Deutsche Siri-Stimme Heike Hagen: „Ich fühle mich geschmeichelt“

Mit dem Einzug von Siri auf iPhones und iPads musste auch eine deutsche Stimme her, die unsere Fragen zuverlässig und freundlich beantwortet.

SiriDie deutsche Siri-Stimme Heike Hagen, die der Apple-Sprachassistentin unter iOS 5 und 6 ihre Stimme lieh, hat nun dem deutschen Magazin Spiegel im Ressort KarriereSpiegel ein kleines Interview zu ihrer Arbeit als Synchronsprecherin gegeben. Wir fassen die schönsten und witzigsten Aussagen kurz zusammen.

Heike Hagen entstammt aus einer deutschen Musikerfamilie und war daher schon früh mit Tönen und Klängen jeglicher Art umgeben. Im Spiegel beschreibt sie, wie ihr Vater ihre Sprache bewusst gefordert hat. „Er ließ mich Texte sprechen und Lieder singen“, sagt Hagen. „Sobald ich einen Fehler gemacht habe, musste ich von vorn anfangen. Klar hat mir das damals nicht gepasst, aber ich habe dadurch früh Disziplin und Gehör gelernt. Das sind wichtige Eigenschaften für den Beruf.“

Dieser Beruf umfasst für die deutsche Synchronsprecherin nicht nur das Einsprechen der Siri-Stimme, sondern auch weitere vielfältige Tätigkeiten. „Ich arbeite unter anderem für Fernsehsender, synchronisiere Filme, Serien und Computerspiele“, so Heike Hagen. „Und ich habe für eine Airline die Sicherheitshinweise eingesprochen. Deswegen erkennen mich einige wieder.“ Welche Fluglinie auf ihre Stimme baut, verriet Frau Siri leider nicht – sollte allerdings jemand schon Ähnlichkeiten zur Apple-Sprachassistentin auf einem Flug vernommen haben, lag keine Verwechslung oder eine mangelnde Sauerstoffversorgung in der Höhe vor.

Doch der Bekanntheitsgrad der eigenen Stimme kann beizeiten auch zu Problemen führen, wie Heike Hagen im Interview verriet. „Im Job verstelle ich meine Stimme, weil ich Rollen spiele“, berichtet sie. „Privat klinge ich deshalb anders. Aber es kommt vor, dass mich in einer Dönerbude alle mit großen Augen angucken, wenn ich etwas bestelle, weil ihnen meine Stimme so bekannt vorkommt. Das gleiche passiert mir des Öfteren am Telefon.“

Trotz der Begeisterung der iPhone- und iPad-User für die angenehme weibliche Stimme ist Heike Hagen selbst nicht immer von ihren sprachlichen Ergebnissen überzeugt. Zwar hat die Synchronsprecherin im Gegensatz zu vielen Menschen keine großen Probleme damit, ihre eigene Stimme zu hören, aber die Präsenz ihrer Werke verhindert in gewissen Situationen ein Ausblenden. „Wenn ich im Flugzeug sitze und meine Stimme höre, gibt es zwei Möglichkeiten“, sagt Heike Hagen. „Entweder ich halte mir die Ohren zu, oder ich höre ganz genau hin und will wissen, ob ich meinen Job gut gemacht habe.“

Wer nun auch vorhat, in die Fußstapfen von Heike Hagen zu treten und vielleicht in iOS 9 als neue deutsche Siri-Stimme gefeiert zu werden, sollte vor allem eine angenehme Stimme und Talent mitbringen. „Es ist sehr viel Übung, wie bei einem Instrument“, so Hagen. „Man muss Atemvolumen und Sprachwerkzeuge trainieren, also Lippen, Zunge und Kehlkopf. Das Sprechen ist körperlich anstrengend, deshalb braucht man auch Ausdauer. Außerdem sind schauspielerische Fähigkeiten wichtig, weil man sich in verschiedene Rollen hineinversetzen muss.“ Zu diesem Zweck nahm die Synchronsprecherin sogar zeitweise Schauspielunterricht, um ihre Rollen perfekt einnehmen zu können.

Auch finanziell sieht es um eine vielbeschäftigte Sprecherin nicht schlecht aus. „Ich bin mit der Bezahlung zufrieden“, sagt die deutsche Siri-Stimme. Sogar Menschen, die sich in ihre Stimme verlieben, kommen Heike Hagen zu Gehör. „Es kommt vor, dass Leute in Foren schreiben, sie hätten sich in meine Stimme verliebt oder fänden sie toll“, summiert Frau Siri. „Ich fühle mich geschmeichelt, aber es gehört irgendwie auch dazu, wenn Sie Ihren Job gut machen. Das ist ähnlich wie beim Bäcker, dem Sie ein Kompliment für seine Brötchen machen. Er wird sich über das Lob freuen, aber nicht gleich ausflippen.“

Das ganze Interview kann unter diesem Link nachgelesen werden. Gerüchten zufolge soll die neue deutsche Siri-Stimme unter iOS 7 übrigens dem Sprecher Tobias Nath gehören.

Abschließend fragen wir noch in die Runde: Empfindet ihr die aktuelle Siri-Stimme als angenehm? Nutzt ihr den männlichen oder die weibliche AssistentIn, um euch Suchergebnisse oder Anfragen vorsprechen zu lassen?

Kommentare 20 Antworten

  1. Im Spiegel Interview klang das ein wenig anders 😉
    KarriereSPIEGEL: Glauben Sie, es gibt Menschen, die für eine Computerstimme schwärmen oder wie im Film sogar eine Art Beziehung mit ihr führen?

    Hagen: Davon bin ich überzeugt. Es gibt ja auch Männer, die Sex mit Kunststoffpuppen haben. Genauso wird es Leute geben, die sich in eine Computerstimme verlieben. Mir tun diese Menschen leid. Das grenzt ja an Psychose.

    Merkwürdige Einstellung gegenüber anderen Menschen…

  2. Leider ist Siri totaler Schrott,sobald nur ein englischer Name im Satz ist funktioniert es nicht.
    Ganz besonders schlimm ist es wenn man sagt“Spiele …(englischer Bandname) funktioniert es nicht.zB. Amon Amarth

    1. Lol, das liegt entweder am schwierigen Bandnamen oder an Deiner Aussprache 😉 „Spiele Carcass“ oder „Spiele Napalm Death“ klappt bei mir einwandfrei.

      1. Also ich habe letztens gesagt:

        „…spiele… cindy und bert“, dann kam cindy und bert. und bert ist ein englischer name. cindy aber auch. also geht es sogar mit 2 namen. bernie und ert ging aber nicht, aber die sind ja deutsch, oder?

        1. ‚Bert‘ ist ein englischer Name, ja klar…. Norbert Maria Berger hieß der Sänger bürgerlich. Nur weil es einen Bert in der Sesamstraße gibt (im englischen übrigens ‚Böört‘ ausgesprochen) liegt der Ursprung nicht im englischen.

          1. Richtig. Genauso wie es viele Berts gibt, die den guten alten, auch recht traditionell deutschen Namen Bertram tragen.

    2. nutze normal kein Siri, aber neugieriger Weise überprüft … Amon Amarth, In Flames, Arch Enemy und alle anderen Bands werden gespielt, selbst Korpiklaani 😉

  3. Beim iPhone hab ich die männliche Stimme, beim iPad die weibliche. Aber ich muss gestehen das ich immer wieder „erschrecke“ sobald Herr Sirius was sagt 🙂

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