Wer jahrelang mit einem iPad gearbeitet hat, schaut bei anderen Tablet-Herstellern oft nur am Rande vorbei. Dabei lohnt sich ein Blick über den Tellerrand durchaus, wie das neue Huawei MatePad Pro 12″ aus dem aktuellen Modelljahr 2026 zeigt. Das Flaggschiff-Tablet kombiniert hochwertige Hardware mit einem matten OLED-Display, umfangreichem Zubehör und Huaweis eigenem Betriebssystem.
Mit einer Dicke von nur 4,7 Millimetern und einem Gewicht von 454 Gramm ist das MatePad Pro erstaunlich schlank und leicht. Im Inneren gibt es bei meinem Testexemplar 12 GB Arbeitsspeicher und 512 GB internen Speicher. Damit bringt das Gerät eine solide technische Grundlage für alltägliche Aufgaben, kreative Projekte und produktives Arbeiten mit.
Das Herzstück ist das 12 Zoll große 3K Flexible OLED-PaperMatte-Display mit einer Auflösung von 3.036 x 1.952 Pixel, 144 Hz und 302 ppi. Es verfügt zudem über eine Notch-freie Ansicht und eine Spitzenhelligkeit von bis zu 1.600 Nits. Die matte Oberfläche mit Nano-Beschichtung soll störende Spiegelungen reduzieren und dafür sorgen, dass Inhalte selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar bleiben. Im Vergleich zum Vorgänger aus dem Jahr 2025 sollen die Spiegelungen laut Huawei nochmals um 30 Prozent reduziert worden sein.
Auch optisch macht das Tablet einiges her. Die Displayränder fallen mit nur 3,55 Millimetern ausgesprochen schmal aus, wodurch die Vorderseite durch eine 93-prozentige Screen-to-Body-Ratio nahezu vollständig aus Bildschirm besteht. Auf der Rückseite setzt Huawei bei der mir zur Verfügung gestellten hellblauen Variante auf eine matte, in der Sonne leicht schimmernde Oberflächenstruktur. Sie sieht nicht nur elegant aus, sondern reduziert auch Fingerabdrücke und sorgt für einen angenehmen Halt.
Akku, Anschlüsse und Betriebssystem

Der Akku besitzt eine Kapazität von 9.760 mAh, die für eine Videowiedergabe von bis zu 13,7 Stunden sorgen soll, und verfügt auch über 40 Watt Reverse Charging zum Aufladen anderer Geräte. Zur Ausstattung gehören außerdem Dual-Band-WLAN, Bluetooth, USB-C mit USB 3.1 Gen 1 sowie Huaweis NearLink-Technologie. Vier Lautsprecher und vier Mikrofone sollen für guten Klang und klare Sprachübertragung sorgen. Ein Fingerabdrucksensor erleichtert das Entsperren, während verschiedene Navigationssysteme wie GPS, Galileo und BeiDou die Positionsbestimmung übernehmen.
Beim Betriebssystem setzt Huawei auf Harmony OS 4.3. Die Benutzeroberfläche dürfte vor allem Menschen vertraut vorkommen, die bereits mit einem iPad gearbeitet haben: Große App-Symbole, ein Dock und Widgets erinnern deutlich an Apples Tablet-Oberfläche. Gleichzeitig bietet Huawei zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten, darunter eigene Icon-Sets, Hintergrundbilder und Designs, die sich über eine separate App beziehen lassen.
Weniger komfortabel gestaltet sich dagegen die erste Einrichtung. Für die Nutzung zahlreicher Dienste ist ein Huawei-Konto erforderlich, außerdem müssen verschiedene Berechtigungen erteilt werden. Im Vergleich zur gewohnten Einrichtung eines iPads wirkt der Prozess stellenweise umfangreicher. Hinzu kommt eine Besonderheit, die bei Huawei-Geräten weiterhin eine wichtige Rolle spielt: Wegen der US-Sanktionen sind Google-Dienste nicht regulär integriert. Einen vorinstallierten Google Play Store gibt es deshalb nicht.
Apps installieren: Der Aurora Store als Alternative

Huawei bietet mit der App Gallery einen eigenen App-Marktplatz an. Dort fehlt allerdings eine Reihe bekannter Anwendungen, die auf anderen Android-Geräten selbstverständlich verfügbar sind. Als Alternativen zu einigen etablierten Diensten stellt Huawei unter anderem WPS Office, Petal Maps und Petal Search bereit. Zusätzlich finden sich auf dem Gerät einige vorinstallierte Apps beziehungsweise Verknüpfungen, die nicht jeder benötigt und die zunächst entfernt werden können.
Eine weitere Möglichkeit ist der Aurora Store, über den sich zahlreiche Apps aus dem Google-Play-Ökosystem beziehen lassen. Damit werden beispielsweise Google Maps, YouTube, Gmail und Google Docs sowie Anwendungen wie Firefox, Signal, Reddit, Apple Music und verschiedene Streaming-Dienste zugänglich. Das erleichtert den Alltag mit dem Tablet erheblich, ist jedoch kein vollständiger Ersatz für eine offiziell integrierte Google-Umgebung. Je nach App können zusätzliche Einrichtungsschritte oder Einschränkungen auftreten.
Zubehör bereits im Lieferumfang oder separat erhältlich

Ein großer Pluspunkt des MatePad Pro ist das umfangreiche Zubehörpaket. Neben dem Tablet selbst liegen ein 100-Watt-Netzteil, ein USB-C-auf-USB-A-Kabel und ein Mikrofasertuch für das Display bei. Außerdem können je nach gewähltem Paket auch der Huawei M-Pencil und das Glide Keyboard Case des Herstellers beim Kauf mitbestellt werden. Gerade im Vergleich zu Apple fällt dieser Lieferumfang positiv auf. Wer ein iPad Pro mit Tastatur und Eingabestift ausstatten möchte, muss dafür zusätzliche üppige Beträge einplanen.
Die Tastaturhülle Glide Keyboard, die ich in der Form auch bereits vom Vorgängermodell aus dem letzten Jahr kenne, überzeugt zunächst mit ihrer großzügigen Tastatur. Ihre Größe erinnert an die Tastatur eines 13-Zoll-MacBook und ermöglicht komfortables Schreiben, auch bei längeren Texten. Das Trackpad unterstützt Gesten, die Nutzer und Nutzerinnen eines Apple Magic Keyboard bereits kennen dürften. Praktisch ist außerdem die integrierte Mulde für den M-Pencil, in der dieser sicher aufbewahrt und gleichzeitig geladen werden kann.
Ganz auf dem Niveau von Apples Tastaturhülle liegt die Verarbeitung allerdings nicht. Das Glide Keyboard wirkt weniger stabil, und statt das Tablet schwebend über der Tastatur zu positionieren, wird es magnetisch in zwei möglichen Positionen befestigt. Auch beim Öffnen und Schließen zeigt sich die Konstruktion etwas umständlich. Die zusätzliche Knickstelle für den Stift erschwert die Handhabung, während der starke Magnetverschluss das Öffnen nicht gerade erleichtert. Eine weitere Schwäche betrifft die Scrollrichtung des Trackpads. Wer es gewohnt ist, mit zwei Fingern nach unten zu wischen, um eine Seite nach unten zu bewegen, muss sich an die abweichende Bedienung gewöhnen. Eine alternative Einstellung für die bevorzugte Scrollrichtung wäre hier eine sinnvolle Ergänzung, zumal dieses Problem auch schon beim Vorgänger aus dem Jahr 2025 bekannt war. Mein Glide Keyboard wies zudem ein QWERTY-Layout auf, in Deutschland ist aber auch ein QWERTZ-Tastaturlayout verfügbar.
Produktiv arbeiten mit Go Paint, Petal Interconnect und M-Pencil

Für kreative Aufgaben bringt Huawei mit dem M-Pencil und der Zeichen-App GoPaint bereits eine passende Grundausstattung mit. Weitere Anwendungen lassen sich bei Bedarf über den Aurora Store installieren. Für Büroarbeiten steht das in der Grundversion kostenlose WPS Office zur Verfügung, das Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen abdeckt. Auch PDF-Konvertierungen, Dokumentenscans und das digitale Unterschreiben von Dateien sind möglich.
Im praktischen Einsatz schlägt sich das Tablet ebenfalls ordentlich. Texte lassen sich in WPS Office verfassen und anschließend beispielsweise über Firefox in ein WordPress-System übertragen. Dokumente können lokal gespeichert oder in der Huawei-Cloud abgelegt und per E-Mail oder Messenger geteilt werden. Klassische Microsoft-Dateiformate wie DOCX werden unterstützt, so dass sich viele Arbeitsabläufe auch ohne Microsoft Office umsetzen lassen.
Wer Dateien lieber auf einem eigenen Netzwerkspeicher ablegt, kann entsprechende Apps nachinstallieren. Im Test ließ sich beispielsweise über DS File auf eine Synology DiskStation zugreifen. Damit eignet sich das MatePad Pro auch für Menschen, die ihre Dokumente und Daten unabhängig von einem einzelnen Cloud-Anbieter verwalten möchten.
Petal Interconnect: Neue Brücke zu Apple-Geräten

Was bei Android-basierten Geräten oft bemängelt wird, ist die fehlende Interkonnektivität mit dem anderen großen Ökosystem von Apple. Huawei wagt mit dem eigenen Harmony OS-Betriebssystem einen neuen Schritt und stellt mit Petal Interconnect eine Möglichkeit bereit, Dateien zwischen Huawei-Geräten und auch zu Apple-Devices auszutauschen. Die iOS-App gibt es im deutschen App Store kostenlos für iPhones, iPads und Macs (App Store-Link). Auf Seiten von Huawei bestehen aber leider aktuell noch Probleme, da die Anwendung auf Huawei-Geräten erst ab Harmony OS 4.3.3 auf Tablets sowie ab EMUI 16.0 auf Smartphones des Herstellers installiert werden kann.
Mein hier vorliegendes MatePad Pro 12″ 2026 konnte ohne Probleme über das AirDrop-ähnliche Huawei Share einen Screenshot zu meinem iPhone 18 Pro übertragen, mein hier ebenfalls vorliegendes Huawei Pura 80 Pro-Smartphone aus 2025 jedoch läuft noch mit EMUI 15 ohne aktuelle Option zum Update, so dass die Funktion dort nicht verwendet werden kann. Das ist aus Sicht des Herstellers wenig schmeichelhaft, wenn ein rund ein Jahr altes Smartphone diese ausdrücklich beworbene Funktion schon nicht nutzen kann.
Preis und Einordnung im Tablet-Markt

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.099 Euro gehört das Huawei MatePad Pro 12″ 2026 klar zur Oberklasse. Im Webshop von Huawei kann die Neuerscheinung in verschiedenen Bundles mit entsprechendem Zubehör ab sofort bestellt werden, darunter inklusive des Glide Keyboard für 1.299 Euro. Beim Erwerb des Huawei MatePad Pro 12 zum Launch im Huawei Online Store erhält die Kundschaft bis zum 17. November 2026 100 Euro Rabatt, sowie einen Huawei M-Pencil Pro gratis dazu. Auch bei Amazon dürfte das neue Tablet im Verlauf der nächsten Tage erhältlich sein.
Für einfache Aufgaben wie Surfen, E-Mails und Videostreaming ist das Gerät damit eher großzügig dimensioniert. Ein günstigeres Einsteiger-Tablet reicht für solche Einsatzbereiche häufig aus. Wer hingegen ein hochwertiges Display, viel Speicher, komfortables Schreiben und einen vielseitigen Eingabestift sucht, erhält mit dem MatePad Pro ein deutlich umfangreicher ausgestattetes Gesamtpaket.
Entscheidend ist letztlich auch das eigene digitale Ökosystem. Wer bereits stark in Apples Welt eingebunden ist, muss sich bei Huawei auf andere Dienste, alternative App-Installationen und einen gewissen Umgewöhnungsaufwand einstellen. Besonders interessant ist das Tablet deshalb für Nutzer und Nutzerinnen, die offen für Alternativen sind und ein leistungsfähiges Arbeitsgerät mit außergewöhnlichem Display und viel Zubehör suchen.

Was ein billiger Apple Abklatsch!
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