Tangled FX: Wie eine App entsteht – von der Idee bis zum App Store

Wie ist man im App Store eigentlich erfolgreich? Was ist das Geheimrezept? Ein Entwickler hat uns seine Zutaten verraten.

Der Name Marcin Jachmann sagt euch sicher nichts. Über einen anderen Namen seid ihr aber vielleicht schon gestolpert: Tangled FX (App Store-Link). Die 1,79 Euro günstige Universal-App für iPhone und iPad zaubert tolle Effekte in Fotos. Selbst unsere Foto-Expertin Mel musste in ihrem Artikel festhalten: „Auch ich, die schon so einige Foto- und Filter-Applikationen unter die Lupe genommen hat, habe etwas Vergleichbares bislang noch nicht im App Store gesehen.“

Eine kleine Kostprobe der möglichen Ergebnisse kann man direkt im Internet erhaschen. Unter instagram.com/tangledfx haben bereits zahlreiche Nutzer beeindruckende Fotos mit dem Faser-Effekt aus Tangled FX hochgeladen. Wir wollen uns aber um eine ganz andere Geschichte kümmern: Wie kommt man eigentlich darauf, eine App wie Tangled FX für iPhone und iPad zu entwickeln?

Rückschläge noch vor dem Release

Die Geschichte ist wirklich kurios. Entwickler Marcin Jachmann hatte zuvor bereits zwei Apps entwickelt und entschloss sich dazu, eine Foto-App mit einem völlig neuem Effekt zu entwickeln. „Ich habe wirklich viel Zeit investiert, um mir Fotos aus dem Internet anzusehen und herauszufinden, was Leute machen und was sie mögen. Danach habe ich mich daran gemacht, einen eigenen Effekt zu kreieren. Es hat mich rund vier Wochen gekostet, die nötige Recherche zu betreiben und einen lauffähigen Prototypen zu entwickeln“, so Jachmann.

Vom App Store war Marcin Jachmann zu diesem Zeitpunkt aber noch ein Stück entfernt. Ganz im Gegensatz zu einem anderen Entwickler: „Alles, was ich bisher gesagt habe, hat gar nichts mit Tangled FX zu tun. Zu diesem Zeitpunkt habe ich eine neue App entdeckt, die genau das gemacht hat, was ich geplant habe. Die ganze harte Arbeit war umsonst und ich musste mir eine neue Idee überlegen.“ Am Ende hatte der Entwickler Glück im Unglück: Nur weil er zu spät war, entstand Tangled FX.

Sein Ziel war es immer eine App zu erschaffen, die es so noch nie zuvor gegeben hat. Jachmann hat sich zum Ziel gesetzt, andere Menschen in Erstaunen zu versetzen. „Genau das habe ich mit Tangled FX und dem Foto-Effekt hoffentlich geschafft.“

Die Idee auf dem Weg ins Bett

Eine der größten Herausforderungen während der Entwicklung der App für das iPhone und iPad war die Auflösung. „Viele iPhone-Fotografen haben sich immer über Foto-Effekte beschwert, die nicht mit der eigentlichen Auflösung der Bilder funktionieren und sie stattdessen verkleinern.“ Das große Problem: Je höher die Auflösung eines Fotos und des Effekt sind, desto größer ist auch der Rechenaufwand. Marcin Jachmann verzweifelte fast an dieser Tatsache…

„Es gab einen Punkt, an dem ich beinahe eingesehen hätte, dass Tangled FX Bilder einfach nicht schnell genug bearbeiten kann. Selbst nach vielen Optimierungen und Verbesserungen hat der Rendering-Prozess noch mehrere Minuten gedauert, das war nicht akzeptabel“, erinnert sich der Programmierer. „Ich stand vor einer Wand und es war einfach klar, dass es nicht schneller gehen würde.“

Mit einem Blick zurück muss er nun gestehen, dass er die komplette Arbeit an Tangled FX beinahe aufgegeben und die App gar nicht veröffentlicht hätte. Erst nach ein paar Tagen, als er gerade auf dem Weg ins Bett war, ist ihm eine neue Idee in den Kopf gekommen. „Ich habe mich direkt an meinen Computer gesetzt und habe es ausprobiert. Es war eine Nacht mit sehr wenig Schlaf, aber nur so bearbeitet Tangled FX die Fotos schnell genug und man muss nicht mehr lange warten, um tolle Ergebnisse zu bekommen.“

Programmieren ist nicht alles

Da sich im App Store mittlerweile aber fast eine Million Apps tummeln, reicht es längst nicht mehr aus, etwas zu programmieren und ein wenig Marketing zu betreiben. Apple selbst trägt zu einem großen Teil am Erfolg der Entwickler bei – mit den Empfehlung im App Store. „Tangled FX wurde auf den Startseiten des App Stores in England, Australien und 20 anderen Ländern von Apple beworben. In den beiden erstgenannten Ländern hatte das große Auswirkungen, auch in den anderen lief es gut. Ich denke, dass die meisten Leute neue Applikation direkt im App Store entdecken, wenn man dort auf der Startseite steht, macht das schon einen Unterschied“, ist sich Jachmann sicher.

Gerne hätte er es auch in anderen Ländern wie Deutschland nach ganz vorne geschafft. Knapp verfehlt hat Tangled FX eine Spitzenposition in den USA, was besonders wichtig gewesen wäre. „Der amerikanische Store ist so etwas wie der ‚heilige Gral‘, er beeinflusst fast alle anderen App Stores weltweit.“ Gleichzeitig freut sich Jachmann aber auch über ehrliche Testberichte und Artikel auf Blogs, so wie es auch bei uns auf appgefahren der Fall war. „Ich kann mich nur bei der Redaktion und allen, die die App gekauft haben, bedanken.“

Was sagen die Nutzer?

Die Übersicht über die vielen verschiedenen App Stores zu behalten, ist gar nicht so einfach. Marcin Jachmann nutzt den Dienst AppAnnie.com, um Rezensionen und Bewertungen seiner App in den weltweit über 50 App Stores im Blick zu behalten. „Außerdem bekomme ich ja Mails, die direkt aus der App heraus an den Support geschickt werden.“ Gerade bei den Rezensionen steht man als Entwickler aber vor einem ganz anderen Problem, das zusätzliche Arbeit verursacht.

„Viele Rezensionen sind auf Englisch, das ist kein Problem. Viele kurze Rezensionen kann man in den meisten Fällen auch verstehen, wenn man die Sprache gar nicht beherrscht. Das hat mich überrascht.“ Und wenn ihm die Sprachkenntnisse ausgehen, bemüht er entweder Freunde oder wenn es sein muss auch mal den Google Translator. Wichtig sei ihm nur, dass sich Nutzer bei Fragen und Problemen direkt per Mail an ihn wenden, „denn auf Rezensionen im App Store kann ich leider nicht antworten.“

Neben dem Support und der Freude über den Erfolg gilt es aber auch, Tangled FX immer weiter zu entwickeln. Ein Update gab es im bereits März, schon jetzt arbeitet Marcin Jachmann an einer weiteren Aktualisierung. „In Version 1.2 wird es unter anderem einige Funktionen geben, die sich Nutzer gewünscht haben. Danach werde ich mich daran setzen, ein Werkzeug zum Ausschneiden zu entwickeln und eine Möglichkeit zu bieten, nur einen Teil eines Bildes mit dem Effekt zu versehen.“

Wir ihr seht, steckt hinter einer 1,79 Euro günstigen Foto-Applikation sehr viel Arbeit, vor allem wenn man sie wie Marcin Jachmann quasi in Eigenregie entwickelt und sich neben der eigentlichen Programmierung auch noch für andere Sachen – wie etwa der Beantwortung unserer Fragen – Zeit nehmen muss. Im Sinne des Entwicklers hoffen wir, dass ihr Lust auf Tangled FX bekommen habt. Wir sind von seiner Geschichte jedenfalls fasziniert…

Kommentare 9 Antworten

  1. Was für eine Arbeit das ist, das hätte ich nicht gedacht O.o Ich kannte die App vorher nicht, aber jetzt werd ich sie mir sofort kaufen. Die Effekte scheinen ja ordentlich was her zu machen 😉

    Bitte mehr solcher Artikel!

  2. Sieht cool aus die app
    Gerade aber eben im iTunes Konto warte auf die nächste % Aktion und das wird die erste die mir dann hole.
    Innovationen sind gerade etwas Mangelware 😉

  3. Witzige App. Man muss nur die passenden Motive dazu haben. Mein Tipp: Blumenblüten bringen schnell gute Ergebnisse. Hat Suchtpotential und noch kann man auch Fotowettbewerbe damit gewinnen. Wenn das App. erst mal bekannt ist wird es schwieriger 🙂

      1. Hätte ja nicht detailliert sein müssen. Aber das ist so geschrieben als ob jemand nachträglich ganze Sätze ohne Nacharbeiten rausgeworfen hätte. So wie frühe geschnittene Filme in Deutschland. :p

  4. „Da sich im App Store mittlerweile aber fast eine Milliarde Apps tummeln (…)“
    Oha also vor kurzem waren es noch knapp 800 000. Da hab ich wohl was verpasst 😉

  5. Die andere App, die im Artikel gemeint ist, ist vermutlich ShockMyPic. Ich benutze beide schon eine Weile und muss sagen, dass TangledFX sehr viel umfangreicher und vielseitiger ist. Meine erste Wahl ist eindeutig TangledFX.

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