Staubsauger-Hersteller iRobot rudert zurück: Verkauf von Nutzerdaten war nie angedacht

Vor kurzem sorgte ein Interview des iRobot-Geschäftsführers Colin Angle mit der Nachrichtenagentur Reuters für große Diskussionen.

iRobot Roomba Colin Angle

Auch wir berichteten seinerzeit (zum Artikel) über den vom iRobot-CEO Colin Angle angedachten Verkauf von Staubsaugerroboter-Raumplänen an die „Big Three“-Konzerne Apple, Amazon und Google. Mit seiner Äußerung, sensible Nutzerdaten verkaufen zu wollen, tat sich Angle wohl keinen großen Gefallen: Ein großes PR-Desaster folgte – und nun rudert das Unternehmen kleinlaut zurück.

Wie Colin Angle nun in einer Stellungnahme gegenüber dem Magazin ZDNet erklärt, habe das Unternehmen nie vorgehabt, Nutzerdaten zu verkaufen. So heißt es im Brief von Colin Angle an ZDNet unter anderem: „Zu allererst einmal wird iRobot niemals Ihre Daten verkaufen. […] Es gibt keinen Zweifel daran, dass ein Roboter Ihr Haus intelligenter machen kann. Es sind die Daten, die er sammelt, um seinen Job zu machen, und die vertrauenswürdige Beziehung zwischen dir, deinem Roboter und iRobot, die dies ermöglichen. Informationen, die geteilt werden, müssen vom Kunden, und nicht als Teil einer Datensammlung von einem Unternehmen kontrolliert werden können. So werden Daten von iRobot heute behandelt. Kunden haben die Kontrolle über die gemeinsame Nutzung. Ich möchte deutlich machen, dass die Daten auch in Zukunft so gehandhabt werden.“

Auf weitere spezifische Nachfrage des investigativen ZDNet-Journalisten, ob wirklich keine Verhandlungen mit großen Konzernen hinsichtlich des Verkaufs von nutzerbasierten Raumplänen und -daten erfolgt sind, äußerte sich iRobot wie folgt, „Das war eine Fehlinterpretation. [Angle] hat nie gesagt, dass iRobot versuchen würde, Raumpläne oder Daten an andere Unternehmen zu verkaufen. iRobot hat keine Gespräche mit anderen Unternehmen über Datentransaktionen geführt, und iRobot wird keine Kundendaten verkaufen.“

Nutzerdaten landen laut iRobot lediglich in der Cloud

Auch hinsichtlich der Behandlung von Nutzerdaten, insbesondere die Raumpläne und Aufnahmen der integrierten Saugroboter-Kamera, hakten die Reporter von ZDNet nochmals nach. iRobot erklärt diesbezüglich, dass bei allen WiFi-unterstützten Modellen sowohl Wohnungspläne als auch Saugroboter-Statistiken über die Cloud auf das Nutzer-Smartphone gesendet werden, nicht jedoch Bildaufnahmen, die für die Navigation des Saugroboters notwendig sind. Die im Reinigungsgerät integrierte Kamera verfüge lediglich über eine sehr niedrige Auflösung und „sieht Dinge nicht, wie wir es tun“, so die Verantwortlichen von iRobot. „Der Roboter erkennt seine Umgebung als Muster von hellen und dunklen Punkten in seinem Sichtfeld. […] Die Kamera […] erkennt mehrere Punkte eines Raumes, beispielsweise die Kanten eines Tisches oder helle und dunkle Kontraste eines Fensters an der Wand.“

Fragwürdig bleibt jedoch nach wie vor die Stellungnahme hinsichtlich des Verkaufs von Nutzerdaten und bereits getätigten Gesprächen mit großen Abnehmern dieser Daten. Ruderte Colin Angle bedingt durch das ausgelöste PR-Desaster nun zurück, oder lag wie behauptet eine Fehlinterpretation des Interviews durch Reuters vor? Der iRobot-Aktie scheint diese große Diskussion wohl jedoch keinen Schaden zugefügt zu haben: Der Aktienkurs des Unternehmens stieg trotz dieses PR-Faux-Pas weiter an.

Kommentare 6 Antworten

  1. Ablenkung von wirklichen Schuften – „unsere“ lieben Autohersteller. Nichts anderes. Ein weltweiter realer Skandal, der zu Lasten der Gesundheit von Tausenden und Abertausenden geht und Behörden sowie Politiker in Verruf bringt. Und „ihre“ Antwort heißt: iRobot und die Chinesen mit ihren Machenschaften um VPN sind die wahren „Bösen“.

    Es ist der pure Kapitalismus. Ob ihr es wahrhaben wollt oder nicht. WIR werden einfach nur verar…

    1. Nun ja, wer mal seinen Kopfhörerständer als Hirn benutzt und mal nicht Siri für sich denken lässt, der sollte das eigentlich schon mitbekommen haben. Nur leider verhält sich das mit Smartphone heute so wie vor 30 Jahren mit dem deutschen liebsten Kind: dem Auto. Im Grunde wird vieles tolleriert, Hauptsache man kommt ins Internet und kann Selfies verschicken. Ist noch gar nicht so lange her, da wurden uns Steuernachlässe für die Nutzung von Dieselfahrzeuge angeboten. Und wer an der Tanke mal guckt, der sollte sich mal wundern warum der umweltbelastende Sprit doch deutlich billiger ist die anderen Sorten (ausgenommen Gas). Sind nicht sonst immer die bösen Produkte deutlich teurer?
      Wir sind längst zur im Film Matrix beschriebenen Batterie geworden, die nur noch gemolken und anschließend entsorgt wird. Auch Merkels Kolagen im Hilteroutfit oder als Imperator, treffen täglich mehr zu. Das Volk aber macht weiter Selfies.

  2. Egal, was dieser Kasper jetzt erzählt, er hat die Katze aus dem Sack gelassen, und damit seine Firma verbrannt. Für mich sind Produkte dieser Firma No-Gos…

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