Digitale Sprachassistenten: Hype der Hersteller ist größer als die tatsächliche User-Akzeptanz

Alexa, Siri, Cortana und Co. sind in aller Munde - doch wie häufig werden sie wirklich genutzt?

Ich muss zugeben, bis vor kurzem habe ich die sprachbasierten Dienste von Apples Siri selbst kaum in Anspruch genommen. Da bei mir aber langsam ein Smart Home mit einigen intelligenten Steckdosen und Glühbirnen von Osram Smart+ samt HomeKit-Anbindung entsteht, greife auch ich mittlerweile mehrmals am Tag auf einige spezifische Siri-Befehle zurück. „Hey Siri, Tannenbaum an“, oder auch „Hey Siri, Fernsehlicht“ gehört aktuell zum Standard-Repertoire. 

Abgesehen von diesen HomeKit-basierten Möglichkeiten der Sprachbefehl-Nutzung kommen digitale Sprachassistenten im Alltag immer noch kaum zum Einsatz, wie eine aktuelle Studie von Deloitte zum Thema Mobile Consumer zeigt. Mit Smartphones, die mittlerweile neun von zehn Deutsche über 18 besitzen und bei 95 Prozent der Besitzer täglich zum Einsatz kommen, sind die Grundsteine für eine Nutzung von digitalen Sprachassistenten gelegt. 

Künstliche Intelligenz wird auch in Zukunft eines der prägenden Themen im Technologie-Bereich sein – allerdings zeigt die Umfrage von Deloitte deutlich auf, dass viele Smartphone-User momentan noch nicht bereit für digitale Sprachassistenten und ihre Möglichkeiten sind. Im Rahmen der Mobile Consumer-Studie, die nunmehr im achten Jahr aktuelle Trends und Entwicklungen aufzeigt, befragte Deloitte 2.000 Konsumenten detailliert zu ihren Nutzungsgewohnheiten, aber auch zu ihrer Einstellung hinsichtlich innovativer Angebote aus der Welt der Mobilkommunikation.

Nur 16 Prozent der Befragten verwenden Sprachassistenten

Microsoft, Apple, Samsung, Amazon – die Riesen der Branche tüfteln kontinuierlich an ihren Sprachassistenten. Bei immer mehr Geräten, vom Kühlschrank bis zum Auto, ist der eingebaute Sprachassistent inklusive, und in modernen Smartphones und Tablets sind sie auf dem Weg zum Standard-Feature. Entsprechend groß ist die Verbreitung, doch das heißt noch lange nicht, dass Siri, Cortana und Google Assistant von den Verbrauchern auch tatsächlich genutzt werden, wie der Mobile Consumer Survey zeigt. 

Laut Deloitte verwenden altersübergreifend gerade einmal 16 Prozent der Befragten die Sprachassistenten auf ihren Smartphones oder Tablets. Und mit 39 Prozent ist Sprachsteuerung zwar die bekannteste aller KI-basierten Funktionen, aber dennoch weniger als der Hälfte aller Nutzer überhaupt ein Begriff. Diese ernüchternden Zahlen stehen im krassen Kontrast zu den zahlreichen verkauften Produkten mit integrierter Sprachsteuerung: Erst kürzlich gab Amazon bekannt, dass mittlerweile über 100 Millionen Geräte mit Alexa-Sprachsteuerung verkauft worden sind.

„Am ehesten können sich bisher jüngere Nutzer der Altersgruppe bis 34 Jahre sowie Besitzer von Premium-Smartphones für die Sprachassistenten begeistern“, heißt es von Seiten Deloittes. „Am häufigsten sagen die deutschen Verbraucher: ‚Okay Google‘, der Google Assistant ist der meistgenutzte Sprachassistent hierzulande, was allerdings vor allem an der großen Verbreitung Android-basierter Endgeräte liegt. Die meisten Nutzer sehen die Technik noch immer eher als Spielerei und nicht als ernst zu nehmendes Feature, das ihnen den Alltag erleichtert.“ In der Altersgruppe 65+ zeigt sich das Potential der Sprachassistenten: Wenn ältere Menschen erst einmal die sprachgesteuerten Helfer für sich entdeckt haben, nutzen sie diese dann auch häufiger als die mittlere Altersgruppe.

„Die große Herausforderung für die Hersteller liegt jetzt darin, die Verbraucher an die intelligenten Sprachassistenten heranzuführen“, sagt Dr. Andreas Gentner, Partner und Leiter Technology, Media & Telecommunications EMEA bei Deloitte. „Hierbei ist es wichtig, dass der Mehrwert für den Nutzer im Mittelpunkt bei der Entwicklung sprachbasierter Anwendungen steht und dieser dann auch entsprechend kommuniziert wird.“ 

Datenschutz wird großgeschrieben, AGBs lesen eher nicht

Ein bedeutender Faktor ist dabei nach wie vor das Thema Datenschutz und AGBs. Die Sorge der Verbraucher ist laut Deloitte-Umfrage groß, ihre Bereitschaft, Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGBs) zu lesen, dagegen eher klein. 70 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Online-Unternehmen ihre persönlichen Daten mit Dritten teilen, und drei Viertel davon beunruhigt diese Vorstellung, den größten Teil sogar sehr. Bemerkenswert ist, dass nicht etwa vor allem ältere Nutzer Angst um ihre Daten haben. Die Sorge zieht sich durch alle Altersklassen. „Das Vertrauen der Verbraucher in Online-Unternehmen ist sehr begrenzt“, bestätigt Dr. Andreas Gentner. „Gleichzeitig steht das Nutzungsverhalten deutscher Konsumenten im Widerspruch zu den weit verbreiteten Sorgen um Schutz und Sicherheit von persönlichen Daten. Die großen Online-Unternehmen müssen Konsequenzen ihrer Kunden kaum fürchten.“

Man darf also gespannt sein, wie sich dieses aktuelle Thema in Zukunft weiterentwickelt, und ob es in den nächsten Monaten und Jahren deutliche Veränderungen im Hinblick auf die Nutzer-Akzeptanz von Sprachassistenten geben wird. Mit immer mehr Möglichkeiten auf diesem Gebiet und der deutlichen Werbung von Herstellern wie Google und Amazon mit ihren Google Home- und Alexa-basierten Produkten könnte diese fortschrittliche Technologie schon bald zum Alltag gehören. Die komplette Umfrage von Deloitte findet ihr auf der Website des Dienstleisters.

Wie steht ihr zum Thema Sprachassistenten? Kommen Siri, Alexa oder der Google Assistant häufiger bei euch zum Einsatz? Wenn ja, für welche Zwecke nutzt ihr Sprachbefehle? Wir sind gespannt auf eure Meinungen zu diesem Thema.

Kommentare 15 Antworten

  1. Siri ist von allen Sprachassistenten leider auch mit Abstand der schlechteste. Ich nutze es schon sehr häufig aber leider funktioniert es halt nicht so besonders. Warum kann ich z.B. nicht über Siri gezielte Lieder auf Spotify wiedergeben? Geht mit Google oder Alexa ja auch.

  2. Es muss schon eine mittlere Katastrophe passiert sein, damit ich auf einen Anrufbeantworter spreche. Die (sog.) künstlichen Intelligenzen sind definitiv keine Kommunikationspartner für mich. Am besten noch in Toastbrot-Haltung…

  3. Ich nutze Siri meist im Auto oder im längere Texte wie iMessage oder E-Mails zu diktieren. Für Smart Home brauche ich sie nicht dass läuft so schön automatisiert.

  4. Siri und Alexa nutze ich häufig. Alexa eigentlich nur weil der HomePod zu teuer ist.
    Siri vor allem für Erinnerungen, HomeKit und während der Fahrt.
    Ich finde beide haben ihre Stärken und Schwächen, persönlich verstehe ich mich mit Siri besser und ihre Antworten zb bei fragen nach dem Wetter gefallen mir besser, die sind deutlich individueller als bei Alexa. Alexa gibt einfachnimmer nur den aktuellen Wetterbericht egal wie ich die Frage formuliere.
    Alexa ist halt billiger und bei ihr ist mir egal ob andere Personen den Musik Algorithmus mit ihren Fragen durcheinander bringen. Bei Siri ist mir das nicht egal.

  5. Die Sprachassistenten sind momentan noch viel zu strunze. Fakt ist, der Nutzer muss sich einen Haufen Befehle merken. Eine richtige Kommunikation wie mit einem Menschen ist noch nicht möglich. Das kommt garantiert, wird aber noch ein paar Jahre dauern.

    Siri nutze ich nur auf meinem iPhone unterwegs für Kalendereinträge oder Notizen.

    Alexa nutze ich zu Hause. Allerdings auch nur zum Licht einschalten, Radio hören oder als Einkaufszettel (Bring). Die anderen tausend Möglichkeiten nutze ich kaum bis gar nicht, weil ich dazu die Befehle auswendig lernen müsste. Das nervt und will ich nicht.

  6. Durch meinen neuen Sonos lerne ich Alexa gerade kennen. Cool finde ich z.B. den Nachrichten Skill. Ich stelle mir zusammen, welche Nachrichten ich hören will (Allgemein, Sport, Wetter usw.) und starte das per Sprachbefehl, wenn mir danach ist. Ich bin damit noch ganz am Anfang. Aber es gefällt mir bisher. Musikstreaming starten funktioniert auch ganz gut.

  7. Ich stelle gerade alles auf Siri um, da es mir zu nervig ist zu überlegen was ich sage… Alexa Siri…. Ich komme mit Siri ganz gut zurecht für das was ich brauche. Einzig in Verbindung mit HomeKit gibts schon mal Probleme…. Seit IOS 12.1 versteht sie halt „schalte“ nicht mehr immer….. Na ja mal schauen was das nächste Update bringt 😉

  8. *lol*

    „allerdings zeigt die Umfrage von Deloitte deutlich auf, dass viele Smartphone-User momentan noch nicht bereit für digitale Sprachassistenten und ihre Möglichkeiten sind“

    Ist es nicht eher umgekehrt?

  9. Google Assistant und Alexa benutze ich als Label für „Finger weg“ … Siri hab ich inaktiv

    per Sprache Texte diktieren wäre zwar manchmal echt praktisch, aber die Fehlerrate ist mir da auch noch deutlich zu hoch …

  10. Mein persönlicher Durchbruch für Siri war 2015 die Anschaffung der Apple Watch (die ich ursprünglich auch nicht wollte – aber dann doch ‚getestet‘ und behalten habe). Seitdem nutze ich Siri relativ häufig. Mit der Einführung der Funktion ‚Hey Siri‘ auch ohne Stromnetz und dem Einsatz des iPhones im Auto hat sich das nochmal verstärkt. Mein größter Kritikpunkt ist aber nicht der noch mittelmäßige Erkennungs-Wortschatz von Siri, sondernd die fehlende Fallback-Technik. Wenn Siri – was in Deutschland nur allzu häufig passiert – besonders auf dem Land und selbst auf den Autobahnen, sich mangels Internet tot stellt, geht gar nichts mehr. Nicht mal Telefonnummern aus dem Adressbuch oder die Steuerung meiner Musik. Beides ging vor der Einführung von Siri auch schon beim iPhone per Spracheingabe. Diese Festverdrahteten Befehle gibt es noch im System, aber nur wenn man Siri abschaltet. Das gleiche gilt für die Diktierfunktion, mit der ich diesen Beitrag schreibe. Nur auf dem Mac ist sie auch offline erhältlich. Und das obwohl viele neuere iPhone und iPad Modelle längst vergleichbare Rechenleistung bieten. Was nützt mir der beste Assistent wenn er sich unterwegs in Luft auflöst.

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