte dabei auf einen technischen Trick: Er bearbeitete eine alte Nachricht in einem aktiven Gruppenchat, um die illegalen Inhalte einzufügen. Da die Gruppenmitglieder die bearbeitete Nachricht nicht sahen, blieb sie unbemerkt und konnte nicht gemeldet werden. Durov betonte, dass illegale Inhalte in öffentlichen Gruppen normalerweise kein systemisches Problem für Telegram darstellen, da die Plattform über wirksame Moderationswerkzeuge verfügt. In diesem Fall habe der Angreifer jedoch „rückdatierte, praktisch unsichtbare Inhalte“ genutzt, um die Systeme auszutricksen.
Laut Durov entfernte Apple Telegram aus dem App Store, ohne vorher Kontakt mit dem Unternehmen aufzunehmen. Der CEO kritisierte, dass Apple durch diese Vorgehensweise zu einer „Überreaktion“ verleitet worden sei. Er warnte vor den Konsequenzen: Ein solches Vorgehen berge ein „potenzielles systemisches Risiko für jede mobile App, die nutzergenerierte Inhalte hostet“. Die Sorge ist nachvollziehbar, denn wenn Erpresser solche Methoden erfolgreich einsetzen können, könnte jede Plattform zum Ziel werden.
Apple bestätigte, dass bei einer Routineprüfung CSAM-Inhalte in Telegram entdeckt worden waren, die gegen die App-Store-Richtlinien verstießen. Telegram habe die Inhalte umgehend entfernt und den verantwortlichen User gesperrt, woraufhin die App wieder verfügbar gemacht wurde. Zu Durovs Vorwürfen der gezielten Erpressung äußerte sich Apple jedoch nicht. Schlussendlich stellt sich die Frage, wie Plattformen wie Telegram und App Stores wie der von Apple solche Angriffe in Zukunft verhindern können.
