Clubhouse: Verbraucherzentrale mahnt Betreiber wegen Datenschutzbedenken ab

Sogar Bußgeld droht den Entwicklern

Der Hype um die neue Audio-Community Clubhouse (App Store-Link) reißt nicht ab: Erst kürzlich sorgte ein Auftritt des Ministerpräsidenten Bodo Ramelow auf der Plattform für einen Eklat. Auch zahlreiche Sicherheitsexperten sind mittlerweile von Clubhouse auf den Plan gerufen worden. Es war abzuwarten, wie lange es dauern würde, bis sich auch die Verbraucherzentrale dazu äußern würde. Dies ist nun geschehen – und könnte für die Clubhouse-Betreiber sogar in satten Bußgeldern resultieren, sollten sie bei ihrer Social Media-App nicht nachbessern.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband, kurz VZBV, hat nun die Betreiber der iOS-App Clubhouse aufgrund von zahlreichen gravierenden rechtlichen Mängeln abgemahnt. So berichtet Klaus Müller, Vorstandsmitglied des VZBV, am Mittwoch bei Twitter. Die Verbraucherzentrale moniert unter anderem, dass die Audio-Community in Deutschland nicht über ein zwingend notwendiges Impressum verfügt. Zudem sind die Geschäftsbedingungen und Datenschutzrichtlinien nicht in deutscher Sprache, sondern nur auf Englisch vorhanden.


Auch konkrete Datenschutzbedenken kommen in der Abmahnung zur Sprache. Der VZBV kritisiert beispielsweise das Recht von Clubhouse, die von den Nutzern der App hochgeladenen Kontaktinfos des Adressbuches für eigene Zwecke zu verwenden, darunter für Werbezwecke. Dies ist laut VZBV ein Verstoß gegen die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die von den Clubhouse-Betreibern daher nun die Abgabe einer „strafbewehrten Unterlassungserklärung“ einfordert.

Sollten die Verantwortlichen von Clubhouse weder die Unterlassungserklärung unterzeichnen noch in ihrer Anwendung nachbessern, kann der Verbraucherzentrale Bundesverband das Unternehmen Alpha Exploration Co. aus Kalifornien, das hinter Clubhouse steckt, beim Landgericht Berlin verklagen und ein Bußgeld verhängen lassen.

Die Audio-Community Clubhouse ist nach wie vor nur für iOS-Geräte und nach Einladung eines bestehenden Mitglieds nutzbar. Auf der Plattform finden sich Live-Gespräche, eine Mischung zwischen Live-Podcasts und Podiumsdiskussionen mit optionaler Publikumsbeteiligung, vornehmlich zu Themen wie Medien, Wirtschaft und Politik. Die bewusste Einschränkung des Netzwerks hatte in den vergangenen Wochen zu einem großen Medienhype geführt. Bedingt durch die aktuellen Datenschutzmängel werden wir wohl auch in den nächsten Tagen und Wochen noch einiges von Clubhouse hören.

‎Clubhouse: Drop-in audio chat
‎Clubhouse: Drop-in audio chat

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Kommentare 7 Antworten

  1. „Ich fände es aber falsch, jede digitale Innovation gleich von Anfang an mit der Datenschutzkeule zu zerschlagen – gerade wenn auch unter Juristinnen und Juristen noch keine Einigkeit besteht, wie die App datenschutzrechtlich abschließend zu bewerten ist.“

    Dorothee Bär
    (Staatsministerin und Beauftragte der
    Bundesregierung für Digitalisierung)

    Deshalb – Wir hören uns auf Clubhouse!

    Ach ja…

    Wenn ich Clubhouse wegen des Datenschutzes wieder verlasse(n) (muss), lasse ich es alle auf Facebook, WhatsApp, Instagram, LinkedIn, Xing und TINDER wissen 😉

    1. DSGVO bzw. Privatsphäre / Datenschutz lautet das Zauberwort.
      Aber mach mal…

      Oh… In China is nen`sack Reis umgefallen… Sehr interessant!

    2. Ich finde auch, es gibt halt Regeln und Gesetze in Deutschland, die in diesem Fall zum Schutz des Nutzers gemacht wurden. Warum sollte ein Unternehmen, welches hier Software verteilt, davon ausgenommen werden? Das hat nichts mit Verhinderung von Innovation zu tun, sondern mit einzuhaltenden Gesetzen. Und für so ein Unternehmen sollte es ja dann einfach sein, diese auch entsprechend umzusetzen.

      Wenn du in ein Restaurant gehst erwartest du ja auch, dass dort die Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Wenn nicht, wird von dem Betreiber verlangt nachzubessern und eine Strafe ausgesprochen, damit er sich das Fehlverhalten auch merkt.
      Ist hier nichts anderes.

      1. Wenn Dir im restaurant etwas nicht passt dann gehst Du wieder. Niemand wird gezwungen dort zu essen. Und meistens muss man nur kurz ueberlegen und schauen um zu sehen was phase ist. Und dann abwaegen ob man konsequenzen zieht oder nicht. Und natuerlich sofort per whatsapp und instagram allem bescheid geben 😉

        1. So einfach ist es nicht , denn wenn du zufällig meine Kontaktdaten gespeichert hast , gibst du die ohne mein Wissen und Einverständnis weiter. Das ist das Kernproblem !

  2. Ich verstehe nicht warum sich immer wieder über Datenschutz im Zusammenhang mit angeblichem Innovationen verhindern argumentiert wird. Was ein Quatsch. Es gibt Gesetze, da muss man sich dran halten. Und auch mit dem Korsett kann man Innovationen produzieren, es geht halt nur anders als in den USA. Immer dieses Gejammer.
    Und diese App ist mal echt keine Innovation …

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