Lego Vidiyo: Was ist nur aus der Kultmarke geworden?

Fragwürdige Sets und unrühmliche Geschichten

Auch wenn ich mangels Zeit und einem kleinen Kind aktuell nicht mit spannenden, großen Bauwerken hantiere, sondern lieber eine Duplo-Bahn durch das Kinderzimmer fahren lassen, verfolge ich das Thema Lego derzeit vor allem auf YouTube. Und was dort derzeit abgeht, ist kaum in Worte zu fassen – dazu aber später mehr.

Vor ein paar Wochen ist auch eine Pressemitteilung rund um Lego in unserem Postfach eingetrudelt. Das Thema: „Mit Lego Vidiyo werden Kinder zu den Produzenten und Stars ihrer eigenen Augmented Reality-Musikvideos und bringen Lego Minifiguren zum Tanzen.“


Das Konzept hat mich schon auf den ersten Blick wenig angetan, denn kleine Kinder mit Hilfe von Lego-Sets an das Smartphone zu binden, finde ich eher kontraproduktiv. Was ich jetzt aber in einem Video vom „Held der Steine“ rund um die neuen Vidiyo-Sets gesehen habe, das lässt mich sprachlos zurück.

Statt die rund 15 bis 20 Euro teuren Sets zu kaufen, die nur aus einer Lego Minifigur und einigen kleinen Plättchen bestehen, kann man innerhalb der App auch einfach nur ein Produktbild vom Computer-Bildschirm scannen, um die Funktionen in der App freizuschalten.

Ich könnte euch jetzt noch einige Passagen aus der Pressemitteilung zitieren, ich bin aber zu dem Schluss gekommen, dass das definitiv nicht mehr das Lego ist, mit dem ich in meiner Kindheit so viel Freude hatte. Und ich bin mir ebenso sicher, dass das nicht mehr das Lego ist, mit dem mein Kind mal irgendwann Spaß haben soll.

LEGO 43104 VIDIYO Alien DJ Beatbox Music Video...
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  • Dieses Musikspielzeug enthält eine Alien DJ Minifigur, Zubehör für die Schallplatte, 14 zufällige BeatBits, 2 spezielle BeatBits und eine Szene, die das Erstellen von Musikvideos ermöglicht
  • Mit der kostenlosen LEGO VIDIYO Music Video Maker App führen Kinder in kürzester Zeit Regie, produzieren und spielen in ihren eigenen Musikvideos

Was aktuell sonst noch so bei Lego los ist

Stattdessen möchte ich euch noch einmal eine Empfehlung aus dem Netz mit auf den Weg geben, falls ihr mal näher erfahren möchtet, was aktuell mit Lego los ist. Da bekommt zum Beispiel ein YouTuber mit mehr als einer halben Millionen Abonnenten einen Brief von Legos Anwälten, weil er „Klemmbausteine“ anderer Hersteller fälschlicherweise als „Lego-Steine“ bezeichnet hat.

Ganz aktuell ist ein Fall von „Johnny’s World“. Der Händler und Distributor von „alternativen Klemmbausteinen“ wurde von (vermutlich) Lego beim Zoll angeschwärzt und ist auf einer schwarzen Liste gelandet, die es im quasi unmöglich macht, Konkurrenzprodukte einzuführen. Im Gegenzug hat er eine erfolgreiche Spendenaktion ins Leben gerufen, über die tausende Kinder in Kinderheimen glücklich gemacht werden sollen – wenn Lego die Lieferungen aus Fernost nicht auch beim Zoll abfangen lässt…

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Kommentare 24 Antworten

  1. Wenn irgendein Business-Kasper zu wissen meint, wie man die junge Zielgruppe erreichen kann.
    Zum Glück gibt’s so viele tolle Alternativen zu Lego.

    1. Die fast alle derzeit von Lego konfisziert und abgemahnt werden… was aber eine andere Geschichte ist.

      Wenn die Gerichte die Reichweite der Lego Patente dann (wie erwartet) stark eingrenzen, wird der Merkt für dieses Kinderspielzeug wieder etwas lebendiger.
      Lego verhält sich gerade eher wie eine Mafia.

        1. Das ist so nicht korrekt und du musst genau in die Begründung der Urteile reinschauen.

          Zudem wurden die meisten Urteile von höheren Instanzen wieder eingesackt und ein Teil darauf außergerichtlich geschlichtet (damit es zu keinem dauerhaften Verlust kommt).
          Als Beispiele:

          Der Bundesgerichtshof hat schon vor 17 Jahren entschieden, dass der mit dieser Fallgruppe verbundene Innovationsschutz des Klemmbaustein-Systems nach nunmehr rund 50 Jahren unbehinderter Marktpräsenz der Klägerin nicht mehr gerechtfertigt sei. Damit wurden dutzende vorherige Urteile ungültig und es wurde erlaubt Systeme auf den Markt zu bringen, die mit Lego kombinierbar sind.

          Der Europäische Gerichtshof entschied bereits vor zehn Jahren, dass der Legostein als solcher keine Marke sei und deshalb auch nicht als solche geschützt werden dürfe.

          1. Es geht nicht um den Stein, sondern um die Figuren und das 3D Markenrecht. Und ja, es gab Einigungen, dort wo Lego seine Marke nicht kopiert sah! Sehe ich aktuell allerdings etwas anders und bin sehr gespannt!

          2. Das 3D Markenrecht der Figur ist ja doch schon recht spezifisch (wurde nämlich auch bei Lego Filmen bzw Star Wars Lego angewandt). Die im Vergleich stehende Figur gerade unterscheidet sich grundlegend von dem Patent.

            Aber ja, da müssen wir mal abwarten was Legos Anwälte sich einfallen lassen.

  2. Das mit der Anklage bezüglich Lego und Klemmbausteine ist gar nicht so einfach. Lego muss sogar eingreifen, um die Marke zu schützen, dazu sind die verpflichtet. Sonst ergeht ihnen das Schicksal von z.B. Tempo. Also dass Lego zum Gattungsbegriff wird und die Marke Lego nicht mehr als geschützte Marke gilt.

    Aber so ein paar billige Sets mit schlechter App zu veröffentlichen ist tatsächlich traurig! Und was mit Johnny’s world los ist have ich gar nicht mitbekommen…

    1. Was den Gattungsbegriff angeht: Nimm mal einen herkömmlichen 4×2 Klemmbaustein eines X-beliebigen Herstellers und frage 100 Leute, was das ist. Wie viele davon werden sagen: „Ein Lego-Stein“.

      1. Es geht doch nicht um „frage 100 Leute“, sondern ganz einfach um Markenrecht. LEGO ist eine eingetragende Marke, die nicht einfach jeder so benutzen darf. Will ein Unternehmen sicherstellen, dass das so bleibt, MÜSSEN sie dagegen vorgehen. Oder wollte ihr demnächst das Huawei Galyxy iPhone 13 kaufen?

        1. Das ist sicherlich richtig. Andererseits wird wohl niemandem mit einem Anwalt gedroht, wenn man ein Discounter-Taschentuch als „Tempo“ bezeichnet.

          Dass natürlich der Discounter seine Taschentücher nicht als „Tempo“ verkaufen darf, ist klar. Aber die Klemmbaustein-Hersteller schreiben ja eben nicht „Lego“ auf ihre Packungen. Sondern werden schikaniert, wo es nur geht. Aktuell halt bei den Mini-Figuren, die halt aussehen wie ein Mensch mit zwei Armen, zwei Beinen und einem Kopf.

    2. Es geht hier gar nicht so sehr um die Marke an sich (dass es ein Gattungsbegriff ist, wird es zweifelsfrei ebenfalls festgestellt werden).

      Die Firmen um die es geht, versuchen Lego als Marke gar nicht erst zu kopieren (keinerlei Markenrechtsverletzung) sondern es geht um den gesamten Klemmmechanismus und dass Lego behauptet, dass ihnen absurder weise die mechanischen und bildlichen Rechte des Systems gehören (nicht patentierbar).

      Ihr vorgehen ist einfach: „Haben wir immer so gemacht – ist doch klar Lego!“
      „Menschliche Figur aus Plastik? Klar Lego!“

      So klappt das nicht. Ihr eigentliches Patent ist sehr spezifisch und sehr begrenzt. Auf dieser Basis kommandieren sie den Zoll herum und richten Millionenschäden für unzählige Firmen an. Und halten nebenbei den Markt als Geisel ihrer Märchenpreise, die in keinem Zusammenhang mit Entwicklungs oder Materialkosten stehen (von Kunst kann man bei den meisten Branding und Werbefiguren auch schon lange nicht mehr sprechen).

    3. Sie müssen ihre Marke verteidigen, aber nicht krampfhaft versuchen, durch Einsatz von finanziellen Mitteln, die Mitbewerber zu schädigen.

      LEGO soll einfach gute Sets bauen, dann haben sie ja überhaupt kein Problem und die Mitbewerber würden klein bleiben!

    1. Lego zeigt gerade, dass es nichts wertvolleres gibt, weil man immer denkt, bei Erfinder das beste Produkt am Markt zu kaufen und die Preise gerechtfertigt sind, für diese Qualität. All dies stimmt bei Lego schon seit 10 Jahren und mehr nicht mehr.

    1. Das Problem ist, dass viele mit Lego noch Qualität verbinden und auch viele Dritthersteller, wie Kobi und BlueBrixx nicht im stationären Einzelhandel zu kaufen sind bzw. es als China-Billigkram abgetan wird.
      Dabei ist die Qualität von Lego längst nicht mehr so gut (zB Farbabweichungen) und die von Drittherstellern erstaunlich gut (zB viel häufigerer Einsatz von Drücken statt Aufklebern).

  3. Den Helden der Steine in Artikeln über Lego zu verlinken ist nie verkehrt. Guter Mann mit klarer Sprache. Wurde übrigens auch schon von Lego verklagt – und das zu einer Zeit, als er sich in seinen Videos nur mit Lego befasst. Wobei die Videos damals schon eher nicht positiv zugunsten neuer Sets ausfielen. Seit der Klage wird jetzt auch gezeigt, welche schönen und deutlich preiswerteren Sets andere Hersteller von Klemmbausteinen im Angebot haben.

  4. Lego sollte mal bei ihren Leisten bleiben und wieder gute Technik Modelle auf dem Markt bringen und zwar incl. Motoren usw. Es geht bei anderen doch auch zu einen günstigen Preis. Was nutzt mir ein Modell für 200€ mit nichts dabei und bei anderen bezahle ich ab 120€ für alles und teilweise mit Fernbedienung. Lego lässt auch in China produzieren bietet ihre Ware aber teuer an.

    1. Dass sie in China produzieren stimmt, allerdings fast ausschließlich für den asiatischen Markt und die Minifigurenserien! Auf dem Legoset ist klar verzeichnet was die Herrkunft angeht. Lass dir im Internet nicht so einen Scheiß erzählen!

  5. Und wieder jemand, der unreflektiert den Mist wiedergibt, der bei youtube propagiert wird. Nicht mal in der Lage vernünftig zu recherchieren, aber dennoch einen Artikel verfassen möchten! Unglaublich… wenn Meinungsmache mehr Wert geworden ist, als Faktenlage!

  6. wurde von (vermutlich) Lego beim Zoll angeschwärzt……

    Da hätte man aber bitte den aktuellen Stand im Artikel unterbringen können der schon lange bekannt ist… Und auch gleich mit dem Verweis auf den guten Stand bei der Spendenaktion.
    Fazit: nur sehr oberflächlich das Thema recherchiert….

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