Eines für alles: EU-Kommission fordert einheitlichen Ladestandard für Smartphones

Apple wird nicht begeistert sein

Wenn man sich die Ladekabel und -Geräte von Smartphones und Handys von vor etwa 10 bis 15 Jahren anschaut, blickt man auf einen undurchsichtigen Wust von unterschiedlichsten Ladesteckern. So ziemlich jeder Hersteller machte seinerzeit sein eigenes Ding. 2009 kam dann etwas Bewegung in die Angelegenheit, als sich 14 Handy-Hersteller, darunter auch Apple, auf Druck der EU-Kommission auf einen einheitlichen Standard für Netzteile einigten.

Fortan gab es statt zig verschiedenen Ladebuchsen nur noch insgesamt drei Typen: Das mittlerweile veraltete Micro-USB, der heute beliebte Standard USB-C, sowie Apples Lightning-Anschluss. Einen wirklich einheitlichen Standard zum Aufladen mobiler Geräte sucht man aber auch heute noch vergeblich.


Selbst intern bei Apple gibt es immer noch unterschiedliche Ladestecker und -Geräte: Während MacBooks und das iPad Pro über USB-C aufgeladen werden, setzt man trotz aller Entwicklungen beim iPhone beharrlich auf den Lightning-Standard. Wer also sein gesamtes Apple-Equipment mit auf Reisen nehmen will, benötigt immer mindestens zwei Kabel – oder zumindest einen USB-C-auf-Lightning-Adapter – im Gepäck. Vom zusätzlichen Ladepuck für die Apple Watch wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen.

Einheitlicher Standard soll weiteren Elektroschrott vermeiden

Nun wagt allerdings die EU-Kommission einen weiteren Vorstoß. Am heutigen Donnerstag soll eine Pressekonferenz stattfinden, bei der der zuständige Binnenmarktkommissar Thierry Breton über eine „einheitliche Lösung für Aufladegeräte elektronischer Geräte“ sprechen wird. Ebenfalls zur Debatte steht auch, ob mit den verkauften Geräten überhaupt noch ein Netzteil mitgeliefert werden soll. Auf diese Weise soll in Zukunft weiterer Elektroschrott vermieden werden. Schon Anfang 2020 „hatte das EU-Parlament die EU-Kommission […] aufgefordert, Vorschriften für einheitliche Ladetechnik zu erarbeiten“, wie t3n berichtet.

Vor allem Apple dürfte dieser erneute Vorstoß in Richtung eines einheitlichen Ladestandards ärgern. Denn wie oben bereits angeführt, setzt man selbst bei der jüngst vorgestellten iPhone 13-Generation nach wie vor auf den hauseigenen Lightning-Anschluss. Selbigen verwenden auch neuere iPads wie das iPad 9, beim iPad Pro und bei den MacBooks sind es die bekannten USB-C-Kabel. „Apple argumentiert, bei allen Netzteilen setze man ohnehin auf USB-C“, so t3n. „Mit einer Zwangsabschaffung der Lightning-Buchse werde eine große Menge an zusätzlichem Elektroschrott entstehen.“

Dieses Argument kann zumindest ich nicht nachvollziehen, vor allem, da der Konzern sich erst kürzlich mit dem iPhone 12 dazu entschlossen hat, den Smartphones überhaupt gar kein Netzteil mehr beizulegen. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, wie sich diese Angelegenheit entwickelt: Ein einheitlicher Ladestandard mit USB-C wäre absolut wünschenswert.

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Kommentare 13 Antworten

  1. Wollte Apple den Anschluss am iPhone nicht eigentlich ganz weglassen?
    Vielleicht nächstes Jahr, dann kann Apple wieder Geld sparen und sagen wir tun das für die Umwelt 😉

    1. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es komplett kabellos wird. Datenübertragung muss auch per Kabel möglich sein. Außerdem braucht man das Kabel für Wiederherstellung.

  2. Absolut pro USB-C.
    Und das Argument, es entstünde Elektroschrott bei einem Anschluss-Wechsel würde ich auch nicht gelten lassen, schließlich verkauft man das Kabel mit dem alten Handy.

  3. Aus Sicherheitsgründen und mit liebe für die Umwelt sollte Lightning.

    Wer es nicht passt soll ein Lightning auf USB-C Adapter kaufen für 29.99EUR

  4. ich habe in meinem Auto, Haus, Ferienhaus und Boot seit Jahren nur einen Typ von Kabel; lightning. das sind an die 10 Kabel. Da hatte meine Familie und jeglicher Besuch nie Probleme mit. Jetzt sollen wir diese Kabel wieder alle gegen USB C ( ja sehe den Vorteil tolles Kabel) austauschen? Ich kann diese davor hatten wir die 30 Pin Kabel. Ich verstehe nicht wie die Leute da immer zu 1000den von verschiedenen Kabeln kommen.

  5. Aus praktischen Gründen für den Verbraucher (auch wenn der usb-c durchschnittlich anfälliger ist) besser zu vereinheitlichen.

    Aus effektiven Umweltschutz gründen eher schwache Symbolpolitik. Das lässt die Müllhalden kein bisschen Schrumpfen – die müssten sich mal darauf konzentrieren, wo tatsächlich viel bewegt werden kann.

  6. Diese EU Richtlinie ist ein unglaublicher Quatsch.
    Eine Innovationsbremse. Es kommt der Tag, da wird man stolz Geräte aus USA oder Hongkong bringen, damit man ordentliche Features bekommt.
    Ein Kabel ist ja nicht nur für die Stromversorgung da, sondern auch für Datentransfer. Da gibt es jetzt schon ein unglaubliches Wirrwarr bei USB C.
    Schon alleine der Begriff „Funkanlagen“ in der EU Richtlinie zeigt, wie sehr die Autoren mit der Thematik zu kämpfen haben.

  7. Lightning und USB-C wären noch exakt zwei Standards die von mir aus gerne bleiben können. Ich sehe da kein Wirrwarr und Apple im Nachteil da der Lightning robuster ist, zusammen mit der langen Software Pflege der Apple Geräte kein Nachteil für die Umwelt gegenüber dem Wettbewerb?

    Wo sind denn die weitaus wichtigeren Vereinheitlichungen bei Ladekabeln für Elektroautos und Elektrofahrräder? Diese Kabel enthalten weitaus mehr Rohstoffe sind teilweise sehr teuer und schlecht transportabel. Da existieren munter eine Vielzahl an Standards.

    Manche Geräte die aktuell noch verkauft werden haben Micro USB (zum Beispiel Bluetooth Lautsprecher älterer Bauart im Abverkauf) oder sogar noch Mini USB (zum Beispiel Blutdruck Messgeräte), hier anzusetzen ist weitaus sinnvoller.

    1. Und bei mir läuft Alles über Lightning, habe nicht ein einziges USB-C Kabel. Sorry – das ist jetzt Unfug und während die EU seit 2009 darüber „nachdenkt“ irgendwann mal einen Beschluss zu fassen, herrscht noch längst keine Klarheit, wie der dann letztendlich ausfällt und dann… dauert das mindestens nochmal 3 Jahre, bis da irgendwas greift und weitere Jahre bis dann wirklich nichts mehr hergestellt wird, denn funktionierende Geräte zu entwerten ist ökologisch noch sinnloser, als das Kabelgemurkse. Bis dahin hat sich die Technologie auf komplett kabelloses laden umgestellt und wenn das auch noch für Daten klappt, kann die EU mit ihrem Kabelsalat echt anfangen, was immer sie will und wird sich garantiert noch feiern, dass sie das „auf den Weg“ brachten, was Hersteller längst von sich aus ändern (soweit es bisher möglich ist). Für mich: Quatsch mit Soße und wie meist dem Trend hinterhergerannt. (EU: wo wir sind, ist vorne – aber wir können ja nicht überall sein)

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