Burn-In bei Kopfhörern: Ein kontrovers diskutiertes Thema

Müssen Kopfhörer "eingespielt" werden?

Nachdem ich seit dem letzten Wochenende auch stolze Besitzern der Apple AirPods Pro bin, stellte sich mir seit kurzem die Frage, was ich tun kann, um den optimalen Sound aus Apples neuen InEars herauszuholen. Schnell stieß ich auf das Konzept des sogenannten „Burn-Ins“, das als das „Einspielen“ der Kopfhörer übersetzt werden kann. 

Audiophilen ist diese Maßnahme schon seit längerem ein Begriff: Der Klang von neuen Kopfhörern soll sich erst nach einer gewissen Einspielzeit voll entfalten können, wenn sich beispielsweise die Membrane durch die Nutzung entsprechend geweitet haben – ähnlich wie bei nagelneuen Schuhen, die auch erst eingetragen werden wollen, um wirklich bequem zu sitzen. 

Einige Kopfhörer-Besitzer schwören auf ein Burn-In und geben ihren Modellen erst einmal mindestens 24 Stunden Laufzeit, ehe sie sich zu einem Fazit der Klangqualität äußern mögen. Dabei ist es unerheblich, ob man einen InEar-, OnEar- oder OverEar-Kopfhörer verwendet. Kritiker des Burn-Ins schütteln derweil mit dem Kopf und wollen keine Unterschiede zwischen einem fabrikneuen und einem „eingehörten“ Kopfhörer erkennen. Sie sehen in dieser Maßnahme einen großen Placebo-Effekt: Man GLAUBT, dass sich der Kopfhörer besser anhört, weil man es durch das Burn-In erwartet.

Auch wissenschaftliche Fakten existieren zu diesem Thema nicht. In zahlreichen YouTube-Videos wurden eher pseudowissenschaftliche und subjektiv empfundene Tests mit Blindtests von werksneuen und eingespielten Kopfhörern vorgenommen, aber diese bieten ebenfalls keine belegbaren Beweise. 

Pink, Brown und White Noise für Burn-In geeignet

Freunde des Burn-Ins finden ebenso bei YouTube einige stundenlange Geräuschsequenzen, mit denen sich das Einspielen von Kopfhörern bequem erledigen soll. Zum Entspannen sind diese Sounds allerdings nicht wirklich geeignet, es sei denn, man möchte sich unbedingt in eine höchst aggressive Stimmung bringen. Generell sollen sich Pink, White und Brown Noise für das Einspielen gut eignen, aber auch „normale“ Musik in Dauerschleife gespielt gilt als keine schlechte Idee. Sogar im App Store gibt es entsprechende Apps wie „Burn-In“ (App Store-Link), mit denen dieser Prozess durchlaufen werden kann.

Das Fazit lautet daher zumindest von meiner Seite: Da man fabrikneue Kopfhörer sowieso ausprobiert und mit ihnen Musik hört, hat man keine Nachteile zu befürchten. Im besten Fall ändert sich die Klangqualität nach einigen Stunden der Nutzung zum besseren – ansonsten hat man nichts verloren. Der Kopfhörer wird nicht schlechter klingen, wenn man ihn verwendet. Ich persönlich halte ein übertriebenes Einspielen von neuen Kopfhörern für übertrieben, möchte aber auch nicht ausschließen, dass sich der Klang nachträglich noch verbessert.

Was sind eure Erfahrungen zu diesem spannenden Thema? Seid ihr Burn-In-Fans und schwört auf diese Maßnahme? Mit welchen Kopfhörern habt ihr ein Burn-In ausprobiert? Habt ihr dadurch Unterschiede feststellen können? Oder haltet ihr derartige Prozesse für Humbug? Wir sind gespannt auf eure Meinungen zu diesem Thema.

Kommentare 21 Antworten

  1. Als ich neulich mir den PX von B&W gekauft habe stand das auch in der Anleitung und habe da das erste Mal davon gehört. Kann bislang noch nichts dazu sagen, da ich noch mich in der Einhörphase befinde. Sie wurde von seitens B&W auf 20-24h angesetzt-mal sehen bzw. hören … bislang bin ich schon sehr zufrieden mit dem Klang und habe natürlich nichts dagegen sollte er noch besser werden …

    1. Ich habe mit dem Bowers & Wilkins P7 die Erfahrung gemacht, dass sich insbesondere die Räumlichkeit verbessert hat, von daher kann ich das bestätigen, ähnliche Erfahrungen habe ich auch mit dem T5p und dem Xelento von Beyerdynamic gemacht.

      Natürlich braucht man dafür auch entsprechendes Ausgangsmaterial, Spotify und Co. sind da nur bedingt geeignet, vorher/nachher Unterschiede ausmachen zu können 🙂

  2. Bei Lautsprecher fürs Auto kann ich das bestätigen. Hab mir welche einbauen lassen und ich war schockiert wie schlecht der Ton war. Selbst Freunde waren erstaunt wie schlecht die neuen Lautsprecher waren.

    Nach ca. 1ner Woche war der Klang super ( hab die selben Leute, selber Song natürlich wieder gefragt). Der Händler selbst hatte mich aber schon darauf hingewiesen, scheint wohl bei einigen Herstellern so zu sein 🤷🏼‍♂️

    Bei Kopfhörer tu ich mich aber schwer das zu glauben.

      1. Genau das ist es auch. Die Gewöhnung ist des Rätsels Lösung. Schon die Annahme, eine Veränderung wäre immer zum Besseren hin, ist in Anbetracht der Individualität des Klangempfindens reiner Humbug.

  3. Ich lach mich schlapp…

    Menschen, die sich Airpods und ähnliche Brüllknöpfe wegen des „ausgezeichneten Klangs“ kaufen, diskutieren über „Burn-In bei Kopfhörern“. Das ist ja fast, als ob blind Geborene über Brillen diskutieren würden 😂 😂 😂

      1. Ich denke bei den günstigen Apple-Kopfhörern wird man keinen Unterschied feststellen.
        Anders sieht es bei hochwertigen Kopfhörern aus.
        Genauso wie gute Lautsprecher im Wohnzimmer müssen auch hier die Kopfhörer erst eingespielt werden, um ihren Klang und die räumliche Darstellung voll entfalten zu können.
        Wer einmal die airpods mit richtig guten Kopfhörern verglichen hat, wird den enormen Zugewinn sofort bemerken. Bei Billigproduktionen aus Plastik (sorry, als solche sehe ich die apple airpods) wird man dementsprechend keinen oder nur einen sehr geringen Unterschied zwischen vorher und nachher feststellen können.

  4. Warum soll das ganze eigentlich dazu führen, dass es zwangsläufig besser klingt? Vielleicht gefällt mir ja der Sound „out of the box“.
    Und nach dem burn-in klingt mir das dann zu labberig…

  5. Weil Firmen wie zB Bower und Wilkins in den eigenen Entwicklungslaboren ihre Produkte auf Herz und Nieren überprüfen und testen bevor sie die auf den Markt werfen und solche Behauptungen nicht lapidar aus den Haaren ziehen. Würden sie Materialien verwenden, die nach 20-24h ausleiern, könnten sie ihre Stellung nicht behaupten und fortan ihre besten Kunden, nämlich musikproduzierende Studios dauerhaft verlieren. Solche Thesen beruhen auf Fakten und nicht auf Gefühlen.

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