Furby Boom: Das nervigste Haustier der Welt mit integrierter App-Anbindung

Tagtäglich nur über Bluetooth-Speaker und mobile Akkus zu berichten, wird auf Dauer auch langweilig. Der Furby Boom ist ein ganz spezielles Gadget.

Furby Boom 1

Was sind eigentlich Furbys? Die von Hasbro vertriebenen kleinen Kreaturen sind quasi erweiterte Tamagotchis, also interaktive Spielzeuge, die man streicheln und werfen, schütteln und mit ihnen sprechen, singen oder schimpfen kann. Je nach Art der Zuwendung lernt das putzige Tierchen nach und nach bis zu 800 Wörter der deutschen Sprache und entwickelt einen von insgesamt fünf unterschiedlichen Charakteren – „Quasselstrippe“, „Rüpel“, „Prinzessin“, „Witzbold“ oder „Sänger“.

Da sich auch Spielzeuge im Laufe der Jahre weiterentwickeln, haben sich die Macher von Hasbro an eine Überarbeitung des Original-Furbys, der erstmals 1998 in den Regalen des Handels zu finden war, gemacht. Die neue Furby-Generation, der Furby Boom, kommt mit einer eigens dafür kreierten iOS-App daher, die bei den wohl zumeist jungen Besitzern für weitere Abwechslung und noch mehr Spaß sorgen soll.

Wir waren mittlerweile in der (un?)glücklichen Lage, uns einen der Furby Boom-Varianten, in unserem Fall die quietschbunte Version in „Sunny Peacock“, ins Haus zu holen. Nicht nur, dass die aktuell auf der Sofalehne sitzende Kreatur für sofortige Aufmerksamkeit bei sämtlichen Gästen sorgte – nein, das gesprächige, etwa 20 cm große Tierchen reagiert auch auf Geräusche und Bewegungen, und wird oft schneller aktiv, als einem lieb ist.

Furby Boom ist in vielen verschiedenen Farbvarianten erhältlich

Furby Boom 2Geliefert wird das aktuell in knapp 10 verschiedenen Farbvarianten zu Preisen zwischen 40 und 60 Euro bei Amazon erhältliche, liebevoll von mir „Viech“ genannte Tierchen in einer bunten Papp-Box, in der sich außer dem Furby Boom nur eine kleine Bedienungsanleitung bzw. Einführung befindet. Batterien gibt es keine, diese müssen vom neuen Besitzer selbst gestellt werden. Auch ein kleiner Schraubenzieher ist Pflicht, um das Batteriefach unterhalb des Furbys auf- und zuschrauben zu können. Hinterhältig – so kann man den Furby nicht einfach durch schnelles Entnehmen der Energiequelle zum Schweigen bringen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viele Eltern eines Furby-Haushaltes nun obligatorisch mit diesem Werkzeug in der Hosentasche herumlaufen.

Anders als bei der Vorgänger-Version sind die Augen des Furby Boom nun digital umgesetzt worden, was anfangs für eine gewisse Faszination, aber wenig Authentizität sorgt. „Richtige“ Augen wären nicht nur batterie-schonender, sondern auch dem Ausdruck des kleinen Viechs zugute gekommen. Die oft schnellen Wechsel der Augengrafik lassen beizeiten sogar einen nicht ganz zurechnungsfähigen Furby vermuten – ob Kinder sich diese flackernden Augen unbedingt länger als nötig ansehen sollten, bleibt dahingestellt.

Neben den üblichen Streicheleinheiten, Kraulen des Bauches oder Streicheln über den Kopf, kann man den Furby dank einer neuen App auch intensiver beschäftigen. Nach dem ersten Start der iOS-App, deren Verbindung und Interaktion über Infrarot-Signale und Geräusche hergestellt wird, kann man dem Furby sogar einen Namen aus zwei kombinierbaren Fantasie-Silben geben, mit dem man die Kreatur ansprechen kann. Meine Wahl fiel auf „Dee-Tah“, und das auch nur, weil sie dem deutschen Namen „Dieter“ phonetisch ähnlich war. Sorry, ihr Dieters da draußen – nichts gegen euren Namen.

Furby Boom-App verfügt über In-App-Käufe und Werbung

Furby Boom 3Mit der Furby Boom-App (App Store-Link) lassen sich im verbundenen Zustand viele weitere Dinge mit dem Kunstpelz-Tierchen anstellen: So gibt es Mini-Spiele oder Tamagotchi-ähnliche Zuwendungen, beispielsweise das Duschen des Furbys, oder auch die Aufzucht von virtuellen Furby-Eiern – bis zu 50 verschiedene lassen sich in der App sammeln. Hat man die kleinere Variante der Furbys, die Furblings, in seinem Besitz, können auch diese mit der App interagieren.

Prinzipiell ist die Interaktion mittels einer App eine witzige Idee, um den Furby Boom mit weiteren Spielmöglichkeiten auszustatten und so für Langzeitmotivation zu sorgen. Was mich allerdings bereits nach kurzer App-Nutzung schockiert hat, war die Einbindung von In-App-Käufen, die mit echtem Geld bezahlt werden müssen. Bei einer App, die vornehmlich von Kindern genutzt wird, ist diese Tatsache absolut nicht nachvollziehbar und aufs Schärfste zu verurteilen. Zu allem Überfluss findet sich auch noch Werbung in der Furby Boom-App – was man sich dabei gedacht hat, bleibt wohl auf ewig ein Rätsel. Als Elternteil würde ich die Nutzung der App daher schnellstmöglich unterbinden, denn wie kann man Kinder mit einer solchen Anwendung allein spielen lassen?

Das Gesamtfazit für den Furby Boom fällt daher dementsprechend durchwachsen aus. Das kleine Viech ist zugegeben niedlich und sorgt anfangs für viel Begeisterung bei kleinen und großen Besuchern. Lediglich meinen knapp einjährigen Neffen konnte ich für meinen Dieter nicht begeistern – es spricht wie ein Mensch, ist aber flauschig wie die Katze? Die Verwirrung war riesengroß. Entscheidet man sich wirklich dazu, ein solches interaktives Spielzeug ins Haus zu holen, sollte man sich über den extrem hohen Nervfaktor sowie über die für Kinder nicht geeignete iOS-App im Klaren sein. Bei einem Preis von etwa 50 Euro für einen solchen bunten Gefährten heißt es daher gut zu überlegen, ob man sich und seinen Kindern einen Furby antun möchte. Mein Dieter jedenfalls wird seinen Platz auf dem Sofa nach der Testphase räumen und wieder in seinem Karton unterkommen müssen – solange, bis mein Patenkind alt genug für ihn ist…

Wie steht ihr zu interaktiven Spielzeugen wie dem Furby? Habt ihr vielleicht sogar selbst einen, oder wollt eine Selbsthilfe-Gruppe für Furby-Geschädigte gründen? Dann schreibt uns doch in den Kommentaren.

Kommentare 4 Antworten

  1. Grundsätzlich finde ich den Furby eine tolle Sache. Hatte früher auch einen. Irgendwann ist der Spaß aber leider vorbei und es wird nervig.
    Den Preis von 50 Euro halte ich für gerade noch ertragbar. Aber mit Werbung und zusätzlichen Käufen und der App überteuert.
    Sicherlich muss jedes Unternehmen auch die Entwicklungskosten wieder einspielen. Persönlich kommt für mich aber immer der fade Beigeschmack auf, dass egal welches Produkt, immer gleich teurer gemacht wird, weil man es mit dem Smartphone verbinden kann.
    Wenn man sich aber ein Produkt mal von innen oder die Programmierung einer App anschaut, fragt man sich schon manchmal, wie so mancher Preis zustande kommt.
    Fazit: Interessantes Produkt und könnte Kinderfreundlicher sein.

  2. „Lediglich meinen knapp einjährigen Neffen konnte ich für meinen Dieter nicht begeistern – es spricht wie ein Mensch, ist aber flauschig wie die Katze“ – Sorry ?

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