Spotify: Auseinandersetzung mit Musikern über fragwürdige Podcast-Inhalte

Neil Young und Joni Mitchell wollen Musik entfernen

Der Musikstreaming-Dienst Spotify (App Store-Link) sorgt in diesen Tagen für einige negative Schlagzeilen. Kürzlich ging der Musiker Neil Young auf die Barrikaden gegen den schwedischen Konzern und will nun seine Musik vom Streaming-Service abziehen. Auch die bekannte Sängerin Joni Mitchell pflichtet Young bei und will ihre Musik nicht mehr bei Spotify anbieten. Doch was war passiert?

Ursprung der Diskussion ist ein ebenfalls auf Spotify erhältlicher Podcast namens „The Joe Rogan Experience“, „mutmaßlich der meistgehörte Podcast weltweit“, so das Magazin t3n. Rogan sorgte für „die wiederholte Verbreitung von irreführenden und falschen Behauptungen von Host Joe Rogan und seinen Gästen im Zusammenhang mit dem Coronavirus.“


Der kanadische Musiker Neil Young ist zudem nicht der einzige, der sich bei Spotify über Falschinformationen im Podcast von Rogan beschwert hat. Ein offener Brief von Ärzten und Ärztinnen sowie weiteren Fachleuten übte Kritik an Joe Rogan und auch an Spotify. Im Brief sei davon die Rede, dass der Podcaster falsche Behauptungen über die Pandemie, Impfstoffe und Behandlungen verbreitet habe, was ein „soziologisches Problem von verheerendem Ausmaß“ sei.

Neil Young hat Spotify daraufhin vor die Wahl gestellt: Entweder Rogans Inhalte auf der Streaming-Plattform, oder seine. Der schwedische Konzern reagierte mit einem tief blickenden Statement und hat sich offenbar gegen Young und für Rogan entschieden. Schließlich geht es für den Streaming-Anbieter um viel Geld: 2021 hatte Spotify einen Exklusivvertrag mit Joe Rogan abgeschlossen, mit einem Volumen von etwa 100 Millionen Euro. t3n berichtet dazu:

„In Sachen Podcast ist das schon Big Business. Das scheint Spotify in jeder Hinsicht viel wert zu sein. Zumindest nimmt der Streaminganbieter einen erheblichen Verlust an Glaubwürdigkeit in Kauf. Mehr noch: Spotify macht sich nicht einmal die Mühe, auf die doch sehr konkreten Vorwürfe einzugehen. Stattdessen schickt das Unternehmen ein paar Allgemeinplätze in die Welt und setzt darauf, dass die Nutzerinnen und Nutzer das Thema wieder vergessen.“

Mittlerweile haben sich auch weitere Größen aus dem Musik- und Podcast-Geschäft zu Wort gemeldet. So kündigte auch die britische Musikerin Joni Mitchell an, ihre Inhalte von Spotify abzuziehen. Die beiden englischen Royals Prinz Harry und seine Frau Meghan, die ebenfalls einen Millionenvertrag für einen exklusiven Spotify-Podcast besitzen, halten hingegen an der Plattform fest und haben diesbezüglich ein Statement übermittelt.

„Wir haben Spotify gegenüber weiterhin unsere Bedenken zum Ausdruck gebracht, um sicherzustellen, dass Änderungen an seiner Plattform vorgenommen werden, um zur Bewältigung dieser Krise im Bereich der öffentlichen Gesundheit beizutragen. Wir hoffen, dass Spotify diesen Moment nutzt und sind entschlossen, unsere Zusammenarbeit fortzusetzen, wenn dies so geschieht.“

Wie sich diese Angelegenheit in Zukunft für Spotify auswirkt, bleibt bisher unklar. Fakt ist jedoch, dass der Streaming-Anbieter durch seine gleichgültige Einstellung einen erheblichen Verlust seiner Glaubwürdigkeit billigend in Kauf nimmt. In sozialen Medien kündigen bereits einige Spotify-User an, den Dienst verlassen und zu anderen Alternativen wechseln zu wollen. Ob es dann am Ende wie von Neil Young einst prognostiziert doch noch heißen wird, „Rock’N’Roll will never die“, bleibt abzuwarten.

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Kommentare 22 Antworten

    1. Offenbar ging es hier nicht um Politik oder Meinung, sondern um Falschinformation. Auch für Quatsch finden sich Liebhaber. Schließlich gibt es auch Tausende, die das Dschungel Camp gucken.

  1. Erst dachte ich, was es überhaupt mit Spotify als Dienst zu tun hat, wenn da ein Blogger/Podcastler wieder Unsinn vertreibt.

    Aber bei Exklusivverträgen sind sie dann doch für den Inhalt mitverantwortlich. Sie hätten es zumindest klären müssen, wo die Grenzen sind.

  2. Das ist – neben dem für Künstler*innen sehr fragwürdigen Vergütungsmodell – ein weiterer Grund, einen großen Bogen um Spotify zu machen.

  3. Ähm Tschuldigung… Welche Grenzen? Schon mal den Podcast gehört? Absolut tolles Interview. Aber nein – Mr. Young möchte seine Meinung lieber allen aufzwängen. Er kann gerne von der Platform verschwinden. Und dann leise still und heimlich wiederkommen. Hat er ja schon mal gemacht;-)

        1. Zahlreiche Promotionen von belanglosen Behandlungsmethoden und gefährliche Empfehlungen von Esoterikern. Desweiteren politische Aufrufe für Straftaten/zivilen Ungehorsam/schädliches Verhalten. Auch hat er bei seiner eigenen Erkrankung wirkungslose Behandlungsmethoden beworben.

          Wurde von fast 300 Wissenschaftlern offen angeprangert und zur Löschung aufgefordert. Auch Klagen sind angelaufen.
          Die beiden Musiker kamen nur später dazu.

          Des Weiteren hat sich auch der Sportmoderator selbst gemeldet und betont, dass er absichtlich, um „edgy“ zu sein, möglichst kontroverse Gäste gesucht hat und ihnen eine breite Plattform gegeben.
          Jedes Mal hat er sich sinnlos entschuldig und darauf bestanden, dass es bloße Unterhaltung ist und er keinerlei medizinisches Verständnis hat und keine Beratung gibt (was jedoch bei seiner Reichweite und Kommentaren eben nicht so rüberkommt).

          Spotify hat sich entschlossen in Kürze Contentwarnungen vor den entsprechenden Podcasts zu schalten.

          1. Mit anderen Worten hat er journalistische Sorgfaltspflichten verletzt, die bei dieser Reichweite selbstverständlich sind.
            Die Löschung wäre angebracht.

          2. Based on the feedback over the last several weeks, it’s become clear to me that we have an obligation to do more to provide balance and access to widely-accepted information from the medical and scientific communities guiding us through this unprecedented time. These issues are incredibly complex. We’ve heard you – especially those from the medical and scientific communities – and are taking the following steps:

            https://newsroom.spotify.com/2022-01-30/spotifys-platform-rules-and-approach-to-covid-19/

  4. Ich finde Zensur in jeder Art und Weise widerwärtig. Spotify ist eine offene Plattform und solange Künstler / Anbieter nicht offen gegen Gesetze verstoßen, hat sich diese Plattform jeder Zensur zu enthalten. Die Meinungsfreiheit ist das höchste Gut der Demokratie.

      1. Viele verstehen eher nicht, dass das nichts mit Meinungsfreiheit zu tun hat. Sollte eigentlich jeder begriffen haben, als Trump (der President!!) von Twitter gesperrt wurde.

    1. Ich danke Dir. Endlich mal jemand mit Grips. Demokratie muss verteidigt werden und darf nicht durch irgendwelche dahergelaufenen Altstars beschädigt werden. Wo kämen wir denn da hin? Irgendwann möchte Puff Daddy das George Michael verbannt wird weil er schwul war? Oder Madonna möchte dass Rihanna von der Plattform verschwindet weil sie besser singt und jünger ist;-) Also – mal die Kirche im Dorf lassen guys;-)

  5. Was sind schon Falschmeldungen? Vor einem Jahr war Impfpflicht ein fake-new, was verboten wurde.
    Falschmeldungen ist doch alles, was der herrschenden Meinung/ Politik wiederspricht! Somit sind wir aktuell auch in Deutschland in einer gewissen Diktatur.

  6. Schade, dass es hier zum Showdown zwischen ideologischen Lage ran kommt. Das war auch schon bei der Genderdebatte der Fall.
    Klar darf jeder und jede seine und ihre Meinung haben. Niemand hat dadurch tiefgreifende Konsequenzen für sein oder ihr Leben zu befürchten. Meinungsfreiheit bedeutet aber nicht, dass jeder und jede die andere Meinung stehen lassen muss oder sie richtig finden muss.
    Diskussionen sind gut, aber dann sind mir auf einem Technikblog doch lieber die über Apple und Android oder Windows und Mac lieber.
    Die politischen und ideologischen Diskussionen, die nichts mit Technik zu tun haben, gehen mir hier auf den Sack.

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