Call Center-Angestellte in Apple-Subunternehmen befürchten Kamera-Überwachung

Zur Vertragsunterzeichnung gezwungen

Bei Apple arbeiten aktuell noch viele Angestellte im Home Office. Im Zuge der Coronavirus-Pandemie wurden auch die in Apples Call Centern angestellten Personen angehalten, Fernarbeit zu tätigen und von zuhause aus zu arbeiten. Aus diesem Bereich mehren sich nun Befürchtungen, dass verpflichtend eingesetzte AI-Kameras zur Leistungsüberwachung auch die eigene Privatsphäre verletzten könne.

Wie NBC News berichtet, haben mehrere Angestellte aus Kolumbien ihren Unmut kundgetan. Apple delegiert teilweise Call Center-Arbeiten an das Unternehmen Teleperformance, deren Angestellte nun gezwungen worden seien, einen Vertrag zu unterschreiben, in dem sie der Nutzung von AI-basierten Kameras im Home Office zustimmen. Eine Apple-Richtlinie verbietet dies eigentlich. Bei NBC News heißt es dazu:


„Sechs Arbeitnehmer, die in Kolumbien für Teleperformance, eines der weltweit größten Callcenter-Unternehmen, das Apple, Amazon und Uber zu seinen Kunden zählt, tätig sind, erklärten, sie seien besorgt über den neuen Vertrag, der erstmals im März veröffentlicht wurde. Der Vertrag erlaubt die Überwachung durch KI-gesteuerte Kameras in den Häusern der Arbeitnehmer, Sprachanalysen und die Speicherung von Daten, die von den Familienmitgliedern der Arbeitnehmer, einschließlich Minderjährigen, gesammelt werden […].

‚Der Vertrag erlaubt die ständige Überwachung dessen, was wir tun, aber auch unserer Familie‘, sagte eine in Bogota ansässige Arbeiterin […]. ‚Ich finde das wirklich schlimm. Wir arbeiten nicht in einem Büro. Ich arbeite in meinem Schlafzimmer. Ich möchte keine Kamera in meinem Schlafzimmer haben.’

Die Mitarbeiterin sagte, sie habe den Vertrag, der NBC News in Kopie vorliegt, unterschrieben, weil sie befürchtete, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Ihr Vorgesetzter habe ihr gesagt, dass sie aus dem Apple-Account gestrichen würde, wenn sie sich weigere, das Dokument zu unterschreiben.“

Das Unternehmen Teleperformance ist in insgesamt 19 Ländern tätig und beschäftigt über 380.000 Angestellte, 39.000 davon in Kolumbien. Der Konzern hatte bereits Ende 2020 in Albanien Probleme mit mangelnder Privatsphäre und Datenschutz. Angestellte von Teleperformance hatten sich an den Informations- und Datenschutzbeauftragten des Landes gewandt, da die Firma Videoüberwachung in ihren Wohnungen einführen wollte. Der Datenschutzbeauftragte entschied später, dass Teleperformance diese Mittel nicht einsetzen darf.

Die Kunden von Teleperformance, darunter auch Apple, scheinen diese Mechanismen nicht selbst einzufordern, im Gegenteil. Apple-Sprecher Nick Leahy berichtete, Apple „verbietet die Verwendung von Video- oder Fotoüberwachung durch unsere Zulieferer. Wir haben bestätigt, dass Teleperformance keine Videoüberwachung für seine Teams, die mit Apple zusammenarbeiten, verwendet“. Leahy erklärte ebenfalls, dass Apple Teleperformance in diesem Jahr in Kolumbien geprüft habe und dabei keine „Kernverletzungen unserer strengen Standards“ festgestellt habe. „Wir gehen allen Vorwürfen nach und werden auch weiterhin dafür sorgen, dass jeder in unserer Lieferkette mit Würde und Respekt behandelt wird“, so Leahy. Aktuell scheint dies in einigen externen Apple-Call Centern jedoch nicht der Fall zu sein.

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Kommentare 8 Antworten

  1. Ich als Inder bin entsetzt aber mir bleibt ja nichts anderes übrig 🧑🏿

    Entweder das oder andere Mcjobs wie Essen liefern oder uber fahren.

  2. Einfach das gleiche ziehen wie Adidas und co. bei Kinderarbeit:

    Wir sind das nicht. Wir haben eine externe Agentur beauftragt die nehmen wir selbstverständlich den Vertrag ab da wir für Human rights stehen.

    Ein paar Wochen später: Gleiche Agentur, anderer Name. 😊

  3. Ich schätze eure Arbeit ja sehr, aber die Überschrift geht gar nicht. Sie suggeriert, dass Apple Call-Center Mitarbeiter betroffen sind. Es geht aber um ein ganz anderes Unternehmen. Apple hat vermutlich gar nichts mit den Verträgen zu tun. Noch einmal: Es geht mir um die Überschrift und die Suggestion. Eine Überprüfung seitens Apple isg Pflicht und notfalls Kündigung der Verträge mit dieser Firma, wenn Apple seine credibility nicht weiter verschwinden sehen möchte.

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