Im September 2022 hat Amazon die erste Version des Kindle Scribe vorgestellt, einem 10,2 Zoll großen eBook-Reader und digitales Notizbuch, das inklusive eines Support für einen Eingabestift ausgestattet ist. Im Oktober des vergangenen Jahres hat Amazon dann die neue Version des Kindle Scribe präsentiert. Die Vorbestellungen waren ab November möglich, allerdings verzögerte sich die Auslieferung etwas.
- Kindle Scribe – Ein Kindle, und gleichzeitig noch ein Notizbuch. Neu entwickeltes, frontbündiges Display mit gleichmäßigem, weißem Rahmen und...
- Schreib in das Buch, wenn du dich inspiriert fühlst – Fang auf der Seite mit dem Schreiben an und Active Canvas erstellt einen Bereich für deine...
Das neue Modell verfügt ebenfalls über ein 10,2 Zoll großes und mit einer Auflösung von 300 ppi ausgestattetes Paperwhite-Display mit integriertem Frontlicht, optimierter Schriftsatztechnologie und 16-stufiger Grauskala. Mit Maßen von 19,6 x 23,0 x 0,57 cm sowie einem Gewicht von 433 Gramm (ohne Eingabestift) ist das Gerät zudem kompakt gehalten und dürfte in jeder Tasche Platz finden.
Die Einrichtung des Kindle Scribe 2024 erfolgt einfach und bequem über das Internet und eine aktive WLAN-Verbindung, die Aufladung benötigt mit einem 9W-USB-C-Netzteil rund 2,5 Stunden. Der Reader versteht sich sowohl mit 2,4- als auch 5 GHz-Netzwerken und unterstützt eine Reihe verschiedener Formate, darunter das native Kindle-Format 8 AZW3, AZW, TXT, PDF, DOCX, HTML, EPUB, JPEG, GIF und PNG.
Akkulaufzeit von bis zu zwölf Wochen
Laut Amazon soll eine Akkuladung bis zu 12 Wochen halten, basierend auf einer halben Stunde Lesezeit pro Tag bei ausgeschalteter Drahtlosverbindung und Bildschirmhelligkeit 13. Beim Schreiben soll eine Akkuladung bis zu 3 Wochen reichen, basierend auf einer halben Stunde Schreiben pro Tag bei ausgeschalteter Drahtlosverbindung und Bildschirmhelligkeit 13.
Zu den Besonderheiten des Kindle Scribe 2024 gehören ein VoiceView-Screenreader über Bluetooth-Audio, der Sprachfeedback gibt, so dass man das Gerät mit Text-to-Speech bedienen und Bücher (in englischer Sprache) anhören kann. Das Gerät bietet auch einen Dunkelmodus und es lassen sich Schriftgröße, Schriftart, Zeilenabstand und Seitenränder anpassen.
Die neue Active Canvas-Funktion ermöglicht ein Schreiben von Notizen direkt auf der aktuellen Seite, für die Active Canvas automatisch einen Platz für Notizen schafft. Die Notizen sind mit dem Text verbunden, damit sie immer im Blick und im richtigen Kontext sind, selbst wenn die Schriftgröße geändert wird. Geschriebene Inhalte können mit dem beiliegenden Premium-Eingabestift hinzugefügt werden, der über eine benutzerdefinierte Kurzbefehl-Taste und einen weichen Radierer verfügt. Er muss nicht extra aufgeladen oder einzeln eingerichtet werden, sondern ist gleich einsatzbereit.
Mein erstes Kindle-Modell
Nachdem der Kindle Scribe 2024 nun seit einiger Zeit flächendeckend erhältlich ist, hatte ich die Gelegenheit, das neue Modell einmal ausprobieren zu können. In der Vergangenheit habe ich bereits einige eBook-Reader und digitale Notizbücher genauer unter die Lupe nehmen können, darunter Modelle von Kobo, PocketBook, Tolino und reMarkable. Daher war ich besonders gespannt, da dies mein erstes Kindle-Modell ist, das ich rezensieren kann, und natürlich auch, wie sich der neue Reader von Amazons Hausmarke im Vergleich schlägt.
Der Formfaktor des Kindle Scribe 2024 ist auf jeden Fall ein echtes Plus, was man bereits beim Auspacken des Geräts aus der schlichten Kartonverpackung merkt. Mir wurde von Amazon das Modell in schwarzer Gehäusefarbe mit 32 GB internem Speicherplatz sowie einer zusätzlichen jadegrünen Premium-Lederhülle zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt. Designtechnisch erinnert der Kindle Scribe 2024 definitiv an den gleichermaßen ausgerichteten reMarkable 2 (https://www.appgefahren.de/remarkable-2-ausprobiert-e-ink-notizbuch-und-ebook-reader-fuer-minimalisten-329656.html), der mit seinem 10,3 Zoll großen Display mit eInk-Technologie ebenfalls eine Mischung aus eBook-Reader und digitalem Notizbuch sein möchte.
Einrichtung und Mac-Transfer-App
Nach dem Auspacken und ersten Aufladen des Kindle Scribe heißt es dann erst einmal, das Gerät einzurichten. Dazu benötigt es eine WLAN-Verbindung und auch ein Amazon-Konto. Letzteres ist wichtig, da man über selbiges eBook-Inhalte erwerben kann. Nach der Einrichtung ist es zudem möglich, über die Kindle-App von Amazon auch eigene Inhalte über den Rechner auf den Reader zu laden.
An dieser Stelle gibt es zumindest für Mac-Nutzer und -Nutzerinnen, wie sie hier im Blog wohl zahlreich vorhanden sind, keine besonders gute Nachricht: Die „Send-to-Kindle“-App für macOS scheint hinsichtlich ihres UIs aus den 2000er Jahren zu stammen und wirkt nicht wirklich einladend. Außer einer Drag-and-Drop-Funktion bietet die Anwendung nicht viel, was aber zumindest zum Übertragen eigener Dateien auf das Gerät ausreicht. Leider habe ich gleich zu Beginn die Erfahrung gemacht, dass einige Dateien, darunter ePubs und PDFs, gar nicht erst auf den Kindle Scribe übertragen werden konnten. Eine Begründung dafür gibt es nicht. Mit rund 80 bis 90 Prozent der übertragenen Dateien war die Erfolgsquote trotzdem hoch.
Der Kindle Scribe 2024 setzt bei der Darstellung der Inhalte auf eine Startseite, die am oberen Bildschirmrand über eine Suchleiste verfügt, dann die zuletzt aufgerufenen Inhalte als Thumbnails präsentiert, und im Anschluss den eigenen Kindle-Webshop bewirbt. Über Tabs am unteren Bildschirmrand gibt es direkten Zugriff auf die Startseite, die eigene Dokument-Bibliothek, Notizbücher sowie den Tab „Mehr“, der erstellte Listen, einen Webbrowser und die Einstellungen bereithält.
Sehr präsenter Amazon-Buchshop auf der Startseite
Was hier im Vergleich zu anderen Readern auffällt: Der Kindle-Webshop mit vorgeschlagenen Buchtiteln nimmt auf der Startseite fast zwei Drittel der gesamten Fläche ein – und es gibt keinerlei Möglichkeit, diesen auszublenden oder die Ansicht zumindest zu minimieren. PocketBook beispielsweise bietet bei den eigenen eBook-Readern an, den sich eh nur auf ein Drittel der Startseite beschränkenden Bücher-Shop in den Einstellungen auch ganz ausblenden zu können. Eine ähnliche Funktion hätte ich mir auch hier gewünscht, denn nicht alle User des Kindle Scribe wollen ihre Bücher bei Amazon beziehen oder das Gerät nur zum Bücher lesen verwenden. Als Arbeitsgerät, das ab 420 Euro kostet, sollte die Produktivität im Vordergrund stehen, und nicht der hauseigene Buchshop.
Als Arbeitsgerät ist der Kindle Scribe aufgrund seiner Notizbuch-Funktion allerdings hervorragend geeignet. Das leicht matte und angeraute Display ist im Zusammenspiel mit dem mitgelieferten Premium-Eingabestift eine Wucht und macht das handschriftliche Schreiben zu einem echten Genuss: Es fühlt sich wirklich fast so an, als würde man auf echtem Papier schreiben. Es lassen sich über die Active Canvas-Funktion Notizen direkt auf einer vorgesehenen Fläche im Dokument anfertigen, was ich als sehr praktisch empfunden habe. Zudem gibt es für den Stylus auch eine Radier-Funktion sowie eine kleine Seitentaste, die man mit einer Funktion belegen kann – bei mir war es ein Textmarker, den man so immer per Schnellzugriff nutzen kann.
Display weiß zu überzeugen
Auch das Display an sich macht einen tollen Eindruck: Zwar verzichtet Amazon beim neuesten Kindle Scribe auf ein Farbdisplay, dafür ist der monochrome eInk-Bildschirm allerdings sehr reaktiv und kann hinsichtlich der Helligkeit und Farbtemperatur nach eigenen Wünschen konfiguriert werden. Neben einer automatischen Helligkeitsregelung bietet der Kindle Scribe auch einen Zeitplan für die Farbtemperatur, so dass beispielsweise am Abend wärmere, augenschonendere Farbtöne ausgegeben werden. Auch ein Dunkelmodus ist vorhanden, der mir allerdings aufgrund der fehlenden Kontraste nicht zusagte. Die Ausleuchtung des Displays ist hingegen im hellen Modus hervorragend und und an allen Stellen gleichmäßig hell.
Beim Anfertigen von Notizen stellt Amazon dem Kindle Scribe nicht nur verschiedene Papier-Layouts, beispielsweise kariert, gepunktet oder liniert, eine Checkliste, einen Tagesplaner und mehr, gleich mehrere Werkzeuge beim Schreiben zur Verfügung. Der mitgelieferte Stylus hält einen integrierten weichen Radierer an der Spitze bereit, der ein sehr echtes Radier-Gefühl aufkommen lässt, ebenso wie einige Stifte, darunter Füller, Marker und Bleistift, die in vier Dicken genutzt werden können. Auch eine Markieren- und Einfügen-Funktion ist vorhanden, um Textelemente einkreisen, in die Zwischenablage kopieren und an anderer Stelle der Notiz wieder einsetzen zu können. Fertige handgeschriebene Notizen lassen sich als E-Mail teilen und vorher auch sogar in Text umwandeln.
Lederhülle von Amazon: Hochwertig, aber anfällig
Ein Wort soll auch noch an die mir zur Verfügung gestellte smaragdgrüne Premium-Lederhülle für den Kindle Scribe 2024 verloren werden. Mit einem derzeit reduzierten Preis von 87,99 Euro statt ansonsten üblicher 109,99 Euro werden hier preisliche Ausmaße wie bei Apple erreicht. Durch den Klappmechanismus, mit dem sich das Gerät hochkant in zwei Winkeln aufstellen lässt, kommt auch an dieser Stelle etwas Apple-Gefühl wie beim Apple Smart Case für das iPad auf.
Amazon setzt bei meiner Lederhülle auf ein weiches, mattes Wildleder-Material, das sich sehr hochwertig anfühlt, aber auch sehr empfindlich für Kratzer und Flecken ist. Am unteren Ende der Hülle ist noch eine Lasche vorhanden, die den Stylus sicher aufbewahrt. Warum sich Amazon allerdings nicht für eine seitliche Öffnung wie bei einem Buch, sondern ein Nach-Oben-Wegklappen wie bei einem Notizblock der Schutzhülle entschieden hat, erschließt sich mir nicht so richtig – immerhin werden viele Personen das Gerät wie einen Collegeblock oder ein digitales Buch verwenden. Die Magneten im Inneren halten den Kindle Scribe jedoch sicher an seinem Platz, und abgerundete verklebte Ecken sorgen für eine sehr angenehme Haptik. Aus meiner Sicht wäre aber ein Preis von 60 bis 70 Euro bei diesem Ledercase angemessen gewesen.
Fazit und Preise
Nachdem ich nun einige Zeit mit dem Kindle Scribe 2024 verbringen konnte, fällt mir ein Fazit nicht leicht: Als Notizbuch eignet sich das Gerät aufgrund der tollen Haptik beim Schreiben und des hochwertigen Displays hervorragend, als eBook-Reader empfinde ich persönlich den Kindle Scribe als etwas zu groß, zu sehr fokussiert auf den eigenen Amazon-Buchshop und unter macOS zu rückschrittig mit dem Transfer eigener Buchformate. Mit einem Preis von über 500 Euro, wenn man noch eine Schutzhülle vom Hersteller dazu kauft, ist das Gerät zudem kein Schnäppchen.
Der neue Kindle Scribe 2024 wird inklusive des Eingabestifts, einem USB-C-Ladekabel, fünf Austauschspitzen und einem Werkzeug zum Spitzenwechseln ausgeliefert. Der eBook-Reader und digitales Notizbuch ist in den zwei Farben Anthrazit und Jadegrün Metallic in drei Speicherplatz-Varianten – 16 GB, 32 GB und 64 GB – zu Preisen von 419,99, 439,99 und 469,99 Euro bei Amazon erhältlich. Als Zubehör steht bei Amazon die Klapphülle mit magnetischer Befestigung aus pflanzenbasiertem Material in den Farben Jadegrün oder Schwarz für 74,99 Euro zum Kauf bereit. Alternativ gibt es eine Premium-Lederhülle bei Amazon, die ebenfalls in Jadegrün und Schwarz für jeweils 87,99 Euro erhältlich sind.









Was ist den der Unterschied zwischen der ersten Generation und dem neuen Scribel?
Design (weiße Front) und der beiliegende Stift. Den gibt es aber auch einzeln erhältlich für das alte Scribe. Ansonsten sind die Generationen exakt baugleich.
Können die Notizen auch auf den Mac übertragen oder irgendwie auch auf Handy oder iPad angezeigt werden?
Bin ich der einzige der die Preise pervers findet?
Wir reden hier zwar von einem ebookreader der auch als Notizblock genutzt werden, aber trotzdem
419,99 bis 469,99 Euro…
Plus das Zubehör sind wir dann jenseits von 500,- Euro!
Hatte selbst schon länger ein Auge auf den Colorsoft geworfen weil dieser etwas handlicher und farbig ist, aber auch da schreckt der Preis einfach nur ab. (290,- Euro)
Wie im Artikel beschrieben kauft man hier ein amazon Gerät bei dem man quasi dazu verleitet wird den offiziellen Store zu nutzen und muss trotzdem noch soviel Geld dafür zahlen…
Ich sehe irgendwie den Gegenwert im Vergleich zu einem iPad nicht, ja ein E-Ink Display gilt immer noch als „besonders“ aber rechtfertigt im Zusammenhang mit der restlichen doch Minderwertigen Technik/Materialien noch lange nicht solche Preise…