Durchgespielt: Radiation City – Von verschwundenen Autos und an der Wand hängenden Zombies

Als Radiation City Ende August dieses Jahres veröffentlicht wurde, landete der Nachfolger des erfolgreichen Survival-Abenteuers Radiation Island natürlich auch auf meinen Apple-Geräten.

Radiation City 1

Mittlerweile ist einige Zeit ins Land gegangen, und während meines letzten langen Wochenendes habe ich es nun geschafft, Radiation City, das sich ebenfalls in die Spielerubrik Survival- bzw. OpenWorld-Adventure einordnen lässt, zu Ende zu bringen. Neben der Installation auf einem iPhone oder iPad unterstützt Radiation City (App Store-Link), das für 5,49 Euro im deutschen App Store erhältlich ist, auch Apples SetTop-Box, das Apple TV. Und in dieser Hinsicht noch praktischer ist der Support für entsprechende MFi-Controller. Mein Setting lautete demnach: Ein Apple TV der vierten Generation, mein 46“-Fernseher sowie ein SteelSeries Nimbus Gaming-Controller. Wichtig zu wissen: Dieser Artikel enthält Spoiler – solltet ihr also unvoreingenommen ins Spiel einsteigen wollen, empfehlen wir, ab hier nicht mehr weiterzulesen.

Die Geschichte von Radiation City ist schnell erzählt: Vierzig Jahre nach dem verheerenden Reaktorunglück im ukrainischen Tschernobyl begibt man sich in den damals evakuierten und zu einer Geisterstadt gewordenen Ort Pripyat. Als namenloser Protagonist hat man keine geringere Aufgabe, als sich auf die Suche nach seiner Liebsten mit dem Namen Laura zu machen, die dort als Journalistin merkwürdigen Vorgängen auf die Spur kommen wollte. Nun ist Laura verschwunden, und man kämpft sich selbst durch die unwirtliche Stadt und ihr Umland, in dem wilde Tiere noch das geringste Übel sind.

Radiation City setzt auf drei verschiedene Schwierigkeitsgrade, die sich auch noch während des Spielens wechseln lassen – was beizeiten sehr empfehlenswert ist, wenn man an der ein oder anderen Aufgabe wiederholt verzweifelt. Im sogenannten „Gottmodus“ lassen sich Gegner jeglicher Art mit nur einem Angriffsversuch direkt töten, und wilde Tiere wie Bären oder Wölfe nähern sich, greifen aber nicht sofort an. Auch wichtige Überlebensparameter wie Ausdauer, Hunger, Durst und Strahlenbelastung sind kaum existent. Mein Protagonist kam im Gottmodus unter anderem mehrere Tage lang ohne einen Bissen Nahrung oder einen Schluck Wasser aus.

Im Verlauf des Spiels nähert man sich von den eher dörflichen Siedlungen mit Bauernhäusern samt Brunnen und kleinen Zäunen dann nach und nach immer mehr dem Stadtzentrum von Pripyat. Die pro Aufgabe zu absolvierenden Distanzen können irgendwann mittels eines Militärjeeps, der sich in einer alten Fabrikhalle finden lässt, einfacher und schneller bewältigt werden. Das Fahrzeug verfügt zwar über zusätzlichen Stauraum für gesammeltes Inventar, ist aber reparaturanfällig, vor allem bei Kontakt mit Bäumen, Mauern und anderen Hindernissen, und hat keine endlosen Benzinreserven.

Ey Mann, wo is’ mein Auto?

Radiation City 1

Das größte Manko jedoch ist der gemeinhin bekannte „Car Glitch“, ein Programmierfehler seitens der Entwickler von Atypical Games, der das abgestellte Auto nach einem Neustart des Spiels spurlos verschwinden lässt – samt Inventar. Auf der Karte taucht das Fahrzeug noch auf, zu finden ist es am jeweiligen Standort allerdings nicht. Bisher haben die Entwickler diesen Bug noch nicht ausgemerzt, so dass ich nach einer schlechten Erfahrung diesbezüglich im weiteren Verlauf auf die Nutzung des Jeeps verzichtet habe und lieber per pedes die weitläufige Welt erkundet habe.

A propos weitläufige Welt: Ab einem bestimmten Punkt hält man sich fast ausschließlich in der Stadt Pripyat auf, um insgesamt 14 Zahlencodes für die Deaktivierung der Teslatürme in der Umgebung einzusammeln. Diese sind oft in Räumen großer Wohnhäuser versteckt, so dass es mehr als einmal heißt, Treppenhäuser hinauf- und hinab zu steigen. Nach etwa der Hälfte der Funde macht sich erstmals Langeweile breit, man ist des Herumlaufen-Treppen steigen-Code finden-Treppen steigen-Herumlaufen-Prinzips überdrüssig geworden. Immerhin lernt man so einige Kernorte der Stadt, darunter das Polissya-Hotel, das Kulturzentrum, das Schwimmbad und das Krankenhaus kennen. Und natürlich gibt es auch den verlassenen Rummelplatz mit Autoscooter und Riesenrad zu sehen, der von vielen Fotos der Stadt bekannt ist.

Denkt man, dass das langwierige Gameplay mit dem Auffinden von Code Nr. 14 endlich ein Ende hat, wird man schnell eines besseren belehrt. Denn diese 14 sechsstelligen Codes müssen nun in einem Kontrollzentrum jedes einzelnen Tesla-Turmes eingegeben werden. Und so findet man sich wieder auf einem endlosen Marsch durch Stadt und Land, um alle gefundenen Codes nach und nach einzusetzen. Hier liegt eine weitere Schwierigkeit von Radiation City: Die Türme und ihre nähere Umgebung sind mit Zombies aller Art nur so durchsetzt: Brennende Zombies, Zombies mit Waffen in atomaren Schutzanzügen, und verschwindende Zombies, die kurzerhand an anderen Orten wieder auftauchen, machen einem hier das Leben schwer.

Portale in Tesla-Türmen nicht immer einfach zu finden

Und auch der Ort der Code-Eingabe ist nicht auf Anhieb schnell zu finden. In jedem Tesla-Turm lässt es sich bis zur zweiten Ebene über eine offene Treppe steigen. Das merkwürdig leuchtende Transport-Portal, das den Protagonisten aber ganz nach oben in den Turm zum Kontrollpult bringt, findet sich leider nicht immer direkt auf der ersten oder zweiten Ebene. Hier heißt es dann, eine kleine Eisentür zu nutzen, um noch weiter nach oben steigen und dort das Portal finden zu können. Dieser Vorgang erschloss sich zumindest mir nicht auf Anhieb, und so suchte ich einige Tesla-Türme zunächst vergeblich auf, ehe ich sie deaktivieren konnte.

In den kreisrunden Hallen der Türme wird dann, ebenso wie in Treppenhäusern der Stadt, ein weiteres großes Manko von Radiation City deutlich: Es gibt eine Menge Grafikfehler, die das Spielen nicht gerade zu einem Vergnügen werden lassen. Gerade in engen Räumen wie in den erwähnten Treppenhäusern, oder in den Gängen der Türme begegnet man Zombies, die an der Wand zu hängen oder dort wild mit ihren Extremitäten wackelnd über dem Boden schwebend festgeklebt scheinen. In Treppenhäusern kann vom Protagonisten beizeiten durch die Wand nach draußen geschaut werden oder auch Zombies durch die Wand gucken sehen. Für einen Kaufpreis von 5,49 Euro in der iOS-Version nimmt man diese kleinen Fehler gerade noch in Kauf – schön sind sie trotzdem nicht, und bisher von den Entwicklern auch nicht behoben worden.

Atypical Games Radiation City Twitter

Insgesamt sorgt Radiation City somit für eine Beschäftigung zwischen 12 und 15 Stunden, je nachdem, wie schnell man durch die Lande läuft bzw. fährt. Das vorhandene Crafting-System ist dabei zu verachten, da sich kaum nützliche Dinge herstellen lassen, die man nicht auch schon in ausreichender Anzahl woanders finden kann. Und hat man es dann endlich geschafft, auch den letzten großen Hauptturm Nr. 14 in Pripyat zu deaktivieren, erwartet den Spieler ein leider enttäuschendes Ende. Denn ist Turm 14 deaktiviert, gibt es lediglich eine abschließende Panorama-Sequenz aus der Luft, und dann den Abspann. Wo ist Laura geblieben? Was ist mit ihr passiert? Welche Auswirkungen haben nun die Deaktivierungen der Tesla-Türme? Und warum das Ganze eigentlich?

Auf Nachfrage beim Atypical Games-Team hinsichtlich des merkwürdigen Endes des Spiels erfuhr ich dann, dass selbiges genau so geplant war und man zum Ende nichts weiter über Laura herausfinden soll. „Es wird irgendwann einen Nachfolger geben“, so teilte man mir über Twitter mit. „Wir hoffen, dies in Zukunft realisieren zu können, können aber derzeit keine weiteren Details mitteilen, sorry.“ Man darf also gespannt sein, ob und wie die Geschichte um Laura und ihren Freund weitergeht. Mit den aktuellen 3 von 5 Sternen ist Radiation City aktuell im App Store angemessen bewertet.

Radiation City
Radiation City
Entwickler: Atypical Games
Preis: 5,49 €

Kommentare 3 Antworten

  1. Hallo appgefahren-Team,

    seit wenigen Tagen gibt es ein Update mit Fehlerbehebungen. Wurde das Problem mit den Autos damit behoben?

    Könnt ihr vielleicht auch einen Screenshot davon veröffentlichen, wie die App an das Display des iPhone X angepasst wurde?

    Beste Grüße

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