MyTaxi: Der Preiskampf hinter den Kulissen – Kunden werden versteigert

App öffnen, Taxi rufen, einsteigen und ans Ziel kommen – was für den Kunden so einfach aussieht, ist für die Taxifahrer ein harter Job.

MyTaxi

Die in den letzten Jahren immer prominenter gewordenen Taxi-Apps sind eine feine Sache – zumindest für den Nutzer. Hinter den Kulissen ist allerdings eine heiße Diskussion ausgebrochen, nachdem der Platzhirsch MyTaxi (App Store-Link) sein Bezahlmodell für die Taxifahrer grundlegend geändert hat. Taxifahrer und Konkurrenz laufen Sturm, während der Kunde im besten Fall nichts davon mitbekommt.


Bisher war die Sache ganz einfach: MyTaxi hat Nutzer und Taxi zusammen gebracht und dem Taxifahrer dafür eine pauschale Gebühr von 79 Cent berechnet. Bereits bei der Annahme einer Fahrt war für den Taxifahrer klar, wie hoch seine Kosten sind. Gerade bei längeren Fahrten war die Gewinnspanne natürlich entsprechend hoch.

Ab dem 1. Februar sieht die Sache aber anders aus: Wenn ein Nutzer per App ein Taxi ruft, können in der Nähe befindliche Taxifahrer ein prozentuales Gebot zwischen 3 und 30 Prozent des späteren Fahrpreises angeben, das die Fahrer an das Unternehmen abdrücken müssen. Der Taxifahrer mit dem höchsten (und aus meiner Sicht negativstem) Angebot erhält den Zuschlag und darf den Kunden abholen.

Einige andere Faktoren, wie etwa Entfernung zum Kunden und vorherige Bewertungen, spielen ebenfalls eine Rolle. Wie genau der im Hintergrund arbeitende Algorithmus funktioniert und welche Punkte das meiste Gewicht erhalten, will man allerdings nicht verraten. Man hat lediglich klargestellt, dass man die Balance jederzeit anpassen kann. MyTaxi verteidigt die Sache nun in einem offenen Brief.

MyTaxi-Mitbegründer Sven Külper rechnet im Gespräch mit TechCrunch damit, dass die durchschnittliche und realistische Vermittlungsgebühr bei 10 Prozent liegen wird. In diesem Fall müssten Taxifahrer bereits bei Fahrten mit einem Preis von rund 8 Euro mehr zahlen, als sie es bei vorherigen pauschalen Abgaben tun mussten.

„Mit Blick auf den zum 1. Mai 2015 anstehenden Mindestlohn kann man den Taxiunternehmen nicht derart dreist in die Tasche greifen“, meint Bernd Ploke, Geschäftsführer von Funk Taxi Berlin 261026. „Unsere Taxikundschaft auf dem Großmarkt meistbietend versteigern zu wollen, ist alles andere als ‚fair‘. Mytaxi muss diesen Unfug schnellstmöglich beenden, um dem Ruf des Taxigewerbes keinen weiteren Schaden zuzufügen. Unkalkulierbare Vermittlungsgebühren können die Taxibetriebe nicht verkraften. Sie müssen ohnehin sehr knapp kalkulieren.“

Klar ist, dass sich für den Kunden nichts am Preis ändern wird, schließlich sind die Tarife in jeder Stadt fest vorgeschrieben. Gleichzeitig muss man aber damit rechnen, dass die Qualität sinken und die Wartezeiten ansteigen könnte. Aktuell arbeitet MyTaxi in Deutschland mit 18.000 registrierten Fahrern zusammen – und genau die dürften wie die angeschlossenen Unternehmen wenig begeistert vom neuen Geschäftsmodell sein.

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Kommentare 30 Antworten

  1. Gibt sowieso zu viel Taxen, die in einigen Regionen Chaos verursachen. Düsseldorf ist der Horror dank der Taxen (geschätzte 400 Taxen zu viel in der Stadt laut Verband). Soll sich der Markt bereinigen. Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und rettungsfahrzeuge wird’s freuen.

  2. Ich werd in Zukunft dann wohl wieder die Taxizentrale anrufen. So bequem die app auch ist, aber dass der, der die Ellenbogen am meisten einsetzt gewinnt, finde ich Mist.

  3. Die Armen Taxifahrer. Hatte mich an MyTaxi gewöhnt. Aber wenn es dabei bleibt, werde ich das nicht noch unterstützen. Danke für den Augen öffnenden Artikel!

  4. einfach die mytaxi-app NICHT mehr nutzen u klassisch n taxi rufen… der fahrer freut sich
    sozial verantwortliches verhalten kann SO einfach sein

  5. Danke für den Blick hinter die Kulissen!
    Wie heißt es so schön? „Leben und leben lassen“.
    Mein Fazit ist klar: MyTaxi App gelöscht und fertig!

  6. Danke für den Artikel. Damit hat sich myTaxi ins Knie geschossen. Die App ist gelöscht. Ich rufe wieder ganz normal die Taxizentralen an. Ausbeutung und Gier geht gar nicht.

  7. Schade nur das so ein Artikel von zu wenigen Leuten gelesen wird sonst könnten die ihr unternehmen einstampfen vor allem wenn man auch noch den offenen Brief gelesen hat!!!

  8. Artikel gelesen, danke für die hintergrundinfos.
    Danach Mytaxi app sofort gelöscht.
    So etwas kann man doch beim besten willen nicht unterstützen!!

  9. In Frankreich gibt es gerade einen Taxi-Streik, gerade heute wurde ein Taxi der MyTaxi-Konkurrenz-App Uber während der Fahrt stark beschädigt.

  10. Ich bin wirklich schockiert über diese Unart von mytaxi !
    Aufgrund einer Verletzung hatte ich in den letzen 3 Monaten etwa 6 Fahrten/Woche über die App und bin VIP-Kundin. Hab mich mit vielen Fahrern auch über die App unterhalten. Die waren sehr zufrieden über eine weitere Möglichkeit, an Fahrgäste zu kommen.
    Tja…mich kriegen sie darüber nun auch nicht mehr. Schade…

  11. Ich habe selbst für eines dieser Plattformen gearbeitet und kenne dieses als gelebtes leben. Blacklane handhabt das schon seit über einem Jahr so. Angefangen hat es mit 10% vom Umsatz. Wo Fahrer noch seltener waren, war es umgekehrt und die Prozente die abgedrückt werden müssen gingen runter. 10% ist zur zeit als Einheitswert realistisch und als Vermittlungsgebühr finde ich das für den Taxifahrer/ deSen unternehmen auch zumutbar, dieser kann und muss ja nicht annehmen

    1. Nachtrag: diese gebühr können als Werbekräften beim Finanzamt geltend gemacht werden. Nichts für ne kleine taxizentrale, habe ich aber 5 Fahrer die bezahlt werden, aber nicht fahren sind 10% so vertretbar. Mehr finde ich dann auch wieder etwas über das Ziel hinaus geschossen …

  12. Das sind ja Mafia – Methoden! Ich werde so etwas auf keinen Fall unterstützen!! Adieu myTaxi…
    Übrigens: Hat nicht jemand Kontakt zu den Medien? Es müssten noch mehr Menschen diese App löschen – bis kein Nutzer mehr da ist!

  13. nur die App löschen ist zu wenig … zuerst MyTaxi anschreiben, daß man deren App aufgrund ihrer geplanten Geschäftsmodalitäten nicht mehr nutzen wird

  14. Auch der Kunde wird darunter leiden, vor allem durch längere Wartezeiten. Bislang, nehme ich an, ist das Taxi gefahren, das als erstes zugesagt hat. In Zukunft darf der Kunde wohl mit höherer Wartezeit für die Vermittlung rechnen, bis klar ist, welches Taxi für MyTaxi am lukrativsten ist, als vermutlich auch für die weitere Anfahrt…

  15. Taxi App gelöscht. Weiterhin werde ich
    diesen Sachverhalt mit Freuden mit vielen anderen kommunizieren um möglichst viele
    Leute zu überzeugen auch die Finger von diesem App zu lassen.

  16. My Taxi wurde mit mehreren Millionen Euro vom Mercedes und Telekom bezuschusst..die werden immer gieriger..Frechheit dabei haben sie nichts mit dem Taxigewerbe zu tun wollen nur Geld rausziehen aus dem Gewerbe mafiöse Methoden

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