Startup Vivy im App Store: Ist diese digitale Patientenakte ein Modell der Zukunft?

Das Startup Vivy will alle medizinischen Unterlagen und Infos in einer App sammeln.

Vivy

Auch ich habe kürzlich bedingt durch eine plötzliche Lungenembolie am eigenen Leib erfahren müssen, wie viele Patienteninfos bei Arztterminen und Krankenhausaufenthalten eigentlich entstehen. Mit Vivy hätte ich mir so einigen Papierkrams ersparen können – Arztbriefe nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, Röntgenbilder vom CT auf einer Disc, Medikamentenpläne, Laborwerte und Überweisungen… Die iOS-App Vivy (App Store-Link) will als iPhone-Assistent all diese Informationen sicher und kompakt sammeln und damit einen umfassenden Blick auf die eigene Gesundheit bieten.

Die 131 MB große und ab iOS 10.0 nutzbare iPhone-App lässt sich kostenlos aus dem deutschen App Store herunterladen und wurde vom Berliner StartUp Uvita GmbH entwickelt. Mit Vivy haben sie erstmals ein System entwickelt, das allen deutschen Krankenkassen offen steht und damit die Einrichtung einer digitalen Patientenakte ermöglicht. Letztere soll bis 2021 Pflicht in Arztpraxen und Krankenhäusern werden – aber der Weg dorthin scheint bisher steinig zu sein. Die Techniker Krankenkasse bietet mittlerweile eine elektronische Gesundheitsakte per App für ihre zehn Millionen Versicherten, bei der AOK ist ein ähnliches Projekt in Arbeit – beide Anwendungen befinden sich jedoch noch in einer Testphase.

Vivy steht erstmals allen Krankenkassen offen und unterstützt zum Start im deutschen App Store bereits einige gesetzliche Versicherer, darunter die DAK, die IKK Classic und die IKK Südwest, sowie weitere kleinere Betriebskrankenkassen. Auch die privaten Versicherungen der Allianz, die Gothaer und die Barmenia, sind mit an Bord. Damit kommt Vivy im besten Fall auf etwa 25 Millionen Versicherte, was etwa 40 Prozent aller gesetzlich und privat versicherten Menschen in Deutschland entspricht.

Daten in Vivy sind mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt

In der App von Vivy lassen sich wichtige medizinische Dokumente und Unterlagen sichern, sortieren und verwalten, Gesundheitschecks machen, Medikamentenpläne samt Wechselwirkungen einsehen und Erinnerungen für die Einnahme aktivieren, Notfalldaten für den Ernstfall festlegen, der Impfpass einbinden und eine Arztsuche starten. 

Ist die eigene Krankenkasse noch kein Partner von Vivy, besteht trotzdem die Möglichkeit, die App nutzen zu können. „Über einen persönlichen Einladungscode ist auch für dich der Zugang zu Vivy möglich“, heißt es von Seiten der Entwickler in der App Store-Beschreibung. „Trage dich auf unserer Website in die Warteliste ein, um am 17.09.2018 einen Code zu erhalten. Mit diesem Code kannst du Vivy ein Jahr lang kostenlos nutzen.“

Und auch für die Sicherheit soll laut Vivy gesorgt sein – immerhin geht es um streng vertrauliche Daten, die man nicht unbedingt mit der Öffentlichkeit oder Dritten teilen möchte. „Vivy wurde mehrfach geprüft (z.B. TÜV) und als absolut sicher ausgezeichnet“, berichtet das Vivy-Team. „Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sorgt für einen sicheren, anonymen Datenaustausch. Höchste Anforderungen der schon hohen Datenschutzverordnung werden von Vivy erfüllt.“ Laut Angaben in der App sollen weder die Versicherungen noch die Ärzte Einblick in die eigenen Daten bekommen. Man darf also gespannt sein, wie sich dieses Projekt weiter entwickelt und ob noch weitere Versicherungen auf diesen Zug aufspringen werden. 

Was haltet ihr vom Vivy-Projekt? Könntet ihr euch vorstellen, all eure Patientendaten in einer App zu sammeln und behandelnden Ärzten darauf Zugriff zu gewähren? Nutzen eure Ärzte vielleicht sogar schon digitale Methoden zur Speicherung von Patientendaten? Wir sind gespannt auf eure Meinungen und Erfahrungen zu diesem Thema.

Vivy
Vivy
Entwickler: Vivy GmbH
Preis: Kostenlos

Kommentare 10 Antworten

  1. ?? ein richtiger Weg. Alle Daten gesammelt auch für uns Patienten. Sie sind für Dritte bei Bedarf jetzt auch schon einzusehen (Versicherung, Staat…). Leider ist TK noch nicht vertreten.

  2. Ich find es falsch das man diese Möglichkeiten erst durch eine Private Firma kriegt und ich bin der Ansicht das diese wichtigen Daten auf der Krankenkassenkarte gespeichert werden sollen und das der Arzt auf die momentane Medikamenten Einnahme Einsicht erhalten muss, der Arzt muss ja nicht darüber informiert werden was ein Kollege für eine Diagnose gestellt hat

  3. Prinzipiell wieder eine schöne Sachen – Aber wie eigentlich immer soll es mit dem Datenschutz schlecht aussehen… Im Heise-Forum steht auch nichts Gutes.

    Sucht mal bei Google nach „Vivy Datenschutz“ und läßt Euch mal den Bericht auf kuketz-blog.de durch.

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