LibreCam: Neue iPhone-Kamera-App will wieder zeigen, was der Sensor sieht

LibreCam: Neue iPhone-Kamera-App will wieder zeigen, was der Sensor sieht

DNG, HEIF und neun Looks

Startbildschirm von LibreCam auf einem iPhone vor einer Szene mit alter Kamera

Wer mit dem iPhone fotografiert, bekommt längst nicht einfach das Bild, das der Sensor aufgenommen hat. Apples Kamera-App kombiniert unter anderem Smart HDR, Deep Fusion, Rauschreduzierung, Schärfung und Tone-Mapping. Genau hier setzt die App LibreCam (App Store-Link) an. Die neue iPhone-App von Timo Josten, dem Entwickler hinter Dropshare und Annotate, verfolgt einen bewusst anderen Ansatz: Sie will so viel computergestützte Bildverarbeitung wie möglich aus dem Aufnahmeprozess heraushalten.

Auch bei der Wahl der Brennweite gibt sich LibreCam konsequent. Statt beliebig in ein Motiv hinein zu zoomen, stehen ausschließlich die tatsächlich vorhandenen Objektive des iPhones zur Verfügung. Beim iPhone 15 Pro sind das beispielsweise 13, 24 und 77 Millimeter. Digitaler Zoom ist nicht vorgesehen. Das klingt zunächst nach einer Einschränkung, dürfte für die RAW-Fotografie aber eher eine bewusste Entscheidung sein: Die App möchte möglichst klar zwischen echter Optik und nachträglicher Vergrößerung unterscheiden.


LibreCam startet trotzdem nicht als reine Hardcore-manuelle Kamera. Fokus, Verschlusszeit, ISO, Belichtungskorrektur und Weißabgleich arbeiten zunächst automatisch und lassen sich bei Bedarf manuell übernehmen. Dazu kommen Verschlusszeit- und ISO-Priorität für unterschiedliche Aufnahmesituationen. Wer also schnell fotografieren möchte, muss nicht erst fünf Einstellungen kontrollieren, und wer die Kontrolle beim Knipsen braucht, bekommt sie.

HEIF für den Alltag, DNG für die volle Kontrolle

Zwei iPhone-Screenshots von LibreCam
So sieht LibreCam auf einem iPhone aus.

Interessant ist auch die Trennung zwischen DNG und HEIF in LibreCam. Das DNG bleibt unangetastet, liefert die echten Bayer-Sensordaten und soll die möglichst unverarbeitete Grundlage für eine spätere Bearbeitung liefern. Beim HEIF greift dagegen der Hardware-ISP ein, allerdings ohne die von LibreCam ausgeschlossenen Fusion- und HDR-Verfahren. Zusätzlich stehen neun fest integrierte Looks zur Verfügung, die beim Auslösen auf das HEIF angewendet werden. Wer lieber seinen eigenen Stil entwickelt, kann eigene Looks erstellen und sogar Standard-„.cube“-Dateien importieren und exportieren.

Im Hinblick auf das Bedienkonzept bleibt LibreCam daher wenig überraschend ebenfalls bewusst reduziert. Die Lautstärketasten können als Hardware-Auslöser dienen, ein Auslösegeräusch gibt es nicht. Der Zugriff auf die Fotomediathek ist laut Beschreibung auf das Hinzufügen von Fotos beschränkt; ein Konto, Werbung oder Tracking sind nicht vorgesehen. Optional lassen sich Standortinformationen direkt auf dem Gerät in das Foto schreiben. Seit Version 1.1 gibt es außerdem ein Sperrbildschirm-Steuerelement und ein Homescreen-Widget zum schnellen Öffnen der Kamera. Mit dem nächsten Update soll auch eine vielgewünschte Funktion, Focus Peaking, in LibreCam Einzug halten.

LibreCam ist kostenlos im App Store erhältlich und benötigt zur Installation iOS 18.0 oder neuer. Die App ist rund 8 MB groß und derzeit noch so frisch, dass Apple keine ausreichende Zahl an Bewertungen für eine Übersicht ausweist. Die einzige kostenpflichtige Funktion ist der Look-Editor: Für einen Einmalkauf in Höhe von 4,99 Euro lassen sich eigene Bildlooks mit verschiedenen Reglern erstellen. Wer lediglich möglichst unverfälschte DNG-Aufnahmen machen oder die neun vorhandenen Looks nutzen möchte, kann die auch komplett in deutscher Sprache verfügbare App ohne laufendes Abo und weitere Kosten ausprobieren. Weitere Infos zu LibreCam gibt es auch auf der offiziellen Website des Entwicklers.

LibreCam - RAW-Aufnahmen
LibreCam - RAW-Aufnahmen
Entwickler: Timo Josten
Preis: Kostenlos+

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Mel
Ich bin seit 2011 Teil des appgefahren-Redaktionsteams und war schon immer an Innovationen im Tech-Bereich und Gadgets interessiert. Wann immer es praktisches Outdoor-Zubehör oder interessante Foto-Apps gibt, bin ich Feuer und Flamme, denn auch in meiner Freizeit bin ich gerne mit dem Rad oder der iPhone-Kamera unterwegs. Seit einiger Zeit nutze ich aktiv das Fediverse und berichte über neue Apps, Dienste und Entwicklungen.

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