Apple TV+: Regisseur von „See“ spricht über Entwicklung und Budget

Interview mit Francis Lawrence erschienen

Als Apples eigener Video-Streaming-Dienst Apple TV+ am letzten Freitag, dem 1. November 2019, an den Start ging, zählte auch die postapokalyptische Serie „See – Reich der Blinden“ zu den ersten Inhalten. Aktuell lassen sich die drei ersten Folgen der Serie ansehen, weitere sollen folgen. Stars der Serie sind die Schauspieler Jason Momoa („Game of Thrones“, „Frontier“) und Alfre Woodard („König der Löwen“). 

„See“ wird als postapokalyptische Geschichte um das Überleben nach einer Virus-Katastrophe beschrieben. Das tödliche Virus hat einen Großteil der menschlichen Bevölkerung ausgelöscht – und die Überlebenden sowie ihre Nachkommen blind werden lassen. Mit diesen schwierigen Voraussetzungen versuchen sie, sich gegen verfeindete Gruppen durchzusetzen. Als plötzlich ein sehendes Zwillingspaar geboren wird, muss ihr Vater (Jason Momoa) sie, seine Familie und seinen Stamm vor Angriffen schützen. Auch eine entfernte Königin fühlt sich von den Zwillingen bedroht und setzt alles daran, sie zu verfolgen.

Apple hat bisher eine Staffel von „See“ in Auftrag gegeben und will auch eine zweite folgen lassen. Bei vielen Folgen von „See“ tritt Francis Lawrence („The Hunger Games“) als ausführender Produzent und Regisseur in Erscheinung. Er hat sich kürzlich für ein Interview mit Business Insider getroffen, um über die Serie, ihre Entstehung und das Budget zu sprechen. Wir haben einige Aussagen gesammelt. 

Um sich auf die Serie vorzubereiten, arbeitete Lawrence mit einigen Fachleuten zusammen, darunter Evolutionsbiologen, blinde Berater und sogar einem Überlebenskünstler. 

„Es wurde definitiv viel darüber nachgedacht, wie die Welt auszusehen hat. Wir hatten einen Think Tank mit blinden Beratern und einem Evolutionsbiologen und einem Überlebenskünstler, und all diese unterschiedlichen Leute kamen herein, um Ideen zu entwickeln. Wie lange nach dem Verschwinden der Zivilisation spielt sich die Geschichte ab, wie würden die Dinge aussehen, und was würde bleiben? Wir haben mit unseren Beratern ein blindes Bootcamp aufgebaut und [herausgefunden], wie es mit unserer Kunst- und Requisitenabteilung zusammenhängt. Wie sehen die Hütten aus? Wie navigieren die Leute?“

Großteil der Szenen wurde vor Ort und nicht im Studio gedreht

Francis Lawrence gab im Interview auch zu, dass die Serie viel Geld verschlungen hat, die Gerüchte von 240 Millionen USD für zwei Staffeln aber bei weitem übertrieben wären. Nichts desto trotz wurde an vielen Stellen mit computeranimierten Effekten gearbeitet – zu meiner Überraschung auch bei den Augen der Schauspieler, die blind erscheinen sollen. Um die Augen der Darsteller zu schonen, wurden hier CGI eingesetzt und nicht mit speziellen Kontaktlinsen gearbeitet. 

„Es sind Effekte. Es sind zu viele Menschen, die sich zu lange in einer realen Umgebung aufhalten, und die Anzahl der Optiker, die benötigt werden würden [war zu hoch]. Ich wollte nicht riskieren, die Hornhaut von jemandem zu beschädigen, und Schauspieler zu haben, die sich über das Tragen beschweren.“

Viele der eindrucksvollen Szenen wurden direkt vor Ort aufgenommen und nicht im Studio gedreht. Das „See“-Team vermied Studioaufnahmen, so lange es ging und konnte so die episch wirkenden, weiten Landschaften in die Serie integrieren, ohne auf künstliche Effekte zurückgreifen zu müssen. 

„Ich kann wohl keinen genauen Prozentsatz nennen, aber wir haben die ersten fünf Folgen und die Folgen sieben und acht größtenteils vor Ort gedreht. Wir sind erst in der sechsten Folge ins Studio gegangen. Wir befanden uns also immer in realen Umgebungen, die manchmal mit visuellen Effekten ergänzt wurden. Manchmal mussten wir ein Dorf ein wenig größer machen, als wir es uns leisten konnten, es zu bauen, oder als wir in Queen Kanes Damm drehten, befanden wir uns in einer riesigen verlassenen Papiermühle auf Vancouver Island. Es war so groß, dass wir für diesen Zeitraum nicht alles angemessen altern konnten. Zum größten Teil ist alles real. Wir machen keine Massenvervielfältigungen und ähnliches, aber manchmal mussten wir echte Umgebungen erweitern.“

Ich habe am letzten Wochenende in „See“ reingeschaut, aber war nicht sonderlich begeistert von der Serie. Visuell bietet „See“ ein großartiges Spektakel, mit fantastischen Landschaften, aufwändigen Kostümen und tollen Kamerafahrten. Die Story von „See“ allerdings wirkte zumindest auf mich noch nicht wirklich ausgereift: Ein zu langsames Tempo, durchschnittliche schauspielerische Leistungen und einige Ungereimtheiten, vor allem, was die Blindheit der Akteure sowie die äußeren Lebensumstände angeht, hinterließen bei mir eher einen skeptischen Eindruck.

Wie geht es euch, habt ihr schon in „See“ hineingeschaut? Wenn ja, wie gefiel euch die neue Apple TV+ Serie? Gibt es andere Inhalte aus dem neuen Angebot, die ihr empfehlen könnt? Wir sind gespannt auf eure Kommentare zu den neuen Serien.

Kommentare 16 Antworten

  1. Ich bin 1:1 deiner Meinung, was deine letzten Sätze zur Serie angeht. Ich hab rein geguckt, dann mal was gespult, weil die Szene einfach nicht enden wollte, wieder geguckt, wieder gespult… Die schauspielerischen Leistungen würde ich sogar als sehr minderwertig bezeichnen. Ich mag die Handlung nicht, manchmal wirkt sie an den Haaren herbeigezogen bis arg konstruiert. Nur ein imposanter Jason Momoa macht es halt nicht. Hab nicht durch zwei Folgen gekämpft und das war’s für mich. Schade drum!

      1. Wenn man etwas guckt und hat das Gefühl, dass einem da eine Geschichte vorgespielt wird, dann sind die Schauspieler schlecht.
        Sind die Schauspieler gut, dann vergisst man, dass da welche spielen, man fühlt sich mitten im Geschehen und wundert sich am Ende, wie schnell die Zeit vergangen ist.
        Und bei dieser Serie hatte ich das Gefühl die Zeit vergeht nicht und mir wird stets bemüht etwas vorgespielt.

          1. 😄😄😄 Mehr und besser kann man die ja wohl nicht beantworten. 😄😄😄
            Ich hoff jetzt mal auf „For all Mankind“, da gucken wir am WE mal rein.

  2. Ich bin sehr angetan von der Serie. Freue mich schon auf kommende Episoden. Tolle Aufnahmen und spannend. Lediglich, dass ich nicht wirklich das Gefühl habe, dass die Menschen blind sind stört manchenteils etwas.

  3. Die ersten Minuten war ich schon am spulen. Es mag sein, das es sich um ein Epos der Superlative handeln mag, es ist mir leider, in jeder Szene, alles zu langatmig.

  4. Hallo Mel, vielen Dank für Ihren Artikel. Mir kommen Fragen auf um Sie besser zu verstehen. Welche Ungereimtheiten sind beim Betrachten der Serie neben der Blindheit der Akteure und den äußeren Lebensumständen aufgefallen. Was störte Sie an der Blindheit. Mir ist dabei aufgefallen, dass die Akteure sich angeschaut hatten – obwohl diese blind sind. Meine Interpretation ist dabei jene, die Menschen in See sind aufgrund ihres Lebens bereits gut trainiert. Die äußeren Umstände, schienen, als sei die Zeit stehen geblieben oder es lag Degeneration vor in den Städten. VG, StefanS

    1. Mangokäfer hat es oben weiter schon sehr treffend beschrieben. Wenn mich die Schauspieler nicht von Beginn an durch ihr Spiel so mitnehmen, dass ich ihnen ihre Geschichte glaubhaft abnehme, kommt für mich keine fesselnde, glaubwürdige Handlung zustande.

      Diese Unglaubwürdigkeit wurde unter anderem durch das Verhalten der Blinden unterstrichen. Warum schauen sie sich gegenseitig direkt in die Augen, wenn sie doch eigentlich nichts sehen können? Auch wenn es durchaus möglich ist, dass sich die anderen Sinne besser ausprägen, wenn das Augenlicht wegfällt, erscheint es mir unter anderem doch unmöglich, dass das menschliche Gehör in der Lage ist, auf weite Entfernung zu hören, wie groß eine Armee der Gegner ist, und mit welchen Mitteln sie angreift. Generell wirkten die Blinden zu „sicher“ in ihrer Umgebung, selbst in solchen Regionen, die sie zuvor noch nie betreten hatten.

      Auch die Lebensumstände der Menschen sind – zumindest für mich – nicht nachvollziehbar. Die Serie spielt in der Zukunft. Sprich, es sind Reste der Zivilisation vorhanden. Warum macht man von diesen keinen Gebrauch, technische Mittel, Bekleidung und weiteres? Warum wirkt die Gruppe um Baba wie ein mittelalterlicher Eingeborenen-Stamm, ohne Zeichen von intelligenter Entwicklung, lebt im Wald in einfachen Hütten? Gibt es kein Wissen mehr um Architektur, um Ingenieurswesen, Maschinenbau, Medizin, Pharmakologie etc. Wo sind die Wissenschaften hin? Für mich ist diese Entwicklung nicht nachzuvollziehen.

      Ich werde am Wochenende noch mal in weitere Folgen hineinschauen, vielleicht ändert sich meine Meinung dann noch. Die erste knappe Stunde war allerdings für mich kein wirklicher Grund, die Serie weiter zu schauen.

      Beantwortet das zumindest ansatzweise deine Fragen?

  5. Beste Serie auf Apple TV+…..würde mir mehr davon wünschen ….und was das zu langsame angeht…es ist halt eine Serie und kein Blockbuster! Die Leute haben 50min Zeit pro Serie diese zu erzählen….habt Geduld und Gebt der Serie ne Chance , denn so minderwertig bespielt ist sie gar nicht ….nur weil da nicht aller 69sek einer Stirbt ist sie noch lange nicht so schlecht !

  6. Die Serie begeistert meine Frau und mich. Alles chic. Sogar gelacht haben wir als wir verstanden haben wie die Königin doch ihre Gebete abhält. Der Blindenaspekt gibt der Serie zusätzliche Spannung . Unrealistisch sind manche Aspekte der Story … Geheimhaltung 17 Jahre in einem Dorf ?! Unmöglich

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