Der Rechtsstreit rund um geleakte Design-Details von iOS 26 entwickelt sich zunehmend zu einem komplexen Schlagabtausch. Neue Gerichtsunterlagen zeigen, dass Apple mit dem bisherigen Verlauf der Kooperation eines zentralen Beteiligten unzufrieden ist. Im Fokus steht dabei insbesondere Jon Prosser, der laut Apple bislang nur teilweise auf gerichtliche Anordnungen reagiert hat.
Neue Einblicke aus aktuellem Statusbericht
In einem gemeinsamen Statusbericht, der beim zuständigen Gericht eingereicht wurde, haben Apple und Michael Ramacciotti (soll mit Prosser zusammengearbeitet haben) den aktuellen Stand des Verfahrens dargelegt. Das Dokument liefert neue Details darüber, wie weit die Ermittlungen inzwischen fortgeschritten sind.
Demnach wurde die sogenannte „Discovery“-Phase, also der Austausch relevanter Beweise, fortgesetzt, allerdings weiterhin in begrenztem Umfang. Apple hat in diesem Zuge ein zusätzliches Gerät untersucht, das von Ramacciotti zur Verfügung gestellt wurde. Ziel dieser Analyse ist es, genau nachzuvollziehen, welche sensiblen Informationen möglicherweise aus einem iPhone eines ehemaligen Apple-Ingenieurs extrahiert wurden.
Darüber hinaus hat sich Ramacciotti offenbar kooperativ gezeigt: Er will seine bisherigen Aussagen ergänzen und hat angeboten, sich erneut befragen zu lassen, sobald Apple seine Untersuchungen, einschließlich der Befragung von Prosser, abgeschlossen hat.
Prosser im Mittelpunkt der Kritik
Deutlich komplizierter gestaltet sich hingegen die Situation rund um Jon Prosser. Bereits im Oktober hatte ein Gericht entschieden, dass gegen ihn ein sogenanntes Versäumnisurteil verhängt wird, nachdem er nicht fristgerecht auf die Klage reagiert hatte. Damit verlor er zunächst die Möglichkeit, sich formal gegen die Vorwürfe zu verteidigen.
Allerdings betonte Prosser damals, dass er sehr wohl im Austausch mit Apple stehe und keineswegs untätig sei. Diese Darstellung steht nun jedoch teilweise im Widerspruch zu Apples aktueller Einschätzung.
Prosser ist nur teilweise kooperativ
Laut dem neuen Bericht hat Prosser zwar einige angeforderte Unterlagen übermittelt, jedoch nicht vollständig auf alle Anfragen reagiert. Gleichzeitig soll er signalisiert haben, dass noch weitere relevante Materialien existieren. Genau diese Diskrepanz sorgt offenbar für Frust auf Seiten von Apple.
Hinzu kommt, dass Prosser inzwischen rechtliche Unterstützung in Anspruch nimmt und plant, das Versäumnisurteil anzufechten. Apple wiederum hat ihm mehrfach Fristverlängerungen gewährt, bislang jedoch nicht alle gewünschten Informationen erhalten.
Besonders brisant: Apple sieht sich nun offenbar gezwungen, weitere rechtliche Schritte einzuleiten. Geplant ist ein Antrag bei einem Bundesgericht im US-Bundesstaat Ohio, der Prosser dazu verpflichten soll, zu erklären, warum er die gerichtlichen Anordnungen bislang nicht vollständig erfüllt hat.
Darum geht es
Im Kern geht es Apple weiterhin darum, den Ursprung und das Ausmaß der geleakten Informationen vollständig aufzuklären. Dabei steht die Frage im Raum, welche vertraulichen Daten und Geschäftsgeheimnisse tatsächlich in Umlauf geraten sind.
Gerade weil es sich um frühe Design-Details von iOS 26 handelt, dürfte der Konzern ein erhebliches Interesse daran haben, solche Vorfälle künftig zu verhindern. Entsprechend konsequent geht Apple auch juristisch gegen mögliche Quellen und Verbreiter der Leaks vor.
Fest steht: Der Rechtsstreit ist noch lange nicht abgeschlossen. Vielmehr dürfte sich in den kommenden Monaten entscheiden, ob Apple die vollständigen Informationen erhält – oder ob der Fall weiter eskaliert.

Man sieht an diesem Beispiel wieder einmal deutlich die Unterschiede im Rechtssystem von Amerika und z.B. der EU.
Es sind ja von Prosser keine gestohlenen Daten, sondern nur veröffentlichte Analysen. Das kann also jeden treffen, der treffende Vorausschauen anzeigt. Armes Apple.
Kacke, wenn KI innerhalb von Sekunden aus aufzeigt dass man keine Ahnung hat.
Hier ist die Analyse, wie er nach EU-Recht hätte belangt werden können – insbesondere im Hinblick auf die Art und Weise, wie er an die Daten gekommen ist.
1. Geschäftsgeheimnis-Richtlinie (EU 2016/943)
In der EU gibt es sehr strikte Gesetze zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen.
• Der Vorwurf: Apple wirft Prosser vor, er habe einen Mittelsmann (Michael Ramacciotti) bezahlt, um sich unbefugt Zugang zum Diensthandy eines Apple-Mitarbeiters zu verschaffen.
• Die Rechtslage: Nach EU-Recht ist nicht nur der Diebstahl von Daten illegal, sondern auch der Erwerb und die Nutzung, wenn man weiß (oder wissen müsste), dass die Daten unrechtmäßig erlangt wurden.
• Konsequenz: Da Apple behauptet, Prosser habe den Einbruch aktiv mitgeplant und dafür bezahlt, wäre er in der EU direkt für die „unrechtmäßige Erlangung von Geschäftsgeheimnissen“ haftbar. Das ist ein entscheidender Unterschied zu normalem Journalismus, bei dem einem Informationen einfach nur „zugespielt“ werden.
2. Die „Hacker-Paragrafen“ (Cybercrime-Richtlinie)
Da es hier um den physischen Zugriff auf ein Gerät unter Umgehung von Passwörtern geht, greifen in der EU (und spezifisch in Deutschland z. B. § 202a StGB, das Ausspähen von Daten) strafrechtliche Normen:
• Anstiftung/Beihilfe: Wenn Prosser Geld geboten hat, damit jemand ein Passwort knackt oder ein gesperrtes Handy ausliest, wäre er im EU-Raum wegen Anstiftung zum unbefugten Zugriff auf Computersysteme strafbar.
• Datenhehlerei: In Deutschland und anderen EU-Ländern ist es strafbar, Daten, die durch eine rechtswidrige Tat erlangt wurden, sich zu verschaffen oder sie zu verbreiten (§ 202d StGB).
3. Whistleblower-Schutz? (Fehlanzeige)
Oft wird argumentiert, Leaks dienten der Öffentlichkeit. Die EU-Whistleblower-Richtlinie (2019/1937) schützt jedoch nur Personen, die Missstände von öffentlichem Interesse melden (z. B. Korruption, Umweltverstöße).
• Das Problem: Ein neues Design für ein iPhone (wie das von Apple thematisierte „Liquid Glass“-Design) hat kein öffentliches Interesse im juristischen Sinne. Es ist reiner kommerzieller Voyeurismus. Daher würde Prosser in der EU keinerlei Schutz als Whistleblower genießen.
4. Journalistische Sorgfaltspflicht
Journalisten sind in der EU zwar besonders geschützt, aber dieser Schutz endet dort, wo kriminelle Methoden angewandt werden.
• Hätte er die Infos anonym per Post bekommen, wäre er wohl fein raus gewesen.
• Da er jedoch laut Anklage aktiv Geld für den Datenklau gezahlt hat, würde er nach EU-Recht nicht als geschützter Journalist, sondern als Beteiligter an einer Straftat gewertet werden.
Fazit: Nach EU-Recht hätte Prosser sogar noch schlechtere Karten als in den USA, da die EU-Gesetze zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen und gegen Datenhehlerei sehr präzise definiert sind.
Danke für die ausführliche Antwort