watchOS 10: Apple-Team zum Thema Design-Entscheidungen und Drittanbieter-Watchfaces

Interview mit dem Schweizer Tages-Anzeiger

Die Schweizer Zeitung Tages-Anzeiger hat ein umfassendes Interview mit Apples Marketing-Chefin Deirdre Caldbeck und dem Software-Verantwortlichen Kevin Lynch in Bezug auf das neue watchOS 10 für die Apple Watch veröffentlicht. Der Interviewer und Autor des Artikels dürfte vielen von euch kein Unbekannter sein: Rafael Zeier war auch schon für den deutschen Apple-Blog und -Podcast Apfelfunk aktiv.

Auf die Frage nach der Möglichkeit von Zifferblättern von Drittanbietern auf der Apple Watch antwortet Kevin Lynch, dass das Zifferblatt „eine Art Homescreen der Uhr“ sei, damit alles „einheitlich und einfach funktioniert“. Lynch erklärt, „Wir müssen aber auch vorausplanen können und sicherstellen, dass Zifferblätter weiter funktionieren, wenn wir etwas verändern oder neue Möglichkeiten einfügen wollen.“ Deirdre Caldbeck fügt hinzu, auf die Weise müsse man sich auch nicht darum kümmern, „dass das Zifferblatt noch funktioniert, wenn es ein grosses watchOS-Update gibt. Da kümmern wir uns drum.“


Würde man Watchfaces von Drittanbietern erlauben, könne Apple nicht sicherstellen, dass sie weiterhin funktionieren, wenn etwas im Betriebssystem geändert wird, wie beispielsweise das diesjährige Redesign von watchOS 10. Letzteres enthält eine neue Wischgeste nach oben, um eine Auswahl von Widgets zu öffnen. Die beiden Apple-Führungskräfte argumentieren auch, dass Apple den Nutzern und Nutzerinnen bereits eine Menge Flexibilität biete, um ihre Zifferblätter anzupassen und sie mit Komplikationen aus Apps von Drittanbietern erweitern zu können.

An anderer Stelle des Interviews erklären Lynch und Caldbeck, wie das neue Widget-System die natürliche Weiterentwicklung des „Glances“-Konzepts von watchOS 1.0 ist. User wollen einfach und schnell auf Informationen zugreifen, und das Widgets-System mache diese Daten leicht zugänglich, ohne die Komplexität des mittlerweile abgeschafften Glances-Systems zu überlagern.

Auch eine weitere Design-Sackgasse wurde erörtert, das sogenannte „Force Touch“, bei dem man länger auf den Touchscreen drückt, um weitere Funktionen aufrufen zu können. Kevin Lynch erklärt dazu:



„Da der Bildschirm so klein ist, wollten wir eine Möglichkeit für Funktionen, die man nur hin und wieder braucht, ohne dafür wertvollen Bildschirmplatz zu verbrauchen. So kamen wir auf die Idee, dass man fester drücken kann, um zusätzliche Funktionen auf- zurufen. Das löste unser Problem. Aber es schuf ein neues: Man sah nicht, wo man damit mehr Funktionen aufrufen kann, und man musste genau wissen, was man tat. Darum haben wir dann nach Alternativen gesucht. Und nun, da die Bildschirme deutlich grösser sind, haben wir viel mehr Möglichkeiten, um Informationen und zusätzliche Funktionen anzuzeigen.“

Alle Aktionen sollen binnen zwei Sekunden zu erledigen sein

Im Verlauf der Zeit habe man hinsichtlich der Usability der Apple Watch noch weitere Aspekte gelernt und optimiert. So habe man sich darauf fokussiert, dass Nutzer und Nutzerinnen alle Aktionen innerhalb von zwei Sekunden erledigen können.

„Als wir angefangen haben, dachten wir, die Leute würden die Uhr jeweils so etwa 10 Sekunden am Stück für alle möglichen Aktionen nutzen wollen. Zum Vergleich: Beim iPhone planen wir mit Minuten. Aber als wir die Uhr selber zu nutzen begannen, merkten wir, dass 10 Sekunden zu lang sind. So sind wir auf 2 Sekunden gekommen. Man muss Sachen in 2 Sekunden erledigen kön- nen. Das klingt erst mal verrückt kurz. Aber wir haben dann angefangen, unsere ganze Software auf so kurze Interaktionen auszurichten.“

Im Hinblick auf watchOS 10 und die damit in Gang gebrachten Neuerungen zeigt man sich in der Apple-Führungsetage zuversichtlich. Den gerade, was die überarbeitete Bedienung angeht, sei watchOS 10 tatsächlich ein großes Update mit allen verbundenen Risiken. Man wolle natürlich keine Fehler machen, sie fürchteten sich aber auch nicht davor, Fehler zu machen und Neues auszuprobieren, erwidert Caldbeck. Und Lynch ergänzt: „Wir nutzen die Uhr und die Software ja selbst – und sind unsere strengsten Kritiker.“

watchOS 10 wird voraussichtlich im September oder Oktober, möglicherweise auch bei der Vorstellung einer neuen Apple Watch-Generation, als Gratis-Update für die Apple-Smartwatch ausgeliefert werden.

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Kommentare 5 Antworten

  1. Gibts bei Watch OS 10 endlich auch beim Skifahren GPS mit Geschwindigkeit usw. Oder wird Skifahren immer noch beschnitten?
    Hier die Heimischen Sportarten werden echt nicht so unterstützen wie ich mir das wünsche von einer so teuren Smartwatch.

  2. Die Argumentation betr. den Zifferblättern ist sehr weit hergeholt. Bei allen anderen Smartwatch-Herstellern ist es auch kein Problem.

    Apple biegt sich die Dinge mal wieder so zurecht, wie‘s gerade am besten passt.

  3. Dann sollte Apple z.B. endlich einmal ein digitales Watchface mit acht möglichen Komplikationen und Sekundenanzeige auch für die SE anbieten.

    So viele Möglichkeiten bieten gerade die Watchfaces für die SE nämlich nicht!

  4. Die Apple Watch ist bestimmt einer der besten, doch gibt es mittlerweile auch sehr gute Alternativen die offener in Sachen Apps, billiger und vor allem längere Akkulaufzeiten haben

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