Streit in der Buchbranche: Apple und Audible im Visier des Kartellamts

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Mel 16. November 2015, 19:57 Uhr

In den kommenden Wochen dürfte die Amazon-Tochter Audible und auch Apple einige juristische Probleme bekommen.

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Laut Angaben von Spiegel Online ist ein Streit zwischen der Buchbranche und den beiden Konzernen eskaliert: Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hatte sich über die Vorherrschaft der beiden Firmen am Markt für Hörbücher beschwert. Die logische Konsequenz: Das Kartellamt hat nun ein Verfahren gegen beide Konzerne eingereicht.

„Das Bundeskartellamt prüft eine Beschwerde gegen die US-Handelsriesen Amazon und Apple“, heißt es dazu bei Spiegel Online. „Dabei geht es um eine langjährige Vereinbarung über die Lieferung von Hörbüchern an den iTunes Store, wie die Wettbewerbsbehörde mitteilte.“

Neben dem aktuellen Marktanteil von etwa 90 Prozent für den Verkauf von digitalen Hörbüchern wurde wohl auch ein neues Geschäftsmodell Audible zum Verhängnis. Das Unternehmen will Inhalte primär über eine Flatrate vertreiben, die allerdings für die teilnehmenden Verlage mit Umsatzeinbußen verbunden wären. „Verlagen, die sich weigern, droht Audible mit Auslistung“, so Spiegel Online.

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Im Zuge dessen wird auch die Vereinbarung zwischen Apple und Audible genauer untersucht, vornehmlich, um einen Missbrauch der Marktmacht zu verhindern und die Gefährdung einer kulturellen Vielfalt zu unterbinden. „Es muss sichergestellt sein, dass den Hörbuchverlagen für den Absatz ihrer digitalen Hörbücher hinreichende Ausweichalternativen zur Verfügung stehen“, so der Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Kleine deutsche Hörbuchverlage würden durch die vorherrschende Marktmacht von Audible und Apple in ihrer Existenz bedroht.

Seht ihr das Vorgehen gegen Apple und Audible als gerechtfertigt an? Seid ihr bereits Kunden von Audible - und würdet ihr digitale Hörbücher auch von kleineren Verlagen kaufen? Wir sind gespannt auf eure Meinungen.

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Kommentare19 Antworten

  1. Tom Bernardy sagt:

    Natürlich würde ich auch von kleineren Verlagen kaufen, sofern der Preis stimmt. Doch welcher Verlag kann sich den Kampfpreis von Audible leisten? Für mich als Endverbraucher zählt am Ende der Preis und die Leistung, wie für viele andere auch. Noch ein Grund ist die Bequemlichkeit die Audible mit sich bringt, Synchronisation über verschiedene Systeme sofern es die selbe App ist, die Downloads können auch bei Kündigung behalten und weiter gehört werden. Welcher kleine Verlag kann sich das leisten bzw. das bieten?

    • Huu sagt:

      Es ist ja wohl selbstverständlich, dass man Einkäufe behalten darf nach Abokündigung! Kleine Verlage würden eventuell keine Online-Aufbewahrung zur Verfügung stellen. Dann müsste man die Daten halt herunterladen..

  2. Huu sagt:

    Finde ich völlig gerechtfertigt! Ja, ich würde sogar gerne kleinere Verlage in Sachen Hörbücher unterstützen. Bücher kaufe ich auch immer in der Buchhandlung bei mir im Viertel und nicht bei Thalia und schon gar nicht bei Amazon.

  3. Pegonie sagt:

    Bin bereit auch bei kleineren Verlagen, Hörbücher zu erwerben, wenn mich Inhalt und Preis überzeugen. Audible ist für mich bisher überzeugend, da dort monatlich bis zu 2 Hörbücher für 10 € zu bekommen sind (bei ABO), billiger ist nur das Leihen von Hörbüchern in der Bibliothek oder das Tauschen mit Gleichgesinnten. Bin seit dem Zwangslesen von Büchern während des Studiums überzeugter Konsument von Hörbüchern in fast allen Lebenslagen 🙂 und mag sie nicht mehr missen.

  4. ipadprouser sagt:

    Kulturelle Vielfalt gefährdet? Wo denn? Fast alle Hörbücher sind doch nur vorgelesene Printausgaben. Wenn es dort kleineren Verlagen nicht mehr möglich ist, Nischenprodukte zu verlegen…ja dann hätten wir ein Problem. Buchpreisbindung ist das passende, wenn auch lästige Mittel, das zu verhindern.

    Ausserdem: gerade Apple und Amazon stehen doch beide dafür, dass fast jeder vergleichsweise einfach ein Buch auf den Marktplatz werfen kann. DAS ist wahre kulturelle Vielfalt. Außerdem steht eine Flatrate für günstigen Zugang zu Wissen und Kultur für Vielleser! Wie kann man so etwas heute ernsthaft unterbinden oder auch nur verlangsamen wollen?

    Ohne politisch werden zu wollen: wie einfach wäre es über eine solche Infrastruktur, z.B. Grundförderung und Deutsch Sprachkenntnisse über eine solche Flatrate gratis oder bezuschusst den Bedürftigen, Immigranten und Kindern in unserer Gesellschaft zur Verfügung zu stellen? Super einfach? Aber die Buchbranche klammert sich verzweifelt an gewohnte und im letzten Jahrtausend bewährte Erfolgs- und Geschäftsmodelle fest.

  5. Murmeltier sagt:

    Bis jetzt kam vom Börsenverein nur immer, Wir lassen alles beim Alten und alles wird gut. Nur echte Alternativen für die Kunden kommen von dort nicht, Wir sind ja nur die die das Geld bringen.
    Bin schon gut zehn Jahre Kunde bei Audible und noch immer sehr zufrieden. Das Gesamt Packet muss eben stimmen, der Preis ist nicht alles. Über Deezer habe ich auch schon Bücher gehört, aber das ist nur grausig vom Komfort.

  6. HyperA sagt:

    Ich bin zufriedener Kunde bei Audible!

    Habe auch schon vorher gern Hörbücher gehört. Auch, weil meine Augen langes Lesen nicht mehr gut vertragen.
    Konnte mir aber niemals so viele Hörbücher leisten!

    Habe sie mir gebraucht gekauft oder noch mehr, nur ausgeliehen .
    An mir haben und werden kleinere Verlage nicht mehr verdienen, wenn es Audible so nicht mehr gibt!

    Der Service bei Audible ist kompetent, richtig nett und sie gehen auf Fragen und Wünsche ein.
    Das ist keine anonyme Abfertigung!
    Unterhaltung und Bildung für Jedermann!

    Ich beziehe nur eine kleine Rente. Sorry, da zählt für mich das Preis-Leistungs-Verhältnis!

    Ich kann so, meinen Enkelkindern auch mit meinem Abo, Hörbücher schenken.
    Und wir reden darüber. Haben unsere LieblingsvorleserInnen ect..

    Ich wäre sehr unglücklich , wenn ich diesen Service nicht mehr nutzen könnte.
    Die haben die Hörbuchwelt , um ein Vielfaches erweitert und bereichert.
    Das hätten kleine Verlage/Unternehmen in der gleichen Zeit niemals hin bekommen.

    Audible /Amazon haben nicht an alten Verfahrensweisen festgehalten.
    Sie haben sich auf ein neues Terrain gewagt und Käufer sowie Kunde profitieren davon!

    Es tut mir für kleine Verlage /Unternehmen wirklich leid.
    Aber manche bemerken zu spät, dass die Zeiten sich geändert haben und man auch Mut dazu haben muss, andere innovative Wege zu gehen.

    • Shanaii sagt:

      Mir geht es genauso. Och habe auch nur eine kleine Rente. Hörbücher für 20-30€ oder sogar mehr kann ich mir nicht leisten. Ich brauche Hörbücher zum einschlafen, sonst kreisen meine Gedanken und ich komme nicht zur Ruhe. Würde ich da dauernd das gleiche hören, ging das Kreisen wieder von vorne los, also ist das Abo perfekt. Und für den Preis bekommt man nirgend sonst Hörbücher.
      Der Service ist wirklich super! Wenn es bei mir finanziell mal zu eng wird, rufe ich den Kundenservice an und sie pausieren mir mein Abo für drei Monate, die Pause kann ich jederzeit beenden oder nach den drei Monaten verlängern. In dieser Zeit kann ich trotzdem noch „gesparte“ Guthaben einlösen, meine schon erworbenen Hörbücher natürlich weiterhören…
      Ich bin seit 7 Jahren Audiblekunde und echt immernoch begeistert.
      Wo in deren Konzept ein Grund für eine Untersuchung durch das Bundeskartellamt liegen soll, ist mir ein Rätsel. Sollten sie natürlich irgendwelche unlauteren Verträge mit iTunes abgeschlossen haben wäre das was anderes. Aber nur die Tatsache das sie günstig sind und selbst entscheiden welche Verlage sie führen oder nicht…. das erscheint mir nicht falsch.
      Was kann den Audible dafür das es wenig Alternativen für den Vertrieb von Hörbüchern gibt?

      • HyperA sagt:

        Das empfinde ich genau so!

        Ich habe letzten Monat auch die dreimonatige Abo-Pause in Anspruch genommen!
        Umzugskosten hatten zuvor leider mein Budget gesprengt.

        Wie gesagt, der Service ist richtig “ menschlich“!
        Die Hörbücher helfen mir, meine Gedanken nicht festfahren zu lassen.
        Besser und gesünder als Tabletten!

        Shanaii… Dein Text hätte auch von mir sein können!

  7. Marmoropa sagt:

    Den Fortschritt der Technologie und der damit verbundene Trend kann man nicht aufhalten und das gilt auch für Verlage; als Beispiel hierfür sei genannt das es mehr und mehr Ebooks und E-Paper geben wird die die Printausgaben von Zeitschriften und Tageszeitungen in naher Zukunft komplett ablösen wird! Ich selbst halte zwar nichts von Hörbüchern jedoch sind die Verlage selber schuld; denn wer die Zeit verschläft und nicht auf den rettenden Waggon aufspringt, verpasst die Zukunft und damit empfindlichen Umsatz!

  8. tellerrändler [iOS] sagt:

    Tellerrändler
    Die Vielfalt und der wirklich gute Service von audible überzeugen mich seit dem Markteintritt.
    Es stimmt das ich auf Grund der Abo-Preise geneigt bin öfter zu kaufen. Mit Sicherheit öfter als ich sons mir Hörbücher kaufen würde. Für Hörbücher gehe ich nicht in den Buchhandel – wenn ich etwas interessantes dennoch Dorf finde – nun, kaufen auf die Festplatte ziehen und (einige verkaufen dann weiter) auf jedes Medium kopieren – zwischenzeitlich mühsam. Ja ich finde es gut das es Abos gibt – wie gesagt, kaufe dadurch „viel mehr“.
    Ganz abgesehen das das stöbern Spaß macht. Kleine Verlage mit guter Produktion können dadurch ebenfalls profitieren. Verlage über die ich nie im Buchhandel gestolpert bin.
    Meine Bücher – nun ich kaufe keine gebrauchten (sei den Vergriffene Exemplare) und die wiederum nur im Buchhandel. Komisch finde ich das der Buchhandel oft nicht liefern kann während Amazon dies vermag.

    Das ist für mich kulturelle Vielfalt – etwas zu bekommen was der Handel nicht zu leisten vermag – eben eine Nische zu bedienen.

  9. McLöt sagt:

    Ich habe noch nie bei Amazon gekauft. Denn ich mag diesen Konzern nicht.
    Allein deren luxemburgische Steuerpolitik, oder deren Mitarbeiterknechtschaft ödet mit an.
    Zwangsläufig würde ich auch nicht bei Audible kaufen. Hier werden wirklich die Hörbücher im Abo-Modell verramscht.
    Jeder Wert sollte seinen Preis haben.

    • HyperA sagt:

      „Jeder Wert sollte seinen Preis haben.“ …
      Überspitzt gesagt:
      … dann ist nur der was „wert“, der „den Preis“ zahlen kann?

      Das kann eine endlose Diskussion werden. 😉

      Ich bin froh, dass mein Geist unter anderem durch Audible Nahrung beziehen kann!
      Wo ich wohne, gibt es nicht mal eine Bibliothek, auch keinen Buchladen!

      Verramscht ? Effektiver geplant und investiert, würde ich dazu sagen!

      Nicht, dass ich mir nicht auch lieber glückliche Amazon-Mitarbeiter wünschen würde!
      Auf jeden Fall.

      Wie alles im Leben, meistens gibt es noch die berühmte “ zweite Seite“.

    • Sonstiges [iOS] sagt:

      Nun, zu versuchen über Kartellrecht unbequeme Geschäftsmodelle von Amazon oder Apple zu unterbinden hat nichts mit Empathie mit Mitarbeitern zu tun. Auch nicht mit dem verständlichen Versuch, Steuerrecht soweit auszunutzen/benutzen wie es dasselbige erlaubt. Wenn überhaupt, macht das die Situation für Mitarbeiter und interne Finance Abteilung schwieriger.

  10. Ally82 sagt:

    Ich hatte mich aufgrund der Meldung gestern mal z.B. Bei Thalia bei den Hörbüchern umgeschaut. Weniger Auswahl und dann teilweise 20-30€ pro Hörbuch wo ich bei Audible bis zu 3 Stück bekomme plus Garantie des Gefallens (Hörbücher können dort zurückgegeben werden, man bekommt das Guthaben wieder). Ich bin damals zu Audible gewechselt weil ich nicht illegal runterladen wollte (ich bin durchaus bereit für Leistung zu zahlen), aber bei der Menge an Hörbüchern die ich konsumiere wäre es ohne Audible, nur mit Thalia und Co, für mich unbezahlbar. Höre Hörbücher auf dem Arbeitsweg, beim Sport, beim Einkaufen, beim putzen etc.

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