In regelmäßigen Abständen geht Apple auf Einkaufstour und übernimmt Firmen, die Apple bei der Entwicklung von Hardware und Software nützlich sein können. So geschehen mit Samplab, eine App zur Bearbeitung von Musik mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Apple hat die App schon im Juni übernommen, wie aus einer heute von der Europäischen Kommission veröffentlichten Mitteilung hervorgeht.
Das macht Samplab
Samplab entwickelte eine Desktop-Anwendung samt passenden Plugins, die Audiomaterial erstaunlich flexibel machten. So ließ sich Audio zunächst in MIDI umwandeln, außerdem erkannte die Software Akkorde und machte sie editierbar. Per „Stem Splitting“ konnte man darüber hinaus einzelne Bestandteile eines Songs voneinander trennen, etwa Gesang, Bass oder Schlagzeug.
Das eigentliche Highlight war jedoch die Bearbeitung einzelner Noten in polyphonem Audio. Gemeint ist Material, in dem mehrere Töne gleichzeitig erklingen, zum Beispiel bei Gitarrenakkorden oder Klavierspuren. Und das Beste daran: Der ursprüngliche Klangcharakter blieb dabei erhalten. Gerade das gilt in der Branche als echte Königsdisziplin.
Logic Pro und GarageBand als naheliegende Ziele
Naturgemäß stellt sich nun die Frage, was Apple mit dem Zukauf vorhat. Naheliegend wäre eine Integration der Technologie in die hauseigenen Musikprogramme Logic Pro oder GarageBand. Ganz bei null fängt Apple dabei nicht an, denn Logic Pro bringt bereits einen „Stem Splitter“ sowie die Funktion „Chord ID“ mit. Neu wäre allerdings die Möglichkeit, Noten in polyphonem Audio gezielt zu verändern. Genau hier könnte Samplab die Lücke schließen.
Was die EU-Mitteilung verrät
Die Details zur Transaktion sind dagegen ziemlich spärlich. Laut der Meldung hat Apple „bestimmte Vermögenswerte“ von Samplab erworben und zugleich „bestimmte Samplab-Mitarbeiter“ eingestellt. Es handelt sich also eher um eine Kombination aus Technologie-Kauf und Talentübernahme als um eine klassische Komplettübernahme der Firma.
Dass die Öffentlichkeit überhaupt davon erfährt, liegt an Apples Sonderstatus in Europa. Der Konzern gilt in der Europäischen Union als „Gatekeeper“. Damit greift der Digital Markets Act, der das Unternehmen dazu verpflichtet, die EU-Kommission über Transaktionen zu informieren, die Kernplattformdienste, digitale Dienste oder die Datenerhebung betreffen.
Samplab ist bereits Geschichte
Für bisherige Nutzerinnen und Nutzer gibt es indes keine Hintertür mehr. Samplab hat am 17. September 2026 den Betrieb eingestellt. Wer heute die Website des Unternehmens aufruft, landet automatisch auf Apple.com.
