Im Interview: Zwei Mütter & App-Entwicklerinnen

Apps für Kinder sind sehr beliebt. Wir haben mit zwei Müttern gesprochen, die selbst Apps für die „kleine“ Zielgruppe entwickeln.

Kora Erdelyi von KinderApp und Kristin Heitmann von appp media könnten sich ein Leben ohne Smartphone wohl kaum mehr vorstellen. Beide haben bereits Apps für das iPhone und iPad entwickelt. „KinderApp – Kinder lernen sprechen“ (App Store-Link) und „Meine 1. App“ (App Store-Link) sind mit bis zu viereinhalb Sternen bewertet und halten sich im Bereich Spiele/Bildung schon seit Weihnachten in den Top-25.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Apps speziell für Kinder zu entwickeln?
Kora von KinderApp: Vor ein paar Jahren gab es wenig gute, deutschsprachige Apps für Kleinkinder. Ich wollte für meine Tochter eine App machen, die für Kleinkinder geeignet ist und mit der sie beim Spielen auch etwas Lernen kann. 
Kristin von appp media: Bei mir war es ganz ähnlich. Mein kleiner Sohn konnte den iPod Touch meiner großen Tochter bedienen, aber ich wollte nicht, dass er Spiele für Teenager spielt. Ich konnte keine guten Apps für unsere Kinder im Appstore finden. Inzwischen gibt es wesentlich mehr qualitativ hochwertige Apps, aber es ist immer noch sehr schwer sie zu finden. Zum Glück berichten Seiten wie appgefahren.de immer öfter auch über gute Kinder-Apps.

Welche Dinge waren bei der Entwicklung besonders wichtig?
Kora: Ein gut ausgearbeitetes Konzept, ein tolles Team (Entwickler, Sprecher, etc.) und kreative Ideen! Und natürlich das Internet – Das KinderApp Team ist mittlerweile sehr international, ohne e-Mail, Skype und Dropbox ginge gar nichts. 
Kristin: Für mich war es der Rückhalt meiner Familie. Ich wurde häufig milde belächelt für die Idee eine hochwertige und damit kostspielige App für Kinder zu entwickeln. Da war es wichtig Menschen im Rücken zu haben, die an das Projekt glauben. Die KinderApp von Kora war übrigens eine der wenigen Apps bei denen ich einen Schreck bekommen habe und dachte: „Mist, da macht noch jemand etwas richtig Gutes!“

Ab welchem Entwicklungsstatus „probiert“ man die App direkt am Kind aus?
Kora: Die aktuellste Version der nächsten KinderApp habe ich erst letzte Woche installiert. Unsere Tochter hat das Spiel gesehen und wollte sofort damit spielen. Sie findet das Spiel toll und lernt schnell die neuen Begriffe! Für mich ist es das Beste, zu sehen wie meine Tochter Spaß hat und sie dabei zu beobachten, wie sie die Wörter laut wiederholt!
Kristin: Kinder sind gnadenlos, selbst wenn sie die „hauseigenen“ Tester sind. Meine 1. App hat drei Minispiele. Das Drehspiel ist für 2jährige Kinder am besten geeignet, das Puzzle kann im Schwierigkeitsgrad eingestellt werden und das Kugelspiel ist eher für 4jährige Kinder. Wir werden häufig gefragt, warum nicht alle Spiele gleich schwer sind. Es gibt einen simplen Grund: unsere Kinder, die auch unsere Haupttester waren, sind nicht gleich alt – und wir wollten ein Spiel mit dem beide Spaß haben.

Wie kann man ihr Feedback nutzen?
Kora: Ich möchte sehen, ob den Kindern die Bilder gefallen, ob sie die Objekte gut erkennen können, oder ob ich was neu Zeichnen muss. Die Zeiten im Spielablauf sind bei Kindern sehr wichtig, zu lang wird schnell langweilig und zu kurz wird häufig übersehen. Vor kurzem haben wir auch ein interaktives KinderBuch, basierend auf den Charakteren der KinderApp fertiggestellt (mehr Infos). Es war sehr mühsam die richtige Geschwindigkeit der Geschichten zu erarbeiten.
Kristin: Ich lege jede neue Version während der Entwicklung unseren Kindern ohne weitere Kommentare hin. Ich beobachte dann was passiert, wo die Kinder nicht den richtigen Knopf finden, wo ihnen etwas zu lange dauert und was Spaß macht. Ich gebe mehr auf das Feedback der Kinder als auf das von erwachsenen Testern. Bei der nächsten App haben viele Erwachsene eine Spielanleitung gefordert, die Kinder aber kommen klar, daher wird es keine Anleitung geben.

Warum und ab welchem Alter sollte man Kinder überhaupt mit iPhone und iPad
 beschäftigen?
Kora: Ich finde es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, den Kindern Geräte, die man selber im Alltag benutzt, zu verbieten. Wenn sie dann aber damit spielen, sollten auch die Kleinsten kindgerechte Apps verwenden. KinderApp kann ab einem Jahr gespielt werden – je nach Entwicklungsstand der Kinder aber vielleicht auch etwas später. Natürlich immer zusammen mit den Eltern spielen, und nie zu lange. Die KinderApp eignet sich hervorragend für den ersten Kontakt mit dem Medium iPhone oder iPad.
Kristin: Ich sehe Apps als Ergänzung zu anderen Medien. Und es gibt Situationen in denen spannende Spiele ein wahrer Segen sein können: im Wartezimmer beim Kinderarzt, im Stau, im Flugzeug. Natürlich sollten Apps nicht als „Babysitter“ genutzt werden sondern grundsätzlich mit den Eltern gespielt werden.

Welche Vorteile bieten sich im Vergleich zu klassischen
 Unterhaltungsmöglichkeiten?
Kora: Die Vorteile liegen durch die Interaktionen und die multimedialen Möglichkeiten (Audio, Video, Animationen) auf der Hand. Mittlerweile gibt es übrigens auch Kinder-Bücher mit Audio-Unterstützung – das ist bei Apps ganz selbstverständlich. Neben Büchern, Musik und klassischen Spielen, sind Apps eine weitere, sehr vielfältige Unterhaltungsmöglichkeit – mit riesigem Zukunfts-Potential.   
Kristin: Ich sehe einen Vorteil darin, dass das iPhone und der iPad sowohl Musik, Hörspiele, Bücher, Filme als auch Spiel-Apps beinhalten kann. Unsere Kinder hören sich mit dem iPad und iPhone auch Astrid Lindgren Geschichten an, lassen sich Märchenbücher vorlesen oder schauen begeistert die Podcasts von „Der Sendung mit der Maus“ an. Es ist schade, dass die Geräte in Kinderhänden oft so verteufelt werden, obwohl es doch nur auf eine gute Auswahl des Inhalts ankommt. Wir haben übrigens meterweise Bilderbücher zu Hause, gedruckte Bücher, die unsere Kinder lieben – die Apple-Geräte sind eine Ergänzung zu den klassischen Medien. Meine Tipps für alle Eltern: 1. Klasse statt Masse 2. Flugmodus einschalten (um ein Einwählen ins Internet zu verhindern) 3. Schaut euch die Apps genau an. Kostenlose Apps haben oft Werbung, In-App-Kauf-Optionen oder sogar Tracking-Funktionen, die heimlich das Spielverhalten der Kinder aufzeichnen.

Kommentare 20 Antworten

  1. Als Eltern-Medien-Trainerin kann ich nur bestätigen, dass Medienbildung und die Entwicklung von Medienkompezenz heute sehr wichtig ist und es gut ist, wenn für alle Altersstufen GUTE Angebote entwickelt werden! Die sogenannten „neuen Medien“ gehören heute zu unserem Leben dazu. Erst Recht für Kinder und Jugendliche!

  2. Eher letzteres. Nicht dringend benötigt, aber ich fänd es sehr interessant mich mal mit dem Thema auseinanderzusetzen, schließlich weiss das 19 Monate alte Töchterchen schon sehr gut ein Iphone zu bedienen. Ich wusste nicht das es so einen Beruf gibt.

    1. Wird wohl „irgendwas mit Medien“ studiert haben 😉 Heutzutage kann sich jeder nennen, wie er will…

      So, gibt’s eigentlich nun Apps für die Allerkleinsten? Ab 3 Monaten etwa? Mein Zwerg ist fasziniert vom iPhone – irgendwas mit langsam wechselnden Bildern in einfacher Darstellung, dazu unaufdringlicher Sound, das wär schon toll. Mehr braucht’s auch nicht.

    2. Bevor man irgendetwas „verzapft“, sollte man sich selbst informieren und das beansprucht weniger als 1 Minute der ach so wertvollen Zeit.
      Bspw: Google oder Bing, eignen sich hierzu hervorragend!
      http://www.eltern-medien-trainer.de/
      Von daher sehr wohl eine zusätzliche Spezifikation von Pädagogen oder Erzieherinnen!
      Jm2c

    3. Also eigentlich versuche ich „Spoofing“ zu antworten, doch der Beitrag landet immer hier!? Also dann, ich hoffe die richtige Person bekommt es mit:
      Ich bin Dipl. Pädagogin und habe eine Zusatzausbildung als Elternkursleiterin und als Eltern-Medien-Trainerin. In welcher Stadt wohnst Du? Vielleicht gibt es da Angebote, die für Dich interessant sein könnten!?

      1. Wenn ich nicht irre, war alles darüber eine „Antwort“ auf den ursprünglichen Beitrag, ergo landet es beim antworten darunter.

        Tja und wie löst man hier eine Kontaktaufnahme wenn man seine Daten nicht für alle ersichtlich posten will? 🙂

        Schwalmstadt Treysa

        1. Vielleicht geht das über Fabian oder Freddy? Vielleicht geben die Dir meine Mailadresse, mit dem Hinweis auf diese Unterhaltung!? Meine Erlaubnis haben sie ;).

      2. Viell. dem appgefahren-Team Vertrauen schenken und seine jeweilige Kontakt-Mail an’s Team mit der Bitte um gegenseitigem Austausch senden!?!

  3. Prima Interview, interessantes Thema!
    Und den App-Mamis weiterhin viel Erfolg!

    Ich sehe noch großen Bedarf an pädagogisch sinnvollen Spielen für Kinder im Vor- und Grundschulalter. Ich finde, für die Kleinsten gibt’s inzwischen einiges an guten Sachen, aber in der Altersgruppe 5-8 sieht’s mau aus. Da gibt’s wenig hochwertige Apps, die Wissen spielerisch vermitteln oder einfach Spaß machen. Mein Sohn ist 5 und liebt die Pettersson und Findus Erfindungen-App Invention, ein klasse Spiel für erste physikalische Erfahrungen. Aber wirklich gute Apps zum Uhr lernen, Rechnen oder Schreiben oder aber zum Thema Verkehrsschule haben wir lange vergebens gesucht. Die Conni-Apps zum Beispiel sind nicht wirklich gut durchdacht, aber vermutlich mangels Alternativen immer weit vorne im App-Store. Da wäre sicher mehr möglich.

    Also, liebe programmierende Mütter und Väter: Lasst Euch doch mal was Schönes einfallen!

    1. Hi Anjjab,
      da gibt es schon einiges, allerdings ist es immer noch sehr schwer im App-Store etwas zu finden…
      Zum Thema Uhr lernen kann ich persönlich nur „Ich lerne die Uhr“ empfehlen (http://itunes.apple.com/de/app/ich-lerne-die-uhr/id478289605?mt=8). Ansonsten gibt es von Montessorium inzwischen auch deutsche Apps, die Schreiben oder Zahlen beibringen. Optisch schön und reduziert, allerdings nach häufigeren Wiederholungen etwas langweilig. Allerdings sind viele andere Apps nur beding pädagogisch sinnvoll, selbst wenn sie vielleicht nach Spaß aussehen! Man sollte vielleicht aber auch nicht die Kinder zu lange und häufig an das Gerät setzen, sondern auch mal draussen spielen lassen… 😉

  4. Kleinkinder und ipad/iphone? Was nicht tötet macht stark. Ist dass das Motto?

    Es gibt nicht wirklich pädagogisch sinnvolle Erklärungen, welche den Einsatz von iGeräten bei Kinder respektive Kleinkindern rechtfertigen. Und Physiologische schon gar nicht. Bis auf Reizüberflutung und damit einhergehende Augenschäden usw.

    Auch die hier gerne zittierten Floskeln wie „iGerät in Maßen …“ ist sinnvoll usw.!!! – Leute: Erstens stimmte das nicht und Zweitens wissen Kinder nicht was „in Maßen“ heisst!

    Nehmt eure Kinder an die Hand, baut Sandburgen, geht mit ihnen in den Wald. Nehmt euch einfach mehr Zeit.

    Dann ist es auch nicht notwendig das Kind andersweitig zu beschäftigen.

    Die andere Alternative wäre, keine Kinder in die Welt zu setzen.

    Ich sage es mal mit den Worten von Astrid Lindgren:

    »Kinder sollten mehr spielen, als viele es heutzutage tun. Denn wenn man genügend spielt, solange man klein ist – dann trägt man Schätze mit sich herum, aus denen man später ein Leben lang schöpfen kann.«
    Astrid Lindgren 1979 im Interview

    Glaubt mir, Astrid hat keine iGeräte mit spielen gemeint.

  5. Pingback: Professor Kim: schau genau und sei schnell! - Apps für Kinder

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