Tolino Vision 5: Wasserfester 7-Zoll-eBook-Reader mit SmartLight ausprobiert

Offenes System für viele eBook-Formate

Der Markt für eBook-Reader wird größer und größer. Neben den altbekannten Kindle-Modellen von Amazon buhlen auch Anbieter wie Kobo oder Tolino um neue Leser. Mein persönliches Verhältnis zu eBook-Readern ist nach wie vor gespalten: Ich finde die Idee großartig, eine riesige Sammlung von Büchern im schmalen Format immer und überall dabei haben zu können, ohne Wasserflecken in der Badewanne zu lesen und persönliche Einstellungen wie Schriftart und -größe vorzunehmen. Gegen das haptische Gefühl, eine Papierseite umzublättern, mit einem Bleistift kleine Randnotizen zu machen, ein zigfach gelesenes Exemplar an einen Freund weiterzugeben oder in Bücherregalen zu stöbern, kommt aber leider ein eBook-Reader immer noch nicht an. 

So ist es bei mir aktuell eine Mischung aus beidem: Je nach Situation kommt bei mir ein Reader oder ein physisches Exemplar in die Hände. Auf Reisen, unterwegs, in der Badewanne, bei begrenztem Platz oder schlechten Lichtverhältnissen ist es vor allem der eBook-Reader, der zum Einsatz kommt. Bei Büchern zur Recherche und beim genussvollen Lesen auf dem eigenen Sofa, zusammen mit einer Tasse Tee, kommen allerdings weiterhin meine heißgeliebten Papierbücher zum Einsatz.


Auch bei der Verwendung eines eBook-Readers gibt es keinen Einheitsbrei, und so wird je nach Modell auf die Bedürfnisse des Nutzers geachtet. Das mir nun vorliegende Exemplar des Tolino Vision 5 gehört zur neuesten Generation des Tolino-Portfolios und setzt weiterhin auf ein offenes System, mit dem sich nahezu alle eBook-Formate speichern und aufrufen lassen. Anders als bei den Kindle-Readern von Amazon ist man hier nicht an ein System gebunden, sondern kann bereits vorhandene eBooks problemlos einbinden und auch mittels Tolino-App (App Store-Link) verschiedene Bibliotheken zusammenfügen. 

Äußerlich erinnert das für 179 Euro auf der Website von Thalia erhältliche Exemplar mit 7-Zoll-eInk-Bildschirm stark an das Konkurrenz-Modell von Amazon, dem ab 229 Euro erhältlichen Kindle Oasis. Auch ausstattungstechnisch liegen die beiden Modelle auf Augenhöhe: WLAN, 8 GB interner Speicher für eBooks, Wasserdichtigkeit nach IPX8, 7-Zoll-Display mit eInk-Technologie und 300 dpi Auflösung, sowie spezielle Tasten zum Umblättern auf der rechten Seite des Bildschirms und eine Anpassung der Farbtemperatur. Mit 195 Gramm ist der Tolino Vision 5 allerdings ein paar Gramm schwerer als das Produkt aus dem Hause Amazon (188 Gramm).

Software-Layout ist im Vergleich zu Vorgängern gleich geblieben

Um den Tolino Vision 5 einzurichten, hat man das Gerät zunächst mittels beiliegendem Mikro-USB-Kabel aufzuladen und dann während des Prozesses ein Tolino-Konto zu erstellen. Hat man bereits ein anderes Tolino-Gerät im Einsatz gehabt, kann der Account übernommen werden. Im Verbund der Buchhändler, die das Tolino-Portfolio anbieten (u.a. Weltbild, Thalia, bücher.de, osiander.de und Hugendubel), wird dann ein großer eBook-Shop auf dem Gerät zur Verfügung gestellt, in dem sich Bücher bequem per PayPal, Bankeinzug oder Kreditkarte erwerben lassen. Besonders praktisch: Sollte man später zu einem anderen anbieter-unabhängigen eBook-Reader wechseln, können die gekauften Bücher mitgenommen werden. Ebenfalls ungemein hilfreich: Unterwegs lassen sich kostenlos die Telekom WLAN-HotSpots zum Kauf und Download neuer Bücher sowie zum Surfen im Netz mit dem Geräte-Browser verwenden. Alle im Tolino-Shop gekauften eBooks werden außerdem in der Tolino-Cloud gespeichert und auf verschiedenen Geräten synchronisiert.

Im Vergleich zu älteren Modellen von Tolino, beispielsweise dem Tolino Vision 4 HD, kommt auch beim Vision 5 das altbekannte Software des Herstellers zum Einsatz. Bleibt man beim Vision 4 HD jedoch bei Versionsnummer 12.2.0 stehen, ist die aktuelle Software des Vision 5 v13.2.0. Großartige Änderungen gibt es hier hinsichtlich Layout, Interface oder Performance leider nicht. Leider, und das ist immer noch meine größter Kritikpunkt an der Tolino-Serie, ist die Geschwindigkeit der Software deutlich hinter der der Konkurrenz anzusiedeln. Im direkten Vergleich zu einem Kobo Aura ONE wirkt die Tolino-Software nach wie vor träger und nicht sonderlich flüssig. Im Ruhezustand des Tolino Vision 5 braucht es bis zu 5 Sekunden, bis sich der eBook-Reader aus dem Standby erhoben und ins Hauptmenü übergeleitet hat. Natürlich spielt hier die Verwendung des eInk-Displays eine entscheidende Rolle, die im Vergleich zu einem Tablet-Screen zwar weitaus stromsparender ist, aber eben auch eine gewisse Trägheit aufweist. Vor allem beim Eingeben von Text über die Tastatur kommt dieser Aspekt deutlich zum tragen.

Erfreulicherweise macht dann das Lesen selbst auf dem Tolino Vision 5 wiederum viel Spaß: Der 7-Zoll-Bildschirm ist ausreichend groß, um Bücher bequem und ohne zu viel blättern lesen zu können, aber auch nicht zu groß, als dass das Gerät zu klobig und schwer in der Hand liegt. Muss man dann doch einmal umblättern, sorgen zwei physische Tasten auf der rechten Seite neben dem Screen für einen schnellen Seitenwechsel, ohne auf das Display tippen zu müssen. Über ein längeres Gedrückthalten des oberen „Vorblättern“-Buttons kommt man zudem flugs wieder zurück ins Hauptmenü. Wer möchte, kann den eBook-Reader auch drehen und im Querformat lesen. Komischerweise führt hier allerdings dann das Antippen der rechten Taste werksseitig zum Zurückblättern, das der linken Taste zum Vorblättern – ich hatte es genau andersherum vermutet. In den Einstellungen lässt sich die Tastenbelegung umkehren bzw. die Gedrückhalten-Aktionen noch individuell anpassen.

Träger Wechsel vom Hoch- ins Querformat

Auch der Wechsel vom Hoch- ins Querformat dauert beim Vision 5 länger als gedacht und muss mit einer Betätigung eines kleinen Buttons in der Leseansicht bestätigt werden. Manchmal wird die Drehung des Displays auch gar nicht erst erkannt. Immerhin: Auch Linkshänder wie ich, die den Reader mit der linken Hand halten und die physischen Bedienelemente ebendort betätigen wollen, bekommen durch die entsprechende Drehung des Geräts die Möglichkeit dazu. Erfreulicherweise wird dann auch das Hauptmenü entsprechend gedreht angezeigt. Weiterhin möglich ist es natürlich, auch durch Antippen des Displays vor- oder zurückzublättern.

Das Design des Tolino Vision 5 dürfte aufgrund eben dieser einseitigen Verstärkung samt zweier physischer Buttons nicht jedermanns Sache sein. Qualitativ gibt es an diesem 7″-eBook-Reader allerdings nichts auszusetzen: Der Bildschirm ist jederzeit gut ausgeleuchtet und kann je nach Lichtverhältnissen in Farbtemperatur und Helligkeit angepasst werden, die Rückseite wirkt durch eine leicht geriffelte, gummierte Oberfläche griffig und liegt gut in der Hand. Die leicht angewinkelte und verdickte Tasten-Seite des Readers sorgt auch während des Lesens für eine natürliche und bequeme Haltung, bei der versehentliche Daumen auf dem Display nicht mehr für Unmut sorgen. Mich persönlich sprechen allerdings symmetrische eBook-Reader wie der eben schon erwähnte Kobo Aura ONE oder auch der etwas kleinere Tolino Vision 4 HD eher an, da sie auf die „Wulst“ an einem der Bildschirmränder verzichten und zudem auch etwas leichter sind (Tolino Vision 4 HD: 174 Gramm). Dieser Aspekt ist aber rein subjektiver Natur und kann bei anderen Nutzern genau gegenteilig ausfallen. 

Bedingt durch das offene System von Tolino, das sich mit EPUB- und PDF-Dateien sowie Adobe DRM versteht, einer mehrwöchigen Akkulaufzeit, 6 GB verfügbarem Speicherplatz für bis zu 6.000 lokal gespeicherten eBooks und zahlreichen individuellen Lese-Einstellungen samt mehreren Schriftarten und -größen, Wörterbüchern, Lesezeichen und Markierungsfunktion, gehört der Tolino Vision 5 trotz kleinerer Performance-Probleme definitiv zu den Flaggschiff-Modellen des aktuellen eBook-Reader-Marktes. Mit einer kostenlosen Mac-Software wie Calibre kann das Gerät zudem auch schnell und bequem mit eigenen Inhalten gefüllt werden, und bietet eine geräteübergreifende Synchronisation des Lesefortschritts sowie die Tolino Cloud zum Sichern von Inhalten unabhängig vom Reader an. Im direkten Vergleich steht die Konkurrenz des Amazon Kindle Oasis daher nicht nur hinsichtlich des Preises hintenan. Weitere Infos zum Tolino Vision 5 gibt es auf der Produktseite des Herstellers.

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Kommentare 4 Antworten

  1. Wir haben bei uns 2 x Kindle Paperwhite und 1 x Tolino shine3. Tolino ist gekauft worden, wegen der Onleihe. Aber der Tolino ist einfach nur schlecht, ständig Abstürze, Buch wird auf einmal auf eine ganz andere Seite geöffnet usw. Die Software ist langsam, bis der Tolino mal reagiert. Auch die Haptik wirkt billig und er liegt nicht so gut in der Hand wie der Kindle.
    Da ist der Kindle einfach nur super, passt alles.
    Bücher bei Beamshop gekauft, sind damit überall verwendbar und Bücher mit Calibre verwaltet.
    Beim Kindle kann man auch viele Formate aufspielen.
    Thalia hat inzwischen auch einige Bücher mit DRM, da ist dann auch nichts mit ebook aufspielen, wo man möchte. Ohne Adobe geht da nichts, viel Spass.
    Über Amazon wird viel gemeckert, aber die Konkurrenz ist noch nicht mal in der Lage, es ganauso gut oder anähernd zu machen.

  2. Ich habe zwei Torino Geräte. 1 x Torino Shine (1.Ausgabe) sowie den Vision.
    Klar sind es softwarebedingt nicht die schnellsten Reeder auf dem Markt, jedoch für meine Zwecke (lesen) vollkommen ausreichend.
    Und solange das epub-Format nicht auf dem Kindle (ohne Umwandlung) zu lesen ist, genauso lange kommt mir auch kein Kindle ins Haus.

  3. Kobo ist leider seit einiger Zeit nicht mehr auf dem deutschen Markt vertreten. Wenn mein Kobo Glo HD den Geist aufgibt, hilft entweder nur ein Import oder die mühseliche Suche nach einer Alternative. 🙁

  4. Kindle kommt nicht in Frage mangels Unterstützung der Onleihe. Leider ist die Nutzeroberfläche des Tolino wirklich eine Zumutung. Zusammen mit der fragilen Umgebung der Onleihe wird das schonmal zum Geduldsspiel.

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