Spotify: Musikstreaming-Dienst verlangt Standortdaten von Familien-Abos (auch in Deutschland)

Kunden in den USA sind seit dem 5. September betroffen

Update am 17. September: Nun hat Spotify auch hierzulande die neuen Nutzungsbedingungen für Spotify Premium Family aktualisiert. Diese findet ihr im Wortlaut hier.

Original-Artikel: Der Musikstreaming-Service Spotify (App Store-Link) zählt weltweit zu den größten und populärsten seiner Art. Mehr als 108 Millionen Abonnenten zählt der Dienst, zum Vergleich: Apple Music kommt gerade einmal auf 60 Millionen zahlende Nutzer. In der Vergangenheit war Spotify in die Kritik geraten, da man Premium-User, die das Familien-Abonnement nutzen, aufforderte, ihre Adresse oder exakte Standortdaten anzugeben. So wollte man sicherstellen, dass das Familien-Abo auch nur von Menschen genutzt wird, die zusammen an einem Ort leben. 

Die Folge war ein gewaltiger Shitstorm – schließlich gibt es zahlreiche Familien, die nicht vereint unter einem Dach leben, beispielsweise aufgrund von Trennungen oder entfernten Studienorten der Kinder. Auch die Frage des Datenschutzes stellte sich: Welche privaten Daten darf ein Musikstreaming-Dienst von seinen Nutzern einfordern, und ist diese Maßnahme überhaupt rechtens? Nachdem Spotify aufgrund dieser Ankündigung von allen Seiten herbe Kritik einstecken musste, ruderte der schwedische Konzern zurück. 

Nun jedoch wagt man einen neuen Anlauf und will von den Usern genau wissen, wo man lebt oder Standortdaten einfordern, um die missbräuchliche Verwendung des Familien-Abonnements aufzudecken. Das Familien-Abo kostet 14,99 Euro im Monat und erlaubt es, die Premium-Features mit bis zu sechs Personen zu nutzen, und dabei mehrere Konten zu verwenden. Auf der Website von Spotify heißt es: „Hol dir Spotify Premium Konten für dich und bis zu fünf weitere Personen, die die gleiche Anschrift haben wie du.“

Im August änderte Spotify die eigenen Nutzungsbedingungen für Family-Nutzer und fügte eine Klausel ein, nach der User „von Zeit zu Zeit“ Standortdaten bereitstellen müssen, um sicherzustellen, dass die Kunden tatsächlich alle zur selben Familie gehören. In Irland wurde diese Änderung zuerst am 19. August wirksam, in den USA ab dem 5. September. 

Auch Kinder könnten von Standortabfrage betroffen sein

Datenschützer verurteilen diesen Schritt, wie in einem Bericht des Magazins cnet zu lesen ist. „Die Änderungen an der Richtlinie ermöglichen Spotify, den Standort einer Person willkürlich zu verwenden, um festzustellen, ob sie sich bei Verwendung eines Familienkontos weiterhin an derselben Adresse befindet, und es ist unklar, wie oft Spotify die Geräte der Benutzer nach diesen Informationen abfragt“, erklärte Christopher Weatherhead, Technologieführer der britischen Überwachungsgruppe Privacy International gegenüber cnet, und fügte hinzu, dass es „besorgniserregende Auswirkungen auf den Datenschutz“ gebe.

Spotify hingegen äußert sich vorsichtig. „Diese Daten werden verschlüsselt und können vom Planinhaber nach Bedarf bearbeitet werden“, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. „Die Standortdaten, die bei der Erstellung des Premium Family-Kontos erfasst werden, werden nur von Spotify für diesen Zweck verwendet.“

Wer sich in den bereits betroffenen Ländern für einen Spotify-Family-Account anmeldet, wird von Spotify gebeten, eine Heimatadresse über Google Maps anzugeben. „Jede Person, die dem Plan hinzugefügt wurde, muss das Gleiche tun oder die Ortungsdienste für Spotify auf ihren Geräten aktivieren“, zitiert cnet eine Aussage des Musikdienstes. „Spotify sagte, dass es diese Standortdaten nicht für Werbung verwendet und die Daten nicht für den internen Gebrauch speichert.“ 

Nichts desto trotz behält sich das Unternehmen vor, die besonders sensiblen Standortdaten „von Zeit zu Zeit“ abzufragen, ohne diese Angabe genauer zu spezifizieren. Die Änderung führt auch zu datenschutzrelevanten Einwänden, da potentiell Geräte von Minderjährigen unter 13 Jahren – dem Mindestalter zur Nutzung von Spotify – Standortdaten herausgeben müssten, und das ohne Zustimmung der Kinder. 

Die neuen Regelungen gelten bisher noch nicht für Deutschland, man kann aber erwarten, dass Spotify diese neuen Nutzungsbedingungen auch in weiteren Ländern etablieren will. Man darf gespannt sein, welche Entwicklung dieses Vorhaben nehmen wird und ob auch rechtliche Schritte unternommen werden, um diesen Maßnahmen Einhalt zu gebieten. Als Alternative bietet Apple Music ebenfalls ein Familien-Abo für bis zu sechs Personen für 14,99 Euro/Monat an – hier wird laut aktuellem Stand bisher auf Standortabfragen verzichtet.

‎Spotify – Musik und Podcasts
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Entwickler: Spotify Ltd.
Preis: Kostenlos+

Kommentare 19 Antworten

  1. Wie ist denn sowas geregelt wenn ich immer wieder mal VPN benutze oder geschäftlich viel unterwegs bin und genau dann eine Abfrage stattfindet? Da kommen doch ganz kuriose Daten zusammen…

        1. Die sperren dir doch nicht den Account wegen einer Standortabfrage. Du wärst dann im Auto ja ständig gefährdet. Und ob der eine dort und der andere da ist, ist auch vollkommen egal. Die werden niemals verlangen, dass man sein Haus nicht mehr verlassen kann.

          1. Da brauch ich garnicht warten. Die haben das schonmal in D so gemacht. Damals hatte ich für meine Family (4 Accounts) auf die jeweiligen Emails ne Adressbestätigung erhalten, die ich innerhalb einer bestimmten Zeit durchführen musste, entweder mit manueller Eingabe oder mit Standortabfrage, ansonsten wäre der Account gesperrt worden. Also kann konnte ich bequem heimfahren oder unterwegs auch manuell meine Adresse eingeben. Innerhalb ein paar Tagen bist Du ja auch in der Regel daheim. Und solange man manuell die Adresse eingeben kann (damals war das nur PLZ) ist das ja net schlimm. Bei den Family Faker ist das ja garnicht so einfach, weil dann jeder die Adresse des Familien-Masters kennen müsste, und die kennen oft nicht alle, vor allem bei den Accounts die im Inet anonym gehandelt werden. Und die wollen die einfach eliminieren. Aber normale Familien sind doch kein Problem. Selbst nahe Freunde wird wahrscheinlich kein Problem sein. Anders wird es zukünftig auch nicht sein. Email oder Abfrage in der App zu Hause bitte mal Adresse bestätigen mit Ablaufdatum. Sobald wieder bestätigt ist alles gut. Hoffentlich lassen sie noch die manuelle Adresseingabe als Bestätigung. Das wäre sonst tricky für Studierende und Bundeswehrler etc. außer Haus.

  2. Sehe ich genauso. Wenn das auch zu uns kommt, bin ich bei Apple Music. Mit den Rabatt-/Bonusaktionen ist es sogar günstiger. Wenn mein Kind zB nicht an meiner Adresse gemeldet ist, kann ich es nicht in den Familienaccount nehmen? Das meinen die doch nicht ernst, oder?!

    1. Das ist nicht toll, will ich auch nicht gut heißen. Aber jeder darf ja seine Bedingungen selbst festlegen. Bei Spotify ist es eben die Adresse. Der Name „Family“ ist halt dämlich, aber nicht strafbar. Die einzige Lösung ist ein Anbieter zu finden, der andere Bedingungen hat. Und da gibt es ja zum Glück ein paar. Nur schimpfen darauf ist net fair, denn es ist sehr transparent gemacht. Eine Adresse. Find ich auch dämlich, weil man eine Adresse eben nur so herausfindet. Aber mit Standortabfrage ist das ja nicht sichergestellt. Ist doch dämlich. Spotify ist ja auch da unterwegs genutzt zu werden.

  3. Alles recht schwammig beschrieben. Sinn machen würde es, wenn „von Zeit zu Zeit“ mal geprüft wird ob denn die Person an der angemeldete Adresse war. Sollte doch möglich sein, wenn die Adressdaten gespeichert werden. Macht aber wiederum keinen Sinn, wenn z. B. das Kind in Berlin studiert, aber nur alle paar Wochen bei den Eltern ist.

    Damit machen die sich definitiv keine Freunde. Betrifft mich zwar nicht, aber finds trotzdem recht grenzwertig.

  4. Spotify ist bei uns auf allen Geräten verboten. Unersättlicher Datenkrake, selbst nach Deinstallation/Benutzerwechsel bleibt der Spotifyhelper zurück und greift Daten ab. Drecksladen und dafür auch noch Geld zahlen.

  5. Ich nutze Apple Music, Würde ich Spotify verwenden und es würde so kommen wie geschrieben wäre diese Bude für mich Geschichte. Was soll ich bis zu 6 Personen die unter der gleichen Anschrift leben wie ich in einem Account zusammenfassen. Meine Familie besteht aus mindestens mir, meiner Frau und meinen Kindern. Meine Kinder leben bzw studieren allerdings in Stuttgart und in USA während wir in Hamburg wohnen. Ist das dann nicht mehr meine Familie, nur weil wir nicht unter einem Dach leben? Ich würde sagen F.ck D.ch Spotify. Würde Apple das so handhaben würden die ebenfalls auf mein Geld verzichten müssen.

  6. Eeeeben – zu AppleMusic wechseln und gut ist. Wenn es als Familiy verkauft wird, sollte es unabhängig vom 67141 Neuhofen sein können. Welche Familie mit 6 Mitgliedern lebt dauerhaft in einem Haus? Das war vo 50 Jahren vielleicht mal so. Wenn Spotify das so machen will, ist das ihr gutes Recht. Dann sollten sie es aber umbenennen. Und sie dürfebn sich nicht wundern, wenn viele zu anderen Anbietern wechseln. Ich nutze Apple Music und bin allerbestens zufrieden. Und drei weitere Familienmitglieder in zwei anderen Wohnorten sind ebenfalls glücklich.

    1. Wenn man Alexa Geräte im Haushalt hat, war Spotify im Hinblick auf App, Playlists und Kosten eigentlich relativ klar der Favorit.
      Da nun auch Apple Music freigeschaltet wurde, denke ich auch drüber nach meinen Spotify Account einzumotten aufgrund der lächerlichen Standort-Thematik.

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